Barbara Smitmans-Vajda (* 10. August 1943 in Coesfeld) ist eine deutsche Philosophin, Lyrikerin. Essayistin und Schulbuch-Autorin, sie arbeitete als Studienrätin.
Sie wurde als erstes von fünf Kindern der bildenden Künstler Johann Brand und seiner Frau Anneliese Brand-Schlagheck als Barbara Brand am 10. August 1943 in Coesfeld (Westfalen) geboren. Sie wuchs in den Trümmern des vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Osnabrück auf. Hier ging sie auf das private staatlich anerkannte katholische neusprachliche Gymnasium St. Angela der Ursulinen. Als Schülerin der Oberstufe arbeitete sie zeitweise in der Essigfabrik Kühne, um sich in das finanzielle und soziale Leben der am Fließband Arbeitenden versetzen zu können. 1962/63 machte sie im katholischen „Sozialen Seminar“ der Diözese Osnabrück ihr Diplom zur christlichen Sozial- und Gesellschaftslehre, Staats- und Verfassungslehre, Sozialpolitik und Sozialrecht. Zu jener Zeit veröffentlichte sie erstmals in der vom St.-Angela-Gymnasium herausgegebenen Zeitschrift einen Essay über bildende Kunst und ihre Gedichte, darunter einen lyrischen Zyklus über die Apokalypse des Johannes.
Nach ihrem Abitur 1964 studierte sie katholische Theologie, Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Münster, ab 1967 setzte sie ihr Studium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg fort und schloss es 1969 ab mit ihrer Staatsexamensarbeit Jesus Christus und der Kosmos in der Apokalypse des Johannes.
Im selben Jahr nahm sie durch die Heirat mit Adolf Stefan Smitmans (1933–2017) dessen Nachnamen an. Er war ein laisierter römisch-katholischer Priester und promovierter Theologe, später auch promovierter Kunstwissenschaftler und Museumsleiter. Mit ihm hat sie zwei Töchter (* 1969 und * 1971). An ihrem neuen gemeinsamen Wohnort Tübingen absolvierte sie 1972/73 ihre Referendarzeit als Lehrerin an Gymnasien, an denen sie katholische Theologie, Philosophie, Deutsch und Bildende Kunst unterrichtete. Als Kritikerin der Institution und deren Missstände trat sie 1974 aus der römisch-katholischen Kirche aus und setzte sich für die Einrichtung des Schulfachs Ethik als alternatives Pflichtfach zum Religionsunterricht ein und unterrichtete es, sobald es offiziell eingeführt war. Dazu verfasste sie für den Unterricht der gymnasialen Oberstufe ihr Buch Abitur-Wissen. Religion und Weltanschauungen. Es untersucht, wie verschiedene Religionen und Philosophien mit der Frage nach Anfang und Sinn des menschlichen Lebens und der Welt umgehen. Vorgestellt werden die großen Religionsstifter sowie Offenbarungs- und Gottesvorstellungen der Weltreligionen und deren Deutungen von Welt und Mensch, Weltschöpfung, Evolution, Fortschritt, Heilsgeschehen, Tod und Unsterblichkeit, Gottesbeweise, Theodizee, Religionskritik, die Bedeutung der Religionen und ihrer Institutionen für Individuum und Gesellschaft, Religionen und Weltethos. Zu Hans Küng hatte sie ein gleichgesinntes Verhältnis und nahm sein Konzept des Weltethos in ihr Buch auf. Ihr Buch wird auch für die Fachdidaktik an Universitäten und für die Erwachsenenbildung zugrunde gelegt.
1989 schloss Barbara Smitmans-Vajda eine Weiterbildung in Bildender Kunst mit einem Examen am Staatlichen Seminar für Schulpädagogik in Esslingen (später Hochschule für angewandte Wissenschaften) ab. Mit dem Ziel, im Fach Philosophie promoviert zu werden über das Verhältnis von Alltagsleben, Philosophie und Kunst hatte sie ab 1974 ihr Studium in Tübingen an der Eberhard-Karls-Universität fortgesetzt, besonders bei Ernst Bloch und ihrem Doktorvater Helmut Fahrenbach, zu deren engsten Schülern sie gehörte, außerdem studierte sie bei Hermann Bausinger Empirische Kulturwissenschaften. Ihre Forschung bezog sich zunächst auf die Bedeutung des Alltäglichen, des Alltagsleben in Ernst Blochs Philosophie, dann auf Georg Simmel, zu dessen engem Schülerkreis Ernst Bloch mit seinem Jugendfreund Georg Lukács in Berlin gehört hatte. Das Thema ihrer Dissertation, mit der sie 1994 in der philosophischen Fakultät Tübingens promoviert wurde, lautete dann: Die Bedeutung der Bildenden Kunst in der Philosophie Georg Simmels.
Ohne dass sie und Adolf Smitmans nach ihrer Scheidung ihre freundschaftliche und familiäre Beziehung aufgaben, heiratete sie 1989 Mihály Vajda (1935–2023), einen ungarischen Philosophen aus Budapest. Mit ihm hat sie einen Sohn (* 1983). Sie nahm den beide Familien verbindenden Namen Smitmans-Vajda an. Mihály Vajda hatte als Kind einer jüdischen Familie in Budapest mit seinen Eltern und seiner Schwester den Völkermord an den europäischen Juden knapp überlebt. Vor der politischen Wende 1989 war er Mitglied der Budapester Schule, einer oppositionellen Gruppe um Georg Lukács und Agnes Heller, die Berufs- und Veröffentlichungs-Verbot hatte. Schon seit 1978 war Barbara Smitmans-Vajda mit Mihály Vajda und seinen oppositionellen Freunden in Ungarn aktiv verbunden und durchquerte mit ihren Kindern regelmäßig den „Eisernen Vorhang“. Die Versuche, die Schicksale ihrer jüdischen Familie und Freunde zu bewältigen, die politische Unterdrückung im „Ostblock“ und auch die persönlichen Begegnungen mit Agnes Heller gingen in ihre Essays ein und in ihr 2025 erschienenes Buch Die Suche nach der gelebten Zeit. Bilder und Bücher meines Lebens aus mehr als hundertfünfzig Jahre Familien-und Künstler-Geschichten. Ihr Buch Dionysos Philosophos. Nietzsche, Narr und Künstler übersetzte Mihály Vajda ins Ungarische. Bis zu seinem Tod 2023 lebten sie sowohl in Tübingen als auch in Budapest.
Der Austausch von Welt- und Lebens-Geschichten, von Kulturen, Weltanschauungen und Religionen, dabei konkrete Alltagserfahrungen und viele Reisen prägen das Leben und schriftstellerische Werk von Barbara Smitmans-Vajda. Ihre Autobiographie erschien zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs 2025. Sie ist Mitbegründerin der Ernst-Bloch-Gesellschaft und der Internationale Rosenzweig-Gesellschaft sowie Mitglied der Erich Maria Remarque-Gesellschaft. Sie ist Mitglied des VS Baden-Württemberg und des PEN Deutschland und lebt heute in Tübingen.
Frühe Publikationen 1963–65 (ein Essay zur modernen Kunst und Gedichte) in: „Ursulabote“, Zeitschrift des neusprachlichen Gymnasiums St. Angela der Ursulinen in Osnabrück sowie Gedichte in: „Echo der Zeit“ Nr. 13 (1967) und Nr. 4 (1968).
Barbara Smitmans-Vajda, Adonien. Ein lyrischer Tanz mit Inanna, Sappho, Schahrasad, Sulamith, Shiva, Laotse, Oedipus, Orpheus, Hölderlin u.a., Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg, 2006 ISBN 3-8260-3272-1.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Smitmans-Vajda, Barbara |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Lyrikerin |
| GEBURTSDATUM | 10. August 1943 |
| GEBURTSORT | Coesfeld |