Yoon Byung-in

Yoon Byung-in
Hangeul 윤병인
Hanja 尹炳仁
Revidierte
Romanisierung
Yun Byeongin
McCune-
Reischauer
Yun Pyŏngin

Yoon Byung-in, auch Yun Byung-in (* 18. Mai 1920 in Mu-Sun, Bongchon (Shenyang), Mandschurei, heutiges China; † 3. April 1983 in Nordkorea) war koreanischer Abstammung und gilt als erster Kampfkünstler, welcher Quanfa gelernt und in Korea unterrichtet hat.

Er war ein einflussreicher Lehrer für viele heutige und ehemalige Meister sowie Großmeister und selbst ein Meister zahlreicher Kampfkunststile und -disziplinen.

Leben

Kindheit

Die Geschichte beginnt mit Yoon Byung-ins Großvater, Yoon Young-hyun. Er gehörte der Yangban (Oberschicht im Korea der Goryeo- und der Yoseon-Dynastie) an und war ein von der Regierung ernannter Bezirksvorsteher von Tongyeong und der Geojedo Insel.

Nach dem Sieg im Russisch-Japanischen Krieg zwang Japan Korea unter japanischer Herrschaft. In dieser Zeit wurde Yoon Young-hyun aus seinem Regierungsamt gedrängt. Um Ärger mit den japanischen Streitkräften zu vermeiden, floh Yoon Young-hyun mit seiner Familie, darunter die drei Söhne: Yoon Myoung-keun, Yoon Chong-keun und Yoon Bo-keun, in die Mandschurei und geriet in finanzielle Not.

Der älteste Sohn, Yoon Myoung-keun, wurde später Eigentümer einer Brennerei, was der Familie den Aufstieg aus der Armut zu Wohlstand ermöglichte. Yoon Myoung-keun hatte selbst drei Söhne: Yoon Byung-du, Yoon Byung-in und Yoon Byung-kwon, welcher beim Schwimmen ertrank.

Yoon Byung-in wurde in Mu-Sun in der Mandschurei geboren, besuchte in Mandschukuo die Grund- und Sekundarschule (damals ein achtjähriger Bildungsgang) und schloss diese 1938 ab. Während seiner Schulzeit begann er unter der Anleitung eines mongolischen Lehrers Quanfa zu lernen. In seiner Kindheit erlitt Yoon Byung-in eine schwere Verbrennung an der rechten Hand, wobei er die Hälfte der Länge seiner Finger verlor. Um seine Verletzung zu verbergen, trug Yoon Byung-in in der Öffentlichkeit und während des Unterrichts stets weiße Handschuhe. Später trugen seine Schüler im Training ebenfalls weiße Handschuhe, um ihrem Lehrer Respekt zu zollen.

Japan

Yoon Byung-in reiste Ende 1938 nach Tokio (Japan), um an der Nihon-Universität. Von 1939 bis Dezember 1941 studierte er Koloniallandwirtschaft als Hauptfach.

Während dieser Zeit war Kanken Toyama Dozent an der Nihon-Universität und fungierte als Sensei (Lehrer) für den Karate-Club der Universität. Einigen der koreanischen Studenten war es gestattet, dem Club beizutreten und Karate zu erlernen. von denen einer beschloss, mehr Zeit mit seiner Freundin aus Studienzeiten zu verbringen, und begann, das Training im Karate-Club zu versäumen. Dies verärgerte die japanischen Karate-Schüler; sie stellten den koreanischen Studenten zur Rede und verprügelten ihn. Der koreanische Student wusste von Yoon Byung-ins Quanfa-Training, da man ihn regelmäßig dabei beobachten konnte, wie er sich durch Schläge gegen einen großen Baum im Innenhof der Universität abhärtete. Er fragte ihn, ob er ihm gegen die Schläger helfen würde, da er ja auch Koreaner sei. Yoon Byung-in willigte ein, und als die japanischen Karate-Schüler zum nächsten Schlag ausholten, schritt er unter Anwendung von Quanfa zur Tat. Geschickt parierte und wich er den Schlägen und Tritten der Karate-Schüler aus – so erfolgreich, dass diese schließlich aufgaben und davonliefen, um ihrem Lehrer von dem Vorfall zu berichten.

