Yolla Niclas (eigentlich: Charlotte Niclas, ab ihrer Heirat im Februar 1940 Yolla Sachs; geb. 24. Februar 1900 in Berlin; gest. 21. Dezember 1977 in East Hartford, Connecticut) war eine deutsch-amerikanische Fotografin.
Charlotte Niclas stammte aus einem wohlhabenden, jüdischen Elternhaus. Nach ihrer Ausbildung an der Photographischen Lehranstalt des Lette-Vereins arbeitete Niclas als Standfotografin für den Stummfilm-Kameramann Karl Freund (1890–1969).
Im Jahr 1921 lernte Niclas den 22 Jahre älteren, seit 1911 verheirateten Psychiater und Schriftsteller Alfred Döblin (1878–1957) auf einem Faschingsball kennen und wurde seine Freundin. Niclas fotografierte den Schriftsteller und vor allem seine Kinder immer wieder. Diese Fotos konnte sie in Blättern des Ullstein- und des Mosse-Verlags veröffentlichen. Ihre Fotografien in der Frankfurter Zeitung, im Querschnitt, in der Dame, im Magazin und im Uhu prägten Döblins Bild in der Öffentlichkeit.
Ende der 1920er oder Anfang der 1930er Jahre fertigte Yolla Niclas in Berlin Porträtaufnahmen somalischer Frauen und Kinder an.
Ab 1932 arbeitete Niclas bei der Gestaltung von Wahlkampf-Plakaten der SPD mit. 1933, im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung, emigrierte sie nach Paris, wo sie sich als Berufsfotografin durchschlug. Dort traf sie wieder mit Alfred Döblin zusammen. Gleichzeitig freundete sie sich mit dem aus Berlin emigrierten jüdischen Rechtsanwalt Rudolf Sachs (1902–1978) an und heiratete ihn im Februar 1940. Nach Kriegsbeginn wurden Yolla und Rudolf Sachs in Frankreich als „feindliche Ausländer“ interniert. Gut ein Jahr nach ihrer Hochzeit gelang es dem Ehepaar Sachs, mit der Hilfe des Emergency Rescue Committee (ERC) unter Varian Fry in die USA zu emigrieren. Am 6. Mai 1941 ging das Ehepaar Sachs in Marseille an Bord des ehemaligen Frachtschiffs Winnipeg, um über das französische Übersee-Département Martinique in die USA zu gelangen. Der aus Deutschland geflohene jüdische Kunstkritiker und Fotograf Fritz Neugass (1899–1979) bezeichnete in seinem Text The Saga of the SS Winnipeg die Winnipeg als „Schiff der Fotografen“, weil außer Neugass selbst und Yolla Sachs noch die folgenden sieben weiteren Fotografinnen und Fotografen an Bord des ehemaligen Orangen-Frachters waren: Ilse Bing, Josef Breitenbach, Boris Lipnitski, Charles Leirens, Fred Stein, Monie Tannen und Ylla (Camilla Henriette Koffler). Die Winnipeg war vor 1941 als Cargo-Schiff für Orangen im Einsatz gewesen und nicht auf Personentransport ausgerichtet. Ihre ehemaligen Laderäume fungierten als provisorische Schlafräume. Unter den 750 Passagieren an Bord der Winnipeg befanden sich etwa 75 französische Soldaten und 120 zivile französische Staatsangehörige, von denen viele im Verdacht standen, mit den Nazis zu kollaborieren und den Auftrag zu haben, Martinique zu infiltrieren. Nur zwei Stunden vor Erreichen des Zielortes enterten bewaffnete Soldaten eines niederländischen Schiffes die Winnipeg, nahmen die französischen Soldaten gefangen und leiteten das Schiff nach Port of Spain auf Trinidad um. Nach ihrem Aufenthalt in einem britischen Internierungscamp auf der Insel Trinidad gingen Yolla und Rudolf Sachs am 6. Juni 1941 an Bord der Evangeline und erreichten am 13. Juni 1941 New York.
In New York fand Niclas relativ bald Kontakt zu Louise Dahl-Wolfe (1895–1989), der Stamm-Fotografin der Zeitschrift Harper’s Bazaar. Sie lernte auch Alfred Stieglitz kennen. Stieglitz und seine Frau, die Malerin Georgia O’Keeffe, machten sie mit ihrem Freundeskreis und wichtigen Bildredakteuren bekannt. Yolla Sachs fotografierte auf Honorarvertragsbasis für die New Yorker Fotoagentur Black Star die deutschsprachigen Emigranten Kurt S(z)afranski, Kurt Kornfeld und Ern(e)st Mayer.
1956 erschien Niclas’ Fotoreportage über einen Jungen, der eine verletzte Möwe fand und sie gesundpflegte, in Zusammenarbeit mit der Autorin Marion Downer (circa 1892–6. Oktober 1971), unter dem Titel „David and the Sea Gulls“. Das Buch wurde ein großer Erfolg; weitere Kinderbücher folgten.
Ihr Mann, der Rechtsanwalt Rudolf Sachs, arbeitete in den USA zunächst als Versicherungsvertreter. In den 1950er Jahren war er für die United Restitution Organization (URO) tätig; dann studierte er bis zu seinem Abschluss im Jahr 1962 an der New School for Social Research in New York und arbeitete bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1972 als Dozent für Soziologie am Manchester Community College.
Yolla Sachs starb 1977 in East Hartfort, Connecticut.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Niclas, Yolla |
| ALTERNATIVNAMEN | Niclas, Charlotte; Sachs, Yolla; Sachs, Charlotte |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-amerikanische Fotografin |
| GEBURTSDATUM | 24. Februar 1900 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 21. Dezember 1977 |
| STERBEORT | East Hartford, Connecticut |