Yugantar Film Collective ist ein indisches feministisches Filmkollektiv, das 1980 in Bangalore gegründet wurde. Es produzierte zwischen 1980 und 1983 vier Dokumentarfilme in Zusammenarbeit mit Frauengruppen aus der Arbeiterklasse, die Themen wie Ausbeutung, häusliche Gewalt und Umweltschutz beleuchteten.
Yugantar entstand in einer Phase radikaler politischer Umbrüche in Indien, beeinflusst von Studentenbewegungen, Bürgerrechtsinitiativen und dem aufkommenden autonomen Frauenbewegung. Die Gründerinnen Abha Bhaiya, Deepa Dhanraj, Meera Rao und der Kameramann Navroze Contractor arbeiteten kollaborativ mit Frauengruppen zusammen, um die Situation arbeitender Frauen sichtbar zu machen. Die vier Filme dokumentieren Frauenbewegungen und etablierten neue dokumentaristische Ansätze in Indien. Das Kollektiv hörte 1983 auf Filme zu produzieren, blieb jedoch informell bestehen; ab 2005 verlagerte es seinen Fokus auf Entwicklungsprojekte zu Geschlechtergerechtigkeit, Urbanisierung und Governance in marginalisierten Communities.
Die restaurierten Filme (seit 2019 durch Arsenal Berlin) erleben seit 2020 eine Renaissance mit internationalen Vorführungen.
Abha Bhaiya, Deepa Dhanraj, Meera Rao und der Kameramann Navroze Contractor prägten das Yugantar Film Collective gemeinsam als politisch engagierte, feministische Filmgruppe, in der künstlerische und technische Verantwortung eng verzahnt waren. Die indische Feministin und Aktivistin Abha Bhaiya (* 1948), die seit den 1970er‑Jahren in der Frauenbewegung aktiv ist und später unter anderem die Organisationen Jagori und Jagori Rural Charitable Trust mitgründete, brachte ihre langjährige Erfahrung in der Basisarbeit mit Frauen und marginalisierten Communities in die inhaltliche Ausrichtung des Kollektivs ein.
Deepa Dhanraj, die als Filmemacherin und Mitbegründerin von Yugantar zu einer der zentralen Stimmen des feministischen Dokumentarfilms in Indien wurde, führte ihre Arbeit nach der Auflösung des Kollektivs mit politisch scharf konturierten Filmen wie Something Like a War (1991) über staatliche Bevölkerungspolitik und Zwangssterilisation, Invoking Justice (2011) über ein von muslimischen Frauen initiiertes Scharia-Gericht sowie We Have Not Come Here to Die (2018) über den anti-kastistischen Protest nach dem Tod von Rohith Vemula fort und engagiert sich seither auch im Bereich Archivierung und filmischer Bildungsarbeit.
Meera Rao, die nach ihrer Mitarbeit bei Yugantar in die USA übersiedelte, arbeitete in den folgenden Jahrzehnten vor allem im Non-Profit-Sektor und setzte sich in leitenden Funktionen bei verschiedenen Organisationen dafür ein, Bildungs-, Gesundheits- und Teilhabechancen für Kinder und andere marginalisierte Gruppen in Ländern mit prekären sozialen Verhältnissen zu verbessern. Navroze Contractor (1944–2023), ein bedeutender Kameramann und Filmemacher des indischen Parallelkinos, der unter anderem an Filmen wie Duvidha, Devi Ahilya Bai, Percy und zahlreichen Dokumentarfilmen mitwirkte, prägte die Bildsprache von Yugantar maßgeblich, indem er seine Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Regisseuren der Nouvelle Vague und aus seiner Ausbildung am Film and Television Institute of India in die visuelle Gestaltung der Kollektivfilme einbrachte. Durch die enge Kooperation dieser Akteurinnen und Akteure entstand eine Praxis des kollektiven Dokumentarfilms, die sowohl die indische Dokumentarfilmtradition als auch feministische und aktivistische Bewegungen über Yugantar hinaus nachhaltig beeinflusste.
Deepa Dhanraj setzte ihr Œuvre fort mit Filmen wie Something Like a War (1991) zu Zwangssterilisationen, Invoking Justice (2011) über muslimische Frauenjustiz und We Have Not Come Here to Die (2018) zum Anti-Kasten-Kampf. Abha Bhaiya kooperierte bei The Legacy of Malthus (1994); das Kollektiv beeinflusste nachhaltig Dokumentartraditionen und Aktivismus. Meera Rao trug zur frühen Kollaboration bei, während Dhanraj bis 2025 Archive und Pädagogikprojekte vorantreibt.
Eine Retrospective zum Yugantar Film Collective wurde zur Berlinale / Forum Expanded 2019 und 2024 im Barbican Centre London gezeigt. 2023, widmete das Batalha Centro de Cinema in Porto, Portugal, der Gruppe ein Kurzfilmprogramm.