Kanken Toyama war ein aufgeschlossener Mensch und bat Yoon Byung-in zu sich um ihm seine Kampfkunst zu zeigen. Dabei erinnerte Kanken Toyama, dass er selbst zuvor sieben Jahre lang Quanfa in Taiwan studiert hatte. Sie beschlossen ihr Wissen auszutauschen. Yoon Byung-in sollte Kanken Toyama in Quanfa unterrichten, und Kanken Toyama sollte Yoon Byung-in sein Shudokan-Karate lehren. Yoon Byung-in wurde später zum Kapitän des Karate-Clubs der Universität ernannt und von Toyama Kanken als Träger des 4. Dan (Schwarzgurt) anerkannt. Da Toyama zu diesem Zeitpunkt den 5. Dan innehatte, war Yoon Byung-in der höchstgraduierte Schüler des Karate-Clubs.

Rückkehr nach Korea

Teilnehmer der ersten Prüfung in der Chang-Moo-Kwan-Abteilung des Kommunikationsministeriums am 21. Dezember 1948. Yoon Byung-in ist 5. Person von vorne rechts.

Nach der Kapitulation und der Befreiung Koreas am 15. August 1945 kehrte Yoon Byung-in zurück nach Korea und ließ sich in der Nähe von Cheongnyangni in Seoul nieder. Daraufhin zog seine Familie auch nach Seoul. Nur Yoon Byung-ins Bruder Yoon Byung-du konnte nicht, da er zur Armee eingezogen wurde.

Yoon Byung-In hatte zwei bekannte Freunde aus der Zeit an der Nihon-Universität, die in der Nähe wohnten: Chun Sang-Sup (Yoseon Yeonmugwan Kong Soo Do Bu, später Jidokwan) und Yoon Kwe-byung (jap. Kanbukan – 韓武舘 – etwa „Halle der koreanischen Kampfkünste“).

Chun Sang-sup lud Yoon Byung-in ein, im Joseon Yeonmugwan (auch Cho-sun Yunmoo-Kwan) Quanfa und Shudokan Karate zu unterrichten. Dort unterrichtete Yoon Byung-in sechs Monate lang gemeinsam mit Chun Sang-sup, bis er von YMCA-Zentrale eingeladen wurde, in Seoul zu unterrichten.

Entweder Ende 1946 oder Anfang 1947 gründete er die „Jung Ang YMCA Kwon Beop Bu“ (Kwon Beop 권법 Hanja 拳法 koreanisch für Quanfa, bu 부 Hanja 部 bedeutet „Abteilung“) im YMCA-Gebäude in Jongno-gu, Seoul.

Dort lehrte er die Quanfa-Formen Duanquan (短拳 Duǎnquán, „Kurze Faust[technik]“), Changquan (长拳 Chángquán, „Lange Faust[technik]“), Taizuquan (太祖拳 Tàizǔquán, „Faust[technik] des Gründers“ oder „Faust[technik] der Urahnen“), Bajiquan (팔기권, Acht wichtigste Körperteile) und Dojusan (토조산, Entweichender Nebel), sowie Shudokan-Karate.

Zudem wurde er 1948 als Leibwächter für den ersten südkoreanischen Präsidenten Rhee Syng-man ausgewählt, lehnte dieses Amt jedoch ab. Ein Grund für seine Ablehnung war die Vorschrift, Präsident Rhee militärisch mit der rechten Hand zu salutieren; da Meister Yoon aufgrund einer Verletzung aus seiner Jugend an der rechten Hand Finger fehlten, wollte er sich der damit verbundenen Peinlichkeit entziehen.

