Budenheim

Wappen Deutschlandkarte
Budenheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Budenheim hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 50° 1′ N, 8° 10′ OKoordinaten: 50° 1′ N, 8° 10′ O
Bundesland:Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Höhe: 86 m ü. NHN
Fläche: 10,61 km²
Einwohner: 8077 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 761 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55257
Vorwahl: 06139
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 009
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Berliner Straße 3
55257 Budenheim
Website: www.budenheim.de
Bürgermeister: Stephan Hinz (CDU)
Lage der Gemeinde Budenheim im Landkreis Mainz-Bingen
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Karte

Budenheim ist eine verbandsfreie Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Zum 31. Dezember 2020 lebten hier rund 8600 Menschen. Budenheim ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.

Geographie

Geographische Lage

Die Gemeinde Budenheim ist die einzige verbandsfreie Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen, die keinen Stadtstatus hat. Sie liegt in Rheinhessen neun Kilometer westlich des Stadtzentrums der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz, begrenzt vom nördlich vorbeifließenden Rhein und dem Lennebergwald, der den Wohnort Budenheim von Süden bis Westen markiert. Östlich der Gemeinde liegen die Mainzer Stadtteile Mombach und Gonsenheim, südlich Mainz-Finthen, westlich von Budenheim liegt der Ingelheimer Stadtteil Heidesheim am Rhein. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt das zum hessischen Rheingau-Taunus-Kreis gehörende Walluf.

Topografie

Die höchste Erhebung Budenheims ist der 176,8 m hohe Lenneberg im Lennebergwald. Auf dem Lenneberg steht der im Jahr 1880 eingeweihte Lennebergturm.

Geologie

Regionalgeologischer Rahmen

Budenheim liegt im Norden des linksrheinischen Teils des Mainzer Beckens. Das Mainzer Becken ist eine ehemalige Senke am Nordwestrand des Oberrheingrabens, die im Tertiär infolge der Fernwirkung der Alpenbildung entstanden ist. Die Ablagerungen des Mainzer Beckens bestehen überwiegend aus vollmarin bis brackisch-marinen Siliziklastika des Oligozäns und brackisch-marinen Kalksteinen des Miozäns. Eine spätoligozäne konglomeratisch-sandige Schichtenfolge im Norden des Beckens, die vormals als Milchquarzschotter bezeichnet wurde, trägt heute nach ihrer Typlokalität bei Budenheim den Namen Budenheim-Formation. Miozäne Kalksteine sind bis in die 1960er Jahre im Steinbruch Budenheim abgebaut worden.

Das Budenheimer Nashorn

Rekonstruktion des Skelettes des Budenheimer Nashorns (Kopie im Mainzer Naturkundemuseum)

Im „Littorinellenkalk“ (entspricht den Inflata-Schichten und den Hydrobien-Schichten der moderneren Nomenklatur) des Mainzer Beckens bei Budenheim wurde 1911 ein etwa 20 Millionen Jahre altes Nashornskelett aus dem frühen Miozän entdeckt. Es handelt sich um ein weitgehend vollständiges, 85 cm hohes Exemplar der ausgestorbenen, hornlosen, tapir­ähnlichen Art Protaceratherium minutum. Ursprünglich wurde das Budenheimer Nashorn als Vertreter der Spezies Rhinoceros (Ceratorhinus) tagicus bestimmt, womit die Annahme verknüpft war, es sei ein enger Verwandter des rezenten Sumatra-Nashorns (Dicerorhinus sumatrensis – der Gattungsname Ceratorhinus ist ein jüngeres Synonym von Dicerorhinus). Eine Stellung in der „primitiven“ Gattung Protaceratherium schließt eine engere Verwandtschaft mit den rezenten Nashörnern aber aus.

In Budenheim sind auch zahlreiche andere miozäne Wirbeltierfossilien gefunden worden. Die meisten stammen von Säugetieren, aber einige stammen auch von Krokodilen. Das Originalexemplar des Budenheimer Nashorns, einer der weltweit am besten erhaltenen und komplettesten Funde von Nashörnern aus dem Miozän, wird im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main ausgestellt. Im Naturhistorischen Museum Mainz steht eine exakte Kopie.

Geschichte

Der Ort wurde als „Butenheim“ im Lorscher Codex in einer Auflistung der Besitztümer der Abtei Lorsch, die diese im 8. Jahrhundert in und um Mainz hatte (Urkunde-Nr. 1977), als einziger Eintrag und ohne Jahresangabe erwähnt. Im Mittelalter war Budenheim ein Lehen der Rheingrafen, ehe Graf Siegfried II. 1272 die Ortschaft dem Kloster Eberbach vermachte. Zwanzig Jahre später fiel Budenheim an die Abtei Altmünster, deren Äbtissinnen die nächsten Jahrhunderte das Geschehen bestimmten.

Ab 1563 gehörte der Ort zum Mainzer Erzstift. Die Altmünsterabtei verlor ihren Einfluss endgültig im November 1781, als ihr Vermögen dem Mainzer Universitätsfonds übereignet wurde. Ab den 1850ern fasste mit dem Bau der Eisenbahnlinie Mainz-Bingen und dem Ausbau des Schiffsverkehrs die Industrialisierung Fuß in Budenheim. Der Weinanbau, der die Gemeinde in früheren Jahrhunderten geprägt hatte, wurde zu Beginn der 1960er Jahre beendet.

Politik

Gemeinderat

Das Rathaus in Budenheim

Der Gemeinderat in Budenheim besteht aus 24 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Bürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:

WahlSPDCDUGrüneFDPFWGLBGesamt
202457615–24 Sitze
201951072––24 Sitze
201461242––24 Sitze
2009612–2–424 Sitze
2004613–2–324 Sitze

Bürgermeister

Bürgermeister ist seit September 2018 Stephan Hinz (CDU). Er löste seinen Parteikollegen Rainer Becker (1998–2018) ab, der das Amt vorzeitig niedergelegt hatte. Bei der Direktwahl am 8. März 2026 setzte er sich mit einem Stimmenanteil von 50,9 % gegen zwei Mitbewerber durch und wurde damit für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt.

Gemeindepartnerschaften

Partnergemeinden sind Eaubonne in Frankreich und Isola della Scala aus Italien. Darüber hinaus wird mit der Stadt Wiesmoor in Ostfriesland eine freundschaftliche Beziehung gepflegt.

Die Partnerschaftsurkunde wurde am 3. September 2021 im Rahmen des 69. Wiesmoorer Blütenfestes in der Blumenhalle während einer Feierstunde von Bürgermeister Stephan Hinz und Bürgermeister Friedrich Völler unterzeichnet. Damit wurde die fast fünf Jahrzehnte dauernde Freundschaft endlich offiziell mit einer Partnerschaft besiegelt.

Öffentliche Quelle: budenheim.de

Kultur, Religion und Sport

Budenheimer Blütenfest

Das Budenheimer Blütenfest wird in Anlehnung auf die einsetzende Baumblüte jeweils am letzten April-Wochenende mit der Wahl einer Blütenkönigin seit 1955 gefeiert. Der Budenheimer Blütenkönigin stehen zwei Blütenprinzessinnen zur Seite, die für ein Jahr gemeinsam die Gemeinde Budenheim zu besonderen Anlässen repräsentieren.

Budenheimer Rheinuferfest

Das Budenheimer Rheinuferfest ist das Nachfolgefest des Budenheimer Straßenfestes. Veranstalter dieses Volksfests ist der Budenheimer Vereinsring und dessen angeschlossene Ortsvereine. Gefeiert wird das Rheinuferfest über einen Zeitraum von drei Tagen am Isola-della-Scala-Platz jeweils am letzten Wochenende vor den rheinland-pfälzischen Sommerferien.

Budenheimer Kerb

Die Budenheimer Kerb (Kirchweih) geht auf die Einweihung der katholischen Pankratiuskirche am 3. September 1747 zurück und wird jeweils über einen Zeitraum von vier Tagen jeweils am dritten September-Wochenende gefeiert.

Karnevalsvereine

In Budenheim gibt es zwei Karnevalsvereine: den Carneval-Club Budenheim (CCB) und die Dalles-Ehrengarde. Die Ehrengarde wurde 2007 als Sektion des Carneval-Clubs gegründet, ist seit 2013 aber eigenständig. Die Garde eskortiert diverse Fastnachtssitzungen in „Budenum un drumerum“ und veranstaltet einmal pro Karnevalssaison eine „Stehung“ in ihrem „Feldlager“ bei einem örtlichen Weinhändler.

Konfessionsstatistik

Gemäß dem Zensus 2022 waren 33,4 % römisch-katholisch, 17,7 % der Einwohner evangelisch und 48,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand Februar 2026 waren von den Einwohnern 29,2 % katholisch, 16,0 % evangelisch und 54,8 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.

Sport

Der größte örtliche Sportverein ist die TGM Budenheim, die unter anderem Tischtennis, Gymnastik, Turnen und Basketball anbietet. Daneben gibt es kleinere Sportvereine wie den FV Budenheim für Fußball, den Radsportverein Budenheim und die Sportfreunde Budenheim für Handball.

In Budenheim hat außerdem der Mainzer Golfclub sein Domizil. Die Anlage umfasst einen 18-Loch-Turnierplatz sowie einen öffentlichen 6-Loch-Kurzplatz und eine Driving Range.

Wirtschaft und Infrastruktur

Blick in die Binger Straße

Wirtschaft

Die 1908 gegründete Chemische Fabrik Budenheim gehört zur Geschwister Oetker Beteiligungen KG und ist mit rund 850 Beschäftigten am Standort in Budenheim einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialchemie. International unter dem Kurznamen 'Budenheim' bekannt, trägt der Chemiespezialist den Namen der Gemeinde in die Welt.

Die Firma Bericap stellt Kunststoffverschlüsse für die Lebensmittel-, Getränke-, Mineralöl-, chemische und pharmazeutische Industrie her.

Verkehr

Der Bahnhof in Budenheim
Linie Verlauf Takt
RB 26 MittelrheinBahn:
(Köln/Bonn Flughafen –) (nur im Nachtverkehr) Köln Messe/Deutz – Köln Hbf – Köln West – Köln Süd – Hürth-Kalscheuren – Brühl – Sechtem – Roisdorf – Bonn Hbf – Bonn UN Campus – Bonn-Bad Godesberg – Bonn-Mehlem – Rolandseck – Oberwinter – Remagen – Sinzig (Rhein) – Bad Breisig – Brohl – Namedy – Andernach – Weißenthurm – Mülheim-Kärlich – Koblenz-Lützel – Koblenz Stadtmitte – Koblenz Hbf – Rhens – Spay – Boppard Hbf – Boppard-Bad Salzig – Boppard-Hirzenach – Sankt Goar – Oberwesel – Bacharach – Niederheimbach – Trechtingshausen – Bingen (Rhein) Hbf – Bingen (Rhein) Stadt – Bingen-Gaulsheim – Gau Algesheim – Ingelheim – Heidesheim (Rheinhessen) – Uhlerborn – Budenheim – Mainz-Mombach – Mainz Hbf
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min
30 min (Bingen–Mainz wochentags)

Persönlichkeiten

Kulturdenkmäler

Literatur

Commons: Budenheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Bevölkerungsstand 31. Dezember 2025 von Land, Landkreisen, Gemeinden und Verbandsgemeinden (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2022) (Hilfe dazu).
  2. ↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. ↑ P. Schäfer, D. Kadolsky: Zur Gliederung eines Tertiärprofils von Budenheim bei Mainz, insbesondere zur stratigraphischen Stellung und Genese der „Milchquarzschotter“ (Oberoligozän) im nordwestlichen Rheinhessen (Mainzer Becken) (= Mainzer naturwissenschaftliches Archiv, Beihefte. Band 21). 1998, S. 115–132.
  4. 1 2 Frédéric Roman: Le Rhinoceros (Ceratorhinus) tagicus du Musée de Francfort-sur-Main (Oligocène supérieur de Budenheim, prés Mayence) (= Bulletin de la Société géologique de France (4. Serie). Band 14). 1914, S. 349–365 (französisch, upmc.fr [abgerufen am 2. April 2018]).
  5. ↑ Pierre-Olivier Antoine, Damien Becker: A brief review of Agenian rhinocerotids in Western Europe. In: Swiss Journal of Geosciences. Band 106, 2013, S. 135–146, doi:10.1007/s00015-013-0126-8 (englisch, alternativer Volltextzugriff bei ResearchGate [abgerufen am 2. April 2018]).
  6. ↑ Budenheim in regionalgeschichte.net
  7. ↑ Budenheim, Verbandsfreie Gemeinde, Gemeinderatswahl 09.06.2024. In: Kommunalwahlergebnisse Budenheim, Verbandsfreie Gemeinde. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz, abgerufen am 23. Juni 2024.
  8. ↑ Wahlband Kommunalwahlen 2019 - Verbandsgemeindeebene - Endgültige Ergebnisse auf wahlen.rlp.de
  9. ↑ Torben Schröder: Stephan Hinz (CDU) gewinnt Bürgermeisterwahl in Budenheim. In: Allgemeine Zeitung Mainz. 4. März 2018, abgerufen am 2. April 2018.
  10. ↑ Dieter Oberhollenzer: Budenheimer Bürgermeister Becker kündigt Rücktritt an. In: Allgemeine Zeitung. 30. August 2017, abgerufen am 2. April 2018.
  11. ↑ Natascha Olbrich: Budenheimer Bürgermeisterwahl bringt mehrere Gewinner hervor. In: Allgemeine Zeitung. VRM GmbH & Co. KG, Mainz, 9. März 2026, abgerufen am 14. März 2026.
  12. ↑ ÖB - vorläufiges Ergebnis der Wahl der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters. Gemeindeverwaltung Budenheim, 9. März 2026, abgerufen am 14. März 2026.
  13. ↑ Partnerschaften. In: budenheim.de. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  14. ↑ Budenheim: Stehung der Dalles-Ehrengarde ein voller Erfolg
  15. ↑ Personen: Religion. In: zensus2022.de. 25. Juni 2026, abgerufen am 3. Juli 2026.
  16. ↑ Gemeindestatistik Budenheim, abgerufen am 11. März 2026
  17. ↑ Fahrplan der RB 26 auf mittelrheinbahn.de
  18. ↑ MVG Buslinie 68 (Memento vom 6. Januar 2017 im Internet Archive)
  19. ↑ Mit der Linien(sic) 61 direkt von Budenheim nach Mainz, Verlagsgruppe Rhein Main
  20. ↑ MVG Buslinie 61 (Memento vom 17. Juni 2018 im Internet Archive)
  21. ↑ Fahrplan der MVG-Buslinie 80
  22. ↑ Schiersteiner Brücke offen – Fährbetrieb und Zusatzzüge über den Rhein entfallen. In: FAZ Rhein-Main. 21. April 2015, abgerufen am 2. April 2018.