Saxon-Trio

Saxon-Trio (v. l. n. r.): Hermann, Arthur und Kurt "Saxon" Hennig, um 1900

Das Saxon-Trio oder Saxon Trio war eine 1897 gegründete deutsche Schwerathletengruppe aus Leipzig, die als Gewichtheber, Kraftsportler und Akrobaten mit ihren Auftritten internationale Berühmtheit erlangte. Die Hauptbesetzung bestand aus den drei Brüdern Arthur Hennig (* 28. April 1878 in Leipzig; † 6. August 1921 in Duisburg), Hermann Hennig (* 17. März 1882 in Leipzig; † 2. Dezember 1961 ebenda) und Kurt Hennig (* 11. März 1884 in Leipzig; † 8. September 1952 in Seeg).

Geschichte des Saxon-Trios

Die Leipziger Hennig-Brüder

Die drei Hennig-Brüder wuchsen unter einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater war im Umland von Leipzig in der Landwirtschaft und in der Stadt als Markthelfer tätig, früh unterstützten sie ihn bei körperlich schweren Arbeiten. 1893 begann Arthur Hennig im Alter von 15 Jahren mit etwa acht bis zehn gleichaltrigen Jungen intensiven Kraftsport in einem selbst so genannten Kraft-Club namens Vorwärts zu betreiben, die gebrauchten Gewichte und andere schwere Gegenstände zum Heben stammten von einem örtlichen Schrottsammler. Zu diesem Zeitpunkt stemmte Arthur Hennig bereits eine 50 Kilogramm schwere Kugelhantel einarmig in die Höhe. Nach seinem Schulbesuch machte Arthur Hennig eine Berufsausbildung zum Steinmetz. Mit 16 Jahren trat Hennig dem 1892 gegründeten und bedeutenden Leipziger Gewichtheberverein Atlas bei. Die beiden jüngeren Brüder kamen über die Aktivitäten von Arthur Hennig ebenfalls zum Kraftsport.

Das Saxon-Trio

Saxon-Trio (v. l. n. r.): Arthur "Saxon" Hennig, Adolf "Saxon" Hilsberg, Hermann "Saxon" Hennig, vor 1900

1897 kam der ehemalige griechisch-römische Ringer Arno Patschke nach Leipzig, der sich zuvor bereits unter dem Namen Arno Saxon einen Ruf als Kraftmensch und Gebiss-Akrobat im Zirkus erarbeitet hatte. Saxon wählte er als englischsprachigen Künstlernamen, der Name sollte auf die sächsische Herkunft des Kraftsportlers hinweisen. Im Atlas-Verein suchte er Mitstreiter, die mit ihm eine vor Publikum auftretende Truppe von Kraftathleten bilden sollten. Mit den Vereinsmitgliedern Oscar Hilgenfeldt und dem 19-jährigen Arthur Henning fand er diese, als erstes Saxon-Trio traten sie eine erste Tournee durch England an. Henning nahm den Künstlernamen Saxon an, später wurde dies sein offizieller Nachname.

Am 28. Februar 1898 traten die drei im damaligen Sheffielder Grand Theatre auf. Hier kündigten sie im Vorfeld an, dass Arthur Saxon im sogenannten einarmigen Bent Press (Heben eines Gewichts, bei dem man sich mit dem Körper unter das Gewicht drückt und dieses dann mit gestrecktem Arm nach oben bringt) eine größere Last als der damalige internationale Kraftsportstar Eugen Sandow stemmen könne. Sandow war selbst im Publikum, und nachdem Arthur Saxon die 120 Kilogramm schwere Doppelkugelhantel (jeweils zwei Kugelhantelgewichte an den Enden einer langen Hantelstange) erfolgreich im zweiten Versuch gehoben hatte, gab sich Sandow zu erkennen. Er versuchte sich selbst an dem Gewicht und schaffte das Gerät erst im fünften Anlauf unvollständig zu heben. In der Folgezeit warb das Trio mit diesem Auftritt, bevor Sandow 1902 gerichtlich erfolgreich gegen die Behauptung vorging, das Gewicht nicht gehoben zu haben.

