Everding begann seine Karriere als Schauspielregisseur. Geprägt wurde er von der Zusammenarbeit mit Hans Schweikart und Fritz Kortner. Später war er auf internationaler Ebene vor allem im Bereich der Oper tätig.
1982 avancierte Everding zum Generalintendanten der Bayerischen Staatstheater. In dieser Position, die er bis 1993 innehatte, rief er das Bayerische Staatsballett und mit Ernst Seiltgen die Bayerischen Theatertage ins Leben. Ab 1993 führte er den Titel Staatsintendant. Als Präsident des Deutschen Bühnenvereins (DBV) organisierte Everding ab 1989 die Integration der Ex-DDR-Theater und -Orchester in das gesamtdeutsche Theatersystem. In zahlreichen Gremien kämpfte er gegen Subventionskürzungen und Theaterschließungen. 1993 gründete er die Bayerische Theaterakademie, der er als Präsident vorstand. Ein Verdienst für München erwarb er sich durch seine Initiative für die Renovierung und Wiedereröffnung des Prinzregententheaters ab 1988 (zunächst sogen. Kleine Lösung ohne Hauptbühne), die in der kompletten Renovierung (inkl. Hauptbühne) mit Fertigstellung am 10. November 1996 mündete.
August Everding galt als eine der kulturpolitisch einflussreichsten Theaterpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. In den Medien warb er als versierter Redner und Diskussionspartner für die Sache der Kultur („Kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit!“) und erlangte einen hohen Bekanntheitsgrad.
Privates
Seit 1963 war Everding mit der ebenfalls aus Bottrop stammenden Ärztin Gustava von Vogel (1940–2023) verheiratet. Seine Ehefrau engagierte sich für die Hospizbewegung. Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor: Christoph, Cornelius, Johannes und Marcus Everding. Von 1978 bis 1993 bewohnte Everding eine Dienstwohnung auf der Burg Grünwald, danach wohnte er in München-Schwabing.
Ein Krebsleiden, das seine letzten Jahre überschattete und woran er 1999 im Alter von 70 Jahren starb, hielt er vor der Öffentlichkeit geheim. Noch wenige Tage vor seinem Tod trat er bei einem Podiumsgespräch im Gartensaal des Prinzregententheaters auf. Er wurde in seiner Wahlheimat Truchtlaching im Chiemgau beigesetzt.
Zehn Jahre John Neumeier und das Hamburger Ballett 1973–1983, mit Christoph Albrecht, John Percival, Holger Badekow. Christians, Hamburg 1983, ISBN 3-7672-0809-1.
Mir ist die Ehre widerfahren. An-Reden, Mit-Reden, Aus-Reden, Zu-Reden, Piper, München / Zürich 1985, ISBN 3-492-02512-9.
München. Stadt im Licht, mit Christiane Marek, Christoph Seeberger, Patricia Goehl, Süddeutscher Verlag, München 1988, ISBN 3-7991-6399-9.
August Everding. Die ganze Welt ist Bühne, herausgegeben von Klaus Jürgen Seidel, Piper, München / Zürich 1988, ISBN 3-492-03285-0.
Bottrop, Fotos von Károly Szelényi. Eulen, Freiburg im Breisgau 1990, ISBN 3-89102-224-7.
Wenn für Romeo der letzte Vorhang fällt, Theater, Oper, Musik – kritische Anmerkungen zur aktuellen Kulturszene, Piper, München / Zürich 1993, ISBN 3-492-11560-8.
Die Seligpreisungen. Wege in eine menschlichere Welt, Fotos von Daniel Biskup, herausgegeben von Jürgen Haase und Bernhard Wiedemann, Pattloch, Augsburg 1997, ISBN 3-629-00119-X.
In Everdings Geburtsstadt Bottrop tragen zwei Institutionen seinen Namen: die August-Everding-Realschule sowie das städtische Kulturzentrum August Everding (im Gebäude des auch von Everding besuchten ehemaligen Jungengymnasiums).
Literatur
Theater muss sein: August Everding im Gespräch mit Jürgen Seeger, Audio-CD, TR-Verlagsunion, München 1999, ISBN 3-8058-3393-8.
Marianne Reissinger: August Everding, Biographie, Langen Müller, München 1999, ISBN 3-7844-2745-6.
Da capo, Der Fragebogen des August Everding, internationale Opernstars im Gespräch, hrsg. von Engelbert Sauter, Parthas, Berlin 2000, ISBN 3-932529-10-3.
↑Siegfried Koß, Wolfgang Löhr (Hrsg.): Biographisches Lexikon des KV. 6. Teil (= Revocatio historiae. Band 7). SH-Verlag, Schernfeld 2000, ISBN 3-89498-097-4, S. 27.
↑Programmheft der 30. Bayerischen Theatertage 2012, Seite 13.