Ad Enum

Ad Enum
Alternativname Militärlager Mühltal am Inn
Limes temporäres, nicht dem Limes zuzuordnendes Lager
Datierung (Belegung) 69 u. Z.
Typ Vexillationskastell (?)
Größe 360 m mal 140 m (≈ 5 Hektar)
Bauweise Holz-Erde-Lager
Erhaltungszustand Bodendenkmal
Ort Prutting
Geographische Lage 47° 53′ 1″ N, 12° 8′ 24,5″ O
Höhe 495 m ü. NHN
Strukturen antiker römischer Besiedlung bei Mühlthal am Inn

Ad Enum bezeichnet eine römische, militärisch-zivile Siedlungsagglomeration bestehend aus Militärlager, Zollstation und Mithraeum Mühlthal am Inn bei Mühlthal, einem Ortsteil der Gemeinde Prutting im oberbayerischen Landkreis Rosenheim.

Lage, Quellen und Forschungsgeschichte

Ad Enum auf der Tabula Peutingeriana
Auszug aus dem Itinerarium Antonini in einer Speyerer Abschrift von 1542. In dem rechten, unteren Viertel die Strecke von Lauriacum über Pons Aeni nach Veldidena

Das Gebiet von Mühlthal lag in antiker Zeit am westlichen Rand des Regnums (Reichs), respektive der späteren Römischen Provinz Noricum. Der Aenus (Inn) bildete deren östliche Grenze zur Provinz Raetia und zugleich die Grenze zwischen dem gallischen und dem illyrischen Zollbezirk. Über eine Brücke waren die beiden Provinzen, Zollbezirke, beziehungsweise das Mühlthaler Siedlungsgebiet und die Siedlung Pons Aeni (Pfaffenhofen am Inn) miteinander verbunden. Dort kreuzten sich mehrere römische Fernstraßen, hauptsächlich diejenige, die von Augusta Vindelicum (Augsburg) nach Iuvavum (Salzburg) führte und die, die von Castra Regina (Regensburg) nach Veldidena (Innsbruck-Wilten) verlief. Römische Befunde und Funde waren dort wie auch am jenseitigen Innufer schon seit dem 16. Jahrhundert immer wieder festgestellt aber lange missinterpretiert worden.

Den ersten bekannten, wenn auch falschen Lokalisierungsversuch von Pons Aeni nahm der Chronist und Historiograph Johannes Turmair, genannt Johannes Aventinus (1477–1534), in einer 1518 erschienenen Schrift vor. Seine Gleichsetzung von Pons Aeni mit Altötting war jedoch willkürlich und falsch, entsprechende archäologische Funde oder Befunde konnte er dort nicht nachweisen. Der Humanist, Historiker und Verleger Markus Welser (1558–1614) folgte dennoch der Theorie Aventins, während der Mathematiker, Arzt, Kartograph und Heraldiker Philipp Apian (1531–1589) und später der Geograph und Historiker Philipp Clüver (1580–1622) den Fokus der Theorien auf das Kloster Altenhohenau bei Wasserburg am Inn richteten.

Der Beamte, Jurist und Historiker Johann Georg von Lori (1723–1789), 1759 Mitbegründer und Sekretär der „Churfürstlichen Akademie der Wissenschaften“, war derjenige, der sich von den bisherigen methodischen Sackgassen löste, indem er darauf hinwies, dass eine erfolgreiche Lokalisierung nicht nur am Schreibtisch erfolgen könne, sondern mit entsprechender Vermessung und Forschung im Gelände einhergehen müsse. Johann Georg Dominicus von Linprun (1714–1787), Jurist und ebenfalls Mitglied der Akademie, war es schließlich, dem 1763 zufällig die Entdeckung, Identifizierung und Vermessung eines größeren Teilstücks der römischen Straße von Augusta Vindelicum (Augsburg) nach Iuvavum (Salzburg) gelang. Der Beamte und Historiker Joseph von Stichaner publizierte 1808 sein zweibändiges Werk „Sammlung römischer Denkmäler in Baiern“. Darin veröffentlichte er auch die zahlreichen jüngeren Entdeckungen des Rosenheimer Landrichters Franz Josef Ignaz Johann von Kloeckel (1773–1823), dem im Jahr 1807 auf der Suche nach dem römischen Innübergang von Einheimischen viele antike Inschriften und die einige Jahre zurückliegende Entdeckung römischer Grabfunde auf der „Haunstatter Höhe“ nordwestlich von Rosenheim zur Kenntnis gebracht worden waren. Bei einer Nachuntersuchung berichteten ihm örtliche Bauern von reichhaltigen Scherbenvorkommen im Bereich von Westerndorf, rund 1,5 km weiter nordwestlich. Kloeckel leitete sofort Untersuchungen ein, die zur Entdeckung der Terra-sigillata-Töpferei von Westerndorf führten. Stichaner interpretierte die Fundkonzentration um Westerndorf und die benachbarten Orte Langenpfunzen und Pfaffenhofen als Hinweis auf die Position des römischen Innübergangs und stellte als Erster einen Zusammenhang von Pons Aeni mit dem für das Jahr 790 urkundlich überlieferten Ort Pontena (mittelalterlich: Pfünzen) her.

