Cassino (Latium)

Cassino
Cassino (Italien)
Cassino (Italien)
Staat Italien
Region Latium
Provinz Frosinone (FR)
Koordinaten 41° 30′ N, 13° 50′ OKoordinaten: 41° 29′ 34″ N, 13° 49′ 48″ O
Höhe 40 m s.l.m.
Fläche 82 km²
Einwohner 34.760 (31. Dez. 2025)
Postleitzahl 03043
Vorwahl 0776
ISTAT-Nummer 060019
Bezeichnung der Bewohner Cassinati
Schutzpatron Sankt Benedikt
Website www.comune.cassino.fr.it

Blick auf Cassino

Cassino ist eine italienische Stadt in der Provinz Frosinone in der Region Latium mit 34.760 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025). Sie ist vor allem für die Benediktinerabtei Montecassino bekannt, die Benedikt von Nursia auf dem gleichnamigen Hügel oberhalb der Stadt erbaute. Sie ist die zweitgrößte Stadt der Provinz und das wirtschaftliche Zentrum der Osthälfte der Provinz Frosinone. Cassino ist Sitz einer Universität.

Bis 1863 hieß die Stadt San Germano.

Geographie

Die Ebene von Cassino

Lage

Cassino liegt 131 km südöstlich von Rom, 98 km nördlich von Neapel und 53 km südöstlich von Frosinone. Zur Küste bei Minturno beträgt die Entfernung 37 km.

Cassino liegt im Tal des Liri, am Fluss Rapido, der 8 km südlich der Stadt in den Liri mündet, und am Fuße des Berges Montecassino, Ausläufer des Massivs des Monte Cairo. Seine Stadtteile sind Caira und Montecassino im Massiv des Monte Cairo sowie San Cesareo, Sant’Angelo in Theodice, Sant’Antonio, San Pasquale und San Michele, die in der Ebene liegen. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 18 bis 841 m s.l.m.

Die Gemeinde befindet sich in der Erdbebenzone 2 (mittel gefährdet).

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn: Villa Santa Lucia, Terelle, Sant’Elia Fiumerapido, Cervaro, San Vittore del Lazio, Rocca d’Evandro (CE), Sant’Apollinare und Pignataro Interamna.

Verkehr

Cassino liegt an der Autobahn A1 Autostrada del Sole von Rom nach Neapel, Ausfahrt Cassino. Die historische Straßenverbindung ist die Via Casilina, in der Antike Via Latina, die heute als Staatsstraße SS6 klassifiziert ist.

Cassino besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Rom–Neapel.

Name

In der Zeit der Zugehörigkeit zum Römischen Reich trug der Ort den Namen Casinum. Nach der Klostergründung auf dem Montecassino 529 hatte das Kloster zuerst die Bezeichnung Castellum Sancti Petri, die auch auf die Siedlung am Fuß des Hügels überging. Später taucht dann der Name Eulogimenopoli in Dokumenten auf. Mit der Übertragung der Reliquien des Heiligen Germanus 866 in den Ort setzte sich der Name San Germano durch. Am 23. Mai 1863 beschloss der Gemeinderat von San Germano, wieder den italienisierten antiken Namen Cassino anzunehmen.

Geschichte

Cassino nach der Zerstörung 1944
Deutscher Soldatenfriedhof

Casinum war eine volskische, dann samnitische Stadt im Süden Latiums. In der römischen Geschichtsschreibung wird sie selten erwähnt, zuerst im 2. Punischen Krieg. Das antike Casinum besaß ein Amphitheater und ein Theater, mehrere Tempel und war von einer Stadtmauer umgeben.

529 n. Chr. gründete Benedikt von Nursia die Abtei Montecassino an der Stelle der antiken Akropolis. 577 wurden Kloster und Stadt durch die Langobarden unter Zotto zerstört, der Casinum dem Herzogtum Benevent einverleibte, wenn auch faktisch die Äbte des Klosters die Macht ausübten. 744 gewährte Herzog Gisulf II. dem Klosterterritorium offiziell die Unabhängigkeit. 883 wurden Stadt und Kloster ein zweites Mal, nunmehr von den Sarazenen, zerstört.

