Yury Kharchenko (russischЮрий Харченко/Juri Chartschenko; * 1986 in Moskau, Sowjetunion) ist ein deutscher Maler. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Leben
Kharchenko wuchs erst in Moskau und dann im Rheinland auf. Im Alter von 13 bis 15 Jahren erteilte ihm der russische Künstler und Dichter Vilen Barsky (russischВилен Исаакович Барский/ Wilen Issaakowitsch Barski) in Dortmund Privatunterricht. Von 2004 bis 2008 studierte Kharchenko freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf.
Der Kritiker Marcus Steinweg betont die „philosophische Aufladung“ seiner Arbeiten und beschreibt seine Leinwände als Spannungsfelder zwischen Präsenz und Abwesenheit. Beate Reese hebt die Ambivalenz seiner Hausstrukturen hervor, die gleichermaßen als Zufluchtsorte wie als Zonen der Verletzlichkeit fungieren, während Gerard Goodrow Kharchenkos Werk als eine Form „meditativen Widerstands“ in einer fragmentierten Welt versteht.
Houses of Spirit – Das Motiv des Hauses in Yury Kharchenkos Malerei
Yury Kharchenkos Serie Houses of Spirit, als Zyklus von zwölf großformatigen Werken konzipiert, stellt einen zentralen Werkkomplex in seiner künstlerischen Entwicklung dar.
Der Kunsthistoriker Kay Heymer beschreibt Kharchenkos Hausmotiv als ein „vielfältig interpretierbares Zeichen“, das sowohl physische als auch emotionale Vorstellungen von Heimat anruft und gleichzeitig tiefere theologische und existenzielle Dimensionen anspricht. Die Häuser illustrieren keine Geschichten, sondern dienen als visuelle Metaphern – zeitlos, meditativ und offen für Interpretation.
Laut Heymer transzendiert Kharchenkos Kunst das Visuelle; sie ist in einer philosophischen und theologischen Auseinandersetzung verwurzelt, die von seiner Familiengeschichte und seiner breiteren Auseinandersetzung mit jüdischen kulturellen und intellektuellen Traditionen geprägt ist. Während Houses of Spirit nur einen Aspekt seines vielfältigen Œuvres darstellt, fängt es einen zentralen Anliegen seiner Kunst ein: die Fähigkeit der Malerei, das Materielle mit dem Metaphysischen, das Historische mit dem Zeitlosen, das Persönliche mit dem Universellen zu verbinden.
Auseinandersetzung mit Holocaust und Erinnerungskultur
Ein Teil von Yury Kharchenkos Werk beschäftigt sich mit der künstlerischen Reflexion des Holocausts und der Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert. Besonders kontrovers diskutiert wurden seine Auschwitz-Bilder, in denen er popkulturelle Comicfiguren wie Dagobert Duck, Goofy oder Superman in den Kontext nationalsozialistischer Vernichtungslager stellt. Der Philosoph und Publizist Micha Brumlik interpretierte diese Arbeiten als provokante visuelle Auseinandersetzung mit der Spannung zwischen Kultur und Barbarei, wie sie Theodor W. Adorno formulierte. Kharchenko thematisiert dabei die Unzulänglichkeiten moderner Erinnerungskultur und den Einfluss von Kapitalismus, Popkultur und Identitätspolitik auf das Gedenken an die Shoah. Seine Werke stellen keine bloßen Provokationen dar, sondern fordern dazu auf, über die Darstellbarkeit des Holocausts und die Rolle der Kunst im Angesicht historischen Grauens neu nachzudenken.
Ausstellungen (Auswahl)
(Quelle: Yury Kharchenko)
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2027
Städtische Galerie Tuttlingen (Einzelausstellung)
Religio Museum, Telgte (Gruppenausstellung)
2026
Yury Kharchenko / Vitaly Komar, Kunstverein Familie Montez, Frankfurt am Main
Altes Haus, kuratiert von Marat Guelman, Kunsthaus NRW, Aachen
Klassenverhältnisse – die zweite Staffel, Kunstlehre von 1946 bis 2026, mit Peter Doig, Jörg Herold, Albert Oehlen, Rosemarie Trockel, Günther Uecker, Markus Lüpertz u. a.
