Bad Gandersheim

Wappen Deutschlandkarte
Bad Gandersheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Gandersheim hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 52′ N, 10° 2′ OKoordinaten: 51° 52′ N, 10° 2′ O
Bundesland:Niedersachsen
Landkreis: Northeim
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 90,85 km²
Einwohner: 8876 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37581
Vorwahl: 05382
Kfz-Kennzeichen: NOM, EIN, GAN
Gemeindeschlüssel: 03 1 55 001
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 10
37581 Bad Gandersheim
Website: www.bad-gandersheim.de
Bürgermeister: Niklas Kielhorn (SPD)
Lage der Stadt Bad Gandersheim im Landkreis Northeim
KarteUslarUslarBodenfeldeHardegsenNörten-HardenbergKatlenburg-LindauDasselMoringenBad GandersheimNortheimKalefeldEinbeckEinbeckLandkreis NortheimNiedersachsenHessenLandkreis GöttingenLandkreis HolzmindenLandkreis HildesheimLandkreis GoslarLandkreis GöttingenNordrhein-WestfalenSolling (gemeindefreies Gebiet)
Karte
Links: Rathaus
Mitte: Marktplatz
rechts: Bracken und Rickesches Haus (vorne)

Bad Gandersheim (bis 1932 Gandersheim) ist eine Kurstadt im niedersächsischen Landkreis Northeim. Die Stadt, deren Namensbestandteil Bad sich auf ihr ehemaliges Soleheilbad bezieht, liegt westlich des Harzes. Nach der Dichterin Roswitha von Gandersheim wird die Stadt auch „Roswithastadt“ genannt.

Geographie

Lage

Die Stadt Bad Gandersheim liegt zwischen Leinebergland, Weserbergland und Harzvorland im Tal des Flusses Gande, in den im Stadtgebiet die Eterna mündet. Im Norden liegt der Höhenzug Heber. Das Stadtgebiet ist überwiegend bergig. Etwa zehn Kilometer östlich der Stadt beginnt der Harz, fünf Kilometer westlich liegt das Leinetal.


Alfeld (Leine)
23 km

Hildesheim
40 km

Bockenem
26 km

Holzminden
51 km
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt
Seesen
14 km

Einbeck
19 km

Göttingen
46 km

Osterode am Harz
29 km

* Entfernungen sind gerundete Straßenkilometer bis zum Ortszentrum.

Stadtgliederung

Bad Gandersheim besteht neben der Kernstadt aus folgenden Stadtteilen:

Geschichte

Mittelalter

Die frühere Burg Gandersheim, heute Sitz des Amtsgerichts
Merian-Stich um 1654 von Gandersheim

Das Stift Gandersheim wurde 852 von Sachsenherzog Liudolf, dem Namensgeber der Liudolfinger, gegründet. Es handelte sich um ein Frauenstift, das seit 877 reichsunmittelbar war. Bereits in früherer Zeit bestand eine Kaufmannsniederlassung (der Wiek) an der Stelle der heutigen Georgskirche. Die Stadt erlebte eine Blütezeit unter den Liudolfingern im 10. Jahrhundert. Zu dieser Zeit lebte auch die Dichterin Roswitha von Gandersheim. Das Markt-, Münz- und Zollrecht wurde der Stadt 990 von der Kaiserin Theophanu im Namen ihres (unmündigen) Sohnes Otto III. verliehen.

Um 1300 wurde die herzoglich-braunschweigische Burg Gandersheim als Gegenpunkt zum Stift errichtet. 1329 kauften sich die Bürger der Stadt endgültig aus ihrer Abhängigkeit vom Stift frei (Magna Charta Gandershemensis). Die drei Machtzentren Stift, Stadt und Burg waren künftig für Gandersheim bestimmend.

Neuzeit

1568 wurde auf Betreiben des Herzogs Julius von Braunschweig die Reformation auch für das Stift durchgeführt. Eine weitere Blüte erlebte das Stift im Barock unter der Äbtissin Elisabeth von Sachsen-Meiningen (Äbtissin von 1713 bis 1766). Mit dem Reichsdeputationshauptschluss verlor das Stift 1803 seine Unabhängigkeit und wurde 1810 nach dem Tod der letzten Äbtissin sogar ganz aufgelöst. Das Vermögen ging an das Königreich Westphalen. Das Stift bestand zunächst als evangelisches Damenstift fort, die Territorien fielen an den Herzog von Braunschweig.

