Carlo Portelli

Carlo Portelli: Maria mit dem Christuskind, dem Jesuskind und der heiligen Margareta (Virgin, Child, Infant John, and Saint Margaret), 1545–1550, Öl auf Holz, 125,5 × 97 cm, Princeton University Art Museum, Princeton

Carlo Portelli (* Anfang des 16. Jahrhunderts in Loro Ciuffenna; † 15. Oktober 1574 in Florenz), auch Carlo da Loro oder Carlo Portelli da Loro genannt, war ein italienischer Maler des Manierismus, der nahezu ausschließlich in Florenz tätig war. Über das Geburtsjahr besteht keine Einigkeit. Das AKL gibt um 1500 an. Die neuere Forschung nennt kein exaktes Jahr, sondern spricht allgemein vom Anfang des Cinquecento. Kunsthandel und Auktionshäuser (u. a. Christie’s, Sotheby’s) sowie Wikidata verwenden häufig die Angabe um 1510 bzw. vor 1510.

Leben

Carlo Portelli wurde vermutlich in Loro Ciuffenna im Valdarno geboren, wo seine Familie während des gesamten 16. Jahrhunderts nachweislich ansässig war. Sein Vater hieß Galeotto di Piero Portelli, der Name seiner Mutter ist nicht überliefert. Er hatte mindestens einen Bruder namens Piero, der als Notar tätig war. Beide wohnten 1533 gemeinsam in Florenz nahe der heutigen Porta Romana. Während Piero den ererbten Familienbesitz in Loro behielt und vermehrte, gab Carlo diesen bald auf, um dauerhaft in Florenz zu bleiben. Laut Vasari erlernte Portelli sein Handwerk in der Werkstatt von Ridolfo Ghirlandaio. Bereits 1535 war er selbstständig tätig und schrieb sich in diesem Jahr in die Malergilde Compagnia di San Luca ein. 1545 trat er zusätzlich der Arte dei Medici e Speziali bei.

Als Ridolfo del Ghirlandaio seine Werkstatt in der heutigen Via Ricasoli in den 1530er Jahren aufgab und mit seinem Schüler Michele Tosini in die Piazza Strozzi umzog, übernahm Portelli die frühere Werkstatt und hielt sie von 1548 bis 1570 in Miete; anschließend ging sie auf seinen eigenen Schüler Maso da San Friano über. Im reiferen Alter lebte Portelli in der Nähe der Kirche Ognissanti zusammen mit seiner Frau Lucia und dem gemeinsamen Sohn Alessandro (1553–1618), der ebenfalls Maler wurde.

1539 wirkte Carlo Portelli an den Festdekorationen zur Hochzeit von Cosimo I. de’ Medici und Eleonora di Toledo mit. Im Auftrag von Francesco Salviati, der kurz darauf nach Venedig abreiste, malte er die sich heute im Département des Arts graphiques des Louvre befindliche Bühnenleinwand Karl V. krönt Cosimo zum Herzog von Florenz, die nicht erhalten ist. Auch ein weiterer Entwurf Salviatis, die Kreuzigung mit Magdalena, wurde von Portelli in Malerei umgesetzt. Der Einfluss Salviatis sowie – über diesen vermittelt – der frühen Florentiner Manieristen, vor allem Andrea del Sartos und Rosso Fiorentinos, prägte Portellis Werk stärker als die Ausbildung bei Ridolfo del Ghirlandaio. 1563 wurde Portelli Mitglied der neu gegründeten Accademia delle Arti del Disegno in Florenz. 1565 war er an den Festdekorationen zur Hochzeit von Francesco I. de’ Medici mit Johanna von Österreich beteiligt.

Carlo Portelli starb in Florenz und wurde in der Kirche San Pancrazio beigesetzt.