Yoon Byung-in heiratete am 15. Januar 1949 Yim Seung-duk. Am 5. Dezember 1949 kam eine Tochter, Yoon Young-sook, zur Welt. Aufgrund des Ausbruchs des Koreakriegs im darauffolgenden Jahr konnte Yun Byeong-in jedoch nicht lange bei seiner Tochter bleiben.

Nordkorea

Im Juni 1950 brach der Koreakrieg aus, und Südkorea befand sich im Chaos. Yoon Byung-du, ein Bruder von Yoon Byung-In und zu der Zeit Hauptmann der nordkoreanischen Armee, tauchte im August 1950 auf und nahm seinen Bruder mit nach Nordkorea. Zu diesem Zeitpunkt brach der Kontakt zwischen Yoon Byung-In und seinen Schülern ab, da sich Yoon Byung-in in einem Kriegsgefangenenlager auf der Insel Geojedo befand.

Am 10. Juli 1951 begannen Friedensgespräche zwischen Nordkorea und den Vereinten Nationen. Am 25. November 1951 führten die Gespräche zu einer Teilung des Landes entlang des 38. Breitengrades: Nordkorea sollte den nördlichen Teil der koreanischen Halbinsel kontrollieren (unter sowjetischer Besatzung), Südkorea den südlichen Teil (unter US-amerikanischer Besatzung).

Im Rahmen eines Befragungsverfahrens konnten die Kriegsgefangenen selbst entscheiden, wohin sie gehen wollten. Yoon Byung-in entschied sich dafür, bei seiner Familie in Südkorea zu leben. Unglücklicherweise stürzten sich während des Antragsverfahrens nordkoreanische Kriegsgefangene auf Yoon Byung-in und hinderten ihn daran, das Lager zu verlassen.

Zwischen 1951 und 1966 gab es keine Hinweise auf Yoon Byung-in.

Von Januar 1966 bis August 1967 wurde Yoon Byung-in vom Sportkomitee der nordkoreanischen Regierung beauftragt, der Sportfachgruppe „Moranbong“ – einer speziell ausgewählten Gruppe – in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas, einen Intensivkurs in Kyŏksul (격술도, eine speziellen Kampfstrategie) zu erteilen.

In dieser Zeit empfahl ihm das Sportkomitee, zu heiraten. Yoon Byung-in heiratete 1966 Rim Jeong-sook und hatte zwei Kinder: eine Tochter (geboren 1966 oder 1967) und einen Sohn, Yoon Tae-won (geboren 1968).

Im Dezember 1967 versuchte das nordkoreanische Internationale Sportkomitee, Kyŏksul als internationalen Sportverband zu etablieren. Da Kyŏksu darauf abzielt, Gegner zu töten, gab es klare Einschränkungen, die es als Sportart, die der Gesundheit dient oder als Hobby ausgeübt wird, ungeeignet machten. In der Folge war Yun Byeong-in gezwungen, sein Leben als Arbeiter statt als Kampfkünstler zu verbringen. So wurde er zwischen 1969 und 1970 in ein Zementwerk in Ch’ŏngjin, Hamgyŏng-pukto, versetzt, wo er als Arbeiter lebte. Yoon Byung-in trat 1982 von seiner Stelle in der Zementfabrik zurück und starb am 3. April 1983 an Lungenkrebs.

Nachruf

Die „Byung-In Martial Arts Friendship Association“ wurde 1995 von Schülern (und Schülern von Schülern) des Großmeisters Yoon gegründet, um dessen Verdienste um die Kampfkunst zu würdigen und fortzuführen. Großmeister Kim Soo ist der derzeitige Präsident dieser Organisation; die Mitgliedschaft ist auf anerkannte Meister von Yoons Quanfa-Stil beschränkt.

