
Anna Francesca Costa, genannt Checca Costa (auch Ceccha Costa; Lebensdaten unbekannt, belegt zwischen den 1620er Jahren und 1670), war eine italienische Sängerin und Theaterunternehmerin des 17. Jahrhunderts. Sie wirkte an den Höfen von Rom, Florenz, Paris und Bologna und gilt als eine der wenigen namentlich bekannten Frauen, die im Seicento eine Opernproduktion in eigener Verantwortung organisierten.
Über die Herkunft und die Lebensdaten der Anna Francesca Costa ist wenig gesichert. Grundlage der biografischen Rekonstruktion ist unter anderem das 1635 in Rom aufgesetzte Testament ihrer Schwester Margherita Costa. Dem Testament zufolge kam Margherita als älteste Tochter des Cristoforo Costa und seiner Frau Dorotea in Rom zur Welt. Sie hatte drei Geschwister: Anna Francesca, genannt Checca, die ebenfalls wie Margherita eine Karriere als Kurtisane und Sängerin begann, eine weitere Schwester namens Anna, von der nur bekannt ist, dass sie später ins Kloster eintrat, sowie den Bruder Paolo. Sowohl Margherita als auch Checca Costa erhielten offenbar eine musikalische Ausbildung und lernten lesen und schreiben. Beide traten früh als Sängerinnen in Rom auf und standen dort unter der Protektion römischer Adelsfamilien, darunter der Aldobrandini.
Für das Jahr 1626 ist eine erste dokumentierte Beteiligung Checca Costas am römischen Opernbetrieb belegt. Für die Uraufführung der Oper La catena d’Adone am 12. Februar 1626 im Palazzo Conti in Rom waren ursprünglich Partien für Margherita und Checca Costa vorgesehen. Ippolita Ludovisi, die Ehefrau des Auftraggebers aus der Familie Aldobrandini, widersetzte sich jedoch dem Auftritt der beiden Sängerinnen in einem musikalischen Wettstreit zweier Frauen unter dem Patronat ihrer Familie. Die betreffenden Rollen wurden daher kurzfristig mit Kastraten der päpstlichen Cappella Sistina besetzt. Die Aufführung war gleichwohl erfolgreich und wurde während des Karnevals mehrfach wiederholt.
In der Folgezeit stand Checca Costa im Dienst des Hauses Medici, namentlich unter der Protektion des Kardinals Giovanni Carlo de’ Medici. Aus dieser Zeit stammen zwei Porträts der Sängerin von der Hand des Florentiner Malers Cesare Dandini: ein Ritratto di Checca Costa (vor 1637, Florenz, Privatsammlung) sowie ein Ritratto di Checca Costa con corona di fiori (um 1640, Florenz, Museo Stibbert).
Im Jahr 1645 wurde Checca Costa gemeinsam mit ihrer Schwester Margherita über den Marchese Bentivoglio im Auftrag von Kardinal Mazarin für den französischen Hof angeworben. Die Schwestern reisten mit einer Truppe italienischer Sänger nach Paris, der unter anderem die Kastraten Atto Melani und Marc’Antonio Pasqualini (Pasqualino) angehörten. Am 28. Februar 1645 wirkte Checca Costa vermutlich an einer Aufführung von Marco Marazzolis Il giudizio della Ragione tra la Beltà e l’Affetto am Théâtre du Palais-Royal mit. Die Zuschreibung dieser ersten Pariser Aufführung ist in der Forschung jedoch umstritten. Am 13. Februar 1646 sang sie in einer als Egisto bezeichneten Aufführung, die früher Francesco Cavalli zugeschrieben wurde. Nach neueren Forschungen ist diese Aufführung jedoch eher mit der im Jahr 1639 entstandenen komischen Oper Egisto, ovvero Chi soffre speri von Virgilio Mazzocchi und Marco Marazzoli zu identifizieren.
