Association P. C.

Association P. C. war eine niederländisch-deutsche Jazzrock-Gruppe um den Schlagzeuger Pierre Courbois. Sie trat erstmals im Juni 1970 auf und nahm bis 1973 fünf Alben auf, von denen vier bei MPS erschienen.

Geschichte

Anfänge 1970

Die Gruppe hatte am 27. Juni 1970 in Dieren ihren ersten Auftritt. Zur Gründungs-Besetzung gehörten Courbois am Schlagzeug, der Gitarrist Toto Blanke, der Keyboarder Jasper van ’t Hof und der Bassist Peter Krijnen. Noch im selben Jahr spielte sie auf Festivals in Roermond und Gent, trat in niederländischen Jugendzentren wie dem Paradiso in Amsterdam und der Oosterpoort in Groningen auf, nahm im September 1970 eine Rundfunksendung für den KRO auf und war Vorgruppe des Quintetts von Freddie Hubbard bei dessen Tournee durch die Niederlande.

Am 30. und 31. Oktober 1970 entstand im Studio Middelhorst in Wageningen das Debütalbum Earwax, das bei Munich Records erschien. Am ersten Aufnahmetag spielte bereits Sigi Busch den Bass, am zweiten noch Krijnen, der als beruflich eingespannter Werbetexter anschließend dauerhaft durch Busch ersetzt wurde.

1971 und 1972

Bei den Berliner Jazztagen 1971 wurde die Gruppe nach einem Bericht der Zeitschrift Sounds von der internationalen Presse gegenüber Soft Machine und Tony Williams Lifetime, die im selben Konzert auftraten, bevorzugt. Für MPS nahm sie unter der Produktionsleitung von Joachim Ernst Berendt das Album Sun Rotation auf. Toningenieur bei den Aufnahmen im Hamburger Windrose-Studio war Conny Plank.

Am 25. April 1972 zeichnete der Südwestfunk ein Konzert im Auditorium Maximum der Universität Freiburg auf, das als Livealbum Erna Morena erschien. Gastsolist war der Saxophonist Karl-Heinz Wiberny. Wenige Wochen später, am 17. Mai 1972, spielte die Gruppe bei den Ruhrfestspielen in der Vestlandhalle in Recklinghausen in einer um den Saxophonisten Gerd Dudek und die Perkussionisten Henk Naarendorp und Steve Boston erweiterten Besetzung. Der Mitschnitt des NDR blieb zunächst unveröffentlicht.

Im Sommer 1972 lernte die Gruppe beim Festival „Jazz Now!“ im Rahmen der Olympischen Spiele in München den US-amerikanischen Flötisten Jeremy Steig kennen, mit dem sie eine gemeinsame Tournee und eine Schallplattenaufnahme vereinbarte. Ende 1972 schied van ’t Hof aus; an seine Stelle trat an den Keyboards Joachim Kühn.

1973 und Auflösung

Am 6. und 7. März 1973 entstand mit Kühn und erneut mit Wiberny das Album Rock Around the Cock, produziert von Berendt und Achim Hebgen. Es wurde im Hamburger Windrose-Studio abgemischt und war für Ende Juli 1973 angekündigt. Zur selben Zeit zählte Sounds die Gruppe, die ohne nennenswerte Promotion arbeitete, zu den meistbeschäftigten Gruppen des Kontinents und verwies auf Auftritte in mehreren Fernsehshows und auf europäischen Festivals.

Im Juni 1973 entstanden die Aufnahmen mit Jeremy Steig. Die Stücke der ersten Plattenseite wurden im Arkadenhof der Universität Freiburg aufgenommen, die der zweiten in Épalinges bei Lausanne für Radio Suisse Romande. Sie erschienen als Mama Kuku. In der Folge löste sich die Gruppe auf.

2024 veröffentlichte das Label Chickadisc den Recklinghausener Mitschnitt von 1972 erstmals als Doppel-CD In a Life Machine – Live 1972.

Stil und Rezeption

Nach dem Musiklexikon Rock, Pop, Jazz stellte die Gruppe dem Jazzrock von Miles Davis ein gleichwertiges, eigenständig europäisches Konzept gegenüber. Achim Hebgen bezeichnete sie 1973 in Sounds als eine der ersten Gruppen, in denen die Synthese von Jazz und Rock überzeugend vollzogen worden sei, und als europäischen primus inter pares einer internationalen Entwicklung.

Die Musiker selbst lehnten die Bezeichnung Jazzrock ab. Blanke forderte, den Begriff abzuschaffen, da es Rock-Jazz in diesem Sinne gar nicht gebe, die Gruppe nehme lediglich bestimmte rhythmische Elemente auf. Kühn vertrat die Ansicht, Rockmusiker sollten Rock spielen und Jazzmusiker keinen Rock, und wenn sie es dennoch täten, dann auf dieselbe Weise, wie sie Jazz spielten. Courbois erklärte, er habe von der ganzen Jazz-Rock-Geschichte „ziemlich die Nase voll“ und versuche, von den üblichen Schlagzeugklischees wegzukommen.

Besetzung

Diskografie

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Angaben auf der Hülle des Albums Earwax. Munich Records 6802 634 M1.
  2. 1 2 3 4 5 6 Achim Hebgen: Synthese aus Jazz und Rock. In: Sounds. Nr. 6, Juni 1973, S. 30–31 (Porträt der Gruppe Association P. C.).
  3. ↑ Angaben auf der Hülle des Albums Sun Rotation. MPS 21 21329-3.
  4. ↑ Angaben auf der Hülle des Albums Erna Morena. MPS 21 21542.
  5. 1 2 Angaben auf der Hülle der Doppel-CD In a Life Machine – Live 1972. Chickadisc CHI CD 018, 2024.
  6. 1 2 Angaben auf der Hülle des Albums Mama Kuku. MPS 21 21840-6.
  7. ↑ Angaben auf der Hülle des Albums Rock Around the Cock. MPS 21 21763-9.
  8. 1 2 Courbois, Pierre. In: Harald Hassler (Hrsg.): Rock, Pop, Jazz. 800 Bands und Künstler. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, ISBN 978-3-476-00211-2, S. 50.