Stadtbrände ereigneten sich 1580, als die damalige Stadtkirche St. Mauritius zerstört wurde, und 1833. Zudem kam es im Dreißigjährigen Krieg zu erheblichen Verwüstungen, sodass von der ursprünglichen Stadtbefestigung heute nur noch Reste vorhanden sind.

1833 wurde der Landkreis Gandersheim gegründet und 1977 im Wesentlichen auf die Landkreise Goslar und Northeim aufgeteilt. 1878 wurde das erste Solebad in Gandersheim gegründet, und der Kurbetrieb setzte langsam ein. Nach dem Ersten Weltkrieg begann eine professionelle Fremdenverkehrswerbung, und ab 1932 durfte die Stadt sich „Bad“ Gandersheim nennen. Zur Entwicklung des Postwesens in Gandersheim siehe: Postroute Braunschweig–Göttingen

20. und 21. Jahrhundert

1936 wurde auf dem kleinen Osterberg über der Stadt eine NSKK-Motorsportschule eröffnet; diese war nicht die einzige im deutschen Reich, galt aber als Vorzeigeeinrichtung ihrer Art.

1944 wurde im ehemaligen Kloster Brunshausen bei Gandersheim das KZ Bad Gandersheim als Außenlager des KZs Buchenwald errichtet, in dem hunderte Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten. Sie mussten Zwangsarbeit im zu den Heinkel-Werken gehörenden Flugzeugwerk und in einem nahegelegenen Steinbruch verrichten. Der französische Schriftsteller Robert Antelme, der dort interniert war, schildert das Leben und Sterben im Lager Gandersheim eindringlich in seinem Werk Das Menschengeschlecht. Außerdem existierte in Bad Gandersheim der Betrieb Gandersheimer Flachsröste GmbH, der 1935 als Zweigbetrieb der Deutschen Flachsbau GmbH Berlin gegründet wurde und sich bald zur größten Flachsröste im Deutschen Reich entwickelte. Mit der Weiterverarbeitung von Rohstoffen zu Garnen und Stoffen, unter anderem zur Verwendung für Fallschirme, zählte die Einrichtung in der NS-Kriegswirtschaft zu den kriegswichtigen Betrieben, die beim Arbeitseinsatz nachdrücklich zu unterstützen waren. Die Gandersheimer Flachsröste betrieb in der Karl-Dinklage-Straße im Gandersheimer Stadtgebiet über eigenes Lager für Zwangsarbeiter. Spätestens ab Mai 1940 wurden in der Flachsröste 40 Polinnen, die zwischenzeitlich im Lager Meierhof wohnten, später noch 20 Russinnen und 15 Ukrainerinnen eingesetzt. Diese wohnten in der örtlichen Molkerei, da im Zwangsarbeiterlager zu diesem Zeitpunkt noch Kriegsgefangene untergebracht waren. Einwohnermeldekarten bezeugen für den Zeitraum zwischen 1940 und 1945 den Einsatz von mindestens 51 osteuropäischen „Zivilarbeiterinnen“ und „Zivilarbeitern“ in der Flachsröste.

Marktplatz
links: Hotel „Weißes Roß“, Nr. 2, Haus „Zur Ecke“
rechts: „Bracken“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Heimatvertriebene vor allem aus Schlesien im Stadtgebiet angesiedelt. Deshalb wurde in den 1950er-Jahren eine neue katholische Kirche in der Innenstadt errichtet. Der angrenzende ehemalige Domänenhof des Stiftes wurde zu einem zentralen Busbahnhof umgebaut. An dessen südlicher Seite wurde für die evangelische Stiftskirchengemeinde auf dem Gelände des ehemaligen Kreuzgangs des Klosters das Martin-Luther-Haus als modernes Zentrum der Kirchengemeinde gebaut.