Seit den Standardwerken von Joseph von Hefner, Das römische Bayern in seinen Schrift- und Bildmalen und Die römische Töpferei in Westerndorf galt es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts als erwiesen, dass Pons Aeni mit den links und rechts des Inns liegenden Ortschaften Langenpfunzen und Leonhardspfunzen identisch sei. Paul Reinecke gelang schließlich 1915 die Identifizierung eines Teilstücks der von Iuvavum kommenden römischen Fernstraße östlich des Inns und dabei insbesondere deren Abstieg südwestlich von Zaisering hinunter zum Inn nach Mühlthal. Mit dem angepeilten Zielpunkt dieses Abstiegs konnte die Position der Brücke ziemlich genau fixiert werden, womit Reinecke die Fundstelle auf dem „Kastenfeld“ bei Pfaffenhofen mit dem gesuchten Pons Aeni ansprechen konnte. Im Rahmen einer vollständigen Kartierung der römischen Fundstellen im Landkreis Rosenheim stellte Walter Torbrügge 1959 fest, dass sich die Fundstellen am raetischen Innufer auf Pfaffenhofen, Langenpfunzen und Westerndorf und auf der norischen Seite des Flusses auf den Bereich zwischen Leonhardspfunzen und Mühlthal konzentrierten. Er schloss daraus, wie zuvor schon Joseph von Hefner, dass es sich bei Pons Aeni um den Namen einer großen, sich beidseitig des Inns erstreckenden Siedlung handeln müsse.

Bereits Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war in der Kirche von Prutting eine römische Inschrift geborgen worden, die mit dem römischen Mühlthal assoziiert wurde. Das Mithraeum wurde 1977 gefunden, in den Jahren 1978 bis 1980 durch die Archäologische Staatssammlung München unter der Leitung von Jochen Garbsch ausgegraben und bereits 1985 publiziert. Ein temporäres römisches Militärlager wurde schließlich 1985 entdeckt, 1995 durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege archäologisch untersucht und 1996 vorabpubliziert. Nachdem lange über die Lage von Pons Aeni spekuliert worden war, und darüber ob Ad Enum/Enensis mit diesem gleichbedeutend seinen, wurde durch die jüngeren Untersuchungen, auch mit geophysikalischen Methoden, festgestellt, dass es sich um zwei verschiedene Orte handelt, deren Gemeinsamkeit in dem Innübergang lag, der aufgrund topographischer Gegebenheiten durch die wildwasserartigen Eigenschaften des Flusses nicht überall möglich war und von daher in den Namen der Ortschaften explizit erwähnt wurde. Nur wenige römerzeitliche Innübergänge sind epigraphisch oder archäologisch überliefert oder nachgewiesen.

Archäologische Befunde

Vicus Ad Enum

Die zivile Siedlung Ad Enum erstreckte sich am östlichen Ufer des Inns, also auf norischem Territorium. Das Gelände befindet sich am Rand des bis zu 50 m aufragenden Steilufers des Flusses, ist in mehrere terrassenförmige Flächen untergliedert und wird durch Wegtrassen untergliedert, die vermutlich zum Teil antiken Ursprungs sind. Mit ihrer Nord-Süd-Ausdehnung von rund 400 m war die Siedlung deutlich größer als Pons Aeni am westlichen, raetischen Ufer. Jedoch können mit den bisher vorliegenden Funden und Befunden noch keine verlässlichen Aussagen über die Siedlungsstruktur und ihre Chronologie getroffen werden. Das Fundmaterial stammt aus der Zeit vom 1. bis zum 5. Jahrhundert, mit einem leichten Schwerpunkt in der Spätantike. Auf der untersten Flussterrasse wurde ein Depotfund mit 1274 Münzen geborgen, dessen Terminus post quem auf die Zeit um 238/239 datiert.

