Ashtapada

Ashtapada-Teppich (frühes 15. Jahrhundert)

Ashtāpada (Sanskrit: अष्टापद) oder Ashtapadi ist ein indisches Brettspiel. Obwohl es ähnlich wie Schach auf einem Schachbrett gespielt wird, ist Ashtāpada älter als Schach und unterscheidet sich in Spielablauf und Siegbedingungen. Das Spiel wurde auf der Liste der Spiele erwähnt, die Gautama Buddha nicht spielen wollte. Chaturanga, das auf demselben Brett gespielt werden konnte, tauchte irgendwann im 6. Jahrhundert in Indien auf und konnte von zwei bis vier Teilnehmern gespielt werden.

Ashtāpada wurde spätestens seit 600 n. Chr. gespielt und gilt allgemein als die älteste Schachversion. Seine persische Version Chatrang ist der direkte Vorläufer des persischen Schatrandsch, der Form, in der Schach ins mittelalterliche Europa gelangte. Chaturaji ist eine Chaturanga-Version für vier Spieler.

Spielbrett

Ashtāpada wurde auf einem 64-Felder-Brett ohne Schachbrettmuster gespielt, Chaturanga genannt. Das Brett enthielt einige besondere Markierungen, deren Bedeutung heutzutage unbekannt ist. Diese Markierungen haben nichts mit Chaturanga zu tun, werden aber aus Tradition auf dem Brett angebracht. Einige Historiker haben spekuliert, dass das Ashtāpada auch für Würfelspiele nach Art des „Mensch ärgere dich nicht“ – ähnlich dem indischen Pachisi-Spiel – verwendet wurde, wofür die Markierungen von Bedeutung gewesen sein könnten. Im Mahābhārata, Buch 4, Kapitel 1, heißt es:

„Und auf den Schachbrettern bewegen sich wunderschöne Bauernfiguren aus Elfenbein von blauer und gelber und roter und weißer Farbe durch den Wurf von schwarzen und roten Würfeln.“

Regeln

Chaturanga-Spielsteine
Ràja (König)
Mantri (Berater)
Ratha (Wagen)
Gaja (Elefant)
Ashva (Pferd)
Padàti (Soldat)
a b c d e f g h
8 8
7 7
6 6
5 5
4 4
3 3
2 2
1 1
a b c d e f g h
Chaturanga: Position der Steine zu Spielbeginn. Anders als im Schach stehen die Ràjas einander nicht gegenüber; der weiße Ràja beginnt auf e1 und der schwarze Ràja auf d8.

Die genauen Regeln des Chaturanga sind nicht bekannt. Schachhistoriker glauben allerdings, dass das Spiel dieselben oder sehr ähnliche Regeln wie Schatrandsch hatte. Vor allem ist die Zugweise des Gaja – des Elefanten und Vorläufer des Läufers im modernen Schach – unklar.

Al-Adli erwähnt auch zwei weitere Unterschiede zum Schatrandsch:

Geschichte

In Sanskrit bedeutet „Chaturanga“ wörtlich „vierteilig“, was sich zugleich auf die vier Truppengattungen des altindischen Heeres bezieht. Neben dem König und seinem Berater im Zentrum bestand die Armee aus den folgenden Einheiten:

Archäologische Belege

Im zentralen Nordindien – in der Gegend zwischen Kanauj und Pataliputra – sind seit den 1940er-Jahren zahlreiche kleine Tonfiguren ausgegraben worden, darunter bewaffnete Krieger, Elefanten, Pferde und Wagen. Allerdings gibt es keine Figuren, die eindeutig als „König“ oder „Berater“ identifiziert werden können, und nie ist ein komplettes Schachset gefunden worden. Die meisten Stücke sind nicht publiziert und befinden sich in schwer zugänglichen Museen. Die 5–15 cm großen Figuren sind in Modeln gefertigt, also serienmäßig hergestellt worden, und einige von ihnen sind auf zwischen 300 und 600 n. Chr. datiert worden. Die Münchner Indologin Renate Syed interpretiert sie als Repräsentanten der Heeresgattungen, die in einer Art Sandkastenspiel von Militärs zum Nachstellen von Schlachten verwendet worden sind. Gegen 450 n. Chr. habe dann eine unbekannte Person diese Figuren mit dem Ashtāpada – dem 64-Felder-Brett – kombiniert und daraus das Chaturanga entwickelt.

Literatur

Commons: Chaturanga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Ashtapada. Abgerufen am 1. Juni 2025.