Zeus Kasios

Bronzestatuette des Zeus Kasios mit Hemhem-Krone. H.: 10 cm.

Zeus Kasios (griechisch Ζεὺς Κάσιος) ist eine Form des griechischen Gottes Zeus, die vor allem im östlichen Mittelmeerraum verehrt wurde. Der Kult ist ursprünglich mit dem Berg Kasios nahe der Mündung des Orontes ins Mittelmeer an der syrisch-türkischen Grenze verbunden, dem heutigen Jabal al-Aqra (lateinisch Casius Mons, arabisch جبل الأقرع, DMG Ǧabal al-Aqraʿ, türkisch Keldağ).

Der Berg war in der Bronzezeit ein wichtiges Heiligtum des Wettergottes Baal. Die Ähnlichkeiten zwischen Zeus und Baal als Berggottheiten begünstigten, dass der kanaanitische Gott Baal Saphon durch eine Interpretatio Graeca mit Zeus Kasios synkretisiert wurde. Dieser wurde bereits vor der hellenistischen Zeit in Ägypten verehrt. Die Entstehung des Kultes von Zeus Kasios in Ägypten kann im Zusammenhang mit den engen Beziehungen zwischen Ägypten und der Levante gesehen werden. Die Anwesenheit syrisch-palästinischer Bevölkerungsgruppen in Ägypten trug vermutlich dazu bei, dass religiöse Vorstellungen und Gottheiten miteinander verbunden wurden.

Der Beiname Kasios leitet sich von einem weiteren Berg Kasios ab, einer östlich von Pelusium gelegenen Sanddüne am Sirbonischen See. Strabon erwähnt an diesem Ort ein Heiligtum des Zeus Kasios. Dieses wird in den antiken griechischen Quellen als wichtigstes Kultzentrum der ptolemäischen Zeit genannt. Die Verbindung der geographisch voneinander getrennten Kultorte und ihrer Gottheiten stützt sich im Wesentlichen auf schriftliche Quellen.

Der antike griechische Schriftsteller Achilleus Tatios aus Alexandria beschrieb am Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. in seinem Roman Leukippe und Kleitophon ein Kultbild des Zeus Kasios in Pelusium. Die Statue wird als Darstellung eines jungen Mannes beschrieben, der Apollon ähnelt und in seiner ausgestreckten Hand einen Granatapfel hält. Dieses Bild wird mit Darstellungen des Harpokrates von Pelusium in Verbindung gebracht, der ebenfalls mit einem Granatapfel dargestellt wurde. Dadurch wird deutlich, dass der Kult des Zeus Kasios in Ägypten mit lokalen religiösen Vorstellungen verbunden wurde und nicht einfach eine unveränderte Übernahme des syrischen Kultes war.

Ägyptische Archäologen haben im April 2022 in Tell el-Farama (dem antiken Pelusium) im Nordwesten der Sinai-Halbinsel die Reste eines antiken Zeus Kasios-Tempels entdeckt. Eine Inschrift belegt, dass der Tempel unter der Herrschaft von Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) renoviert wurde. Die Existenz des Heiligtums war aufgrund griechischer Inschriften bereits seit frühen Ausgrabungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermutet worden. Ziegelmauern umschließen einen etwa 35 Meter breiten runden Innenhof oder ein Becken, das von Kanälen und Zisternen umgeben ist. In der Mitte des Beckens befand sich ein quadratischer Sockel, auf dem möglicherweise einst eine große Statue des Gottes stand.

Einzelnachweise

  1. ↑ Alexandra Diez de Oliveira: Zeus Kasios or the Interpretatio Graeca of Baal Saphon in Ptolemaic Egypt. In: Rogério Sousa, Maria do Céu Fialho, Mona Haggag & Nuno Simões Rodrigues (Hrsg.): Alexandrea ad Aegyptum: The Legacy of Multiculturalism in Antiquity. Edições Afrontamento, CITCEM, CECH, Porto, Coimbra 2013, ISBN 978-972-36-1336-0, S. 229, doi:10.21747/978-989-8970-04-6/NER (englisch).
  2. ↑ Antoine Salac: „ΖΕΥΣ ΚΑΣΙΟΣ“. In: Bulletin de correspondance hellénique. Band 46, 1922, S. 160–189 (französisch).
  3. ↑ Strabon: Geographika. XVI 2,33.
  4. ↑ Alexandra Diez de Oliveira: Zeus Kasios or the Interpretatio Graeca of Baal Saphon in Ptolemaic Egypt. S. 223 (englisch).
  5. ↑ Achilleus Tatios: Leukippe und Kleitophon III 6.
  6. ↑ Campbell Bonner: Harpokrates (Zeus Kasios) of Pelusium. In: Hesperia 15,1. 1946, S. 51–59 (englisch).
  7. ↑ Sonja Anderson: This Ancient God’s Name Was ‘Mud.’ Archaeologists Discovered a Water-Filled Temple Possibly Tied to Him in Egypt. In: Smithsonian Magazine. 20. April 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).