
Dieser Artikel behandelt die Unternehmensgeschichte der 1904 in Berlin gegründeten Firma Herlitz. 1976 wurde aus der Firma Carl Herlitz bzw. der Carl-Herlitz AG die Herlitz AG. Am 30. April 2015 erfolgte die Umbenenung in Pelikan AG. Nachdem die malaysische Pelikan International Corporation Berhad (PICB) 98 % der Aktien hielt, konnte diese auf einer Hauptversammlung im Oktober 2017 einen Squeeze-out Beschluss durchsetzen. Am 21. Dezember 2017 wurde die Aktiengesellschaft formal in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt und als Pelikan Group GmbH weitergeführt.
Die Herlitz AG hat ihre Anfänge in der Gründung einer Papier- und Schreibwaren-Großhandlung durch den gelernten Buchhändler Carl Herlitz in Berlin-Schöneberg. Das Einzelunternehmen Carl Herlitz wurde erstmals 1905 im Berliner Adressbuch aufgeführt unter „Vertreter auswärtiger Häuser der Papier- und Kontorenutensilien-Branche“.
Carl Herlitz leitete die kleine Firma 31 Jahre lang, ehe er sich 1935 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog und am 12. Februar 1939 verstarb. Nach der Übernahme der Firma durch den Sohn Günter Herlitz weitete Herlitz den Vertrieb in die Mark Brandenburg aus. Es wurden sechs Mitarbeiter beschäftigt, die Firma zog in die Nähe des Spittelmarktes in Berlin-Mitte um.
Nachdem Günter Herlitz und sein Bruder Walter Herlitz am 1. September 1939 in den Kriegsdienst eingezogen wurden, übernahm vorübergehend die Mutter Berta Herlitz die Geschäftsführung und hielt die Kundenbeziehungen aufrecht. Im November 1943 wurden die Geschäftsräume zweimal durch Kriegseinwirkungen völlig zerstört, die Geschäftstätigkeit kam zum Erliegen.
Bereits im Sommer 1945 wurde der Geschäftsbetrieb – anfangs in Kellerräumen in Berlin-Moabit – durch Günter Herlitz wieder aufgenommen, zunächst wurden „Gelegenheitsangebote aller Art“ verkauft. Noch war es möglich, auch Kunden in der Mark Brandenburg zu beliefern.
Während der Berlin-Blockade (1948/1949) gelang es der Firma Carl Herlitz als einzige von etwa 20 Berliner Fachgroßhandlungen, ein Minimum an Ware auf dem Luftweg aus Westdeutschland zu beschaffen. Nach Beendigung der Blockade konnte das Sortiment ausgeweitet werden. Die Firma beschäftigte Anfang der 1950er Jahre bereits 50 Mitarbeiter und gehörte bald zu den bedeutendsten Großhandlungen im Bundesgebiet.
Bedingt durch die Ereignisse des 17. Juni 1953 – traditionelle Lieferanten aus Mitteldeutschland drohten auszufallen – begann man eine eigene Fertigung aufzubauen, unter anderem für Schulhefte, Zeichenblöcke, Briefblöcke, Karteikarten und Buntpapierhefte. Bereits 1955 wurden 60 t Papier monatlich verarbeitet. Der Großhandel konnte – politisch bedingt – nur noch Kunden in West-Berlin beliefern. Bei einem Umsatz von 2,2 Millionen Mark konnten 1955 dennoch 55 Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden.
Erste Versuche, 1957/1958 eigene Erzeugnisse im übrigen Bundesgebiet abzusetzen, schlugen fehl. 1960 gelang der Durchbruch auf dem „westdeutschen Markt“ mit Diarien (Kladden) und Zeichenblöcken mit bebilderten Deckblättern, damals eine absolute Neuheit. Sie zeigten Tiermotive und Sportbilder, die in Zusammenarbeit mit Professor Bernhard Grzimek und Harry Valérien herausgebracht wurden. Eine eigene Vertriebsorganisation für das Bundesgebiet wurde aufgebaut.
Mit dem erfolgreichen bundesweiten Einstieg wurde 1960 2,2 Millionen Euro (ca. 4,3 Millionen DM) Umsatz erreicht, der sich in den folgenden Jahren durchschnittlich alle vier Jahre verdoppelte und 1969 bereits bei 11,8 Millionen Euro (ca. 23,1 Millionen DM) lag. Die Großhandlung schloss das Jahr 1971 mit einem Umsatz von 19,6 Millionen Euro ( 42,2 Millionen DM) ab.
