Wolfram Setz

Wolfram Setz (geboren am 7. Juli 1941 in Stralsund; gestorben am 14. August 2023 in Hamburg) war ein deutscher Historiker, Herausgeber, Übersetzer und Essayist.

Leben

Wolfram Setz (2022)

Setz war nach dem Studium an den Universitäten Köln und Tübingen und nach der Promotion mit einer Arbeit über Lorenzo Vallas Schrift gegen die Konstantinische Schenkung Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica in München. Ab 2004 lebte er in Hamburg.

Ab 1991 war Setz Herausgeber der Bibliothek rosa Winkel (anfangs im Verlag Rosa Winkel, seit 2001 im Männerschwarm Verlag), in der 2022 der 80. Band erschienen ist. Die Bibliothek rosa Winkel versammelt literarisch und historisch relevante Texte zur Emanzipationsgeschichte der Homosexuellen in Europa. Die Wiederentdeckung des schwulen Vorkämpfers Karl Heinrich Ulrichs (1825–1895) unterstützte Setz durch mehrere Publikationen; 2006 begründete er durch eine Zustiftung bei der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung (hms) ebenda den Karl-Heinrich-Ulrichs-Fonds, dessen Förderschwerpunkt in der Erforschung, Dokumentation und Darstellung der Geschichte queerer Personen liegt.

Setz war Herausgeber der Buchreihe Homosexualität und Literatur im Verlag rosa Winkel (12 Bände, 1981–1999) und Mitherausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift Forum Homosexualität und Literatur (1987–2007). Schwulenpolitisch engagierte er sich unter anderem als Gründungsmitglied (1986) und über einige Jahre als Vorstandsmitglied im Bundesverband Homosexualität (bis zu dessen Auflösung 1997).

Das forum homosexualität münchen e. V. distanzierte sich 2017 „ausdrücklich“ von Wolfram Setz, nachdem dieser sich bei einer Rede bei dem Forum ohne Absprache zum Thema Pädophilie geäußert und gefordert hatte, die Anstrengungen der LGBTQ+ Community auf Anerkennung müssten auch Pädophile miteinbeziehen. Das forum homosexualität kritisierte insbesondere, dass Setz bei seinem Auftritt „Karl Heinz Ulrichs für pädosexuelle Anliegen instrumentalisiert“ habe.

Im November 2022 war Setz Mitunterzeichner einer Protestnote verschiedener Akademiker, die sich darin gegen eine Verleumdungskampagne gegen den Soziologen Rüdiger Lautmann positionierten.

Wolfram Setz starb am 14. August 2023 im Alter von 82 Jahren in Hamburg. Die Urnenbeisetzung fand im Oktober im Ruhewald auf dem Friedhof Ohlsdorf statt.

Schriften (Auswahl)

Wolfram Setz vor von ihm herausgegebenen Büchern der Bibliothek rosa Winkel (2022)
Commons: Wolfram Setz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Sebastian Galyga: Schwul, jüdisch und zum Islam konvertiert. In: queer.de. 24. September 2022, abgerufen am 15. August 2023.
  2. ↑ Karl-Heinrich-Ulrichs-Fonds
  3. ↑ Stellungnahme zum Vorfall beim Ulrichs-Festakt. Forum Queeres Archiv München, 6. September 2017, abgerufen am 9. Oktober 2023.
  4. ↑ Die Kampagne gegen Rüdiger Lautmann attackiert das liberale Denken und Forschen. In: queer.de. 14. November 2022, abgerufen am 15. August 2023.
  5. ↑ Wolfram Setz gestorben. In: queer.de. 15. August 2023, abgerufen am 13. Dezember 2023.
  6. ↑ Benedikt Wolf: Bibliothek rosa Winkel – Die „Lebensgeschichte des urnischen Arbeiters Franz S.“ wurde neu veröffentlicht (mit Würdigung von W. Setz als Herausgeber der Bibliothek rosa Winkel). queer.de, veröffentlicht und abgerufen am 11. November 2023.