Die Besetzung des Trios wechselte in der Folgezeit mehrfach. Oscar Hilgenfeldt verließ als erstes das Trio, der Nachfolger wurde ein Engländer names Somerton. Nach dessen Ausstieg stieß der Gewichtheber Adolf Hilsberg zur Truppe. Nachdem auch Arno Saxon die Truppe verlassen hatte, holte Arthur Saxon 1899 seinen jüngeren Bruder Herrmann in die Gruppe. Kurz darauf verabschiedete sich auch Adolf Hilsberg, mit dem Nachfolger Kurt bestand nun das Trio zunächst aus den drei Hennig-Brüdern. Hermann Hennig verließ kurz danach für etwa ein Jahr die Gruppe, um als Hermann Maxim eine Solokarriere zu starten. Er kam dann aber zurück, um die zwischenzeitliche Vertretung Hermann Goethe wieder abzulösen.

Ab diesem Zeitpunkt bestand das erfolgreiche Trio bis nach Beginn des Ersten Weltkrieges mit internationalen Auftritten in europäischen Ländern (hier vor allem häufig in England), in Nord- und Mittelamerika (u. a. im Madison Square Garden in New York), in Asien und in Afrika. So begannen die Brüder 1909 beispielsweise eine 21-monatige Tournee mit dem Ringling Brothers Circus, die das Trio in die USA, nach Kanada, Mexiko und British Columbia führte. Um eventuell vorgeworfenen Betrugsvorwürfen mit zu leichten Gewichten vorzubeugen, bot das Saxon-Trio stets an, dass sich Männer aus dem Publikum selbst an den Hanteln versuchen können.

In ihrer Geburtsstadt eröffneten sie zwischenzeitlich ein Sportstudio namens Institut für Leibesübung Original Saxon-Hennig. 1914 kehrten sie zunächst endgültig nach Deutschland zurück, letzte Auftritte hier sind bis zum Frühjahr 1915 nachweisbar. Sie wurden später für den Militärdienst eingezogen und mussten für ihr Land an die Front. Nach Ende des Ersten Weltkrieges sind keine gemeinsame Auftritte als Trio überliefert. Der gesundheitlich angeschlagene Arthur Saxon starb bereits 1921 im Alter von 43 Jahren in Duisburg während einer Gastspielreise mit dem Circus Barnum an den Folgen einer Lungenentzündung. Danach gingen die jüngeren Brüder Hermann und Kurt noch bis mindestens Ende 1921 gemeinsam wieder auf Tourneen.

1934/1935 tourte noch der Sportveranstalter, Promoter und frühere Baseball-Profi Sled Allen (1886–1959) durch die USA und bewarb seine Veranstaltungen fälschlicherweise mit Kämpfen eines etwa 54-jährigen Ringers names Arthur Saxon aus dem Saxon-Trio.

Der jüngste der Geschwister Kurt starb 1952 im bayerischen Schwaben. Der mittlere der drei Brüder starb als Hermann Hennig-Saxon 1961 in Leipzig und hinterließ die Witwe Frida Hennig, geb. Walpert.

Übersicht der Saxon-Mitglieder

Die Auflistung beinhaltet die Geburtsnamen der Kraftsportler sowie die Dauer der Mitgliedschaft. Als Trio bestand die Gruppe vermutlich bis 1915.

Arthur Hennig, 1897

Hauptbesetzung

Weitere Mitglieder

Trivia

Kurt "Saxon" Hennig fungierte während der ausgedehnten Tourneen auch als Koch des Trios. Dank seiner Überlieferungen an den Kraftsporthistoriker Leo Gaudreau ist bekannt, wie die tägliche fleisch- und fettlastige Ernährung der drei Brüder aussah.

Demnach aßen sie nach dem Aufstehen um neun Uhr zum Frühstück insgesamt 24 pochierte Hühnereier mit viel Butter (bei Arthur "Saxon" Hennig, der Butter nicht mochte, ersetzt durch Schweineschmalz), drei anglo-amerikanische Pfund geräucherten Speck (etwa 1,4 Kilogramm) sowie Haferbrei mit Rahm, Honig und Marmelade. Dazu tranken sie stark gesüßten Tee oder Kakao.

Ihr spätes Mittagessen um 15 Uhr beinhaltete etwa 10 Pfund (ca. 4,5 Kilogramm) mageres gebratenes Fleisch (Rind, Schwein, Kalb, seltener auch Geflügel oder Fisch), wenig Kartoffeln und Gemüse, viel Salat mit Öl, Obst sowie Yorkshire-Pudding, gesüßten Reis oder Sago. Getrunken wurde bei dieser Mahlzeit nichts.

Um 18 Uhr bestand ihre Zwischenmahlzeit aus Brot mit Mett, Zwiebeln und viel Butter oder Schweineschmalz, seltener aus klassischem Kaffee und Kuchen.

