
Seibal oder Ceibal ist eine Ruinenstadt der Maya im Gebiet des guatemaltekischen Tieflandes (Petén).
Die archäologische Stätte von Seibal liegt etwa 16 km östlich von Sayaxché in einer Höhe von etwa 220 m ü. d. M. Von Flores/Santa Elena aus empfiehlt sich eine gut einstündige Busfahrt bis Sayaxché und von dort aus eine weiterführende knapp halbstündige Bootsfahrt über den Río La Pasión. Je nach Wetterlage ist der ca. 100 m hohe und ca. 350 m lange Aufstieg von der Anlegestelle zur Ruinenstätte schlammig und mühselig.
Die ersten Besiedlungsspuren Seibals reichen möglicherweise bis ins 9. Jahrhundert v. Chr. zurück; aus dieser Zeit wurden frühe Keramikfunde und eine Jadeaxt entdeckt, die auf merkantile und kulturelle Einflüsse der mexikanischen Golfküste (La Venta) verweisen. In der späten Frühklassik der Maya-Kultur (ca. 400 v. Chr. bis. 200 n. Chr.) erlebte der Ort eine erste Blütezeit. Aus der Zeit zwischen 200 und 650 gibt es keine archäologisch verwertbaren Spuren, auch wenn der Ort immer noch in geringem Maße besiedelt war. Erst ab ca. 650 n. Chr. entstand allmählich die neue Siedlung, die jedoch im Jahr 735 von Dos Pilas erobert wurde. Die heute sichtbaren Stelen und Tempelpyramiden entstammen allesamt der späteren Maya-Stadt, die ihre Blütezeit zwischen 830 und 930 erreichte; für diesen Zeitraum wird die Einwohnerzahl Seibals auf etwa 8.000 bis 10.000 geschätzt. Danach wurde Seibal – ebenso wie alle anderen Städte des Maya-Tieflandes – verlassen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Ruinenstätte von Holzfällern wiederentdeckt. Im Jahr 1892 schrieb Frederico Antes einen Bericht, woraufhin die guatemaltekische Regierung die Herstellung von Gipsabgüssen einiger Stelen in Auftrag gab, die auf der World’s Columbian Exposition in Chicago (1893) gezeigt wurden. Zwei Jahre später erhielt Teobert Maler vom Peabody Museum der Universität Harvard den Auftrag zur Erforschung der Stätte und im Jahre 1914 setzte Sylvanus Griswold Morley dessen Arbeiten fort, ohne jedoch wesentlich Neues zu entdecken. Durch eine erneute Ausgrabungskampagne des Peabody-Museums in den Jahren 1964 bis 1968 wurde die Anlage in den heutigen Zustand versetzt.
Takeshi Inomata fand mit dem Lidar-Verfahren nicht nur die älteste bekannte E-Gruppe, sondern auch künstliche ältere rechteckige Plateaustrukturen aus der Zeit um 950 v. Chr. Sie gehören damit zu den ältesten Maya-Monumentalbauten, älter sind nur die 2017 ebenfalls mit dem Lidar-Verfahren entdeckten ähnlichen Strukturen in Aguada Fénix.
Das Zentrum der archäologischen Stätte mit den Komplexen A, C und D nimmt eine Fläche von etwa einem Quadratkilometer ein; der früh entdeckte Komplex B befindet sich etwa 3 km vom Zentrum entfernt. Im Komplex A befinden sich die meisten Stelen und die interessantesten Bauten.



Koordinaten: 16° 30′ 42″ N, 90° 3′ 40″ W