| CJ CGV Co., Ltd. 씨제이씨지브이 주식회사 | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft (Jusik Hoesa, KOSPI: 079160) |
| ISIN | KR7079160000 |
| Gründung | 30. März 1999 |
| Sitz | Yongsan-gu, Seoul, Südkorea |
| Leitung | Jung Jong-min (CEO) |
| Mitarbeiterzahl | ca. 5.800 (Konzern, 2025) |
| Umsatz | 2,28 Billionen KRW (ca. 1,53 Mrd. EUR, 2025) |
| Branche | Kinobetrieb, Kinotechnik, IT-Dienstleistungen |
| Website | www.cgv.co.kr |
CJ CGV (kor. CJ CGV, offiziell CJ CGV Co., Ltd.) ist die größte Multiplex-Kinokette Südkoreas und eine börsennotierte Tochtergesellschaft des Mischkonzerns CJ Group. Mit einem heimischen Marktanteil von rund 50 Prozent sowie hunderten Standorten in Vietnam, China, Indonesien und der Türkei zählt das Unternehmen zu den weltweit größten Kinobetreibern. Über seine Tochtergesellschaft CJ 4DPLEX ist CJ CGV zudem ein international führender Entwickler und Lizenzgeber von Spezial-Kinotechnologien wie 4DX und ScreenX.
Im Unterschied zur mittelständisch geprägten Kinolandschaft im deutschsprachigen Raum, in der Kinobetreiber überwiegend als reine Abspielstätten ohne eigene Filmstudios agieren, ist CJ CGV Teil eines vertikal integrierten Unterhaltungskonzerns: Innerhalb der CJ Group werden Kinofilme von der Schwestergesellschaft CJ ENM (CJ Entertainment) finanziert, produziert und verliehen und anschließend über das landesweite Kinonetz von CJ CGV ausgewertet (ein ähnliches Modell verfolgen in Südkorea auch die Konkurrenten Lotte Cinema und Megabox). Zudem weist der südkoreanische Kinomarkt im internationalen Vergleich eine besonders hohe Besucherdichte auf: Vor der COVID-19-Pandemie wurden in Südkorea bei rund 51,7 Millionen Einwohnern jährlich 226,7 Millionen Kinotickets verkauft (2019), was mit rund 4,4 Kinobesuchen pro Kopf einem der höchsten Werte weltweit entsprach – mehr als dem Dreifachen des deutschen Wertes (2019: 118,6 Millionen Besucher bei rund 83 Millionen Einwohnern bzw. 1,4 Besuche pro Kopf). Selbst nach dem pandemiebedingten Marktrückgang lag Südkorea 2024 und 2025 mit 123,1 bzw. 106,1 Millionen verkauften Tickets (rund 2,1 bis 2,4 Besuche pro Kopf) in absoluten Zahlen weiterhin vor Deutschland (2025: 91,9 Millionen Besucher bzw. 1,1 Besuche pro Kopf). Aufgrund dieser hohen Kinofrequenz, der starken Konzentration auf die Metropolregion Seoul und hoher Ticketaufschläge für technische Premiumformate gilt Südkorea für Hollywood-Studios als einer der weltweit wichtigsten Auslandsmärkte und als zentrale Station für internationale Premieren- und Pressetouren.
Das Unternehmen wurde am 20. Dezember 1996 als Joint Venture unter dem Namen CJ Golden Village gegründet. Die namensgebende Abkürzung CGV setzte sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Gründungspartner zusammen: dem südkoreanischen Konzern CJ (damals Cheil Jedang), der Filmgesellschaft Golden Harvest aus Hongkong und dem australischen Kinobetreiber Village Roadshow. Im April 1998 eröffnete das Joint Venture im Seouler Stadtteil Gangbyeon (*CGV Gangbyeon 11*) das erste echte Multiplex-Kino Südkoreas, das den bis dahin von Einzelleinwänden dominierten koreanischen Kinomarkt grundlegend veränderte.
Nachdem sich Golden Harvest und Village Roadshow in den frühen 2000er Jahren aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückgezogen hatten, übernahm die CJ Group die alleinige Kontrolle und firmierte die Gesellschaft im Jahr 2002 in CJ CGV um. Für das Akronym CGV führte das Unternehmen nachträglich die Bedeutung „Cultural, Great, Vital“ ein. Im Dezember 2004 ging CJ CGV als erster Kinobetreiber Südkoreas an die Seouler Börse (KOSPI).
Ab 2006 expandierte CJ CGV außerhalb Südkoreas, wobei sich die Auslandsmärkte wirtschaftlich sehr unterschiedlich entwickelten:
Nachdem die weltweiten Kinoschließungen während der COVID-19-Pandemie (2020–2022) zu hohen Jahresfehlbeträgen und einer Überschuldung geführt hatten, beschloss die Muttergesellschaft CJ Corporation im Jahr 2023 ein umfassendes Rekapitalisierungsprogramm im Umfang von rund einer Billion Won. Als Kernmaßnahme brachte die Konzernholding im Juni 2024 ihren hochprofitablen IT-Dienstleister CJ OliveNetworks (verantwortlich für Konzern-IT, KI-Rechenzentren und das Kundenbindungsprogramm CJ ONE) als Sacheinlage im Wert von rund 450 Milliarden Won vollständig als Tochtergesellschaft in CJ CGV ein, um deren Eigenkapitalbasis und Kreditwürdigkeit nachhaltig zu stärken. Im März 2025 übernahm Jung Jong-min (zuvor Sanierer des Türkei-Geschäfts) den Vorstandsvorsitz (CEO) von CJ CGV.

Seit den 2020er Jahren steht das klassische Kinogeschäft in Südkorea unter starkem strukturellem Druck durch internationale und heimische Streamingdienste (wie Netflix oder die ebenfalls zum CJ-Konzern gehörende Plattform TVING) sowie die Verbreitung großformatiger OLED-Heimfernseher. Gleichzeitig beklagten viele Kinobesucher nach der Pandemie eine veränderte Saalkultur durch störende Smartphone-Nutzung und Gespräche während der Vorführungen.
Um die pandemiebedingten Umsatzausfälle und gestiegene Betriebskosten auszugleichen, hoben CJ CGV und seine Mitbewerber die Eintrittspreise zwischen 2020 und 2022 in drei Stufen deutlich an: Der reguläre Ticketpreis für eine Standardvorstellung am Wochenende stieg von rund 11.000 bis 12.000 Won (2019) auf 15.000 Won (rund 10 bis 11 Euro), während für Spezialformate wie IMAX oder 4DX zwischen 20.000 und 25.000 Won verlangt werden. Da ein einzelnes Kinoticket für eine Familie damit teurer wurde als das monatliche Abonnement eines Streamingdienstes, löste diese Preispolitik in der südkoreanischen Öffentlichkeit, bei Verbraucherschützern und prominenten Filmschaffenden (darunter der Schauspieler Choi Min-sik im August 2024) heftige Kritik aus. CJ CGV reagierte darauf unter anderem mit zeitweisen Rabattaktionen, der Vorführung von Konzertfilmen, Sportübertragungen und E-Sport-Turnieren (unter der Marke ICECON) sowie ab 2024 mit dem Experiment sogenannter „Snack-Movies“ – Kurz- und Mittellangfilmen von 10 bis 30 Minuten Laufzeit zu einem Ticketpreis von lediglich 1.000 Won (ca. 0,70 Euro).
Nicht mehr ausgelastete Standard-Kinosäle mit ihren hohen Decken wurden von CJ CGV ab 2022 zudem teilweise entkernt und einer neuen Nutzung zugeführt, insbesondere durch den Umbau zu kommerziellen Indoor-Boulder- und Kletterhallen unter der konzerneigenen Marke PEAKERS sowie zu Golf-Simulations-Lounges (THE APPROACH).
Der südkoreanische Kinomarkt wird von einem Oligopol aus drei großen Multiplex-Ketten beherrscht, die zusammen über 95 Prozent des Marktes kontrollieren:
Angesichts schrumpfender Besucherzahlen und anhaltender Verluste im Standard-Kinobetrieb kündigten die zweit- und drittplatzierten Ketten Lotte Cinema und Megabox im Mai 2025 überraschend eine Fusion an, um durch ein zusammengelegtes Kinonetz zur Marktführerschaft von CJ CGV aufzuschließen und Doppelstandorte abzubauen. Nach über einjährigen Verhandlungen über die Unternehmensbewertung und Verlustübernahmen scheiterte der geplante Zusammenschluss jedoch Anfang Juli 2026 endgültig, sodass CJ CGV seine unangefochtene Spitzenposition auf dem Heimatmarkt behauptete.

Als strategische Antwort auf die Konkurrenz durch das Heimkino setzt CJ CGV verstärkt auf technologische Spezialformate, die im Wohnzimmer nicht reproduzierbar sind, sowie auf abgeschirmte Luxus- und Privatlogen.
Über die hundertprozentige Technologie-Tochtergesellschaft CJ 4DPLEX entwickelt und vermarktet CJ CGV weltweit geschützte Kinoformate, die als Lizenzsysteme auch an internationale Kinoketten wie AMC Theatres, Regal Cinemas, Cineworld, Pathé oder Cinépolis vertrieben werden:
Während das reguläre Kinogeschäft stagnierte, verzeichnete CJ 4DPLEX im Jahr 2025 mit über 1.200 installierten 4DX- und ScreenX-Sälen in mehr als 75 Ländern ein weltweites Rekord-Einspielergebnis von 497 Millionen US-Dollar.
Um zahlungskräftige Besucher zurückzugewinnen, die sich in regulären Kinosälen durch Lärm, Gespräche oder leuchtende Smartphone-Displays anderer Gäste gestört fühlen, führte CJ CGV ab 2022 mehrere abgeschirmte Premium-Konzepte ein:
Eine technische Besonderheit des südkoreanischen Kinomarktes besteht beim Einsatz direkt selbstleuchtender LED-Kinowände, die ohne klassischen Projektor auskommen und echte HDR-Kontraste ermöglichen. Obwohl der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung Electronics im Juli 2017 in Seoul die weltweit erste kommerzielle LED-Kinoleinwand unter dem Namen Samsung Onyx Cinema LED (mit Bildbreiten von bis zu 14 Metern) vorstellte, kam diese Technologie in Südkorea fast ausschließlich bei den CGV-Konkurrenten Lotte Cinema (unter den Markennamen Super S und Gwang-eum LED, unter anderem im Lotte World Tower) sowie bei Megabox zum Einsatz. Als Hintergrund gilt neben der historisch bedingten Rivalität zwischen der CJ Group und dem abgespaltenen Familienzweig des Samsung-Konzerns vor allem die strategische Festlegung von CJ CGV auf das eigene Mehrwand-Projektionssystem ScreenX (das auf reflektierende Wandflächen angewiesen ist) sowie auf eine exklusive Partnerschaft mit IMAX in Südkorea.