
Francesco Curradi (auch Corrado, Currado; * 15. November 1570 in Florenz; † 1661 ebenda) war ein italienischer Maler des Florentiner Barock.
Francesco Curradi wurde 1570 in Florenz als ältester Sohn des Malers Taddeo Curradi geboren. Seine jüngeren Brüder Piero und Cosimo Curradi sollen ebenfalls bei ihm gelernt haben. Er war Schüler von Giovanni Battista Naldini. Bereits 1584 wirkte er an der Verklärung Mariens für die Kirche San Niccolò Oltrarno in Florenz mit. Ende der 1580er Jahre war er an der Maria mit Heiligen für die Kirche Sant’Agostino in Prato beteiligt; in diesem Gemälde soll er entweder seinen Vater oder seinen Lehrer porträtiert haben. 1589 war er als Gehilfe des Naldini-Schülers Giovanni Balducci an den Festdekorationen der Ponte della Carraia anlässlich der Ankunft der Christine von Lothringen beteiligt. 1590 wurde Francesco Curradi Mitglied der Florentiner Malerzunft, 1594 der Accademia delle Arti del Disegno. 1597 entstand mit der Madonna mit dem heiligen Linus und anderen Heiligen für die Kirche San Lino in Volterra sein frühestes bekanntes datiertes und signiertes Altarbild; in diesem Werk zeigen sich laut Forschung erste Anzeichen einer Loslösung vom Manierismus Naldinis. Zwischen 1594 und 1603 war er mit den Gemälden Christus in Emmaus (Bozzetto im Museo Horne, Florenz) und Speisung der Zehntausend an der Ausstattung der Cappella Serragli in San Marco beteiligt, an der unter anderem auch Domenico Cr^esti, genannt il Passignano, und Jacopo da Empoli mitwirkten.
1606 wurde Francesco Curradi zum Porträtisten und Hagiographen der Karmeliterin Maria Maddalena de’ Pazzi, indem er 87 Episoden aus deren Leben in Rötelzeichnungen festhielt, die zu einem Album zusammengefügt wurden (heute im Santa Maria Maddalena dei Pazzi in Florenz). Diese Zeichnungen dienten in der Folge als Grundlage für spätere Darstellungen der Heiligen. Zu dieser Zeit unterhielt er bereits eine eigene Werkstatt; sein bekanntester Schüler war Cesare Dandini.

1612 war Francesco Curradi gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder Piero am Seligsprechungsprozess der Maria Maddalena de’ Pazzi beteiligt, die 1626 seliggesprochen wurde. In der heute nicht mehr bestehenden Kirche Santa Maria degli Angeli, wo der unversehrte Leichnam der Seligen aufgebahrt war, malte er zusammen mit seiner Werkstatt das Paradies. 1627 wurde er zum Ritter des Christusordens ernannt. Nach dem Umzug der Karmeliterinnen 1628 in ihre neue Kirche Santa Maria Maddalena dei Pazzi malten Curradi und sein Bruder Piero 1629 weitere Szenen aus dem Leben der Heiligen. Ob das Gemälde Santa Maria Maddalena de’ Pazzi erhält von der Muttergottes den Schleier (1633) für San Giovanni dei Fiorentini in Rom vor Ort oder in Florenz ausgeführt wurde, ist nach Quellenlage nicht geklärt. Zeichnungen nach der Laokoon-Gruppe und der Venus de’ Medici, die sich damals in der Villa Medici in Rom befand, lassen einen Aufenthalt Curradis in Rom vermuten. 1634 beteiligte sich Francesco Curradi am Wettbewerb um die Fassadengestaltung von Santa Maria del Fiore.
Lange Zeit galt die Predigt des Johannes des Täufers von 1649 (Florenz, Santa Trinita, Cappella Rondoni) als sein letztes religiöses Werk und eine Landschaft mit Figuren von 1658 (Louisville, Kentucky, Sammlung Wallace Hughes) als sein letztes bekanntes Gemälde überhaupt. Durch dokumentarische Forschung von Z. Jedynak wurde jedoch nachgewiesen, dass eine Himmelfahrt Mariens in der Marienkirche von Bytom (Beuthen) von Francesco Curradi signiert und auf 1659 datiert war, wobei Signatur und Datierung heute nicht mehr sichtbar sind. Das Gemälde war ursprünglich für das Klarissinnenkloster in Anghiari bestimmt; nach dessen Auflösung gelangte es in das ehemalige Kaiser-Friedrich-Museum Berlin (heute Bode-Museum), von wo es 1936 an die Marienkirche in Bytom abgegeben wurde. Francesco Curradi starb 1661 in Florenz.

Francesco Curradis Frühwerk stand stark unter dem Einfluss seines Lehrers Giovanni Battista Naldini und dessen manieristischer Formensprache. Nach dessen Tod wandte sich Curradi vom Manierismus ab und orientierte sich zunehmend an Lodovico Cigoli und Domenico Cresti, genannt il Passignano. In der Folge entwickelte er sich zu einem der bedeutenden Florentiner Maler der Gegenreformation. Bereits das 1605 entstandene Gemälde der Präsentation im Tempel in der Propositura di San Casciano Val di Pesa, dessen Signatur und Datierung erst bei einer Restaurierung 1992 entdeckt wurden, zeigt, dass Curradi zu diesem frühen Zeitpunkt bereits zu seinem reifen Stil gefunden hatte. Ebenfalls signiert ist eine um 1633/35 datierte Mariä Himmelfahrt in Santa Maria in Spicchio bei Vinci (Proto Pisani, 1994).
Durch den Kontakt zu Vincenzo Puccini wurde Francesco Curradi zu einem Hauptmaler der Karmeliten, daneben auch der Jesuiten, und spezialisierte sich auf das meditative Andachtsbild. Sein 1609 entstandenes Gemälde Adam und Eva (Privatsammlung) zeigt zugleich seine Fähigkeit, religiöse Bildthemen mit Elementen der Genremalerei zu verbinden. Die Kunsthistorikerin Christel Thiem machte 1977 auf zahlreiche Kreidezeichnungen Curradis in den Uffizien und weiteren Sammlungen aufmerksam, die zuvor teilweise als anonym geführt worden waren, und hob die starke Stofflichkeit und Plastizität in der Wiedergabe der Gewänder als charakteristisches Merkmal seines Stils hervor.
Seit den 1980er Jahren, insbesondere durch die grundlegende Studie von Pietro Pacini (1984, 1988), wurden zahlreiche neue Werke Francesco Curradis identifiziert, frühere Zuschreibungen korrigiert und Vorzeichnungen zu bereits bekannten Gemälden aufgefunden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Curradi, Francesco |
| ALTERNATIVNAMEN | Corrado, Francesco; Currado, Francesco |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Maler des Florentiner Barock |
| GEBURTSDATUM | 15. November 1570 |
| GEBURTSORT | Florenz |
| STERBEDATUM | 1661 |
| STERBEORT | Florenz |