Carl Timner

Carl Timner (1987)
Für Angela Davis, 1972
Vietnam III mit Rudi Dutschke, 1968
Katharina von Alexandrien, 1984
Melancholie in Rom, 1983
Variationen über "Die schwarzen Zimmer" - Hommage an Karl Hofer, Nr. 1 Rotes Kopftuch, 1995
Studie zu Illustrationen des "Hohelied Salomon", Nr. 7, 2006.
Vietnamesin und Lernende, 1972
Himmel über der "Valle Umbra", 2006
Landschaft mit Baum und Vase - Deutsche Landschaft, 1986-1996
Weidendammer Brücke, 2004
Serie Druckereibilder II, 1978
Serie Druckereibilder IX, 1978
Die Steinstadt-Suite, 1978
Bologna citta' assediata, 1980
Sonnenblume, 1976

Carl Timner (* 29. Juni 1933 in Berlin; † 27. August 2014 in Trevi/Perugia) war ein deutscher Maler, Zeichner und Graphiker des zeitgenössischen Realismus. Carl Timner lebte und arbeitete abwechselnd in Berlin und Rom, zuletzt auch im umbrischen Trevi. Timners Werk besteht aus Malerei und Zeichnung, aus Figur, Porträt, Stillleben, Landschafts- und Stadtbild.

Leben

Carl Timner wuchs in Berlin auf. Er studierte an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, heute Universität der Künste, in Berlin-Charlottenburg (Grundlehre bei Hans Uhlmann, Malklasse bei Max Kaus) sowie 1952–1953 Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie an der Universität Göttingen. Von 1953 bis 1956 lebte er in Rom und arbeitete im Atelier des Malers Corrado Cagli. Er hatte engen Kontakt zu den Künstlerkreisen um die Maler Renato Guttuso, mit dem er befreundet war, Giuseppe Capogrossi, die Brüder Afro und Mirko Basaldella sowie dem Schriftsteller, Maler und Politiker Carlo Levi.

1968 war Timner Assistent von Renato Guttuso an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und Mitbegründer der Künstlergruppe Rote Nelke in West-Berlin, der er bis 1973 angehörte. Danach gehörte er zu den Mitbegründern der Vereinigung demokratischer und sozialistischer Künstler (VDSK). An Ausstellungen und Aktivitäten beider Vereine war er vielfach beteiligt.

1971 heiratete Timner die Italienerin Clara Moriconi, die er durch den mit ihm eng befreundeten Bruder, den Maler Angelo Moriconi, kennengelernt hatte. 1972–1975 war Timner zusammen mit dem Schauspieler Michael Kramer Vorsitzender des Ständigen Komitees Kulturtage – Progressive Kunst West-Berlin und arbeitete in den 1980er Jahren bei der Initiative Künstler für den Frieden. Als Gastprofessor arbeitete und unterrichtete er von 1978 bis 1986 Aktzeichnen an der Hochschule der Künste in Berlin.

Werk

Malerei

Am Beginn des malerischen Werks von Carl Timner, das laut Werkverzeichnis ca. 1300 Gemälde umfasst, nahmen stilisierte figürliche und abstrakte Kompositionen einen breiten Raum ein. Politische Ereignisse zu Beginn der 1960er Jahre, wie Mauerbau und Kubakrise, die den Kalten Krieg zwischen Ost und West forcierten, und das Erstarken der Bürgerrechts- und Studentenbewegungen, besonders in den USA (Für Angela Davis, 1972) und West-Berlin (Vietnam III mit Rudi Dutschke, 1968), fanden im Laufe der Dekade in Timners Werk breiten Widerhall. Politische und sozialkritische Themen bildeten fortan einen Schwerpunkt in seinem Schaffen. Eine wichtige Rolle spielte in dieser Zeit Timners Serie zu Chile, entstanden 1974, die eine bittere Reaktion auf den blutigen Putsch in Chile 1973 war, siehe unten Canto Particolare Del Cile, 1978. Dem folgten Studien in einer Serie über den Bürgerkrieg im Libanon. Auch Fragen der Friedenssicherung bildeten im Werk Timners ein Leitmotiv in immer neuen Variationen, zum Beispiel „Katharina von Alexandrien“, 1984, eine christliche Märtyrin, ein Mythos, der auf Hypatia von Alexandrien basiert, die als Nichtchristin von Christen erschlagen wurde, eine Anklage gegen die Intoleranz der Religionen.