Mit Umwandlung der Carl Herlitz Bürobedarfs-Großhandlung in eine Aktiengesellschaft wurde am 1. September 1972 die Carl-Herlitz AG ins Handelsregister des Amtsgericht Berlin-Charlottenburg unter HRB 12046 B eingetragen. Der erste Vorstand wurde durch Günter Herlitz als Vorstandsvorsitzenden und seinen Sohn Dr. Klaus Herlitz sowie Gerhard Bertram, dem langjährigen Leiter der Produktion, gebildet. Den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm Martin Scholz, der dem Vorstand bei der Berliner Industriebank AG angehörte. Das Stammkapital der Aktiengesellschaft betrug 6 Millionen DM und wurde zu 100 % von der Familie Herlitz gehalten.
Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft stieg der Umsatz von 42,2 Millionen DM innerhalb weniger Jahre kontinuierlich auf 88,5 Millionen DM im Geschäftsjahr 1976 an. Der ausgewiesene Jahresüberschuss belief sich auf rund 3,1 Millionen DM. Um den Auftritt für den Kapitalmarkt zu modernisieren und internationaler zu gestalten, strich das Unternehmen am 6. Mai 1976 den Gründervornamen. Aus der Carl-Herlitz AG wurde die Herlitz AG.
Der Aufsichtsrat und die Hauptversammlung stimmte im Sommer 1977 dem Plan zu, das Unternehmen an die Börse zu bringen. Die drei Aktionäre Günter, Heinz und Walter Herlitz, die Söhne des Firmengründers Carl Herlitz, gaben 20.000 Altaktien im Nennwert von 50 DM zum Emissionskurs von 175 DM in den Börsenhandel. Der erste offizielle Handelstag und die Feststellung des ersten Börsenkurses an der Berliner Wertpapierbörse fand am Montag, dem 3. Oktober 1977 statt.
Die Familie hielt nach dem 3. Oktober 1977 weiterhin die verbliebenen 100.000 Aktien (ca. 83,3 % des Grundkapitals). Ab 1982 wurden die Aktien auch an der Frankfurter Börse eingeführt.
1973 kam ein Sortiment um die bei Kindern beliebten Figuren Ernie und Bert aus der Sesamstraße hinzu, das den Hersteller auch nach Weihnachten bis über seine Kapazitätsgrenze hinaus auslastete.
Die weitere Expansion spiegelte sich sowohl im Wandel der Betriebsform als auch im Auslandsengagement der Firma wider.
1974 wurde das erste Hochregallager mit 6000 Palettenplätzen für Fertigwaren in Betrieb genommen; das Unternehmen beschäftigte im Jahresdurchschnitt 504 Mitarbeiter.
Im Jahr 1974 wurde die Herlitz Consult GmbH gegründet, die 1975 den Auftrag erhielt, eine schlüsselfertige Fabrik für Schulhefte in Bagdad zu errichten. Einschließlich einer ebenfalls gebauten Brücke sowie einer kleinen Moschee war das der größte Einzelauftrag in der Geschichte der Firma Herlitz mit einem Auftragsvolumen von 38 Millionen DM.
Ende der 1980er Jahre ging die Herlitz International Trading (HIT) AG, die aus der Herlitz Consult hervorgegangen war, selbst an die Börse. 1978 wurde die Firma Paul Zoecke GmbH/Berlin übernommen, damit wurde das Sortiment um Glückwunschkarten erweitert.
In den 1980er und Anfang der 1990er Jahre wurden die Firmen Vetter/Brensbach (Fasermaler), Böhler/Schwetzingen (Füllhalter), Bentz-Papier/Düren (Briefpapier-Ausstattung), Rema/Neukirchen vorm Wald (Alben und Mappen), Spang/Esslingen am Neckar (Geschenkpapier) und Susy Card/Bargteheide (Humor-Karten) gekauft. Herlitz war damit der erste Vollsortimenter der PBS-Branche („alles aus einer Hand“).
Im Jahr 1995 wurde das Versandzentrum in Berlin-Spandau (Zitadellenweg) bezogen, mit dem damals laut dem Guinness-Buch der Rekorde größten Hochregallager der Welt mit über 70.000 Palettenplätzen. Mitte der 1980er Jahre wurden in Aachen, Augsburg und Ludwigsburg die ersten McPaper-Läden in Franchise eröffnet. 1987 folgte die Gründung der McPaper GmbH zusammen mit dem Handelskonzern REWE-Leibrandt und dem Schmuckfilialisten Christ.
