Benthullen Gemeinde Wardenburg | ||
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| Koordinaten: | 53° 2′ N, 8° 6′ O | |
| Höhe: | 14 m ü. NHN | |
| Einwohner: | 553 (31. Dez. 2024) | |
| Postleitzahl: | 26203 | |
| Vorwahl: | 04407 | |
Lage von Benthullen in Niedersachsen | ||
Benthullen ist ein Dorf in der Gemeinde Wardenburg im Landkreis Oldenburg im nordwestlichen Niedersachsen. Die Siedlung entstand in den 1930er Jahren im Zuge der Moorkolonisierung.
Benthullen liegt im Nordwesten des Naturparks Wildeshauser Geest und etwa 15 Kilometer südlich der Stadt Oldenburg. Wardenburg als Ortskern der Gemeinde befindet sich etwa 7,5 km nordöstlich des Dorfes. Nördlich der Ortslage befindet sich das Benthullener Moor.
Der Ort liegt direkt an der Grenze der Gemeinde Wardenburg zur Gemeinde Bösel, welche sich bereits im Landkreis Cloppenburg befindet. Somit stellt diese Grenze auch eine Konfessionsgrenze dar.
In näherer Umgebung befinden sich die Dörfer Charlottendorf West im Südosten, Achternholt im Nordosten, Harbern II im Norden sowie Kartzfehn und Petersdorf im Südwesten von Benthullen.

Das Dorf Benthullen wurde 1934 gegründet, zuvor gehörten die Flächen zu Achternholt. Bereits ab 1908 wurden auf dem Gebiet mehrere Gräben durch das meterdicke Moor in Richtung des damaligen Hunte-Ems-Kanals gegraben, um es langfristig kultivierbar zu machen und Torf abzubauen.
Anfang der 1930er war das Areal des heutigen Dorfes ein reines Sumpfgebiet. Im Frühsommer 1933 starteten die Erkundungen, um an dieser Stelle das Moor zu kolonialisieren. Am Dortmunderweg entstanden in den folgenden Monaten Unterkünfte für rund 200 Männer des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die überwiegend aus dem saarländischen Völklingen kamen. Die Arbeiter hatten Moorflächen zu trocknen und einen Verbindungsweg nach Harbern II zu errichten, der in Erinnerung daran heute Saarländer Weg heißt.
Für die Errichtung einer Siedlung wurden zwölf Hektar mit 29 Höfen ausgeschrieben, worauf sich 40 Landwirte aus der Region um Oldenburg, dem Ammerland und der Wesermarsch bewarben. Die Auswahl traf die Kreisbauernschaft.
„Nicht [in Benthullen] siedeln konnte, wer kein positives Verhältnis zum nationalsozialistischen Staat hatte, wer nach rassischen Merkmalen nicht nordisch oder fälisch war, wer nicht erbgesund war, wer nicht Moorerfahrung hatte und wer nicht einiges Vermögen als Anfangskapital beisteuern konnte. Eine Auswahl also wie bei einer Tierschau, mit Stammbaum und Leistungsnachweis.“
Die Stelle, wo der Saarländer Weg auf die alte Handelsroute zwischen Oldenburg und Petersdorf traf, der heutigen Böseler Straße, wurde Mittelpunkt des neuen Dorfes. Demnach entstand Benthullen nach dem Reißbrettprinzip, was noch heute am Häuser- und Straßenverlauf erkennbar ist.

