


Zaculeu (eigentlich Saq’uleu, in der Quiché-Sprache "Weiße Erde") war eine in der Sierra de los Cuchumatanes in ca. 1900 m Höhe nahe der heutigen Stadt Huehuetenango im heutigen Nordwesten Guatemalas gelegene Maya-Stadt.
Die Stadt wurde in der Frühen Klassik, wahrscheinlich um 500 n. Chr., gegründet und entwickelte sich im Postklassikum zur Hauptstadt des Mam-Herrschaftsgebiets. In der Postklassik stieg der Ort zu einem Handelszentrum auf, das Verbindungen bis nach Mexiko besaß, worauf mexikanische Einflüsse in der Architektur sowie Funde mexikanischer Luxusgüter hinweisen.
Ihre Blütezeit lag in der Postklassik um 1400 n. Chr., kurz darauf, in der Mitte des 15. Jahrhunderts, wurde der Ort von den Quiché erobert. Erst zu dieser Zeit erhielt sie von den Quiché den Namen Zaculeu, unter den Mam hieß die Stadt zuvor möglicherweise Chinabajul.
Die Mam zogen sich als Folge davon in die Berge zurück und gründeten dort, wahrscheinlich an verlassenen Stätten klassischer Zeit, neue Ortschaften. Nach Ende der vorübergehenden Besetzung durch die Quiché kehrten die Mam später wieder, mussten aber im Zuge der spanischen Eroberung 1525 durch Gonzalo de Alvarado wieder in die Berge ausweichen. 1530 kehrten die Mam erneut nach Zaculeu zurück, wurden aber zwischen 1531 und 1537 ein weiteres Mal von den Spaniern in die Berge vertrieben. Mit der Gründung neuer Kolonialstädte um 1550, in der die indigene Bevölkerung aus ihren alten Wohnorten zusammengezogen wurde, endete die Besiedlung von Zaculeu endgültig.
Die archäologische Stätte von Zaculeu besteht aus 43 Bauwerken in acht Plazas. Der überwiegende Teil ihrer Architektur ist klassisch mit typischen Merkmalen mexikanischer Architektur. Durch ihre strategisch günstige Lage auf einem Hochplateau, einen einzigen Zugang auf der Nordseite und ihre Verteidigungsmauern besitzt das Stadtbild stark defensiven Charakter.
Zwischen 1946 und 1950 wurde Zaculeu im Rahmen einer Marketingmaßnahme der United Fruit Company durch ein Team von Archäologen der Harvard University ergraben und restauriert. Gegen die Wünsche der lokalen Bewohner wurden die Fundstücke ins 200 Kilometer entfernte Guatemala-Stadt gebracht, die Restaurierungen wurden mit Beton ausgeführt und verfälschten die originalen Bauten, die später als "im Stil von Disneyland" kritisiert wurden. Die nachfolgende extensive Veröffentlichung "The Ruins of Zaculeu, Guatemala" von Richard B. Woodbury und Aubrey S. Trik von 1953 ist jedoch bis in die Gegenwart maßgeblich.
Saq’uleu wurde 1931 zum Nationaldenkmal erklärt. Das Gelände wird von der Familie Villatoro beansprucