Apollinaire Lebas

Apollinaire Lebas

Jean-Baptiste Apollinaire Lebas (* 13. August 1797 in Le Luc; † 1. Januar 1873 in Paris) war ein französischer Schiffbauingenieur der Marine. Er leitete von 1831 bis 1836 die Arbeiten an Land, mit denen der Obelisk von Luxor in Ägypten niedergelegt und verladen, in Paris angelandet und auf der Place de la Concorde wieder aufgerichtet wurde. Danach war er Konservator des Marinemuseums, das damals im Louvre untergebracht war.

Herkunft und frühe Laufbahn

Lebas wurde am 13. August 1797 in Le Luc im Département Var geboren, wo sein Vater als Grundbesitzer von seinen Renten lebte. 1816 bestand er die Aufnahmeprüfung der École polytechnique als Zweitbester und wechselte danach in das Korps der Schiffbauingenieure der Marine, den Génie maritime. 1823 stellte er während der französischen Intervention in Spanien die Flottille zusammen, die Barcelona von See her blockierte, und richtete nach der Einnahme von Algier 1830 in Sidi-Ferruch eine Reparaturwerft ein.

Überführung des Obelisken von Luxor

Für die Arbeiten an Land beim Transport des westlichen Obelisken vom Luxor-Tempel nach Paris war zunächst der Marineingenieur Mimerel vorgesehen. Als dieser aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, schlug der Marinepräfekt von Toulon Lebas als einen von zwei Kandidaten vor, und der Marineminister übertrug 1831 dem damaligen Sous-ingénieur erster Klasse die Leitung. Nach den Anweisungen des Ministers war er allein für das Niederlegen des Obelisken, den Transport zum Nil und das Verladen auf das eigens gebaute Schiff Luxor verantwortlich, dessen Fahrt der Kommandant Raymond de Verninac Saint-Maur leitete. In Luxor zeigte sich, dass der Obelisk einen Riss hatte, den keines der Werke über Ägypten erwähnte, und Lebas musste seine unterwegs ausgearbeiteten Pläne verwerfen. Statt für einen waagerechten Weg zum Schiff große Mengen Schutt abzutragen, entschied er sich, den Obelisken in zwei aufeinanderfolgenden Drehungen niederzulegen. Während der Vorbereitungen erreichte im September 1831 die Cholera Luxor, auf der Baustelle starben täglich Arbeiter, fünfzehn Seeleute erkrankten, und die Verbindung nach Alexandria riss ab, sodass benötigtes Material ausblieb. Nachdem der Obelisk niedergelegt war, scheiterte am 16. November ein erster Versuch, ihn zum Schiff zu ziehen, weil zwei Taljen rissen. Am 19. Dezember 1831 war er nach weniger als zwei Stunden Zugarbeit an Bord.

Lebas’ Entwurf für das Anlanden des Obelisken und den Transport vom Ufer der Seine zur Place de la Concorde, datiert 23. September 1833 (Musée Carnavalet)

In Paris fiel der Obelisk in die Zuständigkeit des Ministeriums für Handel und öffentliche Arbeiten, womit Lebas’ Auftrag eigentlich beendet war. Minister Adolphe Thiers befand jedoch, dass die Ehre der Aufrichtung dem gebühre, der den Obelisken niedergelegt und verladen hatte, und übertrug ihm am 10. August 1833 auch das Anlanden, den Transport zum Aufstellungsort und die Aufrichtung. Er ließ an der Uferrampe des Pont de la Concorde eine Helling bauen, auf die die Luxor am 23. Dezember 1833 gesetzt wurde. Am 9. und 10. August 1834 zogen 240 Artilleristen unter seiner Leitung den Obelisken aus dem Schiff die Rampe hinauf. Am 9. November 1834 wurde Lebas Offizier der Ehrenlegion. Auch die in L’Aber-Ildut gebrochenen Granitblöcke für den neuen Sockel ließ er an Bord der Luxor bringen. 1836 folgten drei weitere Etappen, in denen der Obelisk bis auf die Höhe des Sockels hinaufgezogen wurde. Zwei Medaillen, die vor der Aufrichtung am 25. Oktober 1836 in den Sockel gelegt wurden, nennen ihn in ihrer Inschrift als Ausführenden. Lebas leitete die Aufrichtung nach eigener Darstellung von der Oberkante des Sockels aus. Als der Obelisk etwa 58° zurückgelegt hatte und das Holzgerüst zu knarren begann, ließ er die Spille kurz anhalten und setzte die Bewegung dann beschleunigt fort. Nach dem Musée national de la Marine stellte er sich direkt unter den Obelisken, weil er ein Scheitern nicht überleben wollte. Der Bildhauer Jean-Pierre Dantan nahm Lebas’ Leistung in einer Karikaturstatuette aufs Korn, die heute im Musée Carnavalet steht.