Auslöser für die Entstehung von Ad Enum war die Errichtung des Innübergangs für die Straße von Augusta Vindelicum nach Iuvavum, zwei Orte, die beide schon in augusteischer Zeit angelegt worden sind. Daher kann angenommen werden, dass die Straße und die Innbrücke ebenfalls in diese Zeit zurückreichen. Der direkte datierende Nachweis für Ad Enum steht zwar noch aus, aber in dem südlich folgenden Etappenort Bedaium (Seebruck) wurden Bauhölzer dendrochronologisch analysiert und konnten auf die ersten Jahren des 1. Jahrhunderts datiert werden. Ad Enum scheint auf jeden Fall der ursprüngliche Ort an der Brücke gewesen zu sein, wofür schon die spätere Gründung von Pons Aeni spricht. Auch die Topographie des Geländes auf der östlichen Innseite war für die Anlage einer Brücken- und Zollstation deutlich günstiger. Innübergänge waren selten. Die nächste Querung flussaufwärts befand sich erst 110 km entfernt bei Veldidena (Innsbruck-Wilten), flussabwärts ist erst in einer Entfernung von 177 km in Boiodorum (Passau) eine Innbrücke anzunehmen. Wahrscheinlich kamen im frühen 2. Jahrhundert noch Übergänge 80 km flussaufwärts bei Töging und 120 km flussabwärts bei Braunau hinzu.

Temporäres Militärlager

Seit 1985 hatte Otto Braasch auf dem Plateau der Hochterrasse oberhalb Mühlthals den doppelten Graben eines Militärlagers mit polygonalem Grundriss luftbildarchäologisch dokumentiert und 1995 wurde dieses Areal archäologisch sondiert. Durch seine Form spricht alles für eine Errichtung des Lagers in der frühen Kaiserzeit, auch wenn bislang kein datierendes Fundmaterial vorliegt. Martin Pietsch hielt eine Einordnung in den Kontext der Ereignisse des Vierkaiserjahres 69 für plausibel, als der norische Procurator Augusti Petronius Urbicus die Innbrücken abreißen ließ und seine Auxiliartruppen am Fluss gegen die Truppen des Vitellius in Stellung brachte. Das Lager wurde nur für kurze Zeit genutzt und umfasste eine Fläche von 360 m mal 140 m (≈ 5 Hektar).

Innübergang und Zollstation

Das römische Zollwesen (Portorium) der westlichen Reichsteile ist seit den grundlegenden Untersuchungen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg durch Siegfried J. de Laet und Friedrich Vittinghoff relativ wenig erforscht worden. Insbesondere zur konkreten Abwicklung des Zolls und zur Gestaltung der Tarife fehlen noch wichtige Erkenntnisse.

Die inschriftlich bezeugte Statio Enensis, von deren Baulichkeiten bislang jeder archäologische Nachweis fehlt, ist im norischen Ad Enum und nicht, wie bislang vermutet, im raetischen Pons Aeni zu verorten. Ihre Existenz ist durch die Inschrift aus Poetovio (siehe weiter unten) seit der Mitte des 2. Jahrhunderts gesichert. Vermutlich befinden sich ihre Relikte unmittelbar am östlichen Brückenkopf, wo es den Zöllnern möglich gewesen wäre, sowohl den die Brücke passierenden, als auch den von Norden nach Süden oder umgekehrt fließenden Verkehr zu kontrollieren. Martin Pietsch vermutete außer der Zollstation auch noch eine Mansio (Herberge) und eine Benefiziarierstation. Bernd Steidl widersprach bezüglich der Benefiziarierstation, da hierfür keinerlei Indizien vorlägen.