Timners engagierter Realismus wurzelt in der europäischen Kunstgeschichte seit der Renaissance bis hin zum Realismus der Zwanziger Jahre. Sein bewusstes Anknüpfen an die klassische Tradition der realistischen Malerei, die sein Werk von den Tendenzen kritischer oder expressiver Realismen unterschied, ließ ihn als künstlerischen Außenseiter erscheinen (Melancholie in Rom, 1983). In seinem Werk finden sich direkte Hinweise auf Traditionen, wie etwa in den Gemälden „Hommage à Velasquez“ (1972), „Alte Frau (Käthe Kollwitz)“ (1974) und „Nach Caravaggio (Amor als Sieger)“ (1998). Auch das Werk von Karl Hofer war eine wichtige Inspiration für ihn (Serie: Variationen über „Die schwarzen Zimmer“ Hommage an Karl Hofer, 1995). Die menschliche Figur steht dabei im Mittelpunkt als Ausdruck einer humanen Grundhaltung. Anatomie-, Bewegungs- und Kleidungsstudien führten zu zahlreichen intimen Figurenkompositionen meist weiblicher Personen, beispielsweise die Zeichnungen zum ‚Hohelied Salomon‘ (2006) gehören dazu. Diese agieren in angedeuteter Räumlichkeit in unterschiedlichen Positionen (Vietnamesin und Lernende, 1972), einzeln oder in Gruppen. Ebenfalls bedeutend in Timners Werk ist die Porträtmalerei, wie das 1980 gemalte Bildnis des hochbetagten Schauspielers Curt Bois, der nach seinem US-amerikanischen Exil in West-Berlin tätig war. Daneben malte Timner auch zahlreiche Landschaften Italiens (Himmel über der „Valle Umbra“, 2006) und Deutschlands (Landschaft mit Baum und Vase, 1986/1996, Deutsche Landschaft) sowie Städtebilder (Die Weidendamm-Brücke, 2004) und Stillleben (Serie Druckereibilder: Druckereibilder II, 1978 und Druckereibilder IX, 1978).

Zeichnungen

Das malerische Werk wird von Zeichnungen begleitet – insgesamt ca. 1400 Blatt, ausgeführt mit Blei- oder Buntstiften, (meist farbigen) Wachsmalstiften, Kohle, Kreide, Pastell oder Rötel auf (manchmal getöntem) Papier. Ein Teil der Arbeiten dienten als Studien bzw. direkte Vorstufen zu Bildern, viele hingegen weisen einen autonomen, betont malerisch-plastischen, lebendigen Charakter auf. Sehr oft werden Menschen dargestellt nach lebenden Modellen oder Fotos, die Timner von Modellsitzungen machte (Halbakt frontal, auf Hocker, 1998). So sind Frauen zu sehen, die sich umarmen, die aneinander halten oder in anderer Weise miteinander in Beziehung stehen (Studie zu „Hohelied Salomon“, 2006). Innerhalb des gesamten Werkkomplexes befinden sich Serien, die Gemälde nicht nur begleiten, zu ihnen hinführen oder ihnen inhaltlich nahe stehen, sondern die das malerische Themenspektrum erweitern. Timner hat außerdem kontinuierlich Vorlagen für Plakate, Umschläge (Die Steinstadt-Suite, 1978) und Illustrationen (Canto Particolare Del Cile, 1978) zu Büchern (Bologna Città Assediata, 1980) sowie Graphik, vor allem Lithographien (Sonnenblume, 1976) entworfen.

Einzelausstellungen (unvollständig)

(K) = Katalog

Ausstellungsbeteiligung (Auswahl, alle mit Katalog)

Museen und öffentlichen Sammlungen mit Werken Timners und Wandbilder

Grab auf dem Nichtkatholischen (Protestantischen) Friedhof Rom

Monographien und Ausstellungskataloge (Auswahl)

Allgemeine Literatur (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ "Rote-Nelke"-Maler Carl Timner gestorben. In: Berliner Zeitung. Berliner Verlag, Berlin 21. September 2014.
  2. ↑ Hermann Raum: Carl Timner – Handzeichnungen der Jahre 1947–1989. Edition Neue Wege, Berlin 1989, ISBN 3-88348-056-8, S. 19.
  3. ↑ Rainer Höynck: Für Carl Timner. In: Udo Christoffel (Hrsg.): Carl Timner. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1988, S. 10–16.
  4. ↑ Michael Nungesser: Carl Timner - Vom Anderswerden. Edition Neue Wege, Berlin 1983, ISBN 3-88348-051-7, S. 20.
  5. ↑ Atelier und Galerie Laubbach Carl Timner malerei Zeichnung
  6. ↑ TREVI – Carl Timner – Note biografiche
  7. ↑ Galerie Schwartzsche Villa Ausstellung: Carl Timner: Bilder und Arbeiten auf Papier
  8. ↑ Andre Rebstocks Jazz Rock Lyrik Orchestra – Die Steinstadt Suite
  9. ↑ Detailsuche. Abgerufen am 16. Mai 2025.
  10. ↑ SKD | Online Collection. Abgerufen am 16. Mai 2025.
Personendaten
NAME Timner, Carl
KURZBESCHREIBUNG deutscher Maler, Zeichner und Graphiker des zeitgenössischen Realismus
GEBURTSDATUM 29. Juni 1933
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 27. August 2014
STERBEORT Trevi/Perugia