Werk

Carlo Portelli: Heraklius bringt das Kreuz nach Jerusalem zurück – Erhöhung des Heiligen Kreuzes, 1569, Öl auf Holz, Pieve di Santa Maria a Olmi, Borgo San Lorenzo bei Florenz

Kennzeichnend für Portellis Frühwerk sind Wiederholungen bewährter Bildmotive: Allein in den 1540er Jahren entstanden sechs Varianten einer Darstellung der Madonna mit Kind. Ähnliche Wiederholungen finden sich bei seinen zahlreichen Fassungen der Allegorie der Mildtätigkeit – u. a. im Prado sowie nach einem Vorbild Salviatis in den Uffizien und als Zeichnung in der Albertina Wien – und in späteren Jahren bei Darstellungen der Heiligen Familie. Als Kopist fertigte Portelli auch Versionen bekannter Madonnendarstellungen Andrea del Sartos an. Das früheste datierbare Werk ist die Trinität mit den Heiligen Nikolaus von Tolentino, Petrus Martyr, Verdiana und Katharina von Alexandrien, die 1543 für den Altar der Florentiner Familie Rossi in der Kirche Santa Felicità gemalt wurde. Als die Kapelle im Jahr 1736 im Zuge von Umbauten innerhalb der Kirche verlegt wurde, wurde die Tafel durch Anstückungen von ursprünglich 265 × 175 cm auf 394 × 234 cm erweitert. Nahestehend dieser Darstellung sind eine Madonna mit Kind und den Heiligen Laurentius und Cäcilia in Santa Cecilia a Decimo bei Florenz sowie eine Madonna mit Kind und den Heiligen Margherita und Johannes dem Täufer als Kind im Princeton University Art Museum.

Zahlreiche Bildnisse werden Portelli zugeschrieben, darunter das Porträt eines unbekannten Jünglings (Abtei Chaalis), das Bildnis des Giovanni dalle Bande Nere (Minneapolis Institute of Art, um 1555), ein Männerbildnis in der Gemäldegalerie Wiesbaden und eine Dame in grünem Kleid im Rijksmuseum Amsterdam (um 1543). Mehrere Porträts von Angehörigen der Familie Medici gelten als Kopien nach anderen Vorlagen, darunter ein Bildnis Alessandro de’ Medicis nach Vasari sowie ein Bildnis Cosimo I. de’ Medicis in Rüstung, das die bekanntere Fassung Agnolo Bronzinos aufgreift und erweitert.

Ab Mitte der 1550er Jahre wurde Portellis Werk zunehmend von Rosso Fiorentino beeinflusst. Dies zeigt sich in einer gesteigerten Farbintensität sowie in zunehmend freien und teils disartikuliert wirkenden Figurenposen. Dieser Wandel wird durch die für das Jahr 1555 datierte Verkündigung für die Arcipretura von Loro Ciuffenna sowie durch die im selben Jahr für die Kirche Santa Maria a Monticelli in Florenz gemalte, signierte und datierte Unbefleckte Empfängnis und Anbetung der Hirten markiert. Letztere wurde im Auftrag der Familie Nobili ausgeführt. Nach der Zerstörung der Kirche Ende des 18. Jahrhunderts kam die Unbefleckte Empfängnis in das Museum von Santa Croce und die Anbetung der Hirten in die Galerie der Accademia. Von dort wurde sie als Dauerleihgabe nach San Michele a San Salvi gegeben. Für die Accademia entstand ebenfalls eine Tafel mit Gottvater, Christus, der Jungfrau und den Heiligen Donatus von Arezzo und Bernhard von Clairvaux. Sie wurde 1560 für San Donato in Polverosa gemalt und gelangte 1828 nach Porto Santo Stefano (Provinz Grosseto), wo sie vermutlich im Zweiten Weltkrieg verloren ging.

Carlo Portelli: Madonna mit dem Kind (Madonna col Bambino), 1574, Museo Civico, Prato

Im Jahr 1557 entstand das signierte und datierte Martyrium des heiligen Romulus für die Kapelle Rutini in der Kirche Santa Maria Maddalena de’ Pazzi. Es gibt eine erhaltene Zeichnung davon (Florenz, Uffizien, Gabinetto disegni e stampe). Die kräftige, an Rosso Fiorentino geschulte Farbgebung dieses Werks kennzeichnet auch die 1561 signierte und datierte Pietà für die Bruderschaft der Misericordia in Loro Ciuffenna sowie eine Tafel mit der Darstellung der Effusion des Blutes (Effusio sanguinis) in der Florentiner Kirche Santo Spirito alla Costa. Im Jahr 1566 malte Portelli die signierte und datierte große Altartafel Allegorie der Unbefleckten Empfängnis für die Franziskanerkirche San Salvatore in Ognissanti. Sie wurde vom spanischen Hofbeamten Orlando Tapia in Auftrag gegeben. Die komplexe Komposition enthält griechische, lateinische und hebräische Inschriften, deren Auswahl vermutlich ein mit dem Medici-Hof verbundener Theologe bestimmte. Bei der Restaurierung im Jahr 2003 zeigte sich, dass Portelli eine dem Propheten David zugeordnete Inschrift mit einer Salomos verwechselt hatte. Die zu diesem Werk gehörende Zeichnung (Uffizien, Gabinetto dei Disegni e delle Stampe) ist mit dem Nachnamen des Künstlers in griechischen Buchstaben (πορτεlli) signiert. Die unbekleidete, von hinten gezeigte Figur der Eva wurde in diesem Gemälde kritisiert und in der Folge übermalt. Diese Übermalung wurde erst bei der Restaurierung im Jahr 2003 entfernt. Im Jahr 1671 wurde das Bild vom Altar entfernt und gelangte schließlich in die Galleria dell’Accademia.

