Burg Altrathen

Burg Altrathen
Staat Deutschland
Ort Rathen
Entstehungszeit um 1100
Burgentyp Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand unwesentliche Teile erhalten
Geographische Lage 50° 58′ N, 14° 5′ OKoordinaten: 50° 57′ 31,8″ N, 14° 4′ 50,3″ O
Burg Altrathen (Sachsen)
Burg Altrathen (Sachsen)

Die Burg Altrathen ist die Ruine einer mittelalterlichen Höhenburg auf einem Felssporn oberhalb des rechten Elbufers in Rathen in der Sächsischen Schweiz (Sachsen). Von der mittelalterlichen Anlage haben sich vor allem Mauerzüge, ein gewölbter Gang und Kellerräume erhalten, die in ein 1902/03 errichtetes Wohngebäude einbezogen sind.

Altrathen bildete zusammen mit der rund 500 Meter nordwestlich in den Basteifelsen gelegenen Felsenburg Neurathen eine Doppelburg. Die Bezeichnungen Altrathen und Neurathen sind neuzeitlichen Ursprungs; die mittelalterlichen Urkunden sprechen lediglich von Rathen und lassen bis auf wenige Ausnahmen offen, welcher der beiden Burgteile gemeint ist. Entgegen der Namensgebung gilt die höher gelegene Felsenburg Neurathen nach dem gegenwärtigen Forschungsstand als die ältere Anlage. Zur Funktionsteilung zwischen beiden Burgteilen liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor; die in der älteren Literatur erörterten Deutungen – Neurathen als Vorburg, als eigenständige Burg oder als Fluchtburg – sind Vermutungen und quellenmäßig nicht abgesichert.

Die Burg wurde 1289 erstmals urkundlich fassbar und war bis ins 15. Jahrhundert böhmisches Lehen. Nach mehrfachem Besitzwechsel zwischen böhmischen Adelsgeschlechtern und den Wettinern wurde sie 1469 nach längerer Belagerung erobert und niedergebrannt; bereits im 16. Jahrhundert war sie verfallen. In den Jahren 1888 bis 1893 ließ der Industrielle Eduard Seifert die Reste neugotisch überbauen. Die Anlage ist als Kulturdenkmal und Bodendenkmal geschützt und befindet sich seit 2018 in privater Hand; sie ist nicht öffentlich zugänglich.

Geschichte

Anfänge

Über die Entstehung der Burg gibt es keine schriftlichen Nachrichten. Die ältere Literatur, darunter Herbert Beschorner, setzte die Anfänge in das 11. Jahrhundert. Für eine derart frühe Entstehung liegen jedoch weder schriftliche noch archäologische Belege vor. Die neuere Forschung bringt die Rathener Burgen mit dem Ausbau der Grenzsicherung zwischen der Mark Meißen und Böhmen um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Verbindung, etwa unter Heinrich dem Erlauchten, der 1245 die wenige Kilometer flussabwärts gelegene Burg Wehlen erhielt.

Eine erste, indirekte Erwähnung Rathens findet sich am 29. November 1261 in einer Urkunde, mit der Papst Urban IV. den Propst von St. Thomas in Leipzig beauftragte, einen Streit zwischen dem Bischof von Meißen und mehreren böhmischen Lehnsleuten – darunter Teodoricus de Raten – zu schlichten. Aus einem Tauschvertrag vom 6. Februar 1289 zwischen dem böhmischen König Wenzel II. und Friedrich Clem, dem Herrn von Dresden, geht erstmals ausdrücklich hervor, dass in Rathen ein castrum bestand. Die Burg war zu dieser Zeit böhmisches Lehen.

Böhmische Lehnsherren

Da die Urkunden in der Regel nur Rathen nennen, lassen sich die folgenden Nachrichten meist nicht eindeutig einem der beiden Burgteile zuordnen. Im Jahr 1361 nannte eine Urkunde Kaiser Karls IV. mit ambo castra Ratny erstmals zwei Burgen. Rathen gehörte damals den Herren von Michelsberg; Peter von Michelsberg unterwarf sich dem Kaiser symbolisch, indem er ihm die Tore beider Burgen öffnete. Zwei Jahre später gestattete Karl IV. als böhmischer König den Michelsbergern, ihre duobus castris rachny mit ihrem Besitz Auscha in Gütergemeinschaft zu verbinden. Diese beiden Urkunden sind die einzigen mittelalterlichen Belege, die beide Burgen ausdrücklich unterscheiden.

Im Jahr 1406 ging Rathen durch Kauf an die Berken von der Duba über; neuer Eigentümer wurde Hinko Berka von der Duba der Ältere. Bei der Teilung seiner Besitzungen unter seine Söhne im Jahr 1410 fiel Rathen an Benesch Berka von der Duba, der es nach dem Tod des Vaters 1419 antrat.

Übergang an die Wettiner

Die Berken von der Duba lagen in dieser Zeit in anhaltender Fehde mit den meißnischen Markgrafen aus dem Hause Wettin, die ihre Landesherrschaft schrittweise auf die Besitzungen böhmischer Adelsfamilien ausdehnten. Friedrich von Oelsnitz, Vogt auf dem Königstein und Lehnsmann des 1423 zum Kurfürsten aufgestiegenen Friedrich I. von Sachsen, eroberte die Burg 1426 in dessen Auftrag; 1428 wird er als Burgherr bezeichnet.

In den Folgejahren kam es erneut zu Kämpfen. Albrecht Berka von der Duba eroberte Rathen 1438 zurück, doch gewann Friedrich von Oelsnitz den Besitz bereits 1439 wieder, wohl mit Unterstützung des Kurfürsten Friedrich II. Erst ein am 10. März 1441 geschlossener Sühnevertrag beendete den Streit; Rathen verblieb bei Friedrich von Oelsnitz, die Berken mussten auf ihre Ansprüche verzichten. Im Vertrag von Eger von 1459 fiel Rathen endgültig an die Wettiner, blieb lehnsrechtlich jedoch weiterhin unter böhmischer Oberlehnsherrschaft. Spätestens seit 1450 diente Rathen zugleich als Zollstelle für die Elbschifffahrt.

Belagerung und Zerstörung 1467–1469

Unter Friedrichs Sohn Hans von Oelsnitz, der 1466 als Besitzer erscheint, wurde Rathen nach der Chronik des Johannes Lindner zur Raubritterburg. Kurfürst Ernst und sein Bruder Herzog Albrecht gingen ab 1467 gegen ihn vor und belagerten beide Burgen. Bemühungen des Hans von Oelsnitz, über die Fürsprache geistlicher Vermittler eine Beilegung zu erreichen, blieben ohne Erfolg. Erst nach mehr als einem Jahr gelang es den markgräflichen Truppen im Mai 1469, die Burgen in Brand zu setzen und einzunehmen.

Hans von Oelsnitz gelang die Flucht; seine Versuche, die Burg über die Fürsprache des Königs Matthias Corvinus zurückzuerhalten, scheiterten. Der Kurfürst gestattete ihm jedoch, sich wieder in Sachsen niederzulassen, und zahlte ihm eine Entschädigung. Rathen wurde als verwirktes Lehen eingezogen und dem Amt Pirna zugeordnet. In der Leipziger Teilung von 1485 fiel der Besitz an Herzog Albrecht. Rund 60 Jahre nach der Eroberung waren beide Burgen verfallen.

Verfall und Wiederaufbau im 19. Jahrhundert

Die Ruine blieb über Jahrhunderte sich selbst überlassen; bereits im 18. Jahrhundert wurde über ihren schlechten Zustand und die kaum noch mögliche Zugänglichkeit berichtet.

Im Jahr 1888 erwarb der Industrielle Eduard Seifert die Reste der Burg und ließ sie bis 1893 im neugotischen Stil überbauen. Nachdem das auf dem Burggelände errichtete Wohnhaus 1902 durch einen Brand zerstört worden war, entstand an seiner Stelle 1902/03 nach einem Entwurf des Dresdner Architekten Carl Schümichen ein Neubau in neuromanisch-neugotischen Formen.

Von der mittelalterlichen Anlage blieben dabei im Wesentlichen Mauerzüge, ein gewölbter Gang und Kellerräume erhalten, die in den Neubau und dessen Hof einbezogen wurden. Eine ausführliche Beschreibung und Vermessung dieser Reste legte Herbert Beschorner 1907 vor; sie ist bis heute die eingehendste Dokumentation der Burgstelle.

Heutige Nutzung

Nach 1945 diente das Gebäude als Betriebsferienheim, zunächst des VEB Brau und Malz Dresden, später der Staatsbank der DDR. Im Jahr 1995 verkaufte die Treuhandanstalt die Anlage an private Eigentümer, die sie als Hotel und Gaststätte betrieben; der von Mauerzügen begrenzte Innenhof wurde als „Burggarten“ gastronomisch genutzt.

Im Jahr 2018 wurde die Burg erneut verkauft. Der neue Eigentümer beendete im November 2018 die öffentliche Nutzung als Gaststätte und Pension, nutzt das Anwesen privat und ließ das Gelände 2019 einzäunen. Damit wurde der als Bergpfad markierte Weg von Altrathen zur Bastei unterbrochen. Ein Gespräch der Nationalparkverwaltung mit dem Eigentümer im Frühjahr 2019 blieb ohne Ergebnis; die Markierung wurde zurückgebaut und der Pfad aus dem Wegenetz des Nationalparks gestrichen.

Burganlage

Umgebung

Die Ruine der Burg Altrathen liegt auf einem Hang, der den letzten Ausläufer der berühmten Bastei in der Sächsischen Schweiz bildet. Etwa 60 Meter über dem Spiegel der Elbe erhebt sich die ehemalige Burganlage auf einem markanten Hügel, der sich deutlich vom umgebenden Gelände abhebt. Einst war die Burg durch einen in den Fels gehauenen Graben gesichert, der an der elbseitigen Flanke noch deutlich erkennbar ist. Der Graben, etwa 20 Meter breit und 10 Meter tief, wurde an einigen Stellen Anfang des 20. Jahrhunderts mit Schutt verfüllt, während andere Abschnitte durch die Anlage eines Weges verdeckt wurden.

Der umliegende Bergeshang hat sich über die Jahrhunderte durch natürliche Humusauflagen und menschliche Eingriffe, beispielsweise durch landwirtschaftliche Nutzung, stark verändert. Dennoch lässt sich anhand eines regelmäßigen Geländeabsturzes, der von der Elbe bis zum sogenannten Horn verläuft, der historische Verlauf des Burggrabens nachvollziehen. Der Felsen liegt in diesem Bereich nur etwa einen Meter unter der Oberfläche und tritt am Horn sichtbar zutage, wo er den Verlauf der Schutzanlagen markiert.

Neben dem Hauptgraben verfügte die Burg über weitere Verteidigungsanlagen, darunter Vorbefestigungen auf einem etwa 70 Meter entfernten Höhenrücken, der sich steil zum Amselgrund hinabzieht. Dieser strategisch höher gelegene Punkt erlaubte Angreifern eine vollständige Übersicht über das Burggelände und zwang die Burgbesitzer zu zusätzlichen Schutzmaßnahmen in diesem Bereich. Mauerreste, die sich entlang des Grats erstrecken, deuten darauf hin, dass dort eine Verteidigungslinie bestand. Diese Mauern, die nicht mit Mörtel verbunden waren, schlossen sich an die natürliche Felsstruktur an und nutzten diese geschickt für den Schutz.

Nach Süden hin bot der steil abfallende Hang zur Elbe hin einen natürlichen Schutz, sodass hier keine weiteren Verteidigungsanlagen notwendig waren.

Burgruine

Skizze der Burgruine Altrathen (nach Herbert Beschorner 1907)

Die nachfolgende Beschreibung der Burgruine Altrathen orientiert sich an der Beschreibung von Herbert Beschorner aus dem Jahr 1907. Die in Klammern angegebenen Nummern beziehen sich auf die in der nebenstehenden Skizze verwendeten Markierungen.

Die Ruine lässt sich in drei Bereiche gliedern, die auf dem Plan mit (1), (2) und (3) bezeichnet sind.

Der „Burggarten“ (1)

Der als „Burggarten“ (1) bezeichnete Bereich erstreckt sich zwischen den heute noch sichtbaren Mauerzügen (4), (6), (5) und (10) sowie dem neu errichteten Wohnhaus, das in den Jahren 1902/1903 anstelle eines 1902 abgebrannten Vorgängerbaus entstand. Dieser Teil der Burg diente ab dem frühen 20. Jahrhundert bis zum Jahr 2018 als gastronomisch genutzter Innenhof („Burggarten“).

Unterhalb der Hofebene befinden sich Kellergewölbe.

Beschreibung der Mauern (4), (6), (5)

Die Ruinen der Burg Altrathen und die Felsen des Neurathen. Abbildung aus Herbert Beschorner: Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der sächsischen Schweiz, nach einem kolorierten Stich vom Anfang des 19. Jahrhunderts.

Die drei miteinander verbundenen Mauerteile (4), (6), (5) zählen zu den am besten erhaltenen Überresten der mittelalterlichen Burganlage und zeugen von unterschiedlichen Bauphasen und Nutzungen. So weist beispielsweise die Mauer (4), deren Front in Richtung des Rathener Tals ausgerichtet ist, eine Höhe von etwa 9 m auf. Diese Mauer ist teils in den darunterliegenden Felsen verankert – an manchen Stellen liegen die Fundamente sogar unter dem Erdboden. Ein entlang der gesamten Länge in ca. 4,50 m Höhe verlaufender Absatz lässt vermuten, dass hier einst ein zweites Stockwerk auflag, wobei die Mauer ursprünglich fensterlos errichtet wurde. Erst in späteren Umbauphasen wurden Fensteröffnungen eingebrochen, um etwa den heutigen „Burgkeller“ mit Licht und Luft zu versorgen. Auffällig sind zudem an der zur Elbe abgerundeten Ecke unregelmäßige Falze und Unebenheiten im Stein, die den Eindruck erwecken, als sei dort ein rechtwinklig ansetzender Mauerzug entstanden. Darüber hinaus deuten stufenförmige Spuren in der Mauer und im darunterliegenden Felsen auf eine bauliche Verbindung zwischen einem oberen Geschoss und dem tiefer gelegenen Platz (2) hin.

Die Mauer (6) dagegen, deren Front zur Elbe ausgerichtet ist, zeigt im oberen Teil erhebliche Einsturzerscheinungen, sodass das Plateau des Burggartens hier nicht bis zum äußeren Rand der Mauer reicht. Der Fels tritt in diesem Abschnitt deutlich höher hervor, was nahelegt, dass weniger Mauerwerk erforderlich war, um den Geländeverlauf anzupassen. Gefundene Quaderstücke im Bereich (9) deuten darauf hin, dass hier einst ebenfalls eine rechtwinklig angesetzte Mauer existierte. Das Ende von Mauer (6) liegt heute unter einem Steinhaufen, der von dichtem Buchenbewuchs bedeckt ist – ein Hinweis auf spätere, natürliche Überwucherungen und Eingriffe in das ursprüngliche Baugefüge.

Die Mauer (5) mit ihrer Front zum sogenannten „Horn“ verläuft rechtwinklig zu Mauer (4) und zeigt im oberen Bereich ein glattes, gut gefügtes Mauerwerk. Bereits im Anfangsbereich, bei der Stelle (20), springt die Mauer rund drei Meter weit vor, was als Erweiterung des Horizontalabsatzes interpretiert werden kann. Unterhalb dieses Absatzes geht das Bauwerk in ein stufenförmiges Gemäuer über, das pfeilerartige Elemente aufweist und einer Strebepfeilerwirkung zu dienen schien. Während ein zweiter solcher Pfeiler zu einem späteren Zeitpunkt vom Besitzer Anfang des 20. Jahrhunderts abgetragen wurde, um den Zugang zu verbessern, übernahmen später die Wurzeln einer alten Linde die tragende Funktion an dieser Stelle. Ein größerer Mauereinsturz im Bereich der Linde verdeutlicht den altersbedingten Verfall; dennoch setzt sich der verbliebene Mauerrest weiter fort und erreicht in Richtung des neu errichteten Wohnhauses eine Höhe von 13 m. Die Mauer weist dabei oben eine Dicke von 2,50 m und unten 2,70 m auf – bedingt durch spätere Aufschüttungen erscheint die tatsächliche Gesamthöhe noch höher.

Die Mauer (5) mit ihrer Front zum Horn weist mehrere architektonische Details auf, die sowohl auf mittelalterliche Bauprinzipien als auch auf spätere Umbauphasen hinweisen. So ist in unmittelbarer Nähe des Eckstrebepfeilers eine alte Rundbogenwölbung erhalten, die eine Spannweite von etwa 2,50 m aufweist und deren Scheitel sich 2 m über dem Erdboden befindet. Diese Wölbung wurde im Zuge späterer Umbaumaßnahmen durch einen Türdurchbruch in den angrenzenden Kellerraum integriert. Oberhalb dieser ersten Wölbung, in einer Höhe von rund 3,5 m, befindet sich eine kleinere Rundbogenwölbung mit einer Spannweite von ca. 1 m, in deren Mitte eine schlichte Lucke mit den Maßen 50 cm × 70 cm eingearbeitet wurde. Unterhalb der Wurzeln einer alten Linde, die an dieser Stelle als natürliche Stütze fungiert, zeigt sich eine zweite Rundbogenwölbung – ebenfalls mit einer Spannweite von 2,50 m, jedoch mit einem Scheitel, der nur 1,50 m über dem Boden liegt. Diese Wölbung wurde zugemauert und dient heute als Zugangstür zum Burggarten; darüber befindet sich ein kleines historisches Fenster mit den Maßen von etwa 40 cm × 20 cm. Nahe dem Eingang zum Neubau ist zudem eine dritte Rundbogenwölbung zu finden, die ebenfalls eine Spannweite von 2,50 m aufweist, jedoch nur knapp über dem Bodenniveau hervortritt. Ergänzend zu diesen Elementen ist rechts von der ersten Rundbogenwölbung ein rundes Loch mit einem Durchmesser von ca. 30 cm zu erkennen, das erst nach Entfernung eines Stützelements sichtbar wurde.

Der gewölbte Gang (17) und die Keller („Burgkeller“)

Der gewölbte Gang (17) und die angrenzenden Kellerräume, die als „Burgkeller“ bezeichnet werden, bilden einen zentralen Bestandteil des inneren Zugangs- und Nutzbereichs der Burg Altrathen. Der Gang, der seinen Eingang durch die zweite Rundbogenwölbung – auch als „Eingang zum Burggarten“ bekannt – erhält, besticht durch seine ursprüngliche Gewölbedecke, die weitgehend erhalten geblieben ist. Mit einer Mauerstärke von 2,70 m, einer Länge von etwa 8,50 m, einer Breite von 1,70 m und einer Gesamthöhe von 2,90 m bietet der Gang ein eindrucksvolles Beispiel mittelalterlicher Baukunst. Der Fußboden wurde dabei um circa 5 cm erhöht, um den Durchgang zu optimieren, und der Gang endet an einem Fels, der später in die Gesamtstruktur integriert und auf ganze Breite erweitert wurde. Auffallend ist zudem eine in ca. 2,60 m Höhe gelegene Nische, deren Maße (40 cm × 45 cm × 45 cm) auf eine spezifische Nutzung hindeuten könnten.

Vom Gang (17) zweigt nach etwa 3,10 m ein erster Kellerraum ab, der als eigentlicher „Burgkeller“ fungierte. Die Zugangstür zu diesem Keller misst 1,90 m in der Höhe und 1,50 m in der Breite bei einer Mauerstärke von 1,50 m, wobei der Zugang über sechs Stufen erfolgt – von denen vier als original erhalten gelten. Der Keller selbst erstreckt sich über eine Länge von 7 m, eine Höhe von 3,30 m und eine Breite von 5,70 m, wobei die Wölbung der Decke von West nach Ost verläuft. Die Ostwand wurde mit einem neu eingebrochenen Fenster versehen, während die Nordwand ein altes Fenster mit den Maßen 95 × 95 cm aufweist. In der Südmauer finden sich zwei bogenförmige Öffnungen, die in eine kleine Höhle führen – in der bei archäologischen Untersuchungen menschliche Schädel, Knochen und diverse Marterwerkzeuge gefunden wurden.

Ein zweiter Kellerraum ist ebenfalls direkt über den Gang (17) zugänglich, wobei sich die Tür etwa 125 cm von der ersten Zugangstür entfernt befindet. Auch dieser Raum weist eine von West nach Ost verlaufende Gewölbekonstruktion auf. Während in der Nordwand ein Fenster neu herausgebrochen wurde – ein Hinweis darauf, dass ursprünglich ein blinder Stollen existierte –, bestehen die Süd- und Westwände vollständig aus Mauerwerk, während die Ostwand stellenweise noch den rohen Fels zeigt.

Ergänzend hierzu zweigt der Gang (12) an der Eingangstür des Ganges (17) ab und verläuft entlang der inneren Seite der Mauer (5). Ursprünglich gewölbt, ist dieser Gang in späteren Umbaumaßnahmen um etwa 1,40 m tiefergelegt worden, sodass sich in einer sichtbaren Höhe von ca. 3,20 m noch Reste der ursprünglichen Gewölbeansätze erkennen lassen. Ein zusätzliches Fenster an der Außenmauer, das innen mit Maßen von 80 cm × 60 cm etwas versetzt angeordnet ist, sowie mehrere in der Mauerinnenseite angebrachte Falze deuten auf eine einstige Einteilung in verschiedene Geschosse hin.

Platz (2) (Vorfläche Richtung Rathener Tal)

Der Platz (2), der sich vor der Mauer (4) in Richtung des Rathener Tals erstreckt, präsentiert sich heute als abschüssige, teilweise aufgeschüttete Fläche. Unter dem Rasen und den darüber liegenden Schuttansammlungen sind Reste alter Mauern (mit der Bezeichnung (7)) verborgen, die sich eng an den darunterliegenden Fels anschmiegen und so den ursprünglichen Geländeverlauf der Burg belegen. Archäologische Ausgrabungen an diesem Ort förderten verkohlte Balken, alte Ziegel, große Nägel sowie Türangeln zutage, die Hinweise auf frühere Bauphasen und Nutzungen liefern.

Mauer (10) an der Elbseite

Die Mauer (10) an der Elbseite zählt zu den markantesten und zugleich am besten erhaltenen Bauelementen der Burg Altrathen. Sie erstreckt sich über etwa 16 m in der Länge und erreicht an ihrer Außenseite eine Höhe von über 12 m. Wie die übrigen Mauerreste steht sie direkt auf dem Felsen, wobei sie konvex zum Elbtal ausgerichtet ist. Diese Mauer grenzt heute nicht unmittelbar an den Neubau an, sondern beginnt in einem Abstand von etwa 1,5 m. An ihrer Außenseite lässt sich ein undeutlicher Horizontalfalz erkennen, während im Inneren mehrere gleich hoch liegende Falze verlaufen. Der untere Teil der Mauer ist heute verschüttet, sodass nur noch Teile der ursprünglichen Bauweise rekonstruierbar sind. Zudem gehört der elbseitige Bereich jenseits der Mauern (5) und (10) Anfang des 20. Jahrhunderts dem Besitzer des Erbgerichts.

Am freien Ende der Mauer (im Bereich (14)) zeigt sich ein besonderer Bauabschnitt: Oben rundet sich die Mauer nach innen ab, was darauf hindeutet, dass hier einst eine rechtwinklig angesetzte Mauer in einer Linie mit der Gang-(17)-begrenzenden Mauer stand. Zwischen dem Ende von Mauer (10) und dem angrenzenden Mauerrest (6) bleibt eine markante Lücke. Archäologische Hinweise, wie bogenförmig behauene Steine, eine Sohlbank sowie Überreste von Türrahmenteilen, lassen vermuten, dass hier einmal ein Eingangstor zur Burg existierte. Der untere Teil von Mauer (10) verläuft zudem geradeaus und diente vermutlich als Stützmauer für die Auffahrt.

Eine weitere Besonderheit stellt im unteren Teil (15) der Mauer eine rechteckige Füllung dar, hinter der sich eine runde Öffnung befindet. Diese wird als Überrest einer Rohrleitung interpretiert und könnte Teil einer einstigen Schleusenanlage gewesen sein, die der Wasserregulierung entlang der Elbe diente.

Zisterne

In der älteren Literatur wird eine Zisterne erwähnt, die jedoch heute nicht mehr sichtbar ist. Es wird vermutet, dass sich die Reste dieser ehemaligen Wasserspeicheranlage unter dem Keller des heutigen Wohnhauses im Bereich von (11) befinden könnten. Ein hohler Klang, der Anfang des 20. Jahrhunderts beim Rollen von Fässern in diesem Bereich zu vernehmen war, legt nahe, dass dort noch eine Hohlstelle existiert – ein Hinweis auf die frühere Anlage einer Zisterne.

Literatur

Commons: Burg Altrathen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Anne Müller, Matthias Weinhold: Felsenburgen der Sächsischen Schweiz. Neurathen – Winterstein – Arnstein. (= Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa. Band 23). Schnell und Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2303-2, S. 14–16.
  2. Herbert Beschorner: Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der sächsischen Schweiz. Hrsg.: Alfred Meiche. Verlagshandlung Wilhelm Baensch, Dresden 1907.
    1. ↑ S. 203 f. (Digitalisat).
    2. ↑ S. 187 (Digitalisat).
    3. ↑ S. 197 (Digitalisat).
    4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 S. 207 (Digitalisat).
    5. ↑ S. 208 ff. (Digitalisat).
    6. 1 2 S. 205 (Digitalisat).
    7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 S. 206 (Digitalisat).
    8. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 S. 208 (Digitalisat).
    9. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 S. 209 (Digitalisat).
    10. 1 2 3 4 5 6 7 8 S. 210 (Digitalisat).
    11. 1 2 3 4 5 6 S. 211 (Digitalisat).
    12. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 S. 212 (Digitalisat).
    13. ↑ S. 214 (Digitalisat).
  3. ↑ Gerhard Billig, Heinz Müller: Burgen. Zeugen sächsischer Geschichte. Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1998, ISBN 3-7686-4191-0, S. 190.
  4. 1 2 Alfred Neugebauer: Felsenburg Neurathen. Rat der Gemeinde Lohmen, Lohmen 1984, S. 5 f.
  5. 1 2 3 4 5 6 Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Baensch, Dresden 1927, Abschnitt Rathen, S. 270 ff.
  6. ↑ Peter Rölke (Hrsg.): Wander- und Naturführer Sächsische Schweiz. Band 2: Vordere und Südliche Sächsische Schweiz. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2000, ISBN 3-934514-09-X, S. 54 f.
  7. ↑ Peter Rölke: Informationen aus der AG Wegekonzeption Sächsische Schweiz. In: Mitteilungsblatt des Sächsischen Bergsteigerbundes. Heft 4/2019, S. 13 (PDF).