Die 1952 aus den zum Jubiläum 1100 Jahre Stift Gandersheim entstandenen Feierlichkeiten führten zu jährlichen Freilichttheater-Aufführungen direkt vor dem großen Eingangsportal des Doms. Bemerkenswert sind die Aufführungen klassisch-moderner Stücke mit einer i. d. R. jungen und engagierten Schauspieltruppe, deren Begeisterung am Spiel sich schnell auf das Publikum überträgt. Regie und Choreografie tragen hierbei nicht unwesentlich zum Erfolg bei.

In den 1990er-Jahren wurde die gesamte Innenstadt umgestaltet: Am Markt und neben der Stiftskirche gibt es seitdem eine kleine Fußgängerzone. Außerdem wurde die Moritzstraße – die Haupteinkaufsstraße der Stadt – verkehrsberuhigt; etliche Gebäude des historischen Stadtkerns wurden saniert. Hinzu kamen zwei Naturlehrpfade im Bad Gandersheimer Norden, der Bergkurpark in steiler Hanglage und ein Weg durch ein Feuchtgebiet mit hölzernem Beobachtungsturm.

Vom 14. April bis zum 15. Oktober 2023 fand die siebte Niedersächsische Landesgartenschau auf einem dreißig Hektar großen Gelände entlang der Flüsse Gande und Eterna sowie der Osterbergseen statt.

Eingemeindungen

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Ackenhausen, Altgandersheim, Clus, Dankelsheim, Dannhausen, Ellierode, Gehrenrode, Gremsheim, Hachenhausen, Harriehausen (bisher im Landkreis Osterode am Harz), Heckenbeck, Helmscherode, Seboldshausen, Wolperode und Wrescherode eingegliedert.

Religionen

Katholische Kirche, hinten evang. Stiftskirche

Im Mittelalter gab es in und bei Gandersheim fünf Klöster: Stift Gandersheim, Kloster Brunshausen, Kloster Clus, Marienkloster und ein Kloster der Franziskaner.

Die Bewohner der Stadt sind seit der Reformation mehrheitlich evangelisch-lutherisch. Ihre evangelische Pfarrkirche ist seit der Säkularisierung 1810 die Stiftskirche.

1953 wurde in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche die neue katholische Kirche Mariä Himmelfahrt gebaut, zu der heute (einschließlich der umliegenden Dörfer) 1800 Gemeindemitglieder gehören.

Zudem gibt es eine Freie evangelische Gemeinde (FeG) und die CBG-Gemeinde, die dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden angehört.

Seit 1987 befindet sich auf dem Osterberg im Kasernengebäude der ehemaligen Zollschule Bad Gandersheim, das von 1936 bis 1945 als Motorsportschule des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) genutzt wurde, das Glaubenszentrum Bad Gandersheim. Es bezeichnet sich als konfessionsübergreifendes Glaubenswerk und kann der charismatisch-evangelikalen Richtung zugeordnet werden.

Die Neuapostolische Kirche in der Neuen Straße 32 wurde 2007 geschlossen.

Politik

Kommunalwahl 2021
Wahlbeteiligung: 63,45 % (+8,87 %p)
 %
50
40
30
20
10
0
41,80 %
31,69 %
14,05 %
2,86 %
2,40 %
3,94 %
3,26 %
Klein f
Porde g
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2016
 %p
   4
   2
   0
  −2
  −4
−1,57 %p
−3,27 %p
+3,12 %p
+0,89 %p
+0,17 %p
+3,94 %p
+3,26 %p
Klein
Porde
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
f 
Einzelkandidat Gerry Klein
g 
Einzelkandidat Florian Porde
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Altes Ergebnis nicht 100%

Stadtrat

Der Rat der Stadt Bad Gandersheim besteht aus 20 Ratsfrauen und Ratsherren. Auf Grund der Einwohnerzahl der Stadt würde der Rat eigentlich eine Zahl von 24 Mitgliedern umfassen. Allerdings hat der Rat der Stadt in der letzten Legislatur von der Möglichkeit der Reduzierung der Ratsmandate gem. § 46 Abs. 4 NKomVG auf 20 Gebrauch gemacht. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Neben den 20 in der Gemeinderatswahl gewählten Mitgliedern ist außerdem der Bürgermeister im Rat stimmberechtigt.

Aus dem Ergebnis der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Stadtrat 2021
      
Insgesamt 20 Sitze

Bürgermeister

Derzeit amtierender Bürgermeister ist seit 2024 Niklas Kielhorn (SPD).

Bisherige Bürgermeister:

Das Amt des Bürgermeisters gemäß der Niedersächsischen Gemeindeordnung wurde ab 1945 bis 2001 ehrenamtlich besetzt.

Das Verwaltungsgericht Göttingen erklärte 2024 auf die Klage eines unterlegenen Bewerbers die Bürgermeisterwahl vom September 2021 für ungültig. Die damals amtierende Bürgermeisterin Franziska Schwarz habe durch Gespräche mit Bürgern „über den Gartenzaun“, als wegen der COVID-19-Pandemie keine Wahlkampfveranstaltungen stattfinden durften, verdeckt Wahlkampf geführt und gegen ihre Neutralitätspflicht verstoßen. Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht lehnte eine Berufung von Schwarz ab und bestätigte die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes mit Beschluss vom 18. September 2024. Nach dem Niedersächsischen Kommunalrecht musste demnach binnen sechs Monaten eine Neuwahl stattfinden.

Ehemalige Stadtdirektoren

Wappen

Blasonierung: „In Gold ein blauer Helm mit abhängenden schwarzen Bändern, darauf zwei mit grünen Pfauenfedern besteckte schwarze Hörner; unten eine heraldische blaue Lilie.“
Wappenbegründung: Seit 1906 entspricht das Wappen wieder dem Bild im Schild des ersten Stadtsiegels, das wohl kurz nach 1300 entstanden und seit 1335 nachweisbar ist. Das wenig spätere kleine Siegel lässt nur die Lilie weg, die vermutlich als Zeichen des Fürststifts galt. Helm und Helmzier sind die der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und kommen ebenso in den Siegeln Ottos des Strengen von 1323 ab vor. In den Stadtsiegeln des 18. Jahrhunderts steht ein Stechhelm mit der damaligen fürstlichen Helmzier (mit einzelnen Pfauenfedern besteckte, gezähnte Sicheln). Im 18. und 19. Jahrhundert verwendete man auch nur den gekrönten Anfangsbuchstaben „G“ in Siegeln und sonstigen Wiedergaben.

Flagge

Die Stadtflagge ist Schwarz – Gelb (1:1) längsgestreift und mittig mit dem Wappen der Stadt belegt.

Städtepartnerschaften

Städtepartnerschaften mit:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Stiftskirche St. Anastasius und St. Innocentius

Bauwerke

Bad Gandersheim liegt an der Deutschen Fachwerkstraße.

Parks

Fontänen im unteren Osterbergsee, links im Hintergrund Teile des Osterbergs (Oktober 2024)

Auf dem Gelände entlang der Flüsse Gande und Eterna sowie der Osterbergseen, auf dem im Jahr 2023 die Landesgartenschau Bad Gandersheim stattgefunden hatte, sind einige bauliche Veränderungen erhalten geblieben.

Naturdenkmäler

Naturdenkmal „Kopfbuche“

Museum

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und Infrastruktur

Flugplatz Bad Gandersheim

Verkehr

Ansässige Unternehmen

Die größten Unternehmen der Stadt sind: Auer-Lighting, ehemals: Schott AG, (Spezialglasprodukte), Loro-X-Rohr (verzinkte Metallrohre für Entwässerungssysteme), Baumüller (Kleinmotoren), Prahmann & Neidhardt (Fleisch- und Wurstwaren – Marke „Harzländer“), part AG (Investor und Immobilienprojektentwickler) sowie AEET Energy Group GmbH (Hersteller von Photovoltaikmodulen und Projektentwickler von Solarprojekten).

Standort von Rehaeinrichtungen, Heilbad und Luftkurort

Der Kurbetrieb wurde im 20. Jahrhundert zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Stadt und des Umlandes. Vor allem in den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren wurde der Kurbetrieb in der Stadt Bad Gandersheim erheblich erweitert. Zahlreiche neue Kuranlagen mit Sole-Trinkpavillon, Wassertretbecken, Musikpavillon, Kleingolfanlage und Naturwanderwegen wurden angelegt. Daneben wurden ein neues Kurhaus und mehrere Kurkliniken wurden errichtet: Drei Kurkliniken der Paracelsus-Gruppe halten 600 Betten vor. Die Roswitha Klinik ist auf Psychosomatik spezialisiert, die Klinik an der Gande auf die Anschlussheilbehandlung (AHB) von orthopädischen Eingriffen sowie Bandscheibenvorfälle und Osteoporose, die Klinik am See behandelt schwerpunktmäßig Anschlussheilbehandlungen onkologischer Erkrankungen. Weiter verfügt die Stadt über ein Krankenhaus der Grundversorgung (Helios Klinik) – unter anderem mit einer internistischen Station, chirurgischen Station, Gynäkologie, Geburtshilfe, Intensivstation mit sechs bis sieben Betten, Ambulanzen, OP, Computertomographie, Notarztstützpunkt und Standort einer Rettungswache mit je einem RTW, KTW und NEF. Vor allem die Abteilungen für Orthopädie und Geburtshilfe sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Alle genannten Kliniken bieten Leistungen an, die in der Regel von Krankenkassen finanziert werden.

1967 wurde die Stadt wegen des Angebots an Solebädern als Heilbad staatlich anerkannt.

Bei der Frage nach der Leistungsfähigkeit und der Zukunft der in Bad Gandersheim erbrachten Gesundheitsdienstleistungen ist die Unterscheidung zwischen Rehamaßnahmen und Kuren von entscheidender Bedeutung: Beide Maßnahmen „dauern etwa drei Wochen“, aber „[e]ine Kur muss privat übernommen werden – außer bei den meisten Beamten. Sie dient der präventiven Gesundheitsvorsorge. Eine Reha-Maßnahme wird von den Krankenkassen übernommen, sie dient aber zur Wiedererlangung der Gesundheit, etwa nach operativen Eingriffen wie einer Hüft-OP.“ Aus der Finanzierung von Heilkuren hatten sich Krankenkassen seit den 1990er-Jahren zurückgezogen.

Da die Sole-Anwendungen aus der Herzog-Ludolf-Quelle in den 2020er-Jahren kaum noch gefragt waren, schloss im Jahr 2023 das Kurmittelhaus aus Kostengründen. Damit wurde der eigentlich bereits im Jahr 2020 fälligen „Reprädikatisierung“ der Stadt als Heilbad die Grundlage entzogen, obwohl nur durch die erfolgreiche turnusmäßige Absolvierung dieses Vorgangs einer niedersächsischen Kommune der Erhalt des Heilbad-Status durch das Land gewährt werden kann.

Das Land Niedersachsen drängte im Sommer 2025 die Stadt Bad Gandersheim, den Prozess der Reprädikatisierung abzuschließen. Im September 2025 beschloss der Stadtrat einstimmig, den Status als Sole-Heilbad aufzugeben. Stattdessen soll Bad Gandersheim Luftkurort werden. Die Stadt Bad Gandersheim darf den Namenszusatz „Bad“ aber weiterhin führen.

Die Verleihung des Prädikats „Luftkurort“ bewertet die Stadt Gandersheim nicht als „Rückschritt“: „Dieses Prädikat sichert der Stadt weiterhin eine touristische Sichtbarkeit, aber auch die Möglichkeit, einen Gästebeitrag zu erheben – einen Betrag im sechsstelligen Bereich pro Jahr“ (zuletzt ca. 200.000 € jährlich). Freiwerdende Gelder könnten der Stadt zufolge künftig in die touristische Entwicklung der Stadt investiert werden.

Medien

Für die Stadt Bad Gandersheim erscheint das Gandersheimer Kreisblatt. In dieser täglich (außer sonntags) erscheinenden Lokalzeitung wird auch über das Geschehen in den an das Stadtgebiet angrenzenden Gemeinden Kreiensen (seit 2013 Stadtteil von Einbeck) und Kalefeld berichtet.

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

Bad Gandersheim verfügt über eine Grundschule mit zwei Außenstellen in den Ortsteilen Dankelsheim und Altgandersheim, über die Freie Schule Heckenbeck, über eine Oberschule, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen und das Roswitha-Gymnasium. Im August 1923 gründeten der jüdische Reformpädagoge Max Bondy und seine Frau Gertrud Bondy das Internat Schulgemeinde Gandersheim im Ort. 1929 zog die Einrichtung auf das Gut Marienau in der Gemeinde Dahlem um, wo sie bis heute als Landerziehungsheim Schule Marienau besteht.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Denkmal Roswitha von Gandersheim

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

Commons: Bad Gandersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Bad Gandersheim – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Tabelle EVAS 12411, Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus 2022, Stand 31. Dezember 2025 (Hilfe dazu).
  2. ↑ Bad Gandersheim – Kanonissenstift (Reichsstift).
  3. ↑ Wilhelm Görges: Vaterländische Geschichten und Denkwürdigkeiten der Vorzeit. Band 3, 1845, S. 223.
  4. ↑ Marc Czichy: NS-Zwangsarbeit auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Northeim – ein Überblick über die Ergebnisse einer regionalgeschichtlichen Studie. In: Volker Zimmermann (Hrsg.): Leiden verwehrt Vergessen. Zwangsarbeiter in Göttingen und ihre medizinische Versorgung in den Universitätskliniken. Wallstein-Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0152-8, S. 148 f.
  5. ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 269.
  6. ↑ FeG Bad Gandersheim – Freie evangelische Gemeinde Bad Gandersheim. Abgerufen am 29. Mai 2026.
  7. ↑ Über uns. Abgerufen am 29. Mai 2026 (deutsch).
  8. ↑ Ergebnis Stadtratswahl 2021. Abgerufen am 9. Juli 2022.
  9. ↑ Nach Urteil: Bürgermeisterin von Bad Gandersheim tritt nicht mehr an bei ndr.de vom 23. September 2024
  10. ↑ Oberverwaltungsgericht Lüneburg bestätigt: Wahl von Schwarz ungültig - HNA.de
  11. ↑ Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Band 5. Angelsachsen-Verlag, Bremen 1970, S. 18.
  12. ↑ Städtepartnerschaften. In: www.bad-gandersheim.de. Abgerufen am 19. August 2019.
  13. ↑ Rotselaar. In: www.bad-gandersheim.de. Abgerufen am 19. August 2019.
  14. ↑ Twin Town – Bad Gandersheim. In: www.skegness.gov.uk. 29. Januar 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. Juni 2023; abgerufen am 19. August 2019 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  15. ↑ Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  16. ↑ Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  17. ↑ Schluss mit Heilbad: Bad Gandersheim gibt Kurort-Status auf. NDR, 14. September 2025, abgerufen am 15. September 2025.
  18. ↑ Konstantin Mennecke: Ein Drittel Patienten verloren: So steht es um den Heilbad-Status in Bad Gandersheim. Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
  19. ↑ Konstantin Mennecke: Ein Drittel Patienten verloren: So steht es um den Heilbad-Status in Bad Gandersheim. Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, September 2025, abgerufen am 18. September 2025.
  20. ↑ Konstantin Mennecke: Heilbad oder Luftkurort? Bad Gandersheim vor schwieriger Entscheidung. hna.de, 10. August 2025, abgerufen am 18. September 2025.
  21. ↑ Schluss mit Heilbad: Bad Gandersheim gibt Kurort-Status auf. ndr.de, 16. September 2025, abgerufen am 17. September 2025.
  22. ↑ Konstantin Mennecke: Ein Drittel Patienten verloren: So steht es um den Heilbad-Status in Bad Gandersheim. Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
  23. ↑ Bad Gandersheim verzichtet auf den Titel „Sole-Heilbad“. Ab sofort wird der Titel "Luftkurort" angestrebt. bad-gandersheim.de, 12. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.
  24. ↑ Neuausrichtung des Standorts: Helios gibt Klinik Bad Gandersheim auf. Abgerufen am 17. Dezember 2022 (deutsch).