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Sir András Schiff [] (* 21. Dezember 1953 in Budapest) ist ein ungarischer Pianist, Dirigent und Musikpädagoge, der auch die österreichische und die britische Staatsbürgerschaft besitzt.
András Schiff wurde in eine jüdisch-bürgerliche, weitgehend säkularisierte Budapester Familie hineingeboren, in der sonntägliche Treffen mit Hausmusik zur Kultur gehörten. Beide Eltern waren Überlebende des Holocaust und für beide war es die zweite Ehe. Ihre ersten Ehegatten und auch der vierjährige Sohn des Vaters aus erster Ehe waren im Rahmen der Judenverfolgung ermordet worden. Der Vater überlebte aufgrund seines Arztberufs, und die Mutter entging mit ihrer Familie nur deswegen der Deportation, weil die Bahnlinie nach Auschwitz zerstört worden war. Nach Kriegsende lernten sich die Eltern 1946/47 kennen und heirateten. Sie zogen zunächst nach Debrecen, den Herkunftsort der Mutter, und später nach Budapest, wo der Vater als Chefarzt und Gynäkologe an einem größeren Krankenhaus tätig war. In Budapest wurde Andras 1953 als einziges Kind geboren. Sein Vater war bei seiner Geburt bereits 59 Jahre als und starb schon sechs Jahre später an Lungenkrebs. Nach Schiffs Angaben war die Mutter eine gute Klavierlehrerin und der Vater spielte Geige als Amateur. Nach dem Umzug nach Budapest und unter dem Druck der politischen Verhältnisse, d. h. der stalinistischen Rakosi-Diktatur, kam die Mutter zu der Einschätzung, dass ihr ein Beruf als Musiklehrerin unmöglich sein werde und sie absolvierte ein Studium an der Handelshochschule. Später wurde sie in einer Ex- und Importfirma für chemische Produkte tätig, wo sie auch aufgrund ihrer sehr guten Deutsch- und Französischkenntnisse das Privileg genoss, häufig auch ins westliche Ausland reisen zu dürfen. Wegen der Berufstätigkeit der Mutter und dem frühen Tod des Vaters wurde Schiff wesentlich auch von seiner mit im Haushalt lebenden Großmutter aufgezogen. Nach dem Ungarnaufstand von 1956 emigrierte bzw. floh Schiffs Cousine mit ihrem Mann und ihrer Tochter aus Ungarn nach England, wodurch Andras Schiff verwandtschaftliche Beziehungen dorthin bekam.
Schiff begann mit fünf Jahren, Klavier zu spielen. In späteren Interviews betonte er, dass er dies stets aus eigenem Antrieb heraus ohne Druck von Seiten der Eltern getan habe. Er sei „kein Wunderkind“ gewesen und habe eine „ganz normale Kindheit“ erlebt, in der er mehr Fußball, als Klavier gespielt habe. Ungefähr im Alter 12 oder 13 Jahren sei aber in ihm der Entschluss gereift, Berufsmusiker werden zu wollen, und seitdem habe er mit dem intensiveren Klavierüben begonnen. Mit 14 Jahren nahm er sein Studium an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest auf, unter anderem bei Ferenc Rados, Pál Kadosa und György Kurtág. Er verbrachte mehrfach seine Sommerferien in England bei den Verwandten. Dort schloss er Freundschaft mit dem rund 40 Jahre älteren Dirigenten und Cembalisten George Malcolm, mit dem er zusammen musizierte und der in ihm Verständnis für die Musik Bachs weckte. In London lernte er auch den Violinisten und Dirigenten Sándor Végh kennen, bei dem er über Jahre als Student und Klavierbegleiter tätig war. Schiff erhielt 1987 die österreichische und 2001 die britische Staatsbürgerschaft. 2014 wurde er geadelt und in den englischen Ritterstand erhoben („Knight Bachelor“ mit dem Prädikat „Sir“).
Schiff tritt international auf, sowohl als Solist als auch zusammen mit bekannten Orchestern, beispielsweise dem Chicago Symphony Orchestra, den Wiener Philharmonikern und den Berliner Philharmonikern. Schiff ist seit 1999 Gründer und Dirigent des international auftretenden Kammerorchesters Cappella Andrea Barca („Andrea Barca“ ist eine freie Übersetzung von „András Schiff“ ins Italienische), dessen Auflösung für 2026 angekündigt wurde. Von 1989 bis 1998 leitete er das Mondsee-Festival in der Nähe von Salzburg. Gemeinsam mit Heinz Holliger gründete er 1995 die „Ittinger Pfingstkonzerte“ in der Kartause Ittingen. Seit 2018 ist Schiff Lehrer an der Kronberg Academy. 15 Jahre lang stand Schiff beim Label Decca exklusiv unter Vertrag. Anlässlich seines 70. Geburtstags im Jahr 2023 wurde eine Jubiläumsbox mit allen 78 Alben herausgegeben, die er für Decca aufgenommen hatte. Seit 1998 nimmt Sir András Schiff exklusiv für das Label ECM auf.
Schiff ist seit 1987 mit der aus Japan stammenden Violinistin Yuuko Shiokawa verheiratet. Sein Herz, sagte er 2026, sei in Florenz zuhause, weitere Wohnsitze hatte er in New York City, London, Salzburg und Basel. Neben Ungarisch spricht Schiff fließend Deutsch und Englisch. An seinem Wohnort in Italien spricht er Italienisch.
Im Jahr 2000 sagte Schiff seine Teilnahme bei der Schubertiade in Feldkirch ab und drückte so seinen Protest gegen die Beteiligung der rechtsgerichteten FPÖ an der österreichischen Bundesregierung aus. Schiff verließ mit seiner Frau den damaligen Wohnort Salzburg und zog nach Italien.
Schiff sprach sich 2012 öffentlich gegen ein italienisches Gesetz aus, dass es Mitarbeitern der Opern- und Sinfonieorchester-Stiftungen verbot, außerhalb dieser Einrichtungen selbstständige Tätigkeiten auszuüben. Sein eigenes Orchester, die Cappella Andrea Barca, war von dem Gesetz unmittelbar negativ betroffen.
Gegen das ungarische Mediengesetz und die Einmischung der Politik in die Kultur unter der Orbán-Regierung verfasste Schiff im Januar 2011 mit mehreren Künstlern eine Resolution. In Interviews teilte er mit, dass er nicht mehr in Ungarn konzertieren werde, weil er dort Persona non grata sei und von antisemitischer Hetze persönlich bedroht werde. Er sei „sehr verärgert“ über Ungarn und ärgere sich auch über das Verhalten der jüdischen Gemeinde in Ungarn, die nicht öffentlich gegen diese Entwicklungen Stellung beziehe.
Zum Bruch mit seinem Heimatland befragt, bekannte er im Juni 2022: „Es schmerzt, immer mehr.“ Er sei 2010 zum letzten Mal in Ungarn gewesen, anlässlich der Beerdigung seiner Mutter. Seine Heimatstadt fehle ihm, obwohl er mit Freunden regelmäßig Ungarisch spreche und auch die zeitgenössische Literatur lese. Es sei „unwahrscheinlich, dass sich zu meinen Lebzeiten noch einmal etwas grundlegend ändert“. Nachdem die Regierung Viktor Orbáns bei der ungarischen Parlamentswahl 2026 abgewählt worden war, beendete Schiff auch den 15-jährigen Boykott seines Heimatlandes und kündigte Konzerte zum Ende 2026 in Ungarn an.
Den russischen Aggressionskrieg gegen die Ukraine verurteilte er deutlich, sprach sich aber ebenso deutlich dagegen aus, die russische Kultur im Allgemeinen zu boykottieren. Bei den russischen Künstlern müsse man differenzieren und nur solche eindeutig boykottieren, die die Politik Wladimir Putins unterstützten. Ansonsten bedauere er sehr, nicht mehr in Russland auftreten zu können, da das russische Publikum ein ganz besonderes sei und Kunst und Musik nicht einfach konsumiere, sondern sie „nicht mit dem Kopf, nicht einmal mit den Ohren, sondern mit dem Herzen“ erlebe.
Auch zu den Verhältnissen in den USA unter der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps äußerte er sich deutlich. Dieser agiere wie „ein verrückter Elefant im Porzellan-Laden“ und Trump und seine politischen Mitstreiter hätten eine „Hässlichkeit in die Welt gebracht, die man bisher nicht kannte“. Im März 2025 sagte er eine seit zwei Jahren geplante Konzertreise mit den New Yorker Philharmonikern und dem Philadelphia Orchestra in den USA ab.

Schiff, der als einer der besten und vielseitigsten Pianisten der Gegenwart gilt, ist ein renommierter Interpret der Musik von Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann (etwa Kreisleriana) und besonders des Klavierwerks seines Landsmannes Bartók. Daneben widmet er sich intensiv dem Werk von Johann Sebastian Bach, den er für „den größten Komponisten, der je gelebt hat“ und „den Besten von uns“ hält, wobei er nicht der strengen historischen Aufführungspraxis folgt, sondern die Musik Bachs üblicherweise auf modernen Flügeln verschiedener Bauart (Bösendorfer, Steinway) darbietet. 2019 äußerte er sich bei Meisterkursen der Schubertiade öffentlich über die Eignung von Instrumenten der Marken Steinway & Sons bzw. Bösendorfer zur Interpretation von Musik des frühen 19. Jahrhunderts. Meist spielt Schiff auf seinem eigenen Bösendorfer 280VC Konzertflügel in Pyramiden-Mahagoni.
Von Schiff liegen Einspielungen sämtlicher Sonaten von Mozart, Beethoven und Schubert sowie der Klavierkonzerte Mozarts vor, außerdem der meisten großen Solo-Klavierwerke Johann Sebastian Bachs. Zusammen mit Peter Schreier hat er Lieder von Beethoven, Schubert und Schumann aufgenommen, mit Robert Holl Lieder von Brahms und Schumann. Er musizierte 1991 und 1992 mit Dietrich Fischer-Dieskau Schuberts Die schöne Müllerin, bei TDK ist eine DVD-Aufnahme des denkwürdigen Konzertes von der Schubertiade in Feldkirch 1991 erschienen. Im Henle-Verlag erschienen Werke von Bach, Mozart und anderen Komponisten mit Fingersätzen und Hinweisen zur Aufführungspraxis von András Schiff.
2002 erschien eine Doppel-CD mit Werken von Schumann beim Label ECM, basierend auf einem Livekonzert Schiffs in Zürich. Warner Classics veröffentlichte 2007 eine Box mit Werken von Brahms, Händel, Haydn, Reger, Schumann und Smetana (6 CDs).
| Personendaten | |
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| NAME | Schiff, András |
| KURZBESCHREIBUNG | ungarischer Pianist und Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 21. Dezember 1953 |
| GEBURTSORT | Budapest |