Ausländische Vertriebsgesellschaften der Firma Herlitz entstanden in Österreich (1977), den Niederlanden (1977), der Schweiz (1977), Frankreich (1980), Texas/USA (1981–1990), Polen (1992), Finnland (1992), Ungarn (1992) und Tschechien (1993). In Falkensee wurde ab 1991 ein neues Versandzentrum gebaut und 1994 in Betrieb genommen.
Nach dem Abschied des jahrzehntelangen Firmenchefs und Vorstandsvorsitzenden Günter Herlitz, der den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm, kam es ab 1988 zum Streit zwischen den beiden älteren Brüdern Peter und Heinz, der mit dem Ausscheiden von Heinz Herlitz im Jahr 1992 endete. Die Schraube der Expansion wurde zugleich jedoch überdreht. Das Logistikzentrum in Falkensee erwies sich als überdimensioniert. 1992 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,06 Milliarden Mark. 1995 wurde der historische Höchstwert von 1,86 Milliarden Mark Umsatz erzielt.
Während Klaus Herlitz die Marke Herlitz durch neue Ideen am Markt etablierte und sich für ein umweltbewusstes Sortiment starkmachte, geriet der Zukauf einer Papierfabrik in Nischni Nowgorod/Russland 1994/1995 durch den Vorstandsvorsitzenden der HIT AG, Gerard Jaslowitzer, zum Desaster, der Einstieg ins Immobiliengeschäft misslang.
1980: 87,3 Mio. Euro
1985: 267 Mio. Euro
1990: 454 Mio. Euro
1994: 745 Mio. Euro
1995 führte ein neunköpfiger Vorstand das Unternehmen mit Peter Herlitz als Vorstandsvorsitzenden an der Spitze. Weitere Vorstände waren sein Bruder Klaus Herlitz, Detlef Stronk, Klaus Albig, Volker Bohlmann, Peter Franzke, Walter Gröling, Stephan Vocke und Karel de Vries. 1996 wurde die familiengeprägte, unternehmerisch geführte Gesellschaft unter dem neuen Vorstandssprecher Jaslowitzer schrittweise in eine Management-geführte Holding umgewandelt.
Auf der Hauptversammlung 1996 wurde Günter Herlitz mit einer Laudatio auf sein Lebenswerk geehrt, er schied aus dem Aufsichtsrat aus und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Gleichzeitig beschloss die Hauptversammlung die Umwandlung der Herlitz AG in eine Holding, zu der die Herlitz PBS AG, die Herlitz Falkenhöh AG, die HIT AG und die McPaper AG gehörten. Peter Herlitz übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat der Holding.
Die Herlitz International Trading AG (HIT) war Anfang der 1990er Jahre die erfolgreichste Tochter der Herlitz AG. Die HIT AG wurde zunächst Minderheits-, ab 1995 Mehrheitsaktionär der Wolga AG in Nischni Nowgorod. Zu den außerordentlichen Erfolgen der Wolga AG äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der HIT AG, Gérald Jaslowitzer, im Manager Magazin wie folgt: „Das Holz ist in Russland um 70 Prozent billiger als hierzulande. Die Energiekosten betragen nur ein Fünftel der vergleichbaren Kosten in Skandinavien. Von den Lohnkosten ganz zu schweigen: Ob wir 6000 oder 1000 Beschäftigte haben, spielt im Moment keine Rolle.“ Und Jaslowitzer weiter: „Kein deutsches Unternehmen könne da mithalten. Die Branche könnte mittelfristig in Deutschland verschwinden.“
Dieser Bericht war zwei Tage später ins Russische übersetzt und kursierte in Nischni Nowgorod. Die Holzindustrie und die Energielieferanten forderten ab sofort marktgerechte Preise, die Arbeiter fingen an zu rebellieren. „Jaslowitzer hatte für die größte Katastrophe in der Firmengeschichte gesorgt.“ „Insgesamt kostete das Abenteuer Russland den Konzern rund 100 Millionen Mark.“
Anfang Juli 1997 musste der Vorstandsvorsitzende Gerard Jaslowitzer seinen Posten räumen. Das kostspielige Russland-Abenteuer der Berliner Herlitz AG forderte ein weiteres Opfer: Peter Herlitz zog die Konsequenzen und schied aus allen Aufsichtsratsämtern im Konzern aus. Karel de Vries wurde zum neuen Sprecher des Vorstandes gewählt. Ihm entglitt mit seiner ungestümen Expansionspolitik durch zahlreiche Firmenzukäufe im In- und Ausland sowie Eröffnungen von diversen Niederlassungen in Ost- und Südeuropa die Kontrolle über die Holding. Getrieben vom Gedanken eines Global Players wurden unter seiner Regie teilweise marode Produktionsfirmen in Frankreich (Manopa), Holland, Polen, Tschechien und Deutschland (Becker-Falken, Diplomat) aufgekauft und mitunter schon nach kurzer Zeit wegen Unrentabilität geschlossen. Das defizitäre Engagement von de Vries in Frankreich kostete den Konzern allein 50 Millionen Mark. Trotz allem wurden europaweit weitere Niederlassungen gegründet und zum Teil schon nach ein oder zwei Jahren wieder geschlossen (Jugoslawien, Portugal). Niederlassungen entstanden auch in Belgien, Luxemburg, Griechenland, Großbritannien, Slowakei, Russland, Rumänien und Bulgarien.
