Caress of Steel

Caress of Steel
Studioalbum von Rush

Veröffent-
lichung

September 1975

Label(s)

Mercury Records

Format(e)

LP

Genre(s)

Progressive Rock, Hardrock, Heavy Metal

Titel (Anzahl)

5

Länge

45 min. 02 sek.

Besetzung

Produktion

Terry Brown und Rush

Studio(s)

Toronto Sound Studios, Toronto

Chronologie
Fly by Night
(1975)
Caress of Steel 2112
(1976)

Caress of Steel ist das dritte Album der Band Rush, es erschien 1975. Das Album enthält Rushs erste Ausführung einer langen Rocksuite, „The Fountain of Lamneth“. In dem Album wird die starke Verbundenheit mit den Standards des Progressive Rock demonstriert, lange und in Abschnitte aufgeteilte Stücke und Solopassagen mit Tempo und Agilität sind jeweils vertreten.

„The Necromancer“ ist eine Geschichte, die in drei Teilen die Sage vom Helden Prinz By-Tor erzählt, der auszog um das titelgebende Monster zu töten. Der erste Teil, der die Reise ins Reich des Ungeheuers beschreibt, ist rhythmisch aufgebaut und wirkt mit den langgehaltenen Gitarreneinsätzen mystisch und düster. Der zweite Teil ist mit stark verzerrter Gitarre, dröhnendem Bass und intensivem Schlagzeugspiel brutal und drohend. Bei Minute sieben wird nach einer Pause der Rhythmus schneller, aggressiver und kämpferischer. Nachdem das Monster schließlich „musikalisch“ besiegt ist, ertönt die leise aus dem Hintergrund tretende Melodie der Gitarre, die in einen triumphierenden Schlagzeugrhythmus mündet. Der Fluch des Necromancers ist gebrochen und der Held kehrt ruhmreich nach Hause, während ein sich steigerndes Solo erklingt, das bis zum Ende des Liedes durchklingt. Eingeleitet werden die drei Teile von einer tiefen, verzerrten Erzählerstimme, die die nicht sichtbaren Umstände schildert und die Geschichte vorantreibt.

Der Titel „Bastille Day“ wird in den folgenden Tourneen lange im Programm erhalten bleiben. Das Album zeigt des Weiteren in Songs wie „I Think I’m Going Bald“, wie Rush von Led Zeppelin beeinflusst wurde, was allerdings offensichtlicher in ihrem ersten Album deutlich wurde.

Das Album wurde wie sein Vorgänger in den Toronto Sound Studios mit Produzent Terry Brown aufgenommen. Die Texte stammen überwiegend von Neil Peart, nur Panacea und Bacchus Plateau aus der Suite The Fountain of Lamneth textete Geddy Lee. Die Erzählerstimme in The Necromancer spricht Terry Brown. Mit Caress of Steel gestaltete erstmals Hugh Syme ein Cover der Band.

Titelliste

  1. Bastille Day – 4:37
  2. I Think I’m Going Bald – 3:38
  3. Lakeside Park – 4:07
  4. The Necromancer – 12:29
    • I: Into the Darkness – 4:12
    • II: Under the Shadow – 4:25
    • III: Return of the Prince – 3:51
  5. The Fountain of Lamneth – 19:58
    • I: In the Valley – 4:13
    • II: Didacts and Narpets – 1:02
    • III: No One at the Bridge – 4:18
    • IV: Panacea – 3:14
    • V: Baccus Plateau – 3:14
    • VI: The Fountain – 3:50

