Cesare Dandini

Cesare Dandini: Selbstbildnis, 1635. Collezione Luzetti

Cesare Dandini (* 1. Oktober 1596 in Florenz; † 7. Februar 1657 ebenda) war ein italienischer Maler des Florentiner Barock. Obwohl er im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts zu den bekannten Florentiner Malern zählte, geriet sein Werk über lange Zeit in Vergessenheit und fand erst durch die kunsthistorische Forschung der letzten Jahrzehnte wieder Beachtung. Die geringe Zahl erhaltener Dokumente und datierter Gemälde erschwert die Erstellung einer gesicherten Werkchronologie.

Leben

Cesare Dandini war der ältere Bruder des Malers Vincenzo Dandini und der Onkel des Malers Pietro Dandini. 1608 trat er in die Lehre bei Francesco Curradi, der den nach Baldinucci "ausgesprochen hübschen Jungen" mehrfach als Modell für Gesichter von Heiligenfiguren verwendete, etwa in einer Maria mit Kind (London, Kunsthandel). Nach drei Jahren wechselte Dandini in die Werkstatt von Cristofano Allori, der großen Einfluss auf ihn ausübte. Anschließend arbeitete er in der Werkstatt von Domenico Cresti, genannt il Passignano. Mit ihm zusammen arbeitete er vermutlich auch in Pisa an einem Werk mit dem Titel Maria mit Kind in der Glorie und Heiligen für den Dom.

Zurück in Florenz musste er eine für 1618 geplante Romreise wegen des Todes seines Vaters absagen und sich stattdessen um seine Geschwister kümmern. In dieser Zeit begann der damals zehnjährige Vincenzo, bei ihm zu arbeiten. Ab 1620 war er Mitglied der Accademia delle Arti del Disegno und erhielt 1621 einen ersten, nicht näher spezifizierten Auftrag. 1622 soll er laut Baldinucci in einen Mord verwickelt gewesen sein, was jedoch keine größeren Konsequenzen nach sich zog. Vermutlich hielt er sich anschließend in Rom bei seinem Onkel, dem Maler Cosimo Dandini, auf. Ab 1623 ist er wieder in Florenz nachweisbar. Er erhielt verschiedene Aufträge, die nicht näher dokumentiert sind. 1625 war er gemeinsam mit Giovanni Battista Lupicini in Pisa, um mehrere Gemälde im Dom zu kopieren. Wahrscheinlich war er auch an der Ausführung des Gemäldes Verkündigung mit Heiligen in der Kirche San Nicola beteiligt. Aus demselben Jahr stammt sein erstes gesichertes Werk, eine Pietà mit Engeln und Heiligen für die Florentiner Kirche Santissima Annunziata.

1627 erhielt Cesare Dandini seinen ersten Auftrag von den Medici. Zu seinen wichtigsten Mäzenen zählten Lorenzo de’ Medici, ein Bruder Cosimos II., sowie die Kardinäle Carlo und Giovan Carlo de’ Medici. Der erste Auftrag war eine Porträtserie für Lorenzos Schwester Claudia, Erzherzogin von Tirol. Die Gemälde wurden 1630 nach Innsbruck geschickt und gelten heute als verschollen. Im Jahr 1631 sollte Dandini mehrere Gemälde für den Palazzo Parione in Florenz sowie für die Villa La Petraia in Castello ausführen. Davon haben sich ein Heiliger Hieronymus (Florenz, Depositi delle Gallerie) und Zerbino und Isabella (Palazzo Pitti, Raccolta del Soffittone) erhalten. Lorenzo de’ Medici hatte von einer Europareise Stiche von Lucas van Leyden, Albrecht Dürer und anderen mitgebracht. Dandini konnte diese studieren, was ihn stark beeinflusste.

