| Stift Lilienfeld | |
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| Lage | |
| Liegt im Bistum | St. Pölten |
| Koordinaten: | 48° 0′ 46,3″ N, 15° 35′ 54,5″ O |
| Ordnungsnummer nach Janauschek |
549 |
| Patrozinium | Mariä Himmelfahrt |
| Gründungsjahr | Pfingstsonntag 13. Mai 1201 |
| Jahr der Auflösung/ Aufhebung |
1789 |
| Jahr der Wiederbesiedlung | 1790 |
| Mutterkloster | Stift Heiligenkreuz |
| Primarabtei | Kloster Morimond |
| Kongregation | Österreichische Zisterzienserkongregation |
Das Stift Lilienfeld (lateinisch Abbatia B. M. V. de Campililio) ist eine Zisterzienser-Abtei in Lilienfeld in Niederösterreich.
Die Zisterzienser des Klosters Lilienfeld betrachten es als ihre Hauptaufgabe, die Liturgie (Stundenliturgie und Heilige Messe) zu feiern. Dem Stift Lilienfeld sind 19 Pfarren inkorporiert, in denen die Patres als Seelsorger wirken. Einzelne Patres sind auf einer theologischen Fakultät tätig, einige sind Religionslehrer. Das Stift Lilienfeld nimmt gerne Gäste auf und ist eine wichtige Pilgerstation auf der Via Sacra, dem alten Pilgerweg von Wien nach Mariazell. Manche Patres wirken in der Verwaltung des Klostergutes. Die Einnahmen von Forst, Jagd, Fischerei und Gästebetreuung werden für die Löhne der Mitarbeiter und für die Erhaltung der zahlreichen historischen Gebäude des Stiftes Lilienfeld (Stiftskomplex, Pfarrkirchen und Pfarrhöfe in den inkorporierten Pfarren) gebraucht.
Das Stift Lilienfeld stellt das mittelalterliche Laienbrüderdormitorium und das aus dem 13. Jahrhundert stammende Cellarium für Veranstaltungen zur Verfügung. Bei Führungen können die mittelalterliche Klosteranlage und die barocke Bibliothek besichtigt werden. Der Abtei Lilienfeld ist ein Klosterladen und eine Buchhandlung angeschlossen.
Das Stift ist ein spirituelles und kulturelles Zentrum der Region. Es gilt als eines der schönsten Denkmäler mittelalterlicher Baukunst in Österreich und ist die größte erhaltene zisterziensische Klosteranlage in Mitteleuropa.
Stift Lilienfeld wurde durch Leopold VI., Herzog von Österreich und der Steiermark, als Tochterkloster von Stift Heiligenkreuz gegründet und gehört damit der Filiation der Primarabtei Morimond an. Als Gründungsjahr wurde 1202 oder 1206 angenommen. Es wurde vermutet, dass 1202 die Grundsteinlegung erfolgte und das Kloster 1206 bezogen wurde. Die Gründungsurkunde Herzog Leopolds ist vom 7. April 1209 datiert.
1217 versammelte Herzog Leopold VI. in Lilienfeld viele Adelige seines Herrschaftsgebietes, um von hier aus zum Fünften Kreuzzug aufzubrechen. Nach dem Kreuzzug schenkte er dem Stift Lilienfeld eine Kreuzreliquie, die er in Byzanz erhalten hatte.
Nach seinem Tod wurde Herzog Leopold VI. in der Kirche des Stiftes Lilienfeld bestattet. Die Begräbnisfeierlichkeiten für den Stifter am 30. November 1230 waren mit der Kirch- und Klosterweihe von Lilienfeld verbunden. 1266 oder 1267 fand Königin Margarete von Babenberg in der Stiftskirche ihre letzte Ruhestätte.
Im 14. Jahrhundert erlangte das Skriptorium von Stift Lilienfeld besondere Bedeutung durch Abt Ulrich von Lilienfeld, den Verfasser der Concordantiae caritatis, und den Mönch Christanus (oder Christian) von Lilienfeld. Die Mönche des Stiftes Lilienfeld nahmen sich im Mittelalter sehr um die Armen- und Krankenfürsorge und um die Gästebeherbergung an. Als Cimburgis von Masowien, die Mutter von Kaiser Friedrich III., auf einer Wallfahrt nach Mariazell in Türnitz starb, wurde sie im Presbyterium der Stiftskirche Lilienfeld bestattet.

Nach einer geistlichen Krise im Stift Lilienfeld des 16. Jahrhunderts wurde die Abtei im 17. Jahrhundert zu einem regionalen Zentrum der Gegenreformation. Von 1641 bis 1716 wurde der mittelalterliche Klosterkomplex durch frühbarocke Anbauten des Gasttraktes, des Westtraktes mit den Kaiserzimmern, der Prälatur und der Bibliothek ergänzt. Während der Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 leistete das Stift Lilienfeld zusammen mit der Bevölkerung der Umgebung erfolgreichen Widerstand gegen die Plünderungen der umherziehenden Türken und Tataren. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden der Kirchturm, die Bibliothek und die Kircheninneneinrichtung im Barockstil errichtet. In der Zeit der Aufklärung übernahm das Stift Lilienfeld zahlreiche Aufgaben in der Pfarrseelsorge vieler neuer Pfarren. 1789 ließ Kaiser Joseph II. das Stift Lilienfeld aufgrund großer Schulden des Stiftes aufheben. Sein Nachfolger Kaiser Leopold II. stellte es jedoch – auch auf Bitten der Lilienfelder Bevölkerung – wieder her. Während dieses einen Jahres der Aufhebung gingen viele wertvolle Kunstgegenstände und Schriften des Stiftes verloren. 1810 verheerte ein großer Brand fast das ganze Stift, das in den Folgejahren unter Abt Johann Ladislaus Pyrker mühsam wieder aufgebaut wurde. Dieser Abt wurde später Patriarch von Venedig und schließlich Erzbischof von Eger (Ungarn). Die Äbte des Stiftes Lilienfeld traten während des 19. Jahrhunderts als Kunstmäzene im Bereich der Musik und Malerei auf. Abt Ambros Becziczka ließ 1826 einen botanischen Garten mit exotischen Pflanzen, den sogenannten Stiftspark, anlegen.
Im 20. Jahrhundert litt das Stift Lilienfeld sehr an den wirtschaftlichen Krisen der 1930er Jahre, an starken Beschränkungen während des NS-Regimes und an den Zerstörungen während der letzten Kriegstage 1945. Eine russische Bibel soll dafür verantwortlich sein, dass das Kloster von den Besatzungssoldaten der sowjetischen Armee verschont blieb. Auch ein Hinweis des sowjetischen Kommandanten in russischer Sprache im Gästebuch deutet auf die Schonung des Klosters durch die Besatzungsmacht hin.
„… In diesem Kloster musste ich mit einer Gruppe Soldaten in den Tagen des Kriegsendes einige Tage bleiben und auf alle erdenklichen Weisen rettete ich dieses Kloster vor Plünderung, indem ich seine Denkmäler bewachte. …“
Nach der Zeit des Wiederaufbaus fand im Stift Lilienfeld 1976 die Niederösterreichische Landesausstellung „1000 Jahre Babenberger in Österreich“ statt. 1976 verlieh Papst Paul VI. der Stiftskirche Lilienfeld den Titel einer Basilica minor.
Bei Grabungen in der Stiftskirche im Jahr 1974 wurde festgestellt, dass der aus Türnitzer Marmor bestehende Sarg Leopolds VI. nur ein Kenotaph ist. Unter dem leeren Sarg ist die Grablege der oben genannten Cimburgis. Leopold VI. ist am nördlichen Rand des Altarraums vor der Balustrade bestattet, daneben seine Tochter Margarete von Babenberg. Außen an der Chorbalustrade weisen zwei Inschriften auf die beiden Gräber hin. Im Presbyterium, in dem Cimburgis vermutet wurde, liegt der Freisinger Fürstbischof Konrad IV.
Anlässlich der 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 2002 gab es über einzelne Aspekte seiner Geschichte die Ausstellung „Cisto“.


Leopold VI. postulierte mit dem Stift seine reichs- und landespolitische Stellung und gab der Stiftskirche die Bestimmung als seine Grabeskirche. Urkundlich wurden 1217 die ersten vier Altäre im Querschiff geweiht. 1230 erfolgte die Weihe des Hochaltares und die Beisetzung von Herzog Leopold VI. unter den Nordarkaden des Chorquadrates.
Forschung, zusammengeführt von Erwin Reidinger 2026, haben für die Gründung der Stiftskirche eine Ausrichtung/Absteckung der Achse nach dem tatsächlichen Sonnenaufgang den Pfingstsonntag am 13. Mai 1201 ergeben. Reidinger verweist auch auf Bezüge zu Wiener Neustadt, wo der Dom von Wiener Neustadt von Leopolds Vater Leopold V. gegründet wurde: Der Orientierungstag ist mit dem Pfingstsonntag gleich. Das Langhaus in Wiener Neustadt hat auch sieben Joche. Die rechtwinklige Hilfskonstruktion für die Stiftskirche in Lilienfeld entspricht der Hilfkonstruktion vom Wiener Neustädter Hauptplatz.
Der bedeutende Sakralbau am Übergang der Spätromanik zur Frühgotik ist die größte Kirche Niederösterreichs sowie eine der bedeutendsten Niederlassungen der Morimond-Filiation in Mitteleuropa. Die Verbindung des reinen Hallenprinzips (Umgangschor) und des Polygons (Binnenchor) ist eine strukturelle Neuerung innerhalb der Architektur der Zisterzienser.
Das Langhaus, mit Mittelschiff und nördlichen und südlichen Seitenschiff, gliedert sich in sieben Joche, deren Grundwert (Modul) von 21 Fuß nach Westen sukzessive um 2 Zoll (2″) vergrößert wurde. Die Achse des Langhauses als erste Absteckung (Orientierung) vom 13. Mai 1201 zieht sich ohne Achsknick durch Querhaus, Binnenchor und Umgangschor durch. Eine weitere Besonderheit bildet im Langhaus im Mittelschiff im 6. und 7. Joch ein sogenannter Vorchor unmittelbar vor dem Querhaus. Der „Vorchor“ ist mit dem „Mönchschor“ identisch, es ist der Bereich, wo das Chorgestühl steht und die Mönche ihr Chorgebet halten. Während die rechtwinklig angelegten Mauerzüge des Langhauses gerade verlaufen zeigen die sechs Pfeiler des Vorchores eine Schiefwinkligkeit. Hier erfolgte eine zweite Absteckung am Quatembermittwoch (Sommer-Quatember: nach Pfingsten), dem 16. Mai 1201. Dies ist eine untergeordnete Orientierung, die sich nur auf den Mönchschor bezieht. Quatembertage sind Gebets- und Fastentage im Kirchenjahr. Sie sind alte Festtage, die unter Papst Gregor VII. (1073 bis 1085) verbindlich eingeführt wurden.
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Seit 16. Mai 2019 ist Pius Martin Maurer Abt des Stiftes.
Die Klosterbibliothek wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Unter Abt Sigismund Braun (1695–1716) wurde der Einbau einer barocken Saalbibliothek im 1. Stock über dem Refektorium durchgeführt und 1716 fertiggestellt (Fläche von 17,80 m * 7,60 m, Höhe von 4,70 m). Er weist starke Ähnlichkeiten zu dem im Stift Lambach auf.
Die Bibliothek umfasst 40.000 Bände, 120 Inkunabeln und 229 Handschriften. Die Handschriften wurden 2017 erstmals in der Geschichte eines Stiftes komplett online ins Internet gestellt.