Zitadelle, Berlin, kuratiert von Christoph Tannert, mit Arnold Dreyblatt, Emmanuel Bornstein, Zahar Zukerman, Alona Harpaz, Shira Orion, Yehudit Sasportas u. a.
2025
Galerie Noah, Twintowers Alt-Treptow, Berlin, mit A. R. Penck, Jonathan Meese, Bernd Zimmer, Karl Horst Hödicke u. a.
Bad/Good Jews, Bunker Berlin, kuratiert von Yury Kharchenko, Aljoscha Samjatin und Marat Guelman, mit Art Spiegelman, Alexander Melamid, Michail Grobman, Marat Guelman
Philadelphia Museum of Jewish Art (Gruppenausstellung), mit Archie Rand, Joel Silverstein, Yona Verwer, Tobi Kahn, Yigal Ozeri u. a.
2024
Hällisch-Fränkisches Museum, Schwäbisch Hall (Einzelausstellung)
2022
Richard-Haizmann-Museum, Niebüll (Kunstverein Niebüll e. V.) (Einzelausstellung)
Kunstverein Krefeld (Einzelausstellung)
2021
MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln am Wallraf-Richartz-Museum, Köln. Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Micha Brumlik, Rita Kersting (Museum Ludwig, Köln), Kay Heymer (Museum Kunstpalast Düsseldorf); Moderation: Dr. Michael Köhler
2020
Messe in St. Agnes, Johann König Galerie, Berlin (Gruppenausstellung)
Berlinische Galerie (Gruppenausstellung)
Hamburger Kunsthalle (Gruppenausstellung)
Kunstmuseum Bonn (Gruppenausstellung)
HEART, in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, u. a. mit Jenny Holzer, Thomas Klipper, Anselm Kiefer, Katharina Grosse, Rose Wylie, Antje Majewski, Douglas Gordon, Joseph Kosuth, Candida Höfer, Norbert Bisky, Henning Strassburger, Nevin Aladağ, Abraham David Christian, Assaf Gruber, Reinhard Mucha, Monica Bonvicini, Anish Kapoor
Biennale Ansbach (Gruppenausstellung), mit Jonas Burgert, Justine Otto, Nicola Samorì, Martin Kobe u. a.
2019
Michael Horbach Stiftung, Köln (Gruppenausstellung)
Avanti, mit Leiko Ikemura, Frauke Dannert, Katharina Jahnke, Philipp Schwalb u. a.
St. Joseph, Münster (Einzelausstellung)
Franz-Hitze-Haus, Münster (Einzelausstellung)
Lachenmann Art, Frankfurt am Main (Gruppenausstellung), mit Jonathan Meese, Justine Otto, Philipp Grözinger
Lachenmann Art, Konstanz (Einzelausstellung)
2018
Kunstmuseum Bochum, Bild Macht Religion, mit Jake and Dinos Chapman, Andy Warhol, Gerhard Richter, Martin Kippenberger, Arnulf Rainer, Joseph Beuys, Imi Knoebel, Berlinde De Bruyckere, David LaChapelle, Hermann Nitsch, Nam June Paik, Sigalit Landau
Kunsthaus NRW, Aachen, mit Thea Djordjadze, Anna K.E., Yury Kharchenko, Frauke Dannert, Seb Koberstädt, Gereon Krebber, Eli Cortiñas, Florian Meisenberg
Kunstverein Sundern
Galerie Noah, Augsburg
Kunstmuseum Walter im Glaspalast
2017
Ketterer, Berlin, mit Thomas Zipp, Anton Henning, Walter Stöhrer, Thomas Hartmann, Eugen Schönebeck, Bernd Koberling, K. H. Hödicke, Takeshi Makishima, Gama, Miriam Vlaming, Yury Kharchenko
Museum Kunstpalast, Düsseldorf – Neupräsentation der Sammlung; Auswahl als Meisterwerk des Monats, kuratiert von Kay Heymer; Podiumsgespräch mit Kay Heymer
Luther und Avantgarde, Altes Gefängnis Wittenberg, mit Ai Weiwei, Erwin Wurm, Jonathan Meese, Isa Genzken, Olafur Eliasson, Stephan Balkenhol, Christian Jankowski, Jürgen Klauke, Günther Uecker, Tal R, Gregor Schneider, Gilbert & George, Yury Kharchenko