Cesare Dandini: Kopf eines Jünglings (Head of a Youth), Öl auf Leinwand, 53,5 × 41,4 cm, um 1650. Ex-Christie’s, New York

Cesare Dandini arbeitete jedoch zu dieser Zeit nicht ausschließlich für die Medici. So malte er um 1629 für den Musiker Giovanni Battista Severi eine Verklärung des heiligen Karl Borromäus mit den Heiligen Laurentius, Johannes dem Täufer, Franziskus und Apollonia (Ancona, Chiesa del Sacramento). 1632 vollendete er ein Hauptwerk seiner frühen Schaffensphase: die Himmelfahrt Mariens mit den Heiligen Jacobus und Rochus, die für die Stadt Florenz um Fürbitte bitten. Das Bild war für die neu erbaute Cappella Palli in der Santissima Annunziata bestimmt und befindet sich heute unter der Orgel. In der Folgezeit entstanden zahlreiche Altartafeln, häufig unter Mitarbeit seiner Werkstatt und mitunter in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Vincenzo. Ein Beispiel ist der Heilige Joseph, zu dem Vincenzo das Pendant, einen Johannes Evangelista, schuf (nach 1635, ursprünglich für einen an eine Prateser Villa angebauten Kirchenbau, heute in einer Privatsammlung in Sesto Fiorentino).

Um 1640 entstanden zwei weitere Hauptwerke für Volterra: eine Maria mit Kind in der Glorie und Heiligen (San Chiara) sowie eine Geburt Mariens (San Lino). Daneben schuf Dandini für die Medici und andere Auftraggeber weiterhin Idyllen, mythologische und biblische Szenen, wie Moses verteidigt die Töchter Jitros am Brunnen der Midianiter (nach 1635, Dublin, National Gallery of Ireland), sowie Bildnisse, darunter Checca Costa (vor 1637, Florenz, Privatsammlung) und Weibliche Figur in orientalischem Kleid, auch Diana genannt (1639, Kopenhagen, Statens Museum for Kunst). Außerdem schuf er Andachtsbilder und Stillleben wie Stilleben mit Flasche, Glas, Messer, Käse und Brot (um 1640, Wien, Kunsthistorisches Museum).

Im Jahr 1650 erhielt Cesare Dandini einen letzten großen Auftrag der Medici für den Palazzo di Parione. Zahlreiche in seinen letzten Lebensjahren begonnene Gemälde wurden nach seinem Tod von seinem Sohn Vincenzo vollendet. So wurde das Gemälde Moses schlägt Wasser aus dem Felsen sogar erst 1684 von Pietro Dandini fertiggestellt (ursprünglich aus der Villa di Poggio Imperiale, später in den Depositi delle Gallerie Fiorentine, heute verschollen).

Werk

Cesare Dandinis Werk war zu Beginn stark von Curradi und Allori geprägt. Daneben wurde er auch von Bronzino, Ludovico Cigoli, Orazio Riminaldi und dem Franzosen Simon Vouet beeinflusst. Hinzu kamen Anregungen aus der nordischen Malerei, insbesondere von Dürer und Lucas van Leyden. Aus dieser Verbindung heraus entwickelte er einen individuellen Stil mit starken Farbkontrasten in teils metallisch wirkenden Farbtönen. In seinem Werk Die Bekehrung des Paulus aus dem Jahr 1647, das sich in der Kirche Santa Maria in Vallombrosa befindet, sind erste barocke Stilzüge zu verzeichnen. Dies veranlasste Roberto Contini (1986), einen zweiten Romaufenthalt Dandinis anzunehmen. Die wechselseitige Beeinflussung der Brüder Cesare und Vincenzo Dandini ist durch die schwankende Zuschreibung zahlreicher Gemälde sowie durch gemeinsame Auftraggeber belegt. Im Unterschied zu Vincenzo hat Cesare Dandini kaum gezeichnet und – für die Zeit untypisch – meist auf zeichnerische Vorstudien zu seinen Gemälden verzichtet.

Werke (Auswahl)

Literatur

Commons: Cesare Dandini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. 2009.
  2. 1 2 Filippo Baldinucci: Notizie de’ professori del disegno da Cimabue in qua. Hrsg.: Ferdinando Ranalli. Band 4. Florenz 1846.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 Sandro Bellesi: Cesare Dandini. Artema, Torino 1996.
Personendaten
NAME Dandini, Cesare
KURZBESCHREIBUNG italienischer Maler des Florentiner Barock
GEBURTSDATUM 1. Oktober 1596
GEBURTSORT Florenz
STERBEDATUM 7. Februar 1657
STERBEORT Florenz