Mithraeum und Victoria-Heiligtum

Das Mithraeum lag auf etwa halber Höhe des Innsteilufers und noch etwa 50 m westlich der zum südlichen Ende des Vicus führenden Straße entfernt. Es hatte die Abmessungen von rund 12,80 m mal 8,80 m (≈ 113 m²) und wies im Inneren die typische dreigliedrige Einteilung auf. An seinem südlichen Eingangsbereich war es mit einer offenen, pfostengestützten Vorhalle versehen. Die Inneneinrichtung war nicht mehr vorhanden, sie war gewaltsam zerstört und in zwei Gruben vergraben worden, möglicherweise ein Hinweis auf gewaltsame Christianisierungsmaßnahmen. Die Fragmente ließen sich wieder so weit zusammensetzen, dass Votivbilder, Statuen, mindestens fünf Weihealtäre und die Bemalung des Putzes nachvollziehbar wurden; ferner gab es Reste eines Kultgefäßes aus Terra sigillata mit Szenen der Mithraslegende und Geschirrfragmente der Kultmahle. Das Fundspektrum des Mithraeums beginnt im ersten Jahrhundert und erstreckt sich mindestens bis zur Wende vom vierten zum fünften Jahrhundert. Jochen Garbsch vertrat aufgrund der Münzfunde, deren Spektrum einen Schwerpunkt im letzten Drittel des vierten Jahrhunderts bildete, die Hypothese, dass es frühestens im beginnenden fünften Jahrhundert zerstört worden sei. Die Mithrasreligion war ein Männern vorbehaltener Mysterienkult, der sich vor allem durch Militärpersonal im gesamten Imperium verbreitete. Nach Mühlthal war er offenbar durch die illyrischen Zöllner gelangt. Eine unter den Funden befindliche Tauroktonie mit Inschrift stützt diese Vermutung. Da die Tauroktonie ebenfalls nicht mehr vollständig erhalten war, sondern mühsam aus vielen Bruchstücken wieder zusammengesetzt werden musste, gibt es etliche Lücken und daher keine einheitliche Lesung der Inschrift. Als wahrscheinlichste Variante gilt derzeit:

“[D(eo) I(nvicto) M(ithrae) SEC]VNDVS LA[E]TI AVGG(ustorum) NN(ostrorum) [VIL(ici) VIC(arius) S]IGILLVM EX VOTO POSVIT”

„Dem unbesiegbaren Mithras hat [Sec]undus, Stellvertreter des Laetus, des kaiserlichen Stationsvorstehers, das kleine Votivbild aufgrund eines Gelübdes aufgestellt“

– Bernd Steidl: Neues zu den Inschriften aus dem Mithraeum von Mühlthal am Inn. Pons Aeni, Ad Enum und die statio Enensis des publicum portorium Illyrici. 2008

Das Votivbild, das in der Inschrift sigillum genannt wird, gehört zu einem Typus, der vorwiegend in den Donauprovinzen verbreitet war. Einzelfunde dieser Art aus dem Westen des Imperiums werden aufgrund ihrer stilistischen Merkmale und des verwendeten Materials als Importe aus dem Donauraum angesprochen, die vermutlich mit ihren Stiftern in die westlichen Provinzen gelangten. Die gilt wohl auch für das Relief aus Mühlthal, das aus nicht lokalem Marmor besteht und in weitem Umkreis singulär ist. Die Lokalisierung der Produktionsstätte führt geradezu zwingend nach Poetovio in der Provinz Pannonia superior (heute Ptuj in Slowenien), woher auch der älteste Hinweis auf den antiken Ortsnamen Mühltals stammt, ebenfalls von einem Mithras-Altar, der um 1900/1901 im zweiten Mithraeum von Ptuj gefunden worden war:

“D(eo) I(nvicto) (M(ithrae)) // pro salute / Charidemi / Aug(usti) n(ostri) vil(ici) sta(tionis) / Enensis / M(arcus) Antonius / Celer v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)”

„Dem unbesiegbaren Gott Mithras, zum Wohl des Charidemus, Pächter unseres Augustus der Zollstation Enensis; Marcus Antonius Celer hat das Gelübde gerne und nach Gebühr erfüllt“

– 331-370

Der Stein befindet sich heute im Lapidarium des Pokrajinski muzej Ptuj Ormož (Regionalmuseum Ptuj Ormož). Die in Poetovio aktive Gemeinschaft des Mithraskultes bestand ausweislich von Inschriften zu einem großen Teil aus Mitarbeitern des illyrischen Zolls. Das dortige Mithräum II enthielt Fragmente von 17 gleichartigen Votivreliefs, die kompositions- und ausführungstechnisch dem Kultbild von Mühlthal so ähnlich sind, dass an einer Produktion in derselben Werkstatt kein Zweifel besteht.

