Benjamin von Blomberg (* 1978 in Hamburg) ist ein deutscher Dramaturg.
Von Blomberg studierte Historische Musikwissenschaften, Germanistik und Betriebswirtschaftslehre in Hamburg. Noch zu Studienzeiten gründete er gemeinsam mit dem befreundeten Regisseur Benedikt von Peter die freie Operngruppe „evviva la diva“. Mit der Gruppe arbeitete er u. a. in Berlin, Düsseldorf und Hamburg Produktionen als Dramaturg und Produktionsleiter. 2005 gastierte er am Thalia Theater Hamburg erstmals bei Dea Lohers „Quixote in der Stadt“ (Regie: Andreas Kriegenburg), von 2006 bis 2010 war er dort unter Intendant Ulrich Khuon und schließlich unter Joachim Lux als Dramaturg tätig. Daneben war er immer wieder auch an Opernprojekten beteiligt, so bspw. 2007 bei Cesare von Georg Friedrich Händel (Theater an der Wien, Regie: Christof Loy). Von 2010 an arbeitete Benjamin von Blomberg als freischaffender Dramaturg u. a. in Berlin, Hamburg, in Hannover, bei den Salzburger Festspielen und in Zürich zumal mit Nicolas Stemann, Stefan Pucher, Benedikt von Peter und Frank Abt.
Vor seiner Tätigkeit als Dramaturg begann von Blomberg über die Rolle der Musik im Werk von Elfriede Jelinek bei Peter Petersen zu promovieren. Gemeinsam mit Nicolas Stemann erarbeitete er in der Folge mehrere Uraufführungen ihrer Texte, darunter „Ulrike Maria Stuart“, das Sekundärdrama auf Lessings „Nathan der Weise“ „Abraumhalde“, „Die Kontrakte des Kaufmanns“,„Rein Gold“ an der Staatsoper Berlin und „Wut“ an den Münchner Kammerspielen ebenfalls mit Nicolas Stemann, mit dem ihm eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet und deren Inszenierungen wiederholt zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden. „Die Kontrakte des Kaufmanns“ (Thalia Theater/Schauspiel Köln 2010) war 2012 auch beim Festival d’Avignon zu sehen, 2013 folgte eine Einladung von „Faust“.
2012 wurde Benjamin von Blomberg von der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum Dramaturgen des Jahres gewählt.
Ebenfalls 2012 ging Benjamin von Blomberg als Chefdramaturg und Leiter der Sparte Schauspiel zusammen mit Michael Börgerding ans Theater Bremen. Sie öffneten das Haus für künstlerischen Nachwuchs. Felix Rothenhäusler und Alexander Riemenschneider wurden Hausregisseure im Schauspiel, Alexander Giesche Artists in Resident. Benedikt von Peter und der Dramaturg Ingo Gerlach übernahmen zusammen die Leitung im Musiktheater, Anna-Sophie Mahler inszenierte regelmäßig, Samir Akkia (Unusual Symptoms) wurde Leiter im Tanz. Mit Projekten u. a. von Gintersdorfer/Klaßen, Lola Arias oder Christopher Roth setzten sie einen spartenübergreifenden Akzent. Insgesamt ging es um „einen unbedingten Gegenwartsbezug“, der sich auch in der Arbeit mit der für die Bremer Jahre zentralen Regisseurin Alize Zandwijk und ihren Inszenierungen bspw. von Dea Lohers und Wajdi Mouawads Stücken niederschlug. Für diese Bremer Dramaturgie arbeitete von Blomberg eng mit den Dramaturginnen Katinka Deecke, Ingo Gerlach, Tarun Kade, Viktorie Knotková, Sylvia Roth und Regula Schröter zusammen.
2015 wechselte von Blomberg als Chefdramaturg mit Matthias Lilienthal an die Münchner Kammerspiele. Mit dem Anspruch, die Produktionsformen am Stadttheater zu hybridisieren, sollten „freie Gruppen bzw. bestimmte Ästhetiken der freien Szene ins Stadttheater“ einbezogen werden. Von Blomberg knüpfte zudem an Arbeitsbeziehungen zu Christopher Rüping und Nicolas Stemann als Hausregisseuren sowie Leonie Böhm, Anna-Sophie Mahler, Alexander Giesche und Trajal Harrell an und band sie ans Haus. Auch die Dramaturginnen Katinka Deecke und Tarun Kade waren wieder Teil des Teams. In der Folge wurden die Kammerspiele 2 Mal zum „Theater des Jahres“ gewählt.