Ihr spätes Abendessen nach den Shows bestand aus Heringssalat mit selbst zubereiteter fett- und eireicher Mayonnaise oder aus Räucherfisch, dazu gab es kaltes Fleisch, Aufschnitt und Käse. Allabendlich gab es ihren "Heiltrank", welches aus Bier (dunkles Lager oder Stout), gemischt mit Gin, Eigelb und viel Zucker bestand. Insgesamt verbrauchten sie pro Person pro Tag bis zu ein Pfund Butter bzw. Schweineschmalz, das entspricht etwa 450 Gramm.

Zahlen und Beispiele für Aufführungen

Körpergewicht und Maße des Trios zu jeweils ihren besten Zeiten (Besetzung Hennig-Brüder)
Arthur "Saxon" Hennig Hermann "Saxon" Hennig Kurt "Saxon" Hennig
Alter in Jahren 32 28 26
Gewicht in Kilogramm 92,5 73,9 74,4
Größe in Zentimetern 176,5 172 173
Umfang Hals in Zentimetern 41,9 40,6 39,4
Umfang Brust in Zentimetern 116,1 114,3 109,2
Umfang Bizeps in Zentimetern 41,9 40,6 39,4
Umfang Unterarm in Zentimetern 36,1 36,8 36,1
Umfang Handgelenk in Zentimetern 20,6 20,6 20,8
Umfang Hüfte in Zentimetern 92,7 92,7 91,4
Umfang Oberschenkel in Zentimetern 58,9 55,9 58,4
Ausgewählte überlieferte Bestleistungen des Saxon-Trios (Besetzung Hennig-Brüder)
Arthur "Saxon" Hennig Hermann "Saxon" Hennig Kurt "Saxon" Hennig
Einarmiges Reißen rechter Arm (Right Hand Snatch) 109 kg 99 kg 97 kg
Einarmiges Reißen linker Arm (Left Hand Snatch) 94 kg 92 kg 86 kg
Schwungdrücken rechter Arm mit Kugelhantel (Right Hand Swing with Kettlebell) 80 kg 89 kg (mit dem linken Arrm 86 kg) 85 kg
Beidarmiges Stoßen (Clean and Jerk) 187 kg 167 kg 155 kg
Beidarmiges Stoßen mit zwei unterschiedlichen Gewichten/Gewichttypen (Two Hands Anyhow) 202 kg 183 kg 176 kg
Schulterdücken rechter Arm mit Kurzhantel (Right Hand Military Press with Dumbbell) 57 kg
Einarmiger Bent Press rechter Arm (Right Hand Bent Press one Hand only) 168 kg (bis heute offizieller Weltrekord)

Als Beispiel für die Präsentationen der Brüder zeigt eine Dreiervorstellung, bei der Hermann am Boden und auf dem Rücken liegend eine 192,5 Kilogramm schwere Stange auf seine nach oben gestreckte Füße legte. Auf jeden der Füße wurde dann zusätzlich jeweils eine 75 Kilogramm schwere Kugel gehängt. Kurt setzte sich dann auf diese Stange. Hermann stemmte mit seinen Armen vom Boden zusätzlich eine 140 Kilogramm schwere Stange nach oben, auf die sich Arthur setzte. Arthur und Kurt nahmen dann jeweils noch 45 Kilogramme Kugelgewichte auf. Damit hielt der unten liegende Hermann über lange Zeit enorme Gewichte und zum Schluss insgesamt 744 Kilogramm.

Weitere Beispiele für das Hochhalten von Gewicht (auf dem Boden liegend mit den Beinen bzw. Füßen):

Einfluss und Nachwirken

Arthur Saxon verfasste 1905 und 1908 zwei autobiografisch angehauchte Bücher zum Kraftsport in Englisch. Beide entwickelten sich zu großen Erfolgen mit zahlreichen Nachauflagen und Nachdrucken.

Bereits 1907 widmete der international bekannte Kraftsportler und Autor Theodor Siebert in seinem Standardwerk Der Kraftsport. Katechismus der Athletik dem Saxon-Trio sechs Seiten.

Mehrere US-amerikanische Hantel-Hersteller schmückten sich bis mindestens in die 1930er Jahre hinein bei ihren Produkten mit dem Namen Saxon.

Zu Arthur Saxons Ehren wurde in seiner Geburtsstadt 1935 der Kraftsport-Verein Saxon gegründet, vermutlich ist er identisch mit dem im Leipziger Adressbuch erstmals 1937 erwähnten Leipziger Athleten-Verein Arthur Saxon.