Unweit des Mithraeums wurde in den 1990er Jahren ein Münzschatz geborgen, der über eine Fläche von 0,60 m mal 1,00 m verteilt und offenbar nicht vergraben, sondern von Sedimenten überdeckt war. Bei dem Schatz handelte es sich nach Ansicht der Analysten daher nicht um einen Depotfund, sondern um eine bei einem Hochwasser verlorene Barschaft. Der Münzfund umfasst bislang 1274 Denare und Antoniniane, also ausschließlich Silbermünzen. Die Münzreihe datiert auf die Zeit von Vespasian (69–79) bis Gordian III. (238–244) und setzt sich wie folgt zusammen:

Prägung Zeitraum Anteil
Vespasian 69 – 79 0,1 %
Titus 79 – 81 0,1 %
Domitian 81 – 96 0,1 %
Trajan 98 – 117 0,2 %
Hadrian 117 – 138 0,3 %
Antoninus Pius 138 – 161 1,3 %
Mark Aurel 161 – 180 1,0 %
Commodus 180 – 192 1,1 %
Septimius Severus 193 – 211 25,1 %
Caracalla 211 – 217 8,0 %
Macrinus 217 – 218 0,2 %
Elagabal 218 – 222 23,2 %
Severus Alexander 222 – 235 27,7 %
Maximinus Thrax 235 – 238 3,7 %
Gordian III. 238 – 244 8,1 %
SUMME 100,2 %

Bereits 1848 war in der Kirche von Prutting ein Altar der Victoria gefunden worden, der dort vermutlich sekundär verwendet worden war und ein Ereignis erwähnt, das sich auf den 27. Juni 310 datieren ließ (die Anfertigung des Altares selber datiert auf die Zeit zwischen 311 und 313):

“Victoriae Augustae / (sac)rum pro salutem / (d(ominorum)) n(ostrorum) Maximini et / (Con)stantini et Licini / (se)mper Aug(ustorum) Aur(elius) Senecio / (v(ir) p(erfectissimus)) dux templum numini / eius ex voto a novo fieri iussit / per instantiam Val(eri) Sam/barrae p(rae)p(ositi) eq(uitibus) Dalm(atis) Aq/uesianis comit(atensibus) l(aetus) l(ibens) m(erito) / ob victoria facta V K(alendas) Iulias / Andronico et Probo co(n)s(ulibus)”

„Der Victoria Augusta (geweiht) für das Heil unserer Herren Maximinus, Constantinus und Licinius, (den) immerwährenden Augusti, (hat) Aurelius Senecius, allertüchtigster Mann (und) Dux, den Tempel in seinem Namen aufgrund eines Gelübdes neu erbauen lassen, auf Betreiben des Valerius Sambarra, Befehlshaber der dalmatischen Aquesianesischen Reiter aus dem Feldheer, gerne, freudig und nach Gebühr, wegen des Sieges an den fünften Kalenden des Juli, als Andronicus und Probus Konsuln waren“

– 310 u. Z., CIL 03, 11771

Das Original befindet sich in der nördlichen Eingangshalle der Pruttinger Kirche, eine Replik in der Archäologischen Staatssammlung München.

Gräberfelder

Das Hauptgräberfeld der Siedlung befand sich am südlichen Rand des Vicus, im Bereich des „Doblergrabens“. Dort wurden insgesamt 103 Brandgräber und 14 Körpergräber freigelegt, die auf die Zeit vom 2. bis in zum 5. Jahrhundert und von daher der Besiedlungsdauer des Vicus' entsprechen. Zwei weitere, kleinere Grabstellen lagen am nördlichen und südlichen Rand des Siedlungsbereichs. Am westlichen Rand des Dorfes Zaisering, südlich der „Vogtareuther Straße“ wurden einige Brandgräber geborgen. Weitere Brandbestattungen fanden sich im Zentrum des Dorfes Innleiten, westlich der „Innleitenstraße“.