Von 2019 bis 2024 war von Blomberg zusammen mit dem Regisseur Nicolas Stemann Co-Intendant am Schauspielhaus Zürich, Katinka Deecke wurde Leitende Dramaturgin. Sie traten an, das Haus zusammen mit Hausregisseuren und langfristigen Arbeitsperspektiven zu leiten und das Stadttheater international zu vernetzen. Zu dem Team der festen Hauskünstler zählten Leonie Böhm, Alexander Giesche, Suna Gürler, Trajal Harrell (Schauspielhaus Zürich Dance Company), Yana Ross, Christopher Rüping und Wu Tsang (Moved by the Motion). Daneben inszenierten Christiane Jatahy, Christoph Marthaler, Milo Rau und Joana Tischkau am Haus.
Mit all dem verbunden war eine Öffnung der Institution hinsichtlich einer Erweiterung der Ästhetiken hin zum Partizipativen gerade auch in der Arbeit mit jungen, nicht professionalisierten Menschen, hin zum Tanz und zur Bildenden Kunst sowie einer heterogenen Repräsentation von Herkunftsgeschichten auf und hinter der Bühne. Eine Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen folgten (u. v. a. m. Maja Beckmann, Benjamin Lilie und Wiebke Mollenhauer drei Schauspielerinnen bzw. Schauspieler des Jahres in der Jahresumfrage von Theater Heute, "Inszenierung des Jahres" 2021 für Christopher Rüpings "Einfach das Ende der Welt", 3sat-Preis des Berliner Theatertreffen für Alexander Giesches "Der Mensch erscheint im Holozän"). Auch international war das Schauspielhaus Zürich stark präsent. U.a. war Nicolas Stemann 2022 "associate artist" beim Holland Festival und präsentierte eine Vielzahl eigener Inszenierungen und Arbeiten aus dem Kontext des Schauspielhauses, das Festival d'Automne widmete den Choreographien von Trajal Harrell eine Retrospektive, die Arbeit "The Romeo" der Schauspielhaus Zürich Dance Company eröffnete 2023 Cour d'honneur du palais des Papes beim Festival d'Avignon und nicht nur die New York Times berichteten mehrfach über die Zürcher Arbeiten.
In Zürich entbrannte eine Debatte um die Zukunft des Stadttheaters (“House of wokeness”), vor allem die NZZ und die Politikerinnen der Züricher FDP griffen den neuen Kurs des Hauses scharf an. Leitungen und Direktionen international wie jene von namhaften Kulturhäusern in Zürich unterstützten den Kurs und nannten ein potentielles Endes der Intendanz ein «fatales Zeichen». Ein Memorandum wurde verfasst, das u. a. Mithu Sanyal, Elfriede Jelinek, Lara Stoll und Milo Rau unterzeichneten, ein Aufruf „Schauspielhaus Zürich bleibt“ unter theaterfueralle.ch lanciert.
Im Oktober 2022 stellte der Verwaltungsrat zusammen mit der Intendanz des Schauspielhaus Zürich einen Antrag auf Subventionserhöhung zur Kompensation eines strukturellen Defizits im Budget, der in Wahlkampfzeiten nicht unterstützt wurde. 2024 endete der Vertrag.
Anschließend war in Elternzeit und als freischaffender Dramaturg in ausgewählten Produktionen mit ihm verbundenen Theaterschaffenden tätig. Er arbeitete etwa für Alize Zandwijk und Michael Börgerding bei der Uraufführung von David Safiers Roman Adaption „Solange wir leben“ am Theater Bremen 2025 (die Schauspielerin Shirin Eissa wurde für ihre Darstellung der „Waltraut“ in dieser Produktion für den deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert). Außerdem arbeitete er für Nicolas Stemann, Elfriede Jelinek und die Salzburger Festspiele. Bei den Salzburger Festspielen war von Blomberg bereits für „Die Räuber“ 2008 und „Faust 1&2“ 2011 als Dramaturg tätig. Im Sommer 2026 wird ebendort Jelineks neuestes Stück „Unter Tieren“ – gewissermaßen der zweite Teil zu ihrer Wirtschaftskomödie „Die Kontrakte des Kaufmanns“ – uraufgeführt.
Darüber hinaus hatte Veröffentlichungen in Fachmagazinen und Jury- und Vortragstätigkeiten u. a. für das Körber Studio Junge Regie und die Mülheimer Theatertage oder in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Amsterdam und Seoul, Korea.
Von Blomberg ist Vater und lebt zusammen mit seiner Familie in Hannover.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blomberg, Benjamin von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dramaturg |
| GEBURTSDATUM | 1978 |
| GEBURTSORT | Hamburg |