Im Jahr 1569 entstand die signierte und datierte Tafel Herakleios bringt das Kreuz nach Jerusalem für die Pfarrkirche Santa Maria a Olmi bei Borgo San Lorenzo, vermutlich im Auftrag der Florentiner Familie Parenti. Das Werk zeigt eine deutliche qualitative Abnahme mit einer gedämpften, dunkleren Farbgebung. Ähnliches gilt für ein zwischen 1570 und 1571 für das Studiolo von Francesco I. de’ Medici im Palazzo Vecchio geschaffenes Oval mit der Familie des Darius vor Alexander. Das Werk ist heute verschollen. Vincenzo Borghini, der für die ikonografische Gesamtkonzeption des Studiolo verantwortlich war, führte die mangelnde Qualität auf Portellis fortgeschrittenes Alter zurück. Daraufhin wurde das Gemälde durch eine Version von Jacopo Coppi mit demselben Motiv ersetzt. Eine vorbereitende Zeichnung Portellis hat sich in den Uffizien erhalten.

Als sein letztes bekanntes Werk gilt die im Jahr 1571 für die Compagnia di San Giovanni Evangelista in Colle di Buggiano (Provinz Pistoia) gemalte Tafel Predigender Christus mit den Heiligen Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Deren ungewöhnliche Ikonografie wurde laut archivalischer Überlieferung von einem Dominikanerprediger festgelegt. Die Farbgebung dieses Werks ist noch dunkler als die der Tafel von Olmi.

Rezeption

Carlo Portelli: Allegorie der Fortuna oder Nemesis (Allegoria della Fortuna o Nemesi), 1565–1566, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Giorgio Vasari erwähnte Portelli in seinen Vite (1568) und würdigte seine künstlerischen Fähigkeiten. Raffaello Borghini äußerte sich im Riposo (1584) hingegen kritisch zur Allegorie der Unbefleckten Empfängnis von 1566 und bemängelte sowohl die Figurenverteilung als auch die aus seiner Sicht dem Thema unangemessene Darstellung der unbekleideten Eva. In den Dokumenten zur Auftragsvergabe in Colle di Buggiano wird Carlo Portelli dagegen durchweg mit Anerkennung genannt. Dieser Ruf trug vermutlich auch dazu bei, dass sein Sohn Alessandro Portelli später mit Ausstattungsarbeiten für die Compagnia di San Sebastiano in Montecatini Alto beauftragt wurde. Von Portellis Gesamtwerk sind nach Angaben des Kunsthandels nur rund zwanzig Gemälde erhalten. 2015/2016 widmete die Galleria dell’Accademia in Florenz Portelli die erste umfassende monografische Ausstellung, in deren Rahmen auch neue Erkenntnisse zu seiner familiären Herkunft gewonnen wurden.

Literatur

Commons: Carlo Portelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ PORTELLI, Carlo - Enciclopedia. Abgerufen am 10. September 2026 (italienisch).
  2. ↑ Nesi, DBI 2016
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 PORTELLI, Carlo - Enciclopedia. Abgerufen am 10. September 2026 (italienisch).
  4. ↑ Marta Rossi: L’iconografia di Fortuna tra antico e moderno. Hrsg.: Università degli studi di Padova. 2025, S. 161.
  5. ↑ CARLO PORTELLI - PITTORE ECCENTRICO TRA ROSSO FIORENTINO E VASARI - Galleria dell'Accademia di Firenze. In: Galleria dell'Accademia di Firenze. (galleriaaccademiafirenze.it [abgerufen am 10. September 2026]).