Nach einem zwischenzeitlichen Aufenthalt in Rom im Jahr 1646 kehrten die Schwestern Costa im Jahr 1647 nach Paris zurück. Am 2. März 1647 sang Checca Costa im Rahmen der Uraufführung von Luigi Rossis Oper Orfeo am Théâtre du Palais-Royal die Partie der Eurydike, während ihre Schwester Margherita die Rolle der Giunone übernahm. An ihrer Seite traten erneut die Kastraten Pasqualini und Melani auf. In einem Bericht an den Großherzog der Toskana wurde hervorgehoben, dass Checca Costa vor allem von Ihren Majestäten gefeiert und von allen übrigen Anwesenden beklatscht worden sei. Die Aufführung, für die Giacomo Torelli die Bühnenmaschinerie schuf, war trotz der beim französischen Publikum umstrittenen langen italienischen Rezitative ein großer Erfolg. Als Checca Costa anschließend nach Rom weiterreisen wollte, stattete Mazarin sie mit einem Empfehlungsschreiben an den französischen Botschafter in Rom aus, in dem er ihre Verdienste um die Aufführung des Orfeo am Hof der Königin hervorhob.
Um 1650 kehrte Checca Costa nach Florenz zurück. Ein möglicher Grund für die Rückkehr war ein Misserfolg in Paris. In den Jahren 1652/53 war sie in Bologna tätig, wo sie – weiterhin unter der Protektion von Kardinal Giovanni Carlo de’ Medici und unterstützt durch Ferdinando Cospi – die Produktion der Oper L’Ergirodo (Libretto: Giovanni Andrea Moniglia) am Teatro Guastavillani organisierte. Die Widmung des am 27. Dezember 1652 datierten Librettos an den päpstlichen Legaten Kardinal Giovanni Girolamo Lomellini unterzeichnete sie nicht als Sängerin, sondern ausdrücklich als Impresaria der Produktion – eine für eine Frau im 17. Jahrhundert ungewöhnliche Rolle. Die Aufführung fand im Januar 1653 statt, nachdem Costa zuvor die Nutzung des Theaters durch den eigentlichen Pächter, den Impresario Quaranta Fantuzzi, kurzfristig hatte sichern müssen. Diese Angelegenheit konnte erst nach Vermittlung durch Kardinal Giovanni Carlo de’ Medici geklärt werden. Ob Checca Costa in den Bologneser Aufführungen des Ergirodo auch selbst sang, gilt als wahrscheinlich, ist jedoch nicht sicher belegt.
Über das weitere Leben Checca Costas liegen nur vereinzelte Hinweise vor. Laut der Musikforschung wird eine Tochter namens Ippolita erwähnt, die die künstlerische Tätigkeit der Familie fortgesetzt haben soll. Nähere Angaben zu deren Wirken fehlen jedoch. Ein Testament von Anna Francesca Costa aus dem Jahr 1670 ist archivarisch überliefert und stellt den letzten bekannten Beleg für ihr Leben dar. Sterbeort und -datum sind nicht bekannt. In einer Handschrift der Biblioteca Apostolica Vaticana mit Arien verschiedener Komponisten des 17. Jahrhunderts (Chigi, Q.VIII.177) findet sich eine zweistimmige Arie Oh Dio, voi che mi dite einer Signora Costa, die möglicherweise mit Anna Francesca Costa identisch ist.
Anna Francesca Costa wurde lange Zeit vor allem im Schatten ihrer literarisch produktiveren Schwester Margherita Costa wahrgenommen und in älteren musikhistorischen Darstellungen nur beiläufig erwähnt. Neuere musik- und theaterhistorische Forschung, insbesondere die Arbeiten von Teresa Micale sowie die Dissertation von Courtney Quaitance, hat ihre Karriere als Sängerin und ihre – für eine Frau des 17. Jahrhunderts außergewöhnliche – Tätigkeit als Opernimpresaria eigenständig untersucht. Dabei wurde auf die Bedeutung ihrer administrativen und diplomatischen Fähigkeiten bei der Produktion des Ergirodo hingewiesen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Costa, Anna Francesca |
| ALTERNATIVNAMEN | Costa, Checca; Costa, Ceccha |
| KURZBESCHREIBUNG | italienische Sängerin und Theaterunternehmerin |
| GEBURTSDATUM | 17. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 17. Jahrhundert |