Im Mai 1934 konnten die ersten vier Landwirte ihre Wirtschaften beziehen, es handelte sich um die Familien von Heinrich Wulf, Peter Pargmann, Diedrich Bliefernich und Diedrich Meyer. Die Fundamente der Häuser bestehen aus steinernen Pfeilern, welche ins Moor gerammt wurden (Pfahlgründung). Benannt wurde die Siedlung nach dem in der Region typischen Bentgras.
1935 entstand eine kleine Schule im Dorf, die bis 1945 vom Lehrer Gerhard Meyer geführt wurde. Im März 1938 wurde Benthullen an das örtliche Stromnetz angeschlossen, indem eine Leitung von Littel aus direkt durch das Moor in die neue Siedlung gelegt wurde.
Der Freiwillige Arbeitsdienst wurde 1935 eingestellt, stattdessen trat der Reichsarbeitsdienst (RAD) an dessen Stelle. Die lokale NSDAP plante Benthullen als Propagandaprojekt zur „größten Kolonie Norddeutschlands“ zu machen. In Benthullen entstand die „RAD-Abteilung 3/190“, dessen Arbeiter das Benthullener Moor entwässerten, einen Vorfluter erstellten, Straßen anlegten und Erdarbeiten für den Bau von Häusern verrichten. Die Arbeiter waren in Baracken untergebracht. Im Oktober 1935 eröffneten Ministerpräsident Georg Joel sowie Ministerialrat Richard Tantzen in Benthullen ein Lager des weiblichen Reichsarbeitsdienstes für junge Arbeiterinnen unter 20 Jahren.
Die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Benthullener Reichsarbeitsdienstes wurden von Zeitzeuginnen als schwierig beschrieben, so erinnerte sich Gudula Budke an starke Kälte, mangelnder Lebensmittelausgabe trotz gefüllten Vorräten und einer strengen Lagerführerin. Als sich im Januar 1945 etwa 40 junge, deutsche Frauen im Lager befanden und die Gelbsucht ausbrach, wurde jegliche medizinische Hilfe verwehrt. Als sich im April 1945 alliierte Truppen näherten, wurde das RAD-Lager geräumt und die Arbeiterinnen zu Fuß nach Hause geschickt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden in den Baracken des Reichsarbeitsdienstes Kriegsgefangene und Zwangsarbeitende untergebracht, die zumeist französisch und russisch waren. Ab 1942 wurde ein Kriegsgefangenenlager auf dem Gelände der Benthullener landwirtschaftlichen Waren- und Maschinengenossenschaft errichtet. Im Jahr 1944 befanden sich 150 Zwangsarbeitende im Gemeindegebiet, davon ein nicht unbedeutender Teil im Lager von Benthullen.
Der Meteorit Benthullen wurde zwischen 1944 und 1948 gefunden. Das Datum der Entdeckung kann nicht genau festgelegt werden, da die Angaben hierzu schwanken. Er ist mit 17,25 kg der zweitgrößte Steinmeteorit Deutschlands. Er entstand vor 4,5 Milliarden Jahren und zählt zu den L-Chondriten der Gruppe 6. Zeitweise war er im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg ausgestellt.
Ab den 1950ern wurde in der Landwirtschaft des Dorfes die Pferdekraft nach und nach durch die Motorisierung ersetzt. Der Strukturwandel hatte seinen Höhepunkt in den 1970er Jahren, als die Landwirtschaft im Ort immer weiter zurückging.
Ein neu errichteter Schulneubau wurde 1953 eingeweiht, die Schule besteht heute allerdings nicht mehr. Schulkinder aus Benthullen besuchen inzwischen andere Schulen im Gemeindegebiet.

Der Grundstein für eine Kirche in Benthullen wurde am 9. Mai 1954 gelegt. Der Bau wurde im darauffolgenden Jahr fertig gestellt. Architekt war der aus Schierbrok stammende Baurat Günter Loesch. Er errichtete die Kirche am Ende des Saarländer Weges, sodass ihre Turmspitze auch von Harbern II aus sichtbar ist. Im Jahr 1956 baute Alfred Führer aus Wilhelmshaven eine neue Orgel in die Kirche ein, die sich bis heute dort befindet.
Nach 1945 wuchs Benthullen durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen. Ende 2005 lebten in Benthullen Ost und Benthullen West 615 Einwohner (Haupt- und Nebenwohnungen), Ende 2013 waren es 564 Einwohner, bis Ende 2016 verringerte sich die Zahl dann auf 559.

Als Anziehungspunkt für Benthullen hat sich das Moor- und Bauernmuseum entwickelt. Das Museum geht auf einen ehemaligen Siedlerhof zurück, der 1956 der sechsköpfigen Familie Berg durch das zuständige Siedlungsamt zugewiesen wurde.
Seit 2021 ist zudem das zuvor eigenständige Schreibmaschinenmuseum in den Räumlichkeiten des Moor- und Bauernmuseums untergebracht.
Das Museum wurde seit 1998 bis 2024 vom Bürger- und Heimatverein Benthullen-Harbern ehrenamtlich betrieben. Im Jahr 2024 gründete sich ein eigenständiger Museumsverein, der seitdem die Leitung des Museums übernimmt.
In Benthullen wird die Tradition des Osterfeuers gepflegt. Das Osterfeuer Benthullens gilt deshalb als das größte Osterfeuer der Umgebung, da die Landjugend Benthullen-Harbern jedes Jahr ehrenamtlich die sogenannte Freiluftfete „Osterparty“ organisiert. Die Veranstaltung ist auf 850 Tickets begrenzt und meistens ausverkauft.