Bottenhorn Gemeinde Bad Endbach | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 48′ N, 8° 29′ O |
| Höhe: | 485 (485–541,2) m ü. NHN |
| Fläche: | 8,62 km² |
| Einwohner: | 1155 (Mai 2011) |
| Bevölkerungsdichte: | 134 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1974 |
| Postleitzahl: | 35080 |
| Vorwahl: | 06464 |
Bottenhorn inmitten der Hochflächen mit dem Sendeturm auf der Angelburg im Hintergrund | |
Bottenhorn (mundartlich Boddehern) ist ein Dorf im Hessischen Hinterland und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Großräumig betrachtet ist die Landschaft in der Bottenhorn liegt Teil der Südost-Abdachung des Rheinischen Schiefergebirges und bildet den Übergang zum Buntsandsteingebiet der Westhessischen Senke. Der Ortsteil Bottenhorn der Gemeinde Bad Endbach liegt auf den „Bottenhorner Hochflächen“ im Gladenbacher Bergland, dem östlicher Ausläufer des Westerwaldes, der sich hier überschneidet mit dem Südausläufer des Rothaargebirges, in einer wechselhaften Mittelgebirgslandschaft, im Naturpark Lahn-Dill-Bergland, zwischen den Städten Dillenburg und Marburg, nördlich von Wetzlar, mitten im Hessischen Hinterland. Mit einer Ortskernhöhe von 485 m ü. NN ist Bottenhorn nach Hülshof die zweithöchstgelegene Ortschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf.
Im Ort kreuzen sich die Landstraßen L 3049 und L 3288.
Naturräumlich wird das Plateau rund um Bottenhorn, das sich vom 552 m hohen Daubhaus nördlich von Rachelshausen (Gladenbach) bis zum Nordrand des Schelder Waldes (Angelburg (Berg) 609 m ü. NN) zieht, als Bottenhorner Hochflächen (über 50 km² groß) bezeichnet. Diese leicht gewellten Hochflächen entstanden im Tertiär durch Verebnung und sind eine der geologisch ältesten Landoberflächen des Rheinischen Schiefergebirges.




Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bottenhorn stammt aus dem Jahr 1253. Der Name Budehorn steht in einer Kirchenakte, die eine Aufstellung über die Laaspher Pfarrgüter zum Inhalt hat. Bottenhorn verfügt damit über den ältesten schriftlichen Nachweis innerhalb der Gemeinde. Weitere Erwähnungen:
Einer Sage nach sollen sich die fränkischen Heere auf der „Bottenhorner Hochfläche“ gesammelt haben, bevor sie über die „Heerstraße“ (frühmittelalterlicher Höhenweg auf der Wasserscheide Perf / Dautphe verlaufend, Beginn: Gemeindegrenze Bottenhorn/Holzhausen) nach Norden gegen die Sachsen (Sachsenkriege Karls des Großen) zogen, insbesondere vor der großen Schlacht bei Laisa und Battenfeld 778.
Anlass für diese sagenhafte Deutung gab wohl die zentrale Lage auf einer Hochebene, auf der ehemals bedeutende Altstraßen von allen Seiten zusammenliefen. Über die große Hochebene verlief der Strang der alten Ost-West Fernhandelsstraße, der Messestraße Leipzig-Köln-Antwerpen, Brabanter Straße genannt. Bei der Angelburg (Berg) kreuzte sie mit dem von Süden, aus Richtung Gießen, auf der Wasserscheide Aar-Salzböde verlaufenden Westfalenweg. Dort mündete auch die von Herborn kommende Herborner Hohe Straße ein und etwas weiter nördlich bei Hirzenhain die „Rheinstraße“, aus Richtung Dillenburg kommend.
Es standen hier ausreichend Weideflächen mit kleinen Bächen und Quellen für die Versorgung der Reit- und Zugtiere für die Rast zur Verfügung. Insgesamt gesehen ein idealer Versammlungsort für ein großes, mehrere Tausend Reiter und Fußsoldaten umfassendes Heer.
In jeder Sage steckt ein Körnchen Wahrheit.
Außerdem gab es nördlich von Rachelshausen, am Rande der Hochebene, in Spalten des Diabas ein hochwertiges Eisenerzvorkommen (Hämatit) mit bis zu 70 % Eisengehalt, was für die Waffenherstellung von Bedeutung gewesen sein dürfte.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Bottenhorn:
„Bottenhorn (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt 2 St. von Gladenbach in einer rauhen Gegend, hat 94 Häuser und 552 Einw., die alle evangelisch sind, ferner 1 Kapelle und 1 Mahlmühle. Der Ort gehörte im 15. Jahrhundert zum Gladenbacher Kirchengebiete.“
Am 28. März 1945, am frühen Nachmittag, wurde Bottenhorn von den Amerikanern kampflos eingenommen. Eine Vorhut der 3. US-Panzerdivision (Generalmajor Maurice Rose), eine Panzer-Division der 1. US-Armee, war gleichzeitig von Wommelshausen über Hülshof und von Westen her auf der Herborner Hohe Straße über Tringenstein und Wallenfels durch die „Struth“ (Fln.) kommend in Bottenhorn eingedrungen. Die 3. US-Panzer-Division war vom Brückenkopf Remagen aus über den Westerwald, in etwa der heutigen B 255 folgend, bereits am 27. März bis zur Dill vorgedrungen. In das Gemeindegebiet von Bad Endbach stießen die Amerikaner von Westen her nahezu gleichzeitig, fächerförmig vor, und zwar von Bischoffen nach Günterod, über Eisemroth nach Hartenrod und über die Herborner Hohe Straße nach Bottenhorn. In Bottenhorn blieb danach über kurze Zeit eine kleine amerikanische Einheit stationiert.
Erst gegen 11:00 Uhr hatte sich eine tags zuvor (27. März) angekommene deutsche Munitionskolonne aus Wommelshausen und Hülshof abgesetzt. Auch die in Hülshof stationierte Bedienungsmannschaft des dort am Bicherais (Flurname) stehenden „Richtfeuers“ (Scheinwerfers) der deutschen Nachtjägerverbände und der zu ihrem Schutz dienenden Vierlingsflak am Addebehl (Flurname) floh Richtung Osten in den Wald. Die sich abgesetzten deutschen Soldaten ergaben sich alle ca. vier Stunden später zwischen Dernbach (Bad Endbach), Bottenhorn und Holzhausen (Dautphetal) im Wald auf der „Haus“ (Flurname) den Amerikanern. Als Kriegsgefangene wurden sie danach auf amerikanischen LKW's wieder durch Wommelshausen abtransportiert.
Zum 1. Juli 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz die bis dahin selbständigen Gemeinden Bad Endbach, Bottenhorn, Dernbach, Hartenrod und Hülshof zur erweiterten Großgemeinde mit dem Namen Bad Endbach zusammengeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Bad Endbach wurden Ortsbezirke gebildet. Zuvor hatte der Kreistag einen freiwilligen Zusammenschluss von Bottenhorn, Hülshof und Dernbach abgelehnt und Bottenhorn hatte sich bereits gegen die Bildung einer Großgemeinde Gansbachtal mit der neuen Gemeinde Angelburg ausgesprochen.
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Bottenhorn angehört(e):
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bottenhorn 1155 Einwohner. Darunter waren 27 (2,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 204 Einwohner unter 18 Jahren, 456 zwischen 18 und 49, 249 zwischen 50 und 64 und 146 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 471 Haushalten. Davon waren 102 Singlehaushalte, 144 Paare ohne Kinder und 171 Paare mit Kindern, sowie 48 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 84 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 303 Haushaltungen lebten keine Senioren.
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1501: | 19 Männer |
| • 1577: | 38 Hausgesesse |
| • 1630: | 35 Hausgesesse; 4 zweispännige, 17 einspännige Ackerleute, 14 Einläuftige |
| • 1742: | 80 Haushalte |
| • 1791: | 385 Einwohner |
| • 1800: | 385 Einwohner |
| • 1806: | 451 Einwohner, 76 Häuser |
| • 1829: | 552 Einwohner, 94 Häuser |
| Bottenhorn: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1791 | 385 | |||
| 1800 | 385 | |||
| 1806 | 451 | |||
| 1829 | 552 | |||
| 1834 | 630 | |||
| 1840 | 644 | |||
| 1846 | 657 | |||
| 1852 | 677 | |||
| 1858 | 673 | |||
| 1864 | 558 | |||
| 1871 | 550 | |||
| 1875 | 693 | |||
| 1885 | 723 | |||
| 1895 | 797 | |||
| 1905 | 796 | |||
| 1910 | 833 | |||
| 1925 | 976 | |||
| 1939 | 1.038 | |||
| 1946 | 1.403 | |||
| 1950 | 1.355 | |||
| 1956 | 1.267 | |||
| 1961 | 1.284 | |||
| 1967 | 1.340 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 1.155 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS; Zensus 2011 | ||||
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1830: | 552 evangelische (= 100 %) Einwohner |
| • 1885: | 721 evangelische (= 90,46 %), 2 katholische (= 0,25 %) Einwohner |
| • 1961: | 1147 evangelische (= 89,33 %), 129 römisch-katholische (= 10,05 %) Einwohner |
| • 1867: | Erwerbspersonen: 211 Landwirtschaft |
| • 1961: | Erwerbspersonen: 222 Land- und Forstwirtschaft, 344 produzierendes Gewerbe, 48 Handel und Verkehr, 44 Dienstleistungen und Sonstiges. |
Für Bottenhorn besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Bottenhorn) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 45,56 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Bottenhorn“ an. Der Ortsbeirat wählte Thomas Kramer zum Ortsvorsteher.
Innerhalb der Gemeinde gibt es den Flugplatz Bottenhorn mit einer 525 m langen Gras-Landebahn. Er ist als Sonderlandeplatz ausgewiesen und besitzt den ICAO-Code EDGT. Betreiber ist die Luftsportgemeinschaft Bottenhorn e. V.

Anmerkungen
Einzelnachweise