Alessandro Rosi

Alessandro Rosi: Selbstbildnis, um 1640, Öl auf Leinwand. Galleria degli Uffizi, Florenz

Alessandro Rosi (* 28. Dezember 1627, vermutlich in Rovezzano bei Florenz; † 19. April 1697 in Florenz) war ein italienischer Barockmaler aus Florenz.

Leben

Alessandro Rosi war der Sohn von Tommaso Rosi aus Rovezzano und Maria di Salvi (oder Salice) Martelli aus Pontassieve. Laut seinem Biografen Francesco Saverio Baldinucci wurde er am 28. Dezember 1627 geboren. Da der Taufeintrag nicht auffindbar ist, gilt Rovezzano bei Florenz nur als vermuteter Geburtsort. Der Vater war in Rovezzano als Mühlenmeister tätig. Der Eintritt des Vaters in eine Bruderschaft in Florenz im März 1629 könnte auf eine Übersiedlung der Familie in die Großherzogsstadt hindeuten. Rosi wurde Schüler von Cesare Dandini. In dessen Werkstatt wurde er gemeinsam mit Vincenzo Dandini, Stefano della Bella, Antonio Giusti, Giovanni Domenico Ferrucci und Iacopo Giorgi ausgebildet. Diese Zuordnung ist durch den Zeitgenossen Filippo Baldinucci überliefert.

Am 26. April 1648 trat Rosi der dem Servitenorden nahestehenden Bruderschaft seines Vaters bei und übernahm die dort übliche Praxis, sich wie ein Ordensmann das Haar zu scheren. Am 31. Oktober 1654 wurde er in die Accademia del Disegno in Florenz aufgenommen. Am 18. September 1661 heiratete er Domenica di Francesco Piombi; die Ehe blieb kinderlos. Von 1678 bis 1697 ist seine Tätigkeit als Kartonmaler für die Arazzeria Medicea (die großherzogliche Teppichmanufaktur) dokumentiert. Er starb am 19. April 1697 in Florenz, als er auf der Via della Condotta von einem einstürzenden Terrassengeländer erschlagen wurde. Er wurde in der Kirche San Ambrogio beigesetzt. Als sein mutmaßlicher Schüler und Nachfolger bei der Arazzeria Medicea gilt sein Neffe Antonio Bronconi, der zwischen 1699 und 1701 für die Überarbeitung von Kartons seines Onkels entlohnt wurde. Rosis bedeutendster Schüler war Alessandro Gherardini.

Werk

Alessandro Rosi: Das Urteil des Paris, Öl auf Leinwand, 72,5 × 58,5 cm. Privatsammlung (Ex-Sotheby’s)

In seiner frühen Schaffensphase orientierte sich Alessandro Rosi stilistisch stark an Cesare und Vincenzo Dandini, insbesondere in der Darstellung von Gewändern. Ein möglicher Studienaufenthalt in Rom brachte ihn mit Werken von Simon Vouet und Giovanni Lanfranco in Berührung. Über die Druckgrafik blieb der Einfluss der französischen Dekorationsmalerei, insbesondere Vouets, in seinem Werk bestimmend. In diese frühe Phase fallen unter anderem die Allegoria dell’Amor di Virtù sowie mehrfach wiederholte Kompositionen wie Paride con le tre Grazie. Vor 1654 entstand mit Unterstützung des Quadraturamalers Bartolomeo Neri ein Freskenzyklus in der Loggia und im anschließenden Ricettino des Palazzo Corsini in Florenz. Die entsprechenden Zahlungen sind zwischen dem 27. August 1650 und dem 7. März 1652 (florentinischer Stilrechnung, entsprechend 1653) belegt.

Zu seinen dokumentierten religiösen Werken zählen das Martirio di San Sebastiano in Vallombrosa (1665), das Martirio di San Matteo in San Mommè (1666), die Fresken der musizierenden Engel in der Kirche Santissima Annunziata in Florenz (1671), die Darstellung der Heiligen Franz Xaver und Petrus von Alcantara im Dom von Prato (1675) sowie das Martirio di Santa Cristina in Passignano (1686/87). Für Großherzog Ferdinand (bzw. nach neueren Forschungen wahrscheinlich für Francesco Maria de’ Medici) malte Rosi zwei Bacchanale sowie ein vielgerühmtes Madonnenbild, dessen Verbleib nicht gesichert ist. Ein für Rosis Florentiner Umfeld charakteristischer, an Salvator Rosa orientierter negromantischer (okkult-magischer) Bildtypus zeigt sich in der Scena di stregoneria (Hexenszene), die vermutlich für die Familie Ginori gemalt wurde und über seinen Schüler Alessandro Gherardini bis ins 18. Jahrhundert nachwirkte. Für die Arazzeria Medicea entwarf Rosi Bildkartons für Vorhänge und Wandteppiche, darunter einen Vorhang vom 6. August 1683, einen Teppich mit der Darstellung der Göttlichen Weisheit vom 4. Juli 1695 und einen Teppich mit der Darstellung der Gerechtigkeit vom 27. März 1697. Selbstbildnisse Rosis befinden sich in den Uffizien (Sammlung der Malerselbstporträts) sowie im Gabinetto dei Disegni e delle Stampe in Florenz.

Rezeption

Ein erheblicher Teil von Alessandro Rosis Œuvre wurde ab Roberto Longhi (1943) und in der Folgeliteratur fälschlich dem Maler Sigismondo Coccapani (1583–1643) zugeschrieben. Diese Fehlzuschreibung konnte erst 1989 durch die unabhängigen Forschungen von Elisa Acanfora und Alessandra Guicciardini Corsi Salviati aufgedeckt werden. Sie rekonstruierten anhand von Archivalien – unter anderem zu den Fresken im Palazzo Corsini – Alessandro Rosis eigenständiges Werk.

Literatur

Commons: Alessandro Rosi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online: De Gruyter. 2009.
  2. 1 2 3 4 Elisa Acanfora: Alessandro Rosi. La bella pittura «di gran macchia, e rilievo». Mandragora, Firenze 2026.
Personendaten
NAME Rosi, Alessandro
KURZBESCHREIBUNG italienischer Barockmaler aus Florenz
GEBURTSDATUM 28. Dezember 1627
GEBURTSORT Rovezzano bei Florenz
STERBEDATUM 19. April 1697
STERBEORT Florenz