Anmerkungen

  1. ↑ Quanfa, Chuanfa oder Chuan-Fa (chinesisch 拳法, Pinyin quánfǎ, W.-G. chu’an-fa deutsch etwa „Faustkampftechnik“, sinngemäß auch „chinesische Kampftechnik“, „chinesisches Kungfu“).
  2. ↑ Zu jener Zeit war die Joseon Yeonmugwan die repräsentative Zweigstelle des Kōdōkan, der obersten Institution des japanischen Judo. „Joseon“, was so viel wie „ruhiger Morgen“ bedeutet, war der damalige Name Koreas. Seit dem 15. August 1945 verwendet Nordkorea den Namen „Joseon“ als Landesnamen. Südkorea nutzte den Namen Joseon bis zur Festlegung des 38. Breitengrades am 15. August 1945. „Yeonmugwan“ bedeutet „Kampfkunstforschungsschule“.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Kim Soo: Grandmaster Yoon Byung-In. Hrsg.: Arlington Chayon-Ryu dojang. Arlington (englisch, squarespace.com [PDF; 103 kB; abgerufen am 25. Juli 2026]).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Kim Pyung-soo: Master Yoon Byung-In Lagacy: The Changmoo-Kwan & Kangduk-Won. Hrsg.: Arlington Chayon-Ryu dojang. Arlington (englisch, squarespace.com [PDF; 434 kB; abgerufen am 25. Juli 2026]).
  3. 1 2 3 4 5 Robert McLain: Master Yoon Byung-In's Legacy. In: Inside Chayon-Ryu. 2012, abgerufen am 26. Juli 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Taekwondo Chosun: Yoon Byung-in von der Kampfsportabteilung des YMCA, Die unerzählte Geschichte. In: Chosun Media. 2011 (koreanisch).
  5. ↑ Kang Won Silk, Lee Kyong Myong: A Modern History of Taekwondo. Bokyung Moonhwasa, Seoul 1999, ISBN 89-358-0124-0 (stanford.edu [PDF; 217 kB]).
  6. ↑ Kim Pyung-soo: Master Yoon Byung-In Lagacy: The Changmoo-Kwan & Kangduk-Won. Hrsg.: Arlington Chayon-Ryu dojang. Arlington (englisch, squarespace.com [PDF; 434 kB; abgerufen am 25. Juli 2026]).
  7. ↑ Duanquan, baike.baidu.com, abgerufen am 25. Juli 2026 (chinesisch).
  8. ↑ Changquan, baike.baidu.com, abgerufen am 25. Juli 2026 (chinesisch).
  9. ↑ Eric Madis: The Evolution of Taekwondo from Japanese Karate. In: Kidokwan. (englisch).
  10. 1 2 Oberster Großmeister Yoon, Byung-in. In: Kyung Duk Kwan. 2022 (spanisch).
  11. 1 2 Der koreanische Kampfkünstler Yun Byeong-in. Damulwon Taekwondo Dojang, 2018 (koreanisch).
  12. ↑ Grandmaster Yoon Byung-In's wedding day. In early January of 1949 he married Yim Sung-Duk. In: Kimsookarate. (englisch).
  13. ↑ Kim Soo: Grandmaster Yoon Byung-In. Hrsg.: Arlington Chayon-Ryu dojang. Arlington (englisch, squarespace.com [PDF; 103 kB; abgerufen am 25. Juli 2026]).
  14. ↑ Ryu Hwa-su: Die Lebensgeschichte von Herrn Yun Byeong-in, Gründer der Kung-Fu-Abteilung des YMCA. In: Taekwondo Times. 2011 (koreanisch).
  15. ↑ Grandmaster Yoon Byung-In. In: Kim Soo Karate. 2012, abgerufen am 26. Juli 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Yoon, Byung-in
KURZBESCHREIBUNG koreanischer Kampfkünstler
GEBURTSDATUM 18. Mai 1920
GEBURTSORT Mu-Sun, Bongchon (Shenyang), Mandschurei, heutiges China
STERBEDATUM 3. April 1983
STERBEORT Nordkorea