Denkmalschutz

Die römischen Anlagen vom Mühlthal sind zum größten Teil als registrierte Bodendenkmale unter verschiedenen Aktenzeichen nach dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler (Bayerisches Denkmalschutzgesetz – BayDSchG) eingetragen. Im Einzelnen sind dies:

Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind dort erlaubnispflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden anzuzeigen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Markus Handy: Keltisches Stammesreich oder römischer Klientelstaat? Das Regnum Noricum und seine „formative Periode“ unter Caesar und Augustus. In: Manfred Lehner und Bernhard Schrettle (Hrsg.): Zentralort und Tempelberg. Siedlungs- und Kultentwicklung am Frauenberg bei Leibnitz im Vergleich. Akten des Kolloquiums im Schloss Seggau am 4. und 5. Mai 2015. (= Studien zur Archäologie der Steiermark, 1). Phoibos, Wien 2016, ISBN 978-3-85161-163-2, S. 49–60 (Digitalisat).
  2. ↑ Johannes Aventinus: Johannes Turmair’s, genannt Aventinus, sämmtliche Werke. Christian Kaiser, München ab 1881.
  3. ↑ Johann Georg Dominicus von Linprun: Entdeckung einer römiſchen Heerſtraße bey Laufzorn und Grünewald: und daraus flüßende Erläuterungen der alten Geographie von Baiern. In: Abhandlungen der Churfürſtlich⸗baieriſchen Akademie der Wiſſenschaften. Zweyter Band. München, zu finden bey Franz Lorenz Richter, 1764, S. 93–139; archive.org.
  4. 1 2 Joseph von Stichaner: Sammlung römischer Denkmäler in Baiern. München 1808 (Digitalisat Heft 1 und Digitalisat Heft 2).
  5. ↑ Joseph von Hefner, Das römische Bayern in seinen Schrift- und Bildmalen. Wolf, München 1852³ (Digitalisat. Textband) (Digitalisat. Bildband)
  6. ↑ Joseph von Hefner: Die römische Töpferei in Westerndorf. Wolf, München 1862, (Digitalisat.)
  7. ↑ Paul Reinecke: Kleine Schriften zur vor- und frühgeschichtlichen Topographie Bayerns. Lassleben, Kallmünz 1962, S. 26–30.
  8. ↑ Walter Torbrügge: Vor- und Frühgeschichte in Stadt und Landkreis Rosenheim. Stadtarchiv Rosenheim, Rosenheim 1959.
  9. ↑ Jochen Garbsch: Das Mithräum von Pons Aeni. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter, Band 50, 1985, S. 355–462.
  10. 1 2 3 Martin Pietsch: Ein neues römisches Lager am Innübergang bei Mühlthal. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1995. Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 978-3-8062-1273-0, S. 99–101.
  11. 1 2 3 Bernd Steidl: Stationen an der Brücke. Pons Aeni und Ad Enum am Inn-Übergang der Staatsstraße Augusta Vindelicum - Iuvavum. In: Gerald Grabherr, Barbara Kainrath (Hrsg.): Conquiescamus. Longum iter fecimus. Römische Raststationen und Straßeninfrastruktur im Ostalpenraum. Akten des Kolloquiums zur Forschungslage zu Römischen Straßenstationen, Innsbruck 2009. (= Ikarus 6). Innsbruck University Press, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-902719-84-3, S. 71–110 (Digitalisat).
  12. ↑ Vicus Ad Enum weitläufig um 47° 53′ 33″ N, 12° 8′ 39″ O
  13. ↑ HD068804 = Lupa 8882 = EPSG 657
  14. 1 2 3 4 5 Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 418 f.
  15. ↑ Temporäres Militärlager weitläufig um 47° 53′ 1″ N, 12° 8′ 24,5″ O
  16. ↑ Tacitus: Historiae, I, 70.
  17. ↑ Siegfried J. de Laet: Portorium. Étude sur l’organisation douanière chez les Romains, surtout à l’époque du Haut-Empire. De Tempel, Brugge 1949.
  18. ↑ Friedrich Vittinghoff: Portorium. In: RE XXII.1, 1953, S. 346–399.