Rezeption

Im eclipsed-Buch Rock (2013) wird Caress of Steel als „Verlegenheitskauf“ eingestuft, die zweitniedrigste von fünf Kategorien, die von „Kaufrausch“ bis „Fehlkauf“ reichen. Die Plattenfirma habe nach den ausufernden Passagen auf Fly by Night deutlich straffere Songs gefordert. Rush seien mit dem düsteren Album jedoch auf Konfrontationskurs gegangen und hätten mit „The Necromancer“ und „The Fountain of Lamneth“ gleich zwei überlange Fantasy-Epen geliefert. Von den drei kürzeren Stücken könne nur der Opener „Bastille Day“ überzeugen. Es seien die ersten wirklich ernstzunehmenden Ausflüge in Richtung Progressive Rock. Obwohl die Band hohe Erwartungen in das Album gesetzt habe, habe es sich sogar schlechter verkauft als der Vorgänger, und der Druck auf die Band sei gewachsen. Als Pressestimme zitiert das Buch das Heft Classic Rock Presents Rush (2012). Dem Album mangele es ein wenig an Zusammenhang, was aber nachvollziehbar sei, denn es sei der Sound einer Band, die sich zu einem Schmetterling entpuppe. Aus dem Buch Contents Under Pressure zitiert eclipsed außerdem Alex Lifeson, man habe keine guten Kritiken bekommen, da man als anmaßend, zu ernsthaft und nicht genug Rock ’n’ Roll gegolten habe. Geddy Lee urteilt dort über „The Fountain of Lamneth“, es gebe einige wunderbare Momente, ein Großteil sei aber schwerfällig und daneben, wie das gesamte Album.

Steve Wright vom Onlineauftritt des britischen Magazins BBC Music Magazine (classical-music.com) platzierte Caress of Steel in einem Ranking aller 19 Studioalben von Rush auf Rang 14. Er beschrieb es als mutiges, ehrgeiziges drittes Album, mit dem sich die Band in ausufernden Suiten wie „The Fountain of Lamneth“ und „The Necromancer“ dem Progressive Rock zuwandte. Komplexität und Theatralik hätten manche Hörer bei Erscheinen verwirrt, und das Album habe sich notorisch schlecht verkauft. Es zeige aber die Bereitschaft der Band zu experimentieren und zu wachsen und sei trotz mangelnder Zugänglichkeit ein wesentlicher Schritt zu den späteren Meisterwerken.

Al Shipley setzte das Album in einem Ranking für das US-Magazin Spin auf Rang 7. Er bezeichnete es als „Dark Horse“ im Rush-Katalog, als einziges frühes Album ohne Radiohits oder Live-Klassiker, das einen zweiten Blick lohne. Rush hätten damals noch ihre Lehrjahre absolviert und im Vorprogramm etablierterer Bands wie Kiss und Aerosmith gespielt. Der Titel „I Think I’m Going Bald“ sei ein scherzhafter Verweis auf „Goin’ Blind“ von Kiss. Der 20-minütige Schlusstrack „The Fountain of Lamneth“ wirke wie ein zaghafter Probelauf für die späteren Epen, doch sei es mitreißend, die junge Band mit so viel Energie neue kreative Grenzen erkunden zu hören.

Martin Popoff sah 2017 in Caress of Steel womöglich das erste Progressive-Metal-Album überhaupt. Dass es oft übersehen werde, liege auch daran, dass die Band selbst nicht glücklich damit sei, sowie an seiner düsteren Grundstimmung bis hin zu Terry Browns „beengender“ Produktion. Der mangelnde Zuspruch bei Plattenkäufern und Konzertbesuchern habe die Band damals beinahe das Ende gekostet, bevor sie mit 2112 zurückschlug. Inzwischen schätzten viele Rush-Fans das Album gerade wegen seiner „düsteren Prog-Rock-Kühnheit“.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Martin Popoff: Rush. Album by Album. Voyageur Press, Minneapolis 2017, ISBN 978-0-7603-5220-5, S. 24 f. (englisch).
  2. 1 2 3 Mike Borrink, Marcus Wicker, Sascha Seiler: Rock. Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check: alle Alben, alle Songs. Sysyphus Verlag, Aschaffenburg 2013, ISBN 978-3-86852-646-2, S. 224.
  3. ↑ Martin Popoff: Rush. Album by Album. Voyageur Press, Minneapolis 2017, ISBN 978-0-7603-5220-5, S. 29 (englisch).
  4. ↑ Steve Wright: Canada calling: all 19 Rush albums ranked, from worst to best. In: classical-music.com. 10. Februar 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Al Shipley: Every Rush Album, Ranked. In: Spin. 12. Februar 2025, abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).