Bodenwerder

Wappen Deutschlandkarte
Bodenwerder
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bodenwerder hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 59′ N, 9° 31′ OKoordinaten: 51° 59′ N, 9° 31′ O
Bundesland:Niedersachsen
Landkreis: Holzminden
Samtgemeinde: Bodenwerder-Polle
Höhe: 76 m ü. NHN
Fläche: 29,05 km²
Einwohner: 4631 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 159 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37619
Vorwahl: 05533
Kfz-Kennzeichen: HOL
Gemeindeschlüssel: 03 2 55 003
Adresse der
Stadtverwaltung:
Münchhausenplatz 1
37619 Bodenwerder
Website: www.muenchhausenland.de
Bürgermeister: Friedrich-Wilhelm Dornette (SPD)
Lage der Stadt Bodenwerder im Landkreis Holzminden
KarteHessenNordrhein-WestfalenLandkreis Hameln-PyrmontLandkreis HildesheimLandkreis NortheimArholzenBevern (Landkreis Holzminden)Bevern (Landkreis Holzminden)BodenwerderBoffzenBoffzenDerentalDerentalDerentalDerentalBoffzen (gemeindefreies Gebiet)BrevördeDeensenDeensenDeensenGrünenplan (gemeindefreies Gebiet)Grünenplan (gemeindefreies Gebiet)Grünenplan (gemeindefreies Gebiet)DelligsenDielmissenEimenEimen (gemeindefreies Gebiet)EschershausenEschershausen (gemeindefreies Gebiet)Eschershausen (gemeindefreies Gebiet)Fürstenberg (Weser)GolmbachHalle (Weserbergland)HehlenHehlenHeinadeHeinadeHeinadeHeinsenHeyenHolenbergHolzen (bei Eschershausen)HolzmindenHolzmindenHolzminden (gemeindefreies Gebiet)KirchbrakLauenfördeLenne (Niedersachsen)LüerdissenMerxhausen (gemeindefreies Gebiet)NegenbornOttenstein (Niedersachsen)PegestorfPolleStadtoldendorfVahlbruchWangelnstedtWenzen (gemeindefreies Gebiet)
Karte
Altstadt von Bodenwerder von Südosten aus
Luftbild von Bodenwerder

Bodenwerder ist eine Stadt im Landkreis Holzminden. Sie ist der Geburtsort und langjährige Wohnsitz des „Lügenbarons“ Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen und trägt deshalb seit dem 25. Oktober 2013 den amtlichen Namenszusatz „Münchhausenstadt“. Die Stadt Bodenwerder ist Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle. Bis Ende 2010 hatte die Stadt den Status „Staatlich anerkannter Luftkurort“, seit 2011 „Staatlich anerkannter Erholungsort“.

Geographie

Lage

Die Stadt liegt zwischen Hameln und Holzminden an der Oberweser. Südöstlich davon liegt der Vogler. Bei Bodenwerder mündet die Lenne in die Weser.

Stadtgliederung

Geschichte

In der Nähe des Klosters Kemnade entstand nach 960 n. Chr. auf einer Weserinsel gegenüber der Lennemündung eine Marktsiedlung mit Namen Insula (Werder, im ursprünglichen Sinne einer Insel in einem Fluss).

Im Jahre 1245 kaufte Ritter Heinrich II. von Homburg vom Kloster Corvey die Siedlung und gab ihr am 29. Januar 1287 die Stadtrechte. Erste Erwähnung von „consules“ erfolgte 1284. 1289 existierte bereits eine wichtige Brücke über die Weser, die eine Verbindung zwischen den damaligen Hauptverkehrswegen zwischen Hameln–Paderborn und Einbeck–Frankfurt am Main herstellte. Um 1340 entstand durch grundherrlichen Akt eines der Homburger Bodonen eine planmäßig erbaute Anlage mit Mauern und Türmen, daher die Ableitung zum heutigen Stadtnamen aus „Bodonis insula“, „Insel des Bodo“: „Bodenwerder“. Nach dem Aussterben der Homburger 1409 gehörte die Stadt zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, 1521 dann nach der Hildesheimer Stiftsfehde zum Fürstentum Calenberg unter Erich I.

Ab 1418 erwarb die Stadt umfangreichen Forstbesitz im Vogler. Im Jahre 1442 wurde die Familie von Hake mit Besitzanteilen in Bodenwerder belehnt, ihr Amts- oder Wohnhaus war vermutlich der heute Schulenburg genannte Freie Sattelhof. Zwischen 1460 und 1470 wurde die gotische Pfarrkirche St. Nikolai als dreischiffige Hallenkirche erbaut. Im Glockenturm befindet sich noch heute eine Glocke von 1471. In den Jahren 1542 und 1543 wurde die Reformation eingeführt. In der Kirche befindet sich ein Taufstein von 1608. In den Jahren 1899 und 1900 wurde im Süden der Kirche ein neuer Chorraum geschaffen, 1960/62 erfolgte eine einschneidende Umgestaltung des Kirchenraumes mit Inventarien.

Merian-Stich von Bodenwerder, um 1654

Statius von Münchhausen (1555–1633), ein Sohn des zu großem Reichtum gekommenen Feldobristen und Söldnerführers Hilmar von Münchhausen (1512–1573), ließ das Herrenhaus erbauen. Er bewohnte jedoch vorwiegend die von ihm ebenfalls errichteten, bedeutenden Schlösser Bevern und Leitzkau. Einen Bodenwerder ähnlichen Amtssitz erbaute er in Bolzum.

Beim Weserhochwasser 1641 stand die Innenstadt etwa drei Meter hoch unter Wasser. Die Hochwassermarke an der Stadtkirche zeugt davon.