Sotheby’s-Auktion, Wien, mit Mischa Kuball, Michael van Ofen, Axel Geis, Kirstine Roepstorff, Sophie von Hellermann, Ricarda Roggan
Alte Synagoge Essen (Einzelausstellung), kuratiert von Kay Heymer
2016
Clara Maria Sels Gallery (Einzelausstellung)
Jüdisches Museum Westfalen (Einzelausstellung)
Nordheimer Scheune, Helmut A. Müller (Einzelausstellung)
2015
Clara Maria Sels Gallery, Düsseldorf
Christie’s im K21, Düsseldorf
Voyage Mezzanine
Mirta Demare Gallery, Rotterdam
Voyage Mezzanine
Bonnefanten, Roermond, Niederlande
Jagla Ausstellungsraum, Köln
Ober Gallery, Kent, Connecticut, USA
2014
Clara Maria Sels Gallery, Düsseldorf – Ilya Kabakov, Yury Kharchenko, Panamarenko, Alexander Braun
Bespoke, Düsseldorf, mit Barbara Friedman, Nicola Stäglich
Kunstverein Dillingen, mit Thomas Huber
Ober Gallery, Kent, Connecticut, USA, mit Jasper Johns, A. R. Penck, Barbara Friedman und Donald Baechler
Privatausstellung, Art Space in Chelsea, New York, kuratiert von Nicollette Ramirez
Schwartzsche Villa, Berlin (Einzelausstellung)
2013
Clara Maria Sels Gallery, Düsseldorf (Einzelausstellung)
Gerhard Hofland Gallery, Amsterdam (Einzelausstellung)
FRISCH, Halle am Wasser, Berlin (Einzelausstellung)
Ober Gallery, Kent, Connecticut, USA (Einzelausstellung)
Gene Shapiro Auctions, New York
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
2012
Chaplini Gallery, Köln (Einzelausstellung)
Jerusalem Artists House, Jerusalem
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin, mit Nezaket Ekici
Ben Uri, The London Jewish Museum of Art, London
Prima Center, Berlin (Einzelausstellung)
Kunst aus NRW, Aachen
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
2011
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
2010
Förderkoje, Art Cologne (Einzelausstellung)
New Positions, Köln – Michal Budny, Anja Schwörer, Michael Wutz, Zenita Komad, Yury Kharchenko, Johannes Wald, Eli Cortiñas, Michail Pirgelis, Rebecca Wilton, Marco Schuler, János Fodor, Vera Lossau
Kunstraum, Düsseldorf
2009
Art Cologne Project, Russian Salon, mit Vadim Zakharov und Anna Parkina
Jiří Švestka Gallery, Prag
Otto Schweins Gallery, Köln (Einzelausstellung)
2008
Kunstmuseum Walter
Galerie Noah
2007
Tris Vonna-Michell / Yury Kharchenko (Einzelausstellung)
European Kunsthalle Project
Otto Schweins Gallery, Köln (Einzelausstellung)
Schuebbe Projects, Düsseldorf (Einzelausstellung)
2006
Christie’s in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Kataloge
Leonardo Art award im Kunstmuseum Walter, Augsburg. Extra Verlag, Berlin 2008. ISBN 978-3-938370-28-5.
Kay Heymer, Harald Frisch:Yury Kharchenko, Innenwelten, worlds within. anlässlich der Ausstellung: Yury Kharchenko, Kunsthalle Frisch, Berlin, 26.4. bis 1.6.2013. Hrsg.: Kunsthalle Frisch. Kerber, Bielefeld, Berlin 2013, ISBN 978-3-86678-851-0 (deutsch, englisch).
Helmut A. Müller, Beate Reese, Micha Brumlik et al.:Yury Kharchenko, Painting 2018 -2023. Hrsg.: Yury Kharchenko. Hirmer Verlag, München 2023, ISBN 978-3-7774-4188-7.