| Brilliant AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE0005272702 |
| Gründung | 1. August 1951 |
| Sitz | Gnarrenburg, Deutschland |
| Leitung |
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| Mitarbeiterzahl | 219 (2025) |
| Umsatz | 70,9 Mio. € (2025) |
| Branche | Elektronik |
| Website | brilliant-ag.com |
| Stand: 31. Dezember 2025 | |

Die Brilliant AG ist ein Unternehmen der Leuchtenbranche mit Sitz in Karlshöfenerberg in der Gemeinde Gnarrenburg in Niedersachsen. Im Jahr 2016 wurde das Unternehmen vom Bundesgerichtshof wegen zu hohen Quecksilbergehalts in seinen Energiesparlampen verurteilt.
Am 1. August 1951 gründeten Kurt Lippold und Otto Tschammer in Gnarrenburg die „Brillantglashütte Lippold und Tschammer OHG“. In der ehemaligen Glashütte von Wilhelm Gulau wurde die Herstellung von Beleuchtungsgläsern aufgenommen.
1952 scheiterte der Versuch, Glas in einem eigenen Schmelzofen herzustellen. Danach wurde Flachglas von Detag aus Witten bezogen und in Gnarrenburg durch Biegen und Veredeln weiterverarbeitet. Die zunächst mit örtlichem Torf und später mit Öl beheizten Biegeöfen wurden 1958 auf Elektrizität umgestellt.
Bereits zuvor war Mitgründer Otto Tschammer aus dem Unternehmen ausgeschieden. 1957 gründete er in Karlshöfenerberg das Unternehmen Ultravit. Zum Produktionsprogramm der Brillantglashütte gehörten Beleuchtungsglas und Wirtschaftsglas. In den folgenden Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Herstellung vollständiger Leuchten. 1972 wurde die Wirtschaftsglasproduktion eingestellt.
1976 bezog das inzwischen als Brillantglashütte Lippold & Naumann KG firmierende Unternehmen das zuvor erworbene Betriebsgelände der ehemaligen Ultravit-Glashütte in Karlshöfenerberg. Dort wurden zusätzliche Gebäude errichtet und wesentliche Teile von Produktion, Verwaltung und Logistik von Gnarrenburg nach Karlshöfenerberg verlagert. Das Stammwerk in Gnarrenburg wurde erhalten; dort verblieb unter anderem die Lackiererei.
1980 wurde die Brillantglashütte Lippold & Naumann KG mit Wirkung zum 1. Januar in die Brillantleuchten AG umgewandelt. Die Anteile befanden sich im Besitz der Familien Dieckell und Lippold; die Familie Dieckell hielt eine knappe Mehrheit. Wolf-Dieter Lippold wurde Vorstandsvorsitzender, Friedrich Dieckell Vorsitzender des Aufsichtsrats. Zu dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen 468 Mitarbeiter sowie 506 Heimarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 37,1 Mio. DM (19,0 Mio. Euro).
Bei der Leuchtenherstellung kamen neben Glas schon früh Werkstoffe wie Keramik und Holz zum Einsatz. Im Verlauf der 1970er Jahre zudem Metall und Kunststoffe. In den 1980er Jahren folgten Spots und Strahler sowie modular aufgebaute Lichtsysteme.
Im März 1985 ging die Brillantleuchten AG an die Börse. Die Aktien wurden in Frankfurt und im Freiverkehr der Bremer Wertpapierbörse gehandelt. Zur Zeit des Börsengangs beschäftigte das Unternehmen 510 Mitarbeiter sowie 619 Heimarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 64,7 Mio. DM (33,1 Mio. Euro).
1988 erwarb die britische Emess-Gruppe die Aktienmehrheit an der Brillantleuchten AG. Im selben Jahr löste Klaus-Peter Schneidewind den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Wolf-Dieter Lippold ab. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Wechseln in Vorstand und Aufsichtsrat.
Ab 1990 wurden Gesellschaften im Ausland gegründet. 1991 wurde die Brillantleuchten AG in die Brilliant AG umfirmiert.
1992 geriet das Unternehmen unerwartet in die Verlustzone und wies einen Konzern-Jahresfehlbetrag von 4,9 Mio. DM (2,5 Mio. Euro) aus. Auf der folgenden Hauptversammlung kritisierten Aktionäre die Informationspolitik des Vorstands. Die Brilliant AG führte zudem gegen die früheren Großaktionäre Wolf-Dieter Lippold, Friedrich Dieckell und Claus Dieckell einen Rechtsstreit um Bürgschaften für Forderungen von rund 2,9 Mio. DM (1,5 Mio. Euro) aus dem früheren US-Vertrieb.
1993 übernahm Friedrich-Wilhelm Wentrot den Vorstandsvorsitz. In den folgenden vier Jahren wurde der Standort Karlshöfenerberg zum „Brilliant Industriepark“ ausgebaut. Dabei wurden insbesondere die Produktions-, Verwaltungs- und Lagerflächen erweitert. 1996 nahm ein für rund 10 Mio. DM (5,1 Mio. Euro) errichtetes Logistikzentrum den Betrieb auf. Im selben Jahr beschäftigte der Konzern 647 Mitarbeiter sowie 444 Heimarbeiter.
2000 übernahm die amerikanische Sylvania Lighting International (SLI) im Zuge des Erwerbs mehrerer Unternehmen der britischen Emess-Gruppe die Mehrheitsbeteiligung an der Brilliant AG. Brilliant sollte innerhalb des SLI-Konzerns weitgehend eigenständig bleiben und dessen Position auf dem europäischen Markt stärken. Aus dem Programm der SLI wurden Halogen-, Normal- und Energiesparlampen sowie Leuchtstoffröhren in das Sortiment aufgenommen.
Bereits geplante Erweiterungen des Standorts Karlshöfenerberg, die auch mit öffentlichen Mitteln gefördert werden sollten wurden Ende 2000 zurückgestellt. Im November 2000 schied der seit 1993 amtierende Vorstandsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Wentrot aus. Die Anteilseignerseite des Aufsichtsrats besetzte Sylvania weitgehend mit eigenen Führungskräften.
Nach einem deutlichen Ergebnisrückgang im Jahr 2000 verschlechterte sich die Geschäftslage 2001 weiter. Das Unternehmen führte die Entwicklung insbesondere auf die schwache Inlandsnachfrage sowie zunehmenden Preis- und Margendruck im Einzelhandel zurück. Der Konzernumsatz sank um rund 18 Prozent von 93,4 auf 76,3 Mio. Euro; nach einem Gewinn von knapp 0,8 Mio. Euro im Vorjahr entstand ein Jahresfehlbetrag von 3,5 Mio. Euro. Ab 2001 kam es bei der Brilliant AG zu mehreren Entlassungswellen. Betroffen waren insbesondere die Produktion und produktionsnahe Bereiche. Bis 2003 reduzierte sich die Belegschaft gegenüber 1999 um rund zwei Drittel.
Im Zuge der Restrukturierung stellte die Brilliant AG 2002 die eigene Leuchtenproduktion in Deutschland vollständig ein. Damit wandelte sich das Unternehmen vom Hersteller zum Lieferanten. Nach Angaben des Vorstands zahlte die Brilliant AG in Gnarrenburg keine Gewerbesteuer, auch nicht in Zeiten, in denen das Unternehmen Gewinne erzielte. Grundlage war eine gewerbesteuerliche Organschaft im Mutterkonzern SLI, durch die eventuelle Gewinne der Brilliant AG mit Verlusten anderer Konzernunternehmen verrechnet wurden.
Im September 2002 beantragte die amerikanische Mehrheitsaktionärin SLI für sich und ihre US-amerikanischen Tochtergesellschaften Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts.
Im September 2004 übernahm die britische The National Lighting Company Limited (NLC) den von SLI gehaltenen Aktienblock und wurde mit 78 Prozent Mehrheitsaktionärin der Brilliant AG.
Während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sank der Konzernumsatz 2008 von 63,4 auf 55,1 Mio. Euro, der Auslandsumsatz von 41,3 auf 34,7 Mio. Euro. Die Unternehmensleitung nannte anschließend die Erschließung neuer Auslandsmärkte als Schwerpunkt der weiteren Entwicklung. Zwischen 2011 und 2014 lag die Exportquote des Konzerns zwischen 60,7 und 62,4 Prozent. Zum Konzern gehörten 2014 Auslandsgesellschaften in den Niederlanden, Spanien, Hongkong, Russland, Norwegen, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und China.
Nach der Rückkehr in die Gewinnzone 2006 erzielte der Konzern bis einschließlich 2017 durchgehend positive Jahresergebnisse.
Der seit 2005 amtierende Vorstandsvorsitzende Thorsten Spengler schied zum Jahresende 2019 aus. Zum 1. Januar 2020 übernahm Michael Last den Vorstandsvorsitz. Er ist zugleich Director der britischen Mehrheitsaktionärin NLC Group of Companies Limited.
2019 wurden die Schließungen der Tochtergesellschaften in der Türkei und Russland beschlossen und deren Liquidationen eingeleitet. In den Folgejahren wurden auch die Gesellschaften in Dubai und Spanien liquidiert. 2022 wies der Konzern bei einem Umsatz von 65,4 Millionen Euro einen Jahresfehlbetrag von 7,9 Millionen Euro aus.
Trotz der positiven Jahresergebnisse 2023 und 2024 bestand ein Finanzierungsrisiko. Im Bestätigungsvermerk zum Konzernabschluss 2024 wies KPMG auf eine „wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit“ hin. Grund waren unbefristete und grundsätzlich jederzeit kündbare Betriebsmittel-Rahmenkredite bei den Hausbanken. KPMG stufte dies als bestandsgefährdendes Risiko ein.
2025 verkaufte die Brilliant AG ihr bebautes Betriebsgrundstück am Standort Karlshöfenerberg im Rahmen eines Sale-Lease-Back für 6,0 Millionen Euro an die DAL Deutsche Anlagen-Leasing und mietete es anschließend zurück. Das Geschäftsjahr schloss der Konzern bei einem Umsatz von 70,8 Millionen Euro mit einem Jahresfehlbetrag von 4,4 Millionen Euro ab.
Die Brilliant AG bildet mit ihren Tochtergesellschaften in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Hongkong einen Konzern.
Die britische NLC Group of Companies Limited (bis 2023 The National Lighting Company Limited) ist seit dem 24. September 2004 Mehrheitsaktionärin der Brilliant AG. Im April 2013 erhöhte sie ihren Stimmrechtsanteil von rund 85 Prozent auf über 90 Prozent. Die damalige Stimmrechtsmitteilung sowie der Geschäftsbericht 2025 nennen mit „mehr als 75 Prozent“ lediglich die Überschreitung der gesetzlichen Meldeschwelle, nicht den genauen Stimmrechtsanteil. Das Grundkapital beträgt 9.205.200 Euro und ist in 360.000 auf den Inhaber lautende Stückaktien eingeteilt.
Bis 2014 wurde die Aktie der Brilliant AG im regulierten Markt der Börsen Frankfurt und Berlin gehandelt. In Frankfurt gehörte sie zum General Standard. Mit Ablauf des 15. August 2014 endete die Notierung im regulierten Markt. Anschließend wurde die Aktie im Freiverkehr weitergehandelt. Heute wird sie im Freiverkehr der Börse Hamburg im Segment Mittelstandsbörse Deutschland gehandelt.
2012 strengte die Deutsche Umwelthilfe einen Prozess gegen die Brilliant AG an wegen zu hohen Quecksilbergehalts in ihren Energiesparlampen. Ein Urteil des Landgerichts Stade vom 13. Dezember 2012 untersagte dem Konzern, dieses Modell weiter zu verkaufen. Im Oktober 2015 bestätigte das Oberlandesgericht Celle in zweiter Instanz das Urteil des Landgerichts. Mitte September 2016 bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH) die Urteile der Vorinstanzen gegen die Brilliant AG. Der BGH stellte fest, dass der Quecksilbergehalt in den betroffenen Energiesparlampen den festgelegten EU-Grenzwert weit überschritten habe.
Koordinaten: 53° 21′ 52,4″ N, 9° 0′ 37,1″ O