Einer seiner Nachfahren war Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, Offizier in russischen Diensten, der sich 1750 auf sein Gut in Bodenwerder zurückzog und dort Freunden seine phantasievoll ausgeschmückten Jagd- und Soldatenabenteuer erzählte, die gegen seinen ausdrücklichen Willen von Anderen, vor allem von Rudolf Erich Raspe, dann auch von Gottfried August Bürger, als „Lügengeschichten“ erweitert und veröffentlicht wurden. Von 1807 bis 1813 gehörte die Stadt mit dem Kanton Bodenwerder zum Königreich Westphalen; von 1807 bis 1810 im Distrikt Höxter des Departements der Fulda und von 1810 bis 1813 im Distrikt Rinteln des Departements der Leine.

Bodenwerder bei Hochwasser der Weser, 2011

Im Jahre 1935 erwarb die Stadt das Herrenhaus des 1797 verstorbenen Barons Münchhausen und nutzt es bis heute als Rathaus. Sie integrierte ein zu besichtigendes Erinnerungszimmer für den berühmtesten Sohn der Stadt.

Bodenwerder gehörte zu dieser Zeit zum Kurfürstentum Hannover (ab 1814 Königreich Hannover). Mit der Annexion Hannovers 1866 kam auch die Stadt Bodenwerder zu Preußen. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 fielen zwei Männer, deren Andenken in einem Kriegerdenkmal gewahrt wird.

Im Jahr 1886 wurde eine jodhaltige Solequelle erbohrt.

Während der Industrialisierung siedelten sich Binnenschiffswerften (darunter die Arminiuswerft) und Baustoffindustrien (unter anderem ab 1946 die Vereinigten Baustoffwerke Bodenwerder, ab 1961 bekannt mit der Weltmarke Rigips) an.

Religionen

In Bodenwerder gibt es eine evangelisch-lutherische Gemeinde mit zwei sehr alten Kirchen, der Stadtkirche St. Nicolai Bodenwerder und der Klosterkirche St. Marien in Kemnade. Weiter gibt es dort die römisch-katholische Pfarrei St. Maria Königin. Daneben existiert eine neuapostolische Kirchengemeinde. Außerdem gibt es eine freie evangelische Gemeinde mit dem Namen Generation Church – Kirche für alle Generationen.

Im Ortsteil Buchhagen befindet sich das kleine abgelegene, gebäudemäßig noch im Aufbau begriffene orthodoxe Dreifaltigkeitskloster. Es existiert seit Anfang der 1990er Jahre und ist das erste deutsche orthodoxe Kloster. Formal (kirchenrechtlich) untersteht es der Metropolie der bulgarisch-orthodoxen Diözese von West- und Mitteleuropa.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Buchhagen, Kemnade, Linse und Rühle eingegliedert.

Einwohnerentwicklung

Einwohnerentwicklung von Bodenwerder von 1860 bis 2016. Untere Kurve: Einwohnerzahl für den Gebietsstand vor den Eingemeindungen; obere Kurve: Einwohnerzahlen für den aktuellen Gebietsstand

Politik

Kommunalwahl 2021
Wahlbeteiligung: 56,16 %
 %
50
40
30
20
10
0
47,58 %
(+0,92 %p)
40,73 %
(−5,25 %p)
5,93 %
(−1,43 %p)
5,76 %
(n. k.)
UWG d
20162021
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d 
Unabh. Wgem. Lk. Holzminden, Bodenwerder

Rat

Der Rat der Stadt Bodenwerder besteht aus 17 Mitgliedern. Aus dem Ergebnis der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Rat der Stadt Bodenwerder 2021
    
Insgesamt 17 Sitze

Bürgermeister

seit 2021 Friedrich-Wilhelm Dornette (SPD)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schulenburg mit Münchhausenmuseum

Bauwerke

Schloss Münchhausen, ein früheres Herrenhaus, heute Rathaus
Münchhausen-Brunnen am Münchhausenmuseum

Museum

Regelmäßige Veranstaltungen

Ausflugsziele

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Straßenverkehr

Bodenwerder liegt an den Bundesstraßen 83 und 240 und an der Landesstraße 587 sowie am Weserradweg.

Schienenverkehr

Am 9. Oktober 1900 wurde die Bahnstrecke Vorwohle–Bodenwerder–Emmerthal mit den Bahnhöfen Buchhagen, Bodenwerder-Linse und Bodenwerder-Kemnade eröffnet. Seit 1982 ist der Personenverkehr eingestellt.

Unternehmen

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

Persönlichkeiten

Ehrenbürger
Söhne und Töchter der Stadt
Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

Sonstiges

Die Landschaft um Bodenwerder ist Schauplatz von Wilhelm Raabes Roman Alte Nester von 1881.

Literatur

Commons: Bodenwerder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Historische Wohnhäuser in Bodenwerder – Galerie mit Informationen
Wikivoyage: Bodenwerder – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Tabelle EVAS 12411, Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus 2022, Stand 31. Dezember 2025 (Hilfe dazu).
  2. 1 2 3 Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 123 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  3. ↑ Bevölkerung der Gemeinden Niedersachsens am 30. Juni 2007 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) (PDF; 568 kB).
  4. ↑ Ergebnis Kommunalwahl 2021. Abgerufen am 12. Juli 2022.
  5. ↑ Bismarckturm –  Eintrag zur Denkmal-ID 26787534 im Denkmalatlas Niedersachsen. Abgerufen am 7. April 2022.
  6. ↑ Bismarckturm Bodenwerder (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) auf bismarcktuerme.de