Innenansicht der Xiloteque Manuel Soler, in Dénia (Spanien)
Eine Holzbibliothek oder Xylothek (von altgriechischξύλονxylon, deutsch ‚Holz‘ und θήκηtheke, deutsch ‚Aufbewahrungsort‘) ist eine Sammlung von Holz und anderen Bestandteilen verschiedener Baumarten. Die einzelnen Exponate sind dabei in Form von Büchern gestaltet.
Ein Kasten, bestehend aus dem Holz des Baumes, enthält in seinem Inneren weitere Bestandteile, zum Beispiel getrocknete Blätter und Früchte. Die Schmalseite des Kastens ist in Form eines Buchrückens mit der Rinde des Baumes beklebt und beschriftet.
Geschichte
Während Herbarien schon im Mittelalter angefertigt wurden, tauchten Holzsammlungen erst im 18. Jahrhundert auf, unter der Bezeichnung Holz-Cabinet (angelehnt an die damaligen Naturalien-Kabinette). Während diese Dinge anfangs nur als reine Sammlungsobjekte dienten, ging man unter dem Einfluss der Aufklärung und der Taxonomie von Carl von Linné zunehmend systematischer vor. Aus der Idee, Holz und Pflanze als Ganzes zu präsentieren, entstanden Ende des 18. Jahrhunderts die Holzbibliotheken. Damit sind diese ein Zeitdokument über den Zustand und die Wahrnehmung der Wälder.
Beispiele von Holzbibliotheken
Die Xylothek in der Bibliothek des Stiftes LilienfeldHolzbibliothek Kremsmünster, Schaukasten
Die Schildbachsche Holzbibliothek im Ottoneum in Kassel wurde zwischen 1771 und 1799 von Carl Schildbach erstellt und beinhaltet 530 Bände. Sie gilt als die erste Holzbibliothek überhaupt und ist an Detailreichtum und Umfang unübertroffen, als Vorbild diente sie in den Folgejahren vielen Naturaliensammlungen. Die Auswahl der Objekte erfolgte unter dem Gesichtspunkt: „Sammlung von Holzarten, so Hessenland von Natur hervorbringt“.
Die Hohenheimer Holzbibliothek besteht heute aus 189 Büchern, die sich auf eine sprachlich ältere A-Serie (44 Bände) und eine sprachlich modernere, offenbar ein wenig jüngere B-Serie (145 Bände) aufteilen. Ihr Standort ist die Universität Hohenheim.
Anne Feuchter-Schawelka: Carl Schildbachs ‚Holzbibliothek nach selbstgewähltem Plan‘ von 1788. Naturkundemuseum im Ottoneum, Kassel 2001; Nachdruck 2012. Zu beziehen über das Museum.
Anne Feuchter-Schawelka, Winfried Freitag, Dietger Grosser: Alte Holzsammlungen. Die Ebersberger Holzbibliothek: Vorgänger, Vorbilder und Nachfolger. In: Der Landkreis Ebersberg. Geschichte und Gegenwart. Band 8. Deutscher Sparkassen Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-933859-08-5.
Dietger Grosser:Die Holzbibliotheken des Benediktinermönchs Candid Huber am Beispiel des „Waldsassener Exemplars“. In: Manfred Knedlik, Georg Schrott (Hrsg.): Res naturae. Die Oberpfälzer Klöster und die Gaben der Schöpfung. Kallmünz 2006, ISBN 3-7847-1189-8, S.91–104.
Mathilde Rahmann, Hinrich Rahmann, Barbara Gericke, Thomas Plöttner: Die Hohenheimer Holzbibliothek. In: Hohenheimer Themen. Zeitschrift für kulturwissenschaftliche Themen. Bd. 1. 1992, S. 65–111.