Späteres Leben

Lebas’ Grabobelisk auf dem Friedhof Père Lachaise

Ende 1836 wurde Lebas Konservator des Marinemuseums im Louvre und folgte damit Pierre Zédé, der das Amt seit der Gründung des Museums 1827 innegehabt hatte. 1839 veröffentlichte er unter dem Titel L’obélisque de Luxor eine ausführliche Darstellung der Überführung mit Berechnungen der eingesetzten Vorrichtungen und 16 Tafeln. Auch unter der Generaldirektion der Nationalmuseen, der das Museum inzwischen unterstand, blieb er Konservator. 1851 stand ihm der Marinemaler Léon Morel-Fatio als stellvertretender Konservator zur Seite, der ab 1852 allein für das Museum zuständig war.

Daneben blieb er Ingenieur der Marine. Im Dezember 1842 wurde er zum Ingenieur erster Klasse befördert, was dem heutigen Ingénieur en chef entspricht. Spätestens 1850 gehörte er dem Admiralitätsrat (Conseil d’Amirauté) an, ab 1851 als beigeordnetes Mitglied (membre adjoint), und 1858 trat er in den Ruhestand.

Lebas starb am 1. Januar 1873 in Paris. Er wurde auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt, wo ein Obelisk als Grabmal an sein bekanntestes Werk erinnert.

Schriften

Literatur

Commons: Apollinaire Lebas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Lebas (Jean-Baptiste-Apollinaire). In: Gustave Vapereau (Hrsg.): Dictionnaire universel des contemporains. 2. Auflage. L. Hachette, Paris 1861, S. 1047 (französisch, archive.org).
  2. Bernard Cros: Le granit renversé du pharaon. L’obélisque entre Nil et Seine. In: Bulletin de l’Académie du Var. Band 11. Toulon 2010 (französisch, bnf.fr).
    1. 1 2 S. 103
    2. 1 2 3 4 S. 109
  3. 1 2 Lebas (Jean-Baptiste-Apollinaire). In: Pierre Larousse (Hrsg.): Grand dictionnaire universel du XIXe siècle. Band 10: L–Memn. Administration du Grand dictionnaire universel, Paris 1873, S. 285 (französisch, archive.org).
  4. Apollinaire Lebas: L’obélisque de Luxor. Histoire de sa translation à Paris, description des travaux auxquels il a donné lieu, avec un appendice sur les calculs des appareils d’abattage, d’embarquement, de halage et d’érection. Carilian-Goeury et V. Dalmont, Paris 1839, doi:10.11588/diglit.12651 (französisch).
    1. ↑ S. 21, 23
    2. ↑ S. 24
    3. ↑ S. 45 f.
    4. ↑ S. 58
    5. ↑ S. 69 f.
    6. ↑ S. 85, 89
    7. ↑ S. 147 f.
    8. ↑ S. 148 f., 151 f.
    9. ↑ S. 152–156
    10. ↑ S. 161
    11. ↑ S. 162 f.
  5. ↑ Grande Chancellerie de la Légion d’honneur (Hrsg.): Annuaire de l’ordre impérial de la Légion d’honneur. Paris 1853, S. 63 (französisch, bnf.fr).
  6. Le voyage de l’obélisque. Louxor / Paris (1829–1836). (PDF; 3,1 MB) Dossier de presse. Musée national de la Marine, 2014, abgerufen am 22. Oktober 2026 (französisch).
    1. ↑ S. 14
  7. ↑ M. Lebas, ingénieur de la marine, vient d’être nommé … In: Le Moniteur universel. Nr. 336, 1. Dezember 1836, S. 2172 (französisch, bnf.fr).
  8. Almanach national. Annuaire de la République française 1848–1849–1850. A. Guyot et Scribe, Paris 1850 (französisch, archive.org).
    1. ↑ S. 781
    2. ↑ S. 117
  9. Almanach national. Annuaire de la République française. A. Guyot et Scribe, Paris 1851 (französisch, archive.org).
    1. ↑ S. 815
    2. ↑ S. 121
  10. Almanach national. Annuaire de la République française. A. Guyot et Scribe, Paris 1852 (französisch, archive.org).
    1. ↑ S. 826
  11. ↑ Le 1er janvier, est mort à Paris M. Apollinaire Lebas … In: Journal officiel de la République française. 4. Januar 1873, S. 38 (französisch, bnf.fr).
Personendaten
NAME Lebas, Apollinaire
ALTERNATIVNAMEN Lebas, Jean-Baptiste Apollinaire (vollständiger Name); Le Bas, Apollinaire
KURZBESCHREIBUNG französischer Schiffbauingenieur
GEBURTSDATUM 13. August 1797
GEBURTSORT Le Luc
STERBEDATUM 1. Januar 1873
STERBEORT Paris