Adolph Brunner war der Sohn eines Riesbacher Zimmermeisters, besuchte die Zürcher Industrieschule und hospitierte parallel zu einer Bauzeichnerlehre bei Johann Caspar Wolff von 1855 bis 1857 am neu gegründeten Eidgenössischen Polytechnikum bei Gottfried Semper. Er setzte seine Lehre dann bei Hans Rychner in Neuenburg fort, bevor er von 1860 bis 1863 nach Paris ging, wo er beim Architecte du Département de la Seine arbeitete, bei dem für seine denkmalschützerische Tätigkeit bekannten Émile Boeswillwald.
Zusammen mit seinem Bruder Fritz gründete er die wohl seinerzeit bestbeschäftigte Hochbaufirma Zürichs, die im neu entstehenden Bellerivequartier den grössten Anteil der Gebäude errichten konnte und federführend auch an der Anlage der unteren Bahnhofstrasse beteiligt war.
Ab 1886
Nach dem Tod seines Bruders führte Adolph das Geschäft alleine weiter, er entwickelte sich zum Spezialisten für den Bau und die Einrichtung von Bankgebäuden, in Zürich beispielsweise die Schweizerische Kreditanstalt, Kantonalbank, Eidgenössische Bank, Volksbank und Bank Leu & Cie, in La Chaux-de-Fonds die Eidgenössische Bank, in Bern 1903 die Kantonalbank.
Nach dem Sturz von einem Baugerüst 1902 in der Zürcher Bahnhofstrasse zog sich Brunner zurück und übersiedelte an den Genfersee, wo er 1909 starb.
Werkauswahl
1865–1886
Zum Schneggen, Zürich 1864–1866, (Innenausbau des von Leonhard Zeugheer und Georg Lasius geplanten Zunfthauses unter Verwendung von Teilen der vorherigen Gesellschaftshäuser)
Haus Kirchhofer, St. Gallen 1876–1879, heute Museum im Kirchhoferhaus
Wohnhaus Zur Perle, St. Gallen 1876–1878
Haus Zum Steg, St. Gallen 1876–1879
Mehrfamilienhäuser Lendi & Eberhard, Zürich 1877
Haus Blattner, Zürich 1878
Wohn- und Geschäftshaus Hardmeier, Zürich 1879
Gasthaus auf Uto-Kulm, Zürich 1879, umfassend umgebaut
Kappelerhof, Zürich 1878–1888, Blockbebauung nach Konzept von Adolph und Fritz Brunner, Ausführung durch verschiedene Architekten, darunter Fraumünsterstr. 17 durch Brunner
Hotel Bellevue, Zürich 1889 (Umbau des ursprünglich von Leonhard Zeugheer bis 1858 geschaffenen Ursprungsbaus, seither weiter umgebaut)
Villa Abegg, Zürich 1890, 1971 abgerissen
Villa Mayer, Zürich 1890, vollständig umgebaut
Volksbank, Zürich 1893, (Umbau) 1925 abgerissen
Eidgenössische Bank, Zürich 1894–1907, 1965–1978 umgebaut oder abgerissen
Schweizerische Kreditanstalt, Zürich 1898–1899 (Umbau der Neuen Hauptpost zur Schweizerischen Kreditanstalt)
Eidgenössische Bank, La-Chaux-de-Fonds 1900
Leuenbank, Zürich 1901, 1966 abgerissen
Kantonalbank, Bern 1903 (Umbau des Gesellschaftshauses Museum (ursprünglich von Johann Caspar Wolff, 1866–1869))
Literatur
Anne Nagel: Brunner, Adolph und Fritz. In: Isabelle Rucki und Dorothee Huber (Hrsg.): Architektenlexikon der Schweiz – 19./20. Jahrhundert. Birkhäuser, Basel 1998, ISBN 3-7643-5261-2, S. 100.