  19. ↑ Susanne Froehlich: Das Zollpersonal an den römischen Alpenstraßen nach Aguntum und Virunum. In: Klio, Band 96, Heft 1, 2014, S. 68 (Digitalisat).
  20. ↑ Innbrücke bei 47° 53′ 41″ N, 12° 8′ 49″ O
  21. ↑ Martin Pietsch: Zum römischen Innübergang bei Pons Aeni. Neue Funde und Forschungen am norischen Ufer. In: Bericht der bayerischen Bodendenkmalpflege, Band 41/42, Jahrgang 2000/2001. 2003, S. 161–165.
  22. ↑ Bernd Steidl: Stationen an der Brücke. Pons Aeni und Ad Enum am Inn-Übergang der Staatsstraße Augusta Vindelicum - Iuvavum. In: Gerald Grabherr, Barbara Kainrath (Hrsg.): Conquiescamus. Longum iter fecimus. Römische Raststationen und Straßeninfrastruktur im Ostalpenraum. Akten des Kolloquiums zur Forschungslage zu Römischen Straßenstationen, Innsbruck 2009. (= Ikarus 6). Innsbruck University Press, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-902719-84-3, S. 72–110.
  23. 1 2 Bernd Steidl: Mithras und der Zoll. Das Mithräum von "Ad Enum"/ Mühlthal am Inn. In: Bayerische Archäologie, Jahrgang 2023, Heft 1, S. 34–37.
  24. ↑ Mithraeum bei 47° 52′ 50,25″ N, 12° 8′ 33,5″ O
  25. 1 2 Bernd Steidl: Neues zu den Inschriften aus dem Mithraeum von Mühlthal am Inn. Pons Aeni, Ad Enum und die statio Enensis des publicum portorium Illyrici. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. Band 73, 2008, S. 53–85 (Digitalisat)
  26. ↑ HD068804
  27. ↑ Offizielle Webpräsenz des Pokrajinski muzej Ptuj Ormož, slowenisch, englisch, abgerufen am 27. Juni 2026.
  28. ↑ Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 418 f., 485 f.
  29. ↑ Erwin Keller: Mühlthal, Gde. Prutting, Lkr. Rosenheim, Obb. Mithräum. In: Wolfgang Czysz et al. (Hrsg.): Die Römer in Bayern. Lizenzausgabe. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-11-6, S. 483.
  30. ↑ Martin Pietsch, Michaela Kostial-Gürtler: Im Hochwasser verloren. Ein Münzschatz vom Innübergang bei Pons Aeni. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2000. Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1579-0, S. 74 f.
  31. ↑ Rundungsfehler! Da die Analysten davon ausgingen, dass sich im Laufe der weiteren Bearbeitungen noch Änderungen ergeben könnten, haben sie die Verteilung nicht in absoluten Zahlen, sondern in Prozentanteilen angegeben. Siehe auch Pietsch/Kostial-Gürtler 2001.
  32. ↑ HD034878 = Lupa 4800 = CIL 03, 11771
  33. ↑ Bernd Steidl: Zum konsuldatierten Altarfragment AE 2008, 1021 aus dem Mithraeum von Ad Enum / Mühlthal. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. Band 88, 2003, S. 177–186.
  34. ↑ Brand- und Körpergräberfeld weitläufig um 47° 53′ 21″ N, 12° 8′ 48,75″ O
  35. ↑ Brandgräber Zaisering bei 47° 54′ 10,25″ N, 12° 9′ 5,75″ O
  36. ↑ Brandgräber Leonhardspfunzen/Innleiten bei 47° 52′ 41,5″ N, 12° 8′ 33″ O
  37. ↑ Bodendenkmal D-1-8138-0133 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.
  38. ↑ Bodendenkmal D-1-8138-0122 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.
  39. ↑ Bodendenkmal D-1-8038-0009 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.
  40. ↑ Bodendenkmal D-1-8138-0118 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.
  41. ↑ Bodendenkmal D-1-8138-0116 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.
  42. ↑ Bodendenkmal D-1-8038-0046 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.
  43. ↑ Bodendenkmal D-1-8138-0074 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.
  44. ↑ Bodendenkmal D-1-8138-0081 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 11. Juni 2026.

Koordinaten: 47° 53′ 33″ N, 12° 8′ 39″ O