Édith Pulver

Édith Pulver (geboren 2. Dezember 1906 in London, Vereinigtes Königreich; gestorben 10. Oktober 1944 im KZ Auschwitz) war eine jüdische französische Widerstandskämpferin und Holocaust-Opfer.

Leben

Pulver war wie ihr Bruder Jacques und ihre Schwester Monique aktiv bei den Éclaireuses et éclaireurs israélites de France (EEIF), den jüdischen Pfadfindern in Frankreich.

Mit der deutschen Besetzung Frankreichs und der Errichtung des Vichy-Regimes wurden die jüdischen Organisationen stark eingeschränkt. Pulver wurde Kurierin für La Sixième („die Sechste“), jenen Teil der EEIF, der in die Résistance eingebunden war. Sie organisierte Verstecke für jüdische Kinder, beschaffte Familien gefälschte Ausweispapiere und warnte sie vor drohenden Polizeiaktionen.

Während die meisten Verantwortlichen von La Sixième wie Ninon Haït-Weyl und Henri Wahl jüdische Einrichtungen mieden, um nicht entdeckt zu werden, nutzte Marc Haguenau, einer der Leiter von La Sixième, eine vorherige Rolle beim offiziell zugelassenen Service social des jeunes, um weiterhin Behörden und Dienststellen zu besuchen und wertvolle Informationen zu sammeln. Um die Risiken zu verringern, indem belastende Unterlagen auf zwei Personen verteilt wurden, stellte er Pulver als „Sekretärin“ ein. Am 18. Februar 1944 trafen Haguenau und Pulver auf dem Weg zu einer neuen Mission in Grenoble ein, wo sie unter anderem die für die La Sixième bestimmte Post abholen sollten. Im Hauptpostamt erwartete sie aber die Gestapo. Sie wurden verhaftet und in das Hotel Suisse et Bordeaux gebracht, das als Hauptquartier der Gestapo diente. Ein Vermerk des Roten Kreuzes zu Pulver besagt abweichend, dass sie „auf der Straße festgenommen wurde“. Ein Mitkämpfer in der EEIF, Lucien Lazare berichtete 1987, dass unter grausamer Folter Haguenau versuchte, dem Verhör zu entgehen, in dem er sich mithilfe von Bettlaken aus einem Fenster im fünften Stock abzuseilen versuchte. Er stürzte jedoch ab und erlitt einen Schädelbruch, an dem er am 20. Februar 1944 starb.

Pulver wurde in das Sammellager Drancy gebracht und am 7. März 1944 mit dem Convoi No. 69 nach Auschwitz deportiert, von wo sie nicht zurückkehrte.

Einzelnachweise

  1. ↑ Édith Pulver. Mémorial de la Shoah, abgerufen am 19. Oktober 2026.
  2. ↑ Mordecai Paldiel: Saving One's Own: Jewish Rescuers During the Holocaust. University of Nebraska Press, Lincoln, NE 2017, ISBN 978-0-8276-1297-6, S. 259 f. (google.com).
  3. ↑ Catherine Richet: Biographies des membres de la Sixième: Pulver, Édith. In: Catherine Richet (Hrsg.): Organisation Juive de Combat 1940–1945. Autrement, Paris 2006, ISBN 978-2-7467-0902-7, S. 271–403 (archive.org).
  4. 1 2 3 Fabrice Bourrée: Marc Haguenau. In: Musée de la Résistance. Fondation de la Résistance, abgerufen am 19. Oktober 2026.
  5. ↑ Dokument 13 R 907, DU 458 im Archives départementales de l'Isère. Siehe Alain Michel: Les Éclaireurs Israélites de France pendant la Seconde Guerre mondiale. Éditions des EIF, Paris 1984, S. 166 f.
  6. ↑ Lucien Lazare: La résistance juive en France. Stock, Paris 1987, ISBN 978-2-234-02080-1, S. 189.
  7. 1 2 Serge und Beate Klarsfeld (Hrsg.): Le Mémorial de la déportation des Juifs de France. Fayard, Paris 2012, ISBN 2-213-61052-5.
  8. ↑ Paul R. Bartrop und& Samantha J. Lakin: Heroines of Vichy France: Rescuing French Jews during the Holocaust. ABC-CLIO, Santa Barbara, CA 2019, ISBN 978-1-4408-5233-6, S. 61.
Personendaten
NAME Pulver, Édith
KURZBESCHREIBUNG jüdische französische Widerstandskämpferin und Holocaust-Opfer
GEBURTSDATUM 2. Dezember 1906
GEBURTSORT London, Vereinigtes Königreich;
STERBEDATUM 10. Oktober 1944
STERBEORT KZ Auschwitz, Polen