Bis heute spielt das Saxon-Trio eine bedeutende Rolle im anglo-amerikanischen Raum in der Kraftsport-, Bodybuilding- und Strongman-Szene. Davon zeugen zahlreiche Webseiten, Blogs und Videos.

Arthur Saxon hält bis heute den offiziellen Weltrekord im einarmigen Bent Press mit einem gehobenen Gewicht von 168 Kilogramm.

Schriften

Literatur (Auswahl)

Commons: Saxon-Trio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. 1 2 Werner Fedler: Erinnerungen an das "Saxon-Trio". [Teil 2]: Die Hennig-Familie. 1963.
  2. ↑ Werner Fedler: Erinnerungen an das "Saxon-Trio". [Teil 1]. 1963.
  3. ↑ Werner Fedler: Erinnerungen an das "Saxon-Trio". [Teil 3]: Der Aufstieg des Saxon-Trios. 1963.
  4. ↑ Bernd Wedemeyer: Der Athletenvater Theodor Siebert (1866–1961). Eine Biographie zwischen Körpkultur, Lebensreform und Esoterik. Klatt, Göttingen 1999, ISBN 3-928312-08-1, S. 158 (nish.de, PDF, 21,3 MB, abgerufen am 6. Oktober 2026).
  5. ↑ beispielhaft: Circus Alb. Schumann. [...] Elitevorstellung. U. a.: Arthur Saxon Trio mit ihrer lebenden Autobrücke. [...]. In: Berliner Börsen-Zeitung. Tageszeitung für nationale Politik, Wirtschaft, Kultur. 60 (1915), Nr. 121 vom 13. März, ZDB-ID 1114705-2, S. 10 (dfg-viewer.de, abgerufen am 7. Oktober 2026).
  6. ↑ Sport en Spel. Krachtsport. In: Het Vaderland. staat- en letterkundig nieuwsblad. 53 (1921) vom 12. August, OCLC 1367925479, S. 11 (resolver.kb.nl, abgerufen am 14. Oktober 2026).
  7. ↑ Werner Fedler: Erinnerungen an das "Saxon-Trio". [Teil 4]: Die Fabel von der Saxon-Truppe. 1963.
  8. ↑ beispielhaft: Vic Webber Postpones Visit Home To Work In Main Bout Here This Week; Newcomers To Be On Supporting Card. In: The Avalanche–Journal. First Accurate Complete. [Lubbock, Texas]. 36 (1935) vom 12. Mai 1935, OCLC 1058692962, S. 6.
  9. ↑ Kurt Saxon gestorben. In: Athletik. Älteste Kraftsportzeitschrift der Welt. (1953), Nr. 6, ISSN 0938-8621, S. 16.
  10. ↑ [Traueranzeige]. In: Leipziger Volkszeitung. 67 (1961), Nr. 336 vom 6. Dezember, ISSN 0232-3222, S. 7.
  11. ↑ Leo Gaudreau 1978; Leo Gaudreau: The Saxon Trio. What they ate & how they trained. In: Scribd. Abgerufen am 25. September 2026 (englisch, ursprünglich aus der Zeitschrift Muscle Power (OCLC 881748915), ca. 1950/1952).
  12. ↑ Dennis Mitchell: The Saxon Trio. In: USAWA. United States All-Round Weightlifting Association, 29. April 2010, abgerufen am 8. Oktober 2026 (englisch).
  13. ↑ Werner Fedler: Erinnerungen an das "Saxon-Trio". [Teil 5]: Kurt Hennigs Rekordliste. 1963.
  14. ↑ The Saxon Iron Master. Saxon, 239 Broadway, New York City. [Werbeanzeige]. In: Arthur Saxon: The Development of Physical Power. Neuauflage der Ausgabe 1905. Healthex Publishing, New York 1931, nach S. 66 (archive.org, abgerufen am 5. Oktober 2026).
  15. ↑ Now... you can buy a complete barbell outfit. Saxon Supter System, Philadelphia, Pa. [Werbeanzeige]. In: Popular Mechanics Magazine. (1936), Nr. 2, OCLC 613325117, S. 36A (archive.org, abgerufen am 6. Oktober 2026).
  16. ↑ Kraftsport-Verein Saxon. In: Archivportal-D. Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 10. Dezember 2025, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  17. ↑ Leipziger Adreß-Buch. Zweiter Band. 116 (1937), XIV. Abschnitt, Teil IV, S. 47 (digital.slub-dresden.de, abgerufen am 22. September 2026).