Bereits 1997 schrieb die Firma einen Verlust von 51 Mio. Euro. Mehreren externen Managern, die unter dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Peter Friedrichsen eingesetzt wurden, gelang es nicht, eine Kehrtwende zu erreichen. Mc Paper wurde 1998 an die Deutsche Post AG veräußert. 1999 wurde die Herlitz Falkenhöh AG an die RSE Projektmanagement AG aus Hamburg verkauft. Herlitz trennte sich 2000 dann auch von ihren restlichen Anteilen an der Herlitz International Trading AG. Käufer war die Blake International Limited (British Virgin Islands); das Unternehmen wurde später umfirmiert in HIT International Trading AG, gleichzeitig wurde der Sitz dieser Gesellschaft nach Berlin verlegt. Parallel entstanden Joint Ventures mit eingeführten Marken wie Landré (1996), Diplomat (1997), Fiege eCom (2000) und Mercoline (2000).
Umsatzzahlen:
Die Entwicklung zwang Herlitz zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu drastischen Einschnitten. Ab Sommer 2001 gehörte Herlitz mehrheitlich einem Bankenkonsortium, in dem unter anderen die Deutsche Bank, die HypoVereinsbank und die Bankgesellschaft Berlin vertreten waren.
Planinsolvenz der Herlitz AG 2002
Nach jahrelangen Sanierungsbemühungen und dem endgültigen Scheitern von Gesprächen über eine Landesbürgschaft durch Berlin und Brandenburg stellten der Vorstand der Herlitz AG sowie der Herlitz PBS AG am 2. April 2002 einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Charlottenburg. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der renommierte Sanierungsexperte Rechtsanwalt Peter Leonhardt eingesetzt.
Bereits wenige Tage später gelang es Leonhardt bei den Gläubigerbanken – unter Führung der Deutschen Bank, die seit dem Vorjahr 70 % der Anteile hielt – einen Überbrückungskredit zu erhalten, um das wichtige operative Ostergeschäft aufrechtzuerhalten und Löhne für die 3000 Mitarbeiter im Inland weiterzuzahlen zu können. Am 5. Juni wurde das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet. Anstatt das Unternehmen zu liquidieren oder zu zerschlagen, setzte Leonhardt konsequent auf ein Insolvenzplanverfahren. Am 15. Juli stimmten die Gläubiger dem Insolvenzplan zu. Dieser enthielt einen Forderungsverzicht aller Gläubiger, die Schließung unrentabler Geschäftsfelder und Restrukturierungen. Im Gegenzug wurden Immobilien an das Bankenkonsortium übertragen und ein Teil der Forderungen in Eigenkapital umgewandelt (Debt-Equity-Swap). Die Banken hielten damit 80 % der Anteile. Herlitz war es als erstem börsennotierten Unternehmen in Deutschland gelungen, ein Insolvenzverfahren bei laufendem Betrieb nach dem neuen Insolvenzrecht erfolgreich durchzuführen. Bereits im September, also nach vier Monaten, hob das Gericht das Verfahren auf.
Unter dem Vorstandsvorsitzenden Christian R. Supthut wurden unrentable Auslandsgesellschaften in Frankreich und Portugal geschlossen, ebenso die Hälfte der dreizehn Produktionsstätten. Das Jahr 2002 endete mit einem Konzernumsatz von 376 Mio. Euro. Durch die Straffung des Sortiments und einer daraus resultierenden höheren Rohertragsmarge und dem Strukturabbau wurde ein Operatives Ergebnis (EBIT) von 15 Mio. Euro erreicht. Die Verbindlichkeiten sanken von 371 Mio. Euro auf 124 Mio. Euro und die Eigenkapitalquote stieg wieder auf 20 %.
2003 bis 2009
Der Umsatz konnte 2003 weiter konsolidiert werden auf 347,0 Mio. Euro 2003. Im Jubiläumsjahr 2004 betrug er 335 Millionen Euro, bei einem Gewinn von über eine Million Euro.
Im Oktober 2005 stieg das Bankenkonsortium vollständig aus. Mit Wirkung zum 4. Oktober 2005 übernahm die luxemburgische Holding Stationary Products S.à r.l. – die mehrheitlich der Beteiligungsgesellschaft Advent International Corp. mit Sitz in Boston (USA) sowie der Management-Holding Haventus gehörte – die Anteile der Banken (ca. 65 %) und kaufte weitere Aktien auf, sodass sie teilweise knapp 87 % der Anteile hielt. Die international tätigen Private-Equity-Gesellschaft wurde in der Presse auch als sogenannte „Heuschrecke“ bezeichnet.
Im Jahr 2005 konnten das operative Ergebnis – trotz eines weiteren Umsatzrückganges (auf 318 Millionen Euro) in einem sich verschärfenden Preiswettbewerb im Markt – gegenüber dem Vorjahr gesteigert und die Nettoverbindlichkeiten reduziert werden.
Der Umsatzrückgang konnte 2006 nicht gebremst werden, die Erlöse sanken um 2,9 % auf 309 Millionen Euro, aber das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 5,2 Millionen auf 3,9 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 1,3 Millionen Euro zu verkraften gehabt.
Herlitz plante 2007 den Einstieg in den Markt in Russland. Dabei will Herlitz seine besonders starke Position in Osteuropa ausbauen. Der Konzern mit inzwischen insgesamt 2350 Beschäftigten konnte den Umsatz im osteuropäischen Raum um 15 Prozent verbessern. Mit 65 Millionen Euro Einnahmen hatte der dortige Markt für Herlitz erstmals Westeuropa hinter sich gelassen. Vor allem Osteuropa war es zu verdanken, dass Herlitz 2007 seinen Umsatz erstmals seit zwölf Jahren wieder leicht steigern konnte.
Stationery Products gelang kein Turnaround. Der Abwärtstrend setzte sich unvermindert fort, so dass im Oktober 2008 die Briefumschlag-Fertigung der Herlitz PBS AG an die Firmengruppe Mayer-Kuvert in Heilbronn verkauft werden musste. Im Januar 2009 folgte der Verkauf der Herlitz-Tochter Pro-office s.r.o. mit Sitz in Most-Cepirohy (Tschechien) an die Wiener Ring-Holding. Der pbs-report sah dies als Anfang des Endes der ehemals erfolgreichen Herlitz-Philosophie „Alles aus einer Hand“. Herlitz erzielte im Geschäftsjahr 2008 bei einem Gesamtumsatz von 301,9 Mio. EUR ein EBIT von 3,7 Mio. EUR.
2009 bis 2015
Im November 2009 wurde bekannt, dass die Stationary Products S.à r.l (Advent) ihre Beteiligung der börsennotierten Pelikan International Corporation Berhad (PICB) mit operativem Hauptsitz in Puchong, Selangor (Malaysia) für rund 45 Mio. Euro zum Kauf anbot. Die PICB hielt bereits seit 1996 die aktienrechtliche Mehrheit an der Schweizer Pelikan Holding (PHAG), in der das operative Geschäft der Pelikan Landesgesellschaften, darunter auch die Produktion und der Vertrieb in Deutschland, gebündelt waren. Damit bildete die PHAG und die PICB eine wirtschaftliche Einheit. Durch diese gesetzliche Zurechnungsregelung war das Bundeskartellamt verpflichtet die Umsatzschwellen und die Marktanteile zwischen Pelikan und Herlitz wettbewerblich zu prüfen. Am 17. März 2010 gab die Behörde die Übernahme ohne Auflagen frei, da sowohl bei den Schreibgeräten als auch bei allen anderen sich überschneidenden Produkten keine marktbeherrschende Stellung vorlag. Im Beteiligungspaket war auch ein Anteil von 94,9 % an der Herlitz-Tochtergesellschaft Molkari Falkensee, der Eigentümerin des Logistikzentrum in Falkensee (Brandenburg) und ein Gesellschafterdarlehen von 15 Mio. Euro enthalten.