1230 traf sich Friedrich II. in der Stadt, die nun San Germano hieß, mit Papst Gregor IX., um Frieden zu schließen. 1503 endete die territoriale Unabhängigkeit des Klosters und San Germano wurde Teil des Königreichs Neapel.

1806 kam der Ort zur Terra di Lavoro und wechselte 1927 zur Provinz Frosinone und damit wieder zu Latium.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt am 15. Februar 1944 bei einem alliierten Bombenangriff zerstört und war anschließend nach der Besetzung des Berges durch deutsche Truppen Zentrum der Schlacht um Monte Cassino, wobei die Stadt völlig zerstört wurde. Am 15. März 2014 fand zum 70. Jahrestag dieses Ereignisses eine Gedenkfeier statt, an der Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano teilnahm.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr1861188119011921193619511971199120012017
Einwohner 7.92911.77013.39719.00120.06419.25624.69632.78732.76236.511

Quelle: ISTAT

Bildungseinrichtungen

Sehenswürdigkeiten

Abtei Montecassino


Soldatenfriedhöfe

Bei der Schlacht um Monte Cassino starben auf beiden Seiten insgesamt über 70.000 Soldaten. Daher gibt es heute im Gebiet der Stadt Friedhöfe für die Gefallenen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und dem Commonwealth. Auf der Deutschen Kriegsgräberstätte Cassino im Norden der Stadt ruhen 20.076 Tote.

Wirtschaft

Die Wirtschaft ist fixiert auf den Dienstleistungssektor. Es folgen in weitem Abstand das produzierende Gewerbe, Betriebe der verarbeitenden Industrie sowie Reparatur- und Transportbetriebe. Daneben sind die chemische und pharmazeutische Industrie, die Modebranche und der Tourismussektor von Bedeutung. In Cassino entstand dank der Ansiedlung des Fiatwerkes im nahen Piedimonte San Germano Zulieferungsindustrie.

Handwerksbetriebe stellen die häufigste Unternehmensform dar. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt über dem italienischen Durchschnitt.

Eine wichtige Rolle spielt die 1979 gegründete Universität Cassino.

Politik

Enzo Salera (Partito Democratico) wurde am 26. Mai 2019 zum neuen Bürgermeister gewählt.

Städtepartnerschaften

Als Partnerstädte nennt die Stadt Cassino folgende:

Seit 2015 besteht ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen mit der chinesischen Stadt Xianning.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Cassino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).
  2. ↑ studicassinati.it: 23 maggio 1863: da San Germano a Cassino (Memento vom 6. Januar 2016 im Internet Archive) (italienisch)
  3. ↑ protezionecivile.it: Classificazione sismica (Memento vom 9. Februar 2011 im Internet Archive) (italienisch)
  4. ↑ Maria Vittoria Albossi: Itinerari Ciociari. Arti Grafiche Tofani, Frosinone 1998, S. 289.
  5. ↑ Gerhard Radke: Casinum. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 1066.
  6. ↑ Titus Livius, Ab urbe condita XXII 13, 5f. und XXIII 17, 7.
  7. ↑ Wilhelm Tomaschek: Casinum. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 1651 f.
  8. ↑ Maria Vittoria Albossi: Itinerari Ciociari. Arti Grafiche Tofani, Frosinone 1998, S. 290.
  9. ↑ Museum of the Polish II Corps / Information Center on Monte Cassino – A short history. Abgerufen am 1. Februar 2021 (englisch).
  10. ↑ cassino.fr.it: Scuola ed Istruzione (Memento vom 15. Januar 2017 im Internet Archive) (italienisch)
  11. ↑ Internetseite des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Arbeit des Volksbundes und Beschreibung der Kriegsgräberstätte in Cassino. Zugriff am 15. September 2014.
  12. ↑ AHK Italien: Region Mittelitalien und Emilia-Romagna (Memento vom 28. April 2011 im Internet Archive; PDF; 6,09 MB)
  13. ↑ tuttitalia.it – Amministrazione comunale Cassino. Abgerufen am 30. Dezember 2021.
  14. ↑ cassino.fr.it: Le Città gemellate (Memento vom 14. Juni 2018 im Internet Archive) (italienisch)