
Andreas Osiander (* 14. oder 19. Dezember 1496 in Gunzenhausen, Fürstentum Ansbach; † 17. Oktober 1552 in Königsberg, Herzogtum Preußen) war Theologe und deutscher Reformator.
Nach seinem Studium in Ingolstadt wirkte Osiander zunächst ab 1522 als Pfarrer in Nürnberg an St. Lorenz, auf Berufung des dortigen Propsts Hektor Poemer (1495–1541). Überzeugt von der Theologie Martin Luthers setzte er gemeinsam mit seinen Weggefährten, dem Maler Albrecht Dürer, dem Humanisten und Ratsherren Willibald Pirckheimer sowie dem Ratsschreiber Lazarus Spengler und dem Meistersinger Hans Sachs die Reformation in Nürnberg durch. Dabei war Osiander der Hauptverfasser der bedeutenden und weit über Nürnberg hinaus einflussreichen Kirchenordnung von 1533, die gleichzeitig in Nürnberg und in der benachbarten Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach eingeführt wurde.
Auch in der Oberpfalz kam Osiander bei der kirchlichen Erneuerung eine maßgebliche Rolle zu. So lieferte er die Vorlage für das Edikt des Landesherrn Otto Heinrich und erarbeitete eine neue Kirchenordnung. Osiander war an der Abberufung des evangelisch gesinnten Rektors der Sebaldusschule Hans Denck beteiligt, der sich später reformatorischen Täufern anschloss.
Osiander wurde 1549 von Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach als Theologieprofessor an die 1544 gegründete Albertus-Universität Königsberg berufen. Dort geriet er in heftigen Streit mit den Anhängern Philipp Melanchthons, dem engen Weggefährten Luthers. In der Auseinandersetzung ging es um die Rechtfertigungslehre, eine der Kernaussagen reformatorischer Theologie. Für Melanchthon blieb ein Sünder auch nach der Rechtfertigung vor Christus zutiefst ein Sünder. Osiander war dagegen – ähnlich der Position der Ostkirchen – der Meinung, dass die Gerechtigkeit Christi durch den Glauben dem Menschen eingepflanzt und somit ein Wesensbestandteil des Glaubenden ist.
Dieser sogenannte Osiandrische Streit erregte den Protestantismus bis etwa 1566 und entzweite ihn. Letzten Endes gingen Osiander und seine Anhänger in dieser für die Reformation wichtigen theologischen Frage zeit ihres Lebens eigene Wege.
Osiander galt als Kenner der hebräischen Sprache und der jüdischen Mystik. Er suchte anders als Luther einen echten Dialog mit den Juden, setzte sich energisch für ihre Rechte ein und lehnte jede Form des Antijudaismus ab. 1540 erschien (anonym) seine Schrift „Ob es wahr und glaublich sey, daß die Juden der christen kinder heymlich erwürgen und ir Blut gebrauchen“, in der er die Ritualmordlegende und andere gegen Juden erhobene Beschuldigungen widerlegte.
Osiander war es auch, der Nikolaus Kopernikus’ Werk De revolutionibus orbium coelestium vor seiner Erscheinung 1543 in Nürnberg ein Vorwort beifügt, welches Kopernikus’ Theorie als bloßes Rechenmodell ohne Anspruch auf Übereinstimmung mit der Realität darstellte. Dabei unterließ er es deutlich zu machen, dass diese Sätze seiner Feder und nicht aus jener des Kopernikus entstammten. Noch lange Zeit herrschte die Meinung, Kopernikus habe nicht wirklich an sein Modell geglaubt. Auch nahm er an dem Werk einige weitere Änderungen vor, die nicht durch Kopernikus autorisiert waren: so strich er wichtige Passagen und fügte Sätze ein.

Andreas Osiander war dreimal verheiratet.
Von seinen Kindern sind bekannt:
Zu weiteren bedeutenden Familienmitgliedern siehe unter Osiander (Familie).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Osiander, Andreas |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Theologe und Reformator |
| GEBURTSDATUM | 19. Dezember 1496 oder 19. Dezember 1498 |
| GEBURTSORT | Gunzenhausen |
| STERBEDATUM | 17. Oktober 1552 |
| STERBEORT | Königsberg, Preußen |