Die Interessen der PICB vertrat ihr Präsident und CEO Hooi Keat Loo. Auf der ordentlichen Hauptversammlung am 2. Juni 2010 wurde er in den Aufsichtsrat gewählt. Den Vorsitz führte weiterhin Georg C. Domizlaff.
Das Geschäftsjahr 2011 entwickelte sich für Herlitz extrem schwierig. Der Konzernjahresfehlbetrag rutschte tief in die roten Zahlen und belief sich auf knapp 10,7 Millionen Euro (nach einem Verlust von ca. 3,5 Millionen Euro im Jahr 2010). Der Vorstand erklärte dies mit steigenden Rohstoffpreisen, die aufgrund des Wettbewerbsdrucks nicht an den Handel weitergereicht werden konnten. Nach der Hauptversammlung verlässt der bisherige Vorstandsvorsitzende Jan von Schuckmann das Unternehmen, sein Vorstandskollege Thomas Hübner rückt nach. Neu hinzu kommt Choeng Seng Ng, der bisher für PICB tätig war. Zum 1. Oktober wird zusätzlich Thomas Radke ins Unternehmen geholt, um als Vertriebsvorstand neue Impulse zu setzen. Hooi Keat Loo stärkt auch im Aufsichtsrat seine Position mit zwei neuen Mitgliedern, die den Vertreter von Advent und den ehemaligen Vorstand Christian Supthut ersetzten.
Im März 2012 erwarb die Biella-Neher Holding AG (Biella Group) mit Hauptsitz in der Schweiz, über ihre Tochtergesellschaft Biella Deutschland GmbH, mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2012, die Ordnerproduktion der Herlitz PBS AG. Diese umfasst je 100 % der Geschäftsanteile der Falken Office Products GmbH in Peitz, Deutschland, der Delmet Prod srl in Buftea, Rumänien, und die Herlitz UK Ltd. in Hyde, Greater Manchester, Grossbritannien.
Nach der Hauptversammlung am 20. Juni 2012 scheidet auch Domizlaff aus dem Aufsichtsrat aus. Seinen Platz nimmt Rozaida Binti Omar ein, die den Großaktionär (26 %) der PICB, den malaysische Pilgerfonds Lembaga Tabung Haji vertritt. Damit erhöht sich der Druck auf Herlitz wieder in die Gewinnzone zu kommen. Loo Hooi Keat übernimmt im Aufsichtsrat den Vorsitz.
Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hübner verlässt am 31.05. das Unternehmen, da er den Verkauf der Ordnerfertigung nicht unterstütze. Um den direkten operativen Zugriff auf das kriselnde Unternehmen zu erhalten und die radikale Sanierung sowie die Fusion mit Pelikan persönlich voranzubringen, ließ sich Loo ab dem 15. Oktober gemäß §105 Abs. 2 AktG zunächst befristet bis zum 30. September 2013 vom Aufsichtsrat in den Vorstand entsenden.
Ende 2012 kündigte der Vorstand Hooi Keat Loo in Malaysia an, dass Herlitz seinen Hauptsitz in Berlin bis Ende 2013 schließen wird und nach Falkensee umzieht.
Im März 2013 gaben die Unternehmen bekannt, dass die Herlitz PBS AG und die deutschen Tochtergesellschaften der Pelikan Holding AG enger zusammenarbeiten wollen. Es war geplant, einzelne Geschäftsaktivitäten (insbesondere Vertrieb und Verwaltung in Deutschland) in Form von Joint Ventures zusammenzulegen, um Synergien zu nutzen. Am 7. Oktober 2013 folgte die Wende und PICB teilte mit, dass die Joint-Venture-Verhandlungen abgebrochen wurden. Das Projekt scheiterte laut offiziellen Angaben an „zu großen steuerlichen und wirtschaftlichen Risiken“. Die geplante Zusammenlegung einzelner Geschäftsaktivitäten (wie Vertrieb und Verwaltung) in einer Gemeinschaftsstruktur wären rechtlich und steuerlich hochkomplex und mit unkalkulierbaren finanziellen Risiken für die beteiligten Gesellschaften verbunden gewesen. Angesichts der der angespannten wirtschaftlichen Situation war keine Zeit für langwierige Verhandlungen. Stattdessen wurde vorgeschlagen, die Integration zu beschleunigen, indem Pelikan das Kerngeschäft von Herlitz direkt übernimmt.
In einer Ad-hoc-Meldung vom 18. Dezember 2013 wurde schließlich bekanntgegeben, das die Pelikan Holding AG mit Wirkung zum 1. März 2014 das komplette deutsche und österreichische Vertriebsgeschäft sowie die administrativen Funktionen der Herlitz PBS AG für einen Kaufpreis von 15,6 Mio. Euro übernimmt.
Das osteuropäische Geschäft mit Tochtergesellschaften in Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei verblieben in der Herlitz AG. Ebenso die eCom Logistik, Falkensee, das IT-Unternehmen Mercoline GmbH in Berlin, die POS Servicegesellschaft in Falkensee und Susy Card GmbH in Falkensee.
Loo verblieb ab dem 11. Juni 2013 als ordentliches Mitglied im Vorstand. Seinen Sitz im Aufsichtsrat und die Funktion des Vorsitzenden übernahm Tan Sri Abi Musa Asa'ri bin Mohamed Nor aus Kuala Lumpur. Binti Omar wurde durch Dato Paduka Ismee Ismail ersetzt. Beide Neuzugänge waren in Führungspositionen bei der Lembaga Tabung Haji.
Zum 31. Dezember 2013 schied Thomas Radke, Wiesbaden aus dem Vorstand aus. Durch die Veräußerung des Kerngeschäftes entfiel sein Aufgabenbereich, weshalb er um seine vorzeitige Entlassung bat. Da laut Satzung der Vorstand aus mindestens zwei Personen bestehen musste, wechselte die Geschäftsführerin der Pelikan Produktiongesellschaft in Vöhrum, die Juristin Frauke Wandrey ab dem 1. Januar 2014 in den Vorstand der Herlitz AG.
Um die Unternehmensstruktur weiter zu vereinfachen, wurde die Herlitz PBS AG Papier-, Büro- und Schreibwaren als übertragende Gesellschaft auf die Herlitz Aktiengesellschaft als übernehmende Gesellschaft verschmolzen. Dadurch übertrug die Herlitz PBS AG ihr Vermögen als Ganzes mit allen Rechten und Pflichten unter Auflösung ohne Abwicklung mit Wirkung zum 31. Dezember 2013 (Verschmelzungsstichtag) auf die Herlitz AG im Wege der Verschmelzung durch Aufnahme. Die Verschmelzung wurde am 31. März 2014 in das Handelsregister eingetragen. Die Pelikan Vertriebsgesellschaft übernahm zum 1. März 2014 die Vertriebs- und Marketingaktivitäten der Herlitz PBS AG für Deutschland und Österreich.
Ab dem 30. April 2015 firmiert Herlitz als Pelikan AG.
Auf Initiative von Herlitz wurde 2003 der gemeinnützige Verein BildungsCent e. V. gegründet, er setzt sich bundesweit für die nachhaltige Förderung der Lehr- und Lernkultur in Deutschland ein.
Herlitz wurde 1990 der Deutsche Logistik-Preis im Rahmen des Deutschen Logistik-Kongresses verliehen und damit wurden die langjährigen Verdienste von Vorstand Klaus Albig gewürdigt. Die ganzheitlichen Umweltinitiativen und -verbesserungen im Unternehmen wurden Anfang und Mitte der 1990er Jahre mit mehreren nationalen Umweltpreisen prämiert, explizit wurden der für Marketing und Umweltfragen zuständige Vorstand Klaus Herlitz und der Ressortleiter Horst Schubert sowohl vom damaligen Umweltsenator von Berlin, Volker Hassemer, als auch von der Bundesumweltministerin Angela Merkel ausgezeichnet. 1999 wurde von der Gartner Group und der Computerwoche die Auszeichnung „IT-Anwenderpreis“ für innovative IT-Lösungen an den Vorstand Andreas Resch verliehen. Bereits 1992 und 1994 wurde das Marketing mit der Marken-Auszeichnung „Deutsche Standards“ bedacht. Aufgrund von Aktivitäten des Vorstands Dietrich Groth erhielt Herlitz 2007 das Markensiegel „Marke des Jahrhunderts“.
Unter der Marketingleitung von Oliver Windbrake erhielt Herlitz den Goldenen Ramses 2010 für den besten Radio-Spot in der Kategorie Best Audio Idea sowie für die „Monster-Talent-Kampagne“ den Eintrag ins Jahrbuch der Werbung 2010 mit der Auszeichnung Platz 1 / Branchensieger im Bereich Social-Media-Aktivitäten / Digitale Medien B2C.
Im Februar 2011 überreichte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für das Herlitz Engagement bei „Partners in Leadership“ den European Employee Volunteering Award Deutschland in der Kategorie Innovation an Windbrake.
93 Prozent aller deutschen Haushalte kannten im Jahr 2005 laut Aussage des Unternehmens den Namen Herlitz.
| Geschäftsjahr | Umsatzerlöse in Mio. € | Jahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag in Mio. € | Mitarbeiter Deutschland | Mitarbeiter weltweit |
|---|---|---|---|---|
| 1994 | 744,6 | + 21,5 | 5027 | |
| 1995 | 953,2 | – 66,5 | 4855 | |
| 1996 | 891,9 | – 2,8 | 5215 | |
| 2004 | 337,5 | + 4,1 | 1972 | 2737 |
| 2005 | 317,6 | – 4,6 | 1821 | 2686 |
| 2006 | 308,5 | + 0,6 | 1636 | 2439 |
| 2007 | 310,5 | – 3,6 | 1523 | 2349 |
| 2008 | 301,9 | – 1,1 | 1467 | 2289 |
| 2009 | 259,3 | – 1,3 | 1365 | 1898 |
| 2010 | 233,8 | – 4,0 | 1238 | 1702 |
| 2011 | 228,9 | – 9,8 | 1219 | 1663 |
| 2012 | 197,1 | – 4,8 | 963 | 1335 |
| 2013 | 95,5 | – 7,5 | 578 | 904 |
| 2014 | 94,1 | – 2,1 | 557 | 871 |
(Quellen: Geschäftsberichte der jeweiligen Jahre)
| Name | von | bis |
|---|---|---|
| Hooi Keat Loo, Frauke Wandrey, Claudio Esteban Seleguan und Torsten Jahn (alle ohne Nennung Vorstandsvorsitz) | 30. März 2015 | 30. April 2015 |
| Hooi Keat Loo, Frauke Wandrey und Claudio Esteban Seleguan (alle ohne Nennung Vorstandsvorsitz) | 1. Januar 2014 | 30. März 2015 |
| Hooi Keat Loo und Frauke Wandrey (beide ohne Nennung Vorstandsvorsitz) | 1. Januar 2014 | 15. Dezember 2014 |
| Hooi Keat Loo und Thomas Radke (beide ohne Nennung Vorstandsvorsitz) | 1. Juni 2012 | 31. Dezember 2013 |
| Thomas Hübner | 1. Juli 2011 | 31. Mai 2012 |
| Jan von Schuckmann | 1. Juni 2007 | 1. Juli 2011 |
| Johan (Jan) van Riet | 1. Januar 2006 | 31. Mai 2007 |
| Christian R. Supthut | 1. März 2002 | 31. Dezember 2005 |
| Christian R. Supthut und Norbert Strecker | 1. Januar 2002 | 28. Februar 2002 |
| Werner Eisenhardt | 1. Januar 2000 | 31. Dezember 2001 |
| Karel Marinus de Vries (Vorstandssprecher) | 16. Juli 1997 | 31. Dezember 1999 |
| Gérald Jaslowitzer (Vorstandssprecher) | 18. Juli 1996 | 16. Juli 1997 |
| Peter Herlitz | 26. Mai 1992 | 18. Juli 1996 |
| Heinz Herlitz | 1. Januar 1992 | 25. Mai 1992 |
| Peter Herlitz und Heinz Herlitz (beide Vorstandssprecher) | 17. August 1988 | 31. Dezember 1991 |
| Günter Herlitz | 1. September 1972 | 16. August 1988 |
| Name | von | bis |
|---|---|---|
| Tan Sri Abi Musa Asa’ari bin Mohamed Nor | 11. Juli 2013 | 30. April 2015 |
| Hooi Keat Loo | 20. Juni 2012 | 11. Juli 2013 |
| Georg C. Domizlaff | 21. Juni 2006 | 20. Juni 2012 |
| Harald J. Schröder | 18. Juni 2003 | 21. Juni 2006 |
| Hans-Peter Friedrichsen | 22. Oktober 1997 | 18. Juni 2003 |
| Peter Herlitz | 18. Juli 1996 | 22. Oktober 1997 |
| Günter Herlitz | 17. August 1988 | 18. Juli 1996 |
| Martin Scholz | 1. September 1972 | 16. August 1988 |