Allendorf a. d. Lahn Stadt Gießen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 33′ N, 8° 37′ O |
| Höhe: | 162 (155–230) m ü. NHN |
| Fläche: | 3,9 km² |
| Einwohner: | 2071 (31. Dez. 2019) |
| Bevölkerungsdichte: | 531 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Oktober 1971 |
| Postleitzahl: | 35398 |
| Vorwahl: | 06403 |
Lage von Allendorf in Gießen | |

Allendorf (), amtlich Allendorf a. d. Lahn, ist ein Stadtteil der mittelhessischen Stadt Gießen im Landkreis Gießen.
Allendorf gehört zum Hüttenberger Land und liegt unweit der Lahn. Es bildet mit Lützellinden den südlichen Teil der Stadt und liegt etwa 5 Kilometer von der Gießener Kernstadt entfernt.
Die offizielle Bezeichnung Allendorf a. d. Lahn, ist irreführend. Der äußerste Punkt des Ortes liegt etwa einen halben Kilometer Luftlinie von dem Fluss entfernt, die kürzeste Wegstrecke von der Außengrenze Allendorfs zum Fluss beträgt etwa einen Kilometer. Allendorf wird in diesem Gebiet durch eine Baggerseenlandschaft von der Lahn getrennt, welche zu den Nachbargemeinden Dutenhofen, Heuchelheim und Kleinlinden gehört, die Ergebnis eines Kiestagebaus von den 1960er- bis 1980er-Jahren ist. Quellen zur Ortsgeschichte Allendorfs legen eine historische Lage des Orts an der Lahn nahe. Es wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert an der Nordgrenze des Ortes zu Grenzstreitigkeiten kam, da der Mäander bildende Fluss häufig seinen Lauf änderte. Es wird in diesem Zusammenhang auf eine Flussbegradigung um 1850 und eine spätere Flurbereinigung verwiesen.
Durch Allendorf fließt der Kleebach, der im Norden in die Lahn mündet.
Der Ort wurde zwischen 774 und 860 im Kopiar Lorscher Kodex fünf Mal erwähnt. Die Ersterwähnung stammt aus dem Jahre 774, in dem Gerbolt dem Kloster Lorsch eine Wiese in Aldentorph schenkte: „… Gerbolt dedit … in Alderdorph pratum …“
Ein Mann namens Winocho verkaufte im Jahre 790 das Dorf zusammen mit weiteren Besitztümern im Logenehe (Lahngau).
In den Jahren zwischen 780 und 802 schenkte Engeltrût dem Kloster Fulda ihre Güter in Allendorf und späteren Wüstung Walsdorf bei Dutenhofen. Dieser Eintrag stammt aus dem berühmten Codex Eberhardi, einem Kopiar aus der zeit um 1160. Ein Namensforscher bezieht diese Schenkung fälschlich auf Allendorf (Lumda).
1275 wird ein „… aduocaciam in Aldendorf … “ genannt.
Die niederadlige ortsansässige Familie von Allendorf verkaufte 1301 ihren Hof im Ort mit drei zugehörige Hufen nebst Einkünften. Ein Jahr später verkaufte der aus dieser Familie stammende Heinrich von Allendorf, gen. de Werene, dem Marienstift Wetzlar eine Korngülte von seinen Gütern zu Allendorf. Schließlich erwarb 1480 das Stift in Wetzlar eine Gülte aus der Walkmühle und eine Korngülte zu Allendorf im Hüttenberger Land.
Albrecht von Dutenhofen verkaufte 1317 den Nonnen zu Kloster Schiffenberg eine Korngülte von 2 1/2 Malter „… zou Aldindorf …“
Es gibt verschiedene Deutungsmöglichkeiten des Ortsnamens. Entweder man bezieht es auf das ahd. und mhd. Adjektiv alt oder auf die Kurzform des Rufnamens alda.
Allendorf gehörte wie 13 andere Dörfer zum Amt Hüttenberg, das zuvor den Konradinern gehörte. Im 11. Jahrhundert wurde die Ortschaft Teil der Grafschaft Gleiberg. 1363 fiel die Westhälfte der Grafschaft und damit auch Allendorf an die Grafen von Nassau-Weilburg.
Später bildete das Amt Hüttenberg ein Kondominat zwischen der Landgrafschaft Hessen und der Grafschaft Nassau. Dieses wurde in zwei Schritten durch Realteilungen aufgelöst, zuletzt durch den Hüttenberger Hauptteilungsvertrag. Allendorf gehörte fortan zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und hier zum hessischen Amt Hüttenberg. Seit dieser Zeit trug der Ort offiziell die Bezeichnung Allendorf an der Lahn. Auch lag das Dorf nun im Grenzgebiet, da die Nachbarorte Dutenhofen und Lützellinden zu Nassau gehörten und Münchholzhausen von den Grafen zu Solms regiert wurde.
1803 fasste die Landgrafschaft ihre nördlich des Mains gelegenen Gebiete in dem Fürstentum Oberhessen (später: Provinz Oberhessen) zusammen, wo nun auch Allendorf lag, 1806 wurde die Landgrafschaft zum Großherzogtum Hessen. Dieses führte 1821 eine Verwaltungsreform durch, in der das Amt Hüttenberg aufgelöst wurde. Übergeordnete Verwaltung war nun der Landratsbezirk Gießen, zuständiges Gericht das Landgericht Gießen.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Allendorf:
„Allendorf (L. Bez. Giessen) evangel. Pfarrdorf; liegt an der Lahn 3⁄4 St. von Giessen, hat 61 Häuser und 341 evangel. Einw. Außerdem findet sich hier 1 Kirche und 1 Grenznebenzollamt II. Classe. – Sehr alte Nachrichten erwähnen der Allendorfer Mark, so wie des Dorfs Allendorf, welches ohne Zweifel das gegenwärtige ist. Durch die Abtheilung mit Nassau-Weilburg im Jahr 1703 wurde der Ort ausschließend Hessisch“
Allendorf gehörte zum Gebiet des Gemeinen Rechts, das hier ohne die Überlagerung von Partikularrecht galt. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Allendorf an der Lahn wurde per Grenzänderungsvertrag, der am 1. Oktober 1971 in Kraft trat, ein Stadtteil von Gießen. Ebenfalls im Zuge der Gebietsreform wurde die neue Stadt Lahn am 1. Januar 1977 aus den Städten Gießen und Wetzlar sowie mehreren Umlandgemeinden gegründet. Dies hatte zur Folge, dass Allendorf dem Stadtbezirk Dutenhofen zugeordnet wurde und damit auch neuer Ortsteil der „Lahnstadt“ mit mehr als 156.000 Einwohnern wurde. Durch die am 1. August 1979 erfolgte Wiederauflösung der Stadt Lahn kam es zum erneuten Anschluss an die Stadt Gießen. Für die Stadtteile Gießen-Allendorf, Gießen-Kleinlinden, Gießen-Lützellinden, Gießen-Rödgen und Gießen-Wieseck werden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Allendorf angehört(e):
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Allendorf/Lahn 1812 Einwohner. Darunter waren 96 (5,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 243 Einwohner unter 18 Jahren, 765 zwischen 18 und 49, 405 zwischen 50 und 64 und 402 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 873 Haushalten. Davon waren 321 Singlehaushalte, 231 Paare ohne Kinder und 213 Paare mit Kindern, sowie 83 Alleinerziehende und 45 Wohngemeinschaften. In 180 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 528 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Quelle: Historisches Ortslexikon
| Allendorf: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2019 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1791 | 250 | |||
| 1800 | 250 | |||
| 1806 | 302 | |||
| 1829 | 341 | |||
| 1834 | 357 | |||
| 1840 | 367 | |||
| 1846 | 378 | |||
| 1852 | 404 | |||
| 1858 | 425 | |||
| 1864 | 450 | |||
| 1871 | 515 | |||
| 1875 | 515 | |||
| 1885 | 549 | |||
| 1895 | 646 | |||
| 1905 | 718 | |||
| 1910 | 763 | |||
| 1925 | 869 | |||
| 1939 | 876 | |||
| 1946 | 1.220 | |||
| 1950 | 1.238 | |||
| 1956 | 1.227 | |||
| 1961 | 1.227 | |||
| 1967 | 1.328 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2002 | 1.850 | |||
| 2006 | 1.825 | |||
| 2009 | 1.782 | |||
| 2011 | 1.812 | |||
| 2014 | 1.785 | |||
| 2017 | 1.912 | |||
| 2019 | 2.071 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS; Stadt Gießen; Zensus 2011 | ||||
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1829: | 341 evangelische Einwohner |
| • 1895: | 642 evangelische Einwohner |
| • 1961: | 1013 evangelische, 202 katholische Einwohner |
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1981: | Erwerbspersonen: 128 Land- und Forstwirtschaft, 305 Produzierendes Gewerbe, 101 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 93 Dienstleistungen und Sonstige. |
Für Allendorf besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Allendorf) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern.
Bei der Wahl zum Ortsbeirat 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
| Ortsbeirat – Kommunalwahlen 2021 | |
|---|---|
Ortsvorsteher ist Thomas Euler (SPD). Dieses Amt hat er bereits seit dem 23. April 1997 inne.
Im Ort befinden sich Kindergarten und Grundschule sowie eine Freiwillige Feuerwehr, eine Mehrzweckhalle und eine Kneippanlage. Auch eine Außenstelle der Stadtverwaltung Gießen ist in Allendorf eingerichtet.
Durch das Dorf verläuft die K 21, die nahe Allendorf von der L 3451 aus Richtung Wetzlar abzweigt und nach Lützellinden führt. Direkt verbunden ist Allendorf auch mit Kleinlinden. Unweit der Ortschaft verläuft die Autobahn 45 mit der Anschlussstelle Gießen-Lützellinden sowie die Autobahn 485 mit der Anschlussstelle Linden. Nördlich von Allendorf führt die vierspurige Bundesstraße 49 entlang.
Der nahegelegene Bahnhof Dutenhofen bietet Anschluss an die Regionalzüge der Dill-Strecke. Der Gießener Bahnhof verfügt sowohl über Nah- als auch Fernverkehrsverbindungen.
Zwischen Lützellinden und Allendorf befindet sich mit dem Sonderlandeplatz Lützellinden ein Flugplatz (ICAO-Code EDFL).
Anmerkungen
Einzelnachweise