Der Yachtmaster ist der amtliche (jedoch in der Regel freiwillige) britische Führerschein für Schiffsführer von Sportbooten. Er wird von der Royal Yachting Association (RYA) im Auftrag der Maritime and Coastguard Agency (MCA) des britischen Department for Transport ausgestellt.
Alle Yachtmaster-Scheine können für Segel und für Motor erworben werden.
Der englische Sportbootführerschein RYA/MCA Yachtmaster Coastal (ehemals Coastal Skipper, geändert 1. Januar 2009) ist in etwa mit dem deutschen Sportküstenschifferschein (SKS) vergleichbar. Die Voraussetzungen zum Erwerb des Yachtmaster Coastal sind jedoch strenger als beim deutschen Pendant und die praktische Prüfung ist erheblich umfangreicher (siehe Prüfung). Mindestens 50 % der Zugangsvoraussetzungen müssen in anerkannten Tidengewässern („tidal“, bspw. nicht in der Ostsee und nicht im Mittelmeer) vorab erworben sein.
Grundsätzlich werden benötigt:
Bei der seglerischen Erfahrung wird unterschieden, ob vor der Prüfung ein Course im RYA/MCA-Trainings-Center besucht wird oder nicht, denn wer schon über Segelerfahrung verfügt, kann sich auch direkt der Prüfung (auch auf eigenem Kiel) stellen.
Ohne RYA-Course gelten folgende Voraussetzungen:
Bei Besuch des entsprechenden Courses im RYA/MCA-Trainings-Center (Kurs und Prüfung min. 5 Tage) werden die Voraussetzungen wie folgt reduziert, wobei zudem ein vorausgehender Theoriekurs bei einem RYA/MCA-Trainings-Center empfohlen wird.
Mit RYA-Course gelten folgende Voraussetzungen:
Die Prüfungen finden ausschließlich in englischer Sprache statt, egal in welchem Land die Prüfung abgenommen wird. Häufig werden Yachtmaster Coastal und Offshore zusammen geprüft, da die Inhalte identisch sind und sich nur der Anspruch unterscheidet.
Die theoretische Prüfung beinhaltet eine umfassende Törnplanung in den RYA-Übungskarten, die anhand einer unbekannten Aufgabenstellung des Prüfers, schriftlich und praxisbezogen erstellt werden muss. Die Aufgabe gibt Boot, Seegebiet, Crewzusammensetzung, Start/Ziel etc. vor. Sie umfasst in der Regel Tidengewässer, Mehrtägigkeit, Mannschaftsführung, Wachplan etc. und führt immer durch schwierige Passagen. So muss ein Törn mit Familiencrew anders geplant werden als mit einer erfahrenen Crew. Diese Planung wird vor der praktischen Prüfung dem Prüfer zugeleitet und während des Prüfungstörns verteidigt.
Die praktische Prüfung findet an Bord statt und dauert wie folgt:
Dabei gilt, dass hiermit nur die Mindestdauer definiert ist, die der Prüfer nach eigenem Ermessen verlängern kann. Es soll keine Prüfung mit mehr als vier Kandidaten durchgeführt werden.
Die praktische Prüfung umfasst einen realen Törn entsprechend der gesamten Prüfungsdauer, der von jedem Prüfungsteilnehmer (für sich) geplant werden muss, um jederzeit als Skipper übernehmen zu können, wobei es jedoch normal ist, dass zwischendurch durch den Prüfer ad hoc das Ziel geändert wird, um zu prüfen, wie adäquat darauf reagiert wird.
Es wird jedoch nicht nur die Fähigkeit als Segler getestet, sondern die seemännischen und führungstechnischen Fähigkeiten insgesamt (u. a. auch auf pflegliche Mannschaftsführung, Verpflegung, nein-sagen etc.). Schwerpunkt ist immer der Bereich Sicherheit. So startet eine Prüfung in der Regel mit dem so genannten Deckwalk und der Sicherheitseinweisung der Mannschaft, wobei jeder Prüfungsteilnehmer einen Teil der Kontrolle bzw. Einweisung übernimmt.
Während des Prüfungstörn werden umfassende und tiefgehende theoretische Fragen zu allen Gebieten der Yachtführung gestellt, wobei die Antwort immer eine detaillierte Begründung beinhalten muss. Während einer Freiwache wird beispielsweise der als theoretische Prüfung erstellte Törnplan verteidigt. Zudem werden Kartenkenntnisse, Betonnungen, Schall- und Lichtsignale etc. abgefragt.
Wesentlicher Unterschied zwischen Yachtmaster Coastal und Yachtmaster Offshore ist außer den Zugangsvoraussetzungen die Anzahl Fehler, die man sich erlauben darf. Der Coastal-Kandidat darf noch geringe Schwächen haben, der Offshore-Kandidat muss fehlerlos zum gesetzten Törnziel gelangen.
Der Nachweis Yachtmaster Offshore ähnelt, in Bezug auf das Fahrtgebiet, dem deutschen Sportseeschifferschein (SSS), die Anforderungen sind aber ungleich höher. Der Schwerpunkt liegt zudem auf der praktischen Qualifikation und weniger auf umfangreichem Theoriewissen. Der Yachtmaster Offshore ist international das wichtigste Zertifikat für professionelle Yachtskipper.
Voraussetzungen zum Erlangen des Yachtmaster Offshore sind Nachweise über absolvierte Törns, die insgesamt folgende Kriterien erfüllen:
Sämtliche Nachweise müssen innerhalb der letzten zehn Jahren vor der Prüfung erlangt worden sein.
Das „Yachtmaster Offshore Certificate of Competence“ ist unbegrenzt gültig. Bei gewerblicher Nutzung ist ein sogenanntes „Commercial Endorsement“ erforderlich. Die Gültigkeit des Commercial Endorsement ist auf fünf Jahre beschränkt. Zur Verlängerung ist der Nachweis der erfolgreichen Tätigkeit als Skipper oder stellvertretender Skipper und eine Gesundheitsprüfung durch einen Schiffsarzt gemäß ENG1 oder MLP 5 erforderlich.
Siehe Yachtmaster Coastal.
Der Yachtmaster Ocean ähnelt dem Deutschen Sporthochseeschifferschein (SHS), respektive dem Schweizer Hochseeausweis (HSA). Alle drei Zertifikate berechtigen zur unbegrenzt weltweiten Fahrt.
Formale Voraussetzungen:
Weitere Voraussetzung ist eine selbst geplante Ozeanpassage als Skipper oder Wachführer, während der Astronavigation durchgeführt und dokumentiert wurde
Vor Erteilung des RYA Yachtmaster Ocean wird im Nachhinein die Dokumentation von einem RYA Yachtmaster Examiner geprüft. Fragen hierzu müssen im persönlichen Gespräch zwischen Prüfer und Prüfling beantwortet werden. Die Tätigkeit der Astronavigation und deren Dokumentation müssen regelrecht verteidigt werden.
Die Auszeichnung „RYA Yachtmaster of the Year“ ist eine prestigeträchtige, jährlich von der Royal Yachting Association verliehene Ehrung für einen herausragenden Segler, der während seiner Yachtmaster-Prüfung außergewöhnliche Fähigkeiten, Kenntnisse und Kompetenz bewiesen hat.
Mit dieser Auszeichnung wird der beste Kandidat des Jahres geehrt. Sie wird in der Regel an jemanden verliehen, der unter Druck und oft unter schwierigen Bedingungen außergewöhnliche Segel-, Navigations- und vor allem herausragende Skipperfähigkeiten bewiesen hat. Die Gewinner erhalten die RYA Yachtmaster Trophy, welche ursprünglich vom Royal Institute of Navigation gestiftet wurde. Nominierungen werden ausschließlich vom weltweiten Team der RYA Yachtmaster-Prüfer eingereicht und nicht über öffentliche Bewerbungen.
Die Preisverleihung, an der üblicherweise hochrangige Persönlichkeiten wie die britische Prinzessin Anne, die Schwester von König Charles III., teilnehmen, trägt dazu bei, das Ansehen der Ausbildungsstandards der RYA zu stärken. Die Auszeichnung dient dazu, Spitzentalente im Wassersport zu präsentieren und andere zu ermutigen, eine hochrangige Zertifizierung anzustreben.
Als erster wurde 2002 Nick Bubb, als erster Nichtbrite 2012 der Deutsche Rainer Holtorff und als erste Frau 2016 die Britin Zara Roberts ausgezeichnet.
| Jahr | Preisträger | Besonderheit / Hintergrund |
|---|---|---|
| 2024 | Peter Hicks | St Mary’s Royal National Lifeboat Institution Lifeboat-Coxswain; Höchstpunktzahl weltweit |
| 2023 | Polly Ferrari | Ausgezeichnet gemeinsam mit P. Hicks bei den RYA-Feierlichkeiten |
| 2022 | Freddie Jablonski | Überragende Leistung bei schwersten Prüfungsbedingungen auf See |
| 2021 | Harriet Steptoe | Zeigte überragende Fähigkeiten auf dem Traditionssegler Jolie Brise |
| 2020 | Harriet Averns | Gewinnerin unter 3.000 weltweiten Kandidaten (verliehen Anfang 2022) |
| 2019 | Dani Rowe | Offizierin der Royal Air Force |
| 2018 | Lewis Haig | Sail-Trainer beim Ocean Youth Trust Scotland |
| 2017 | Hannah Stodel | Vierfache Paralympikerin im Segelsport |
| 2016 | Zara Roberts | Die erste Frau, die diesen Titel gewann |
| 2015 | Angus Watson | Freizeitsegler, geehrt für eine makellose Prüfungsleistung |
| 2014 | George Gillingham | Mit 18 Jahren der jüngste Titelträger der Geschichte |
| 2013 | Joseph Macdonald | |
| 2012 | Rainer Holtorff | Der erste Nicht-Brite (Deutscher), der die Auszeichnung erhielt |
| 2004–2011 | Lokale/Militärische Skipper | Einzelne Jahrgänge im RYA-Zentralarchiv primär als interne Leistungsnachweise gelistet |
| 2003 | Mark Devereux | Früher Gewinner der Instruktoren-Ära |
| 2002 | Nick Bubb | Der allererste RYA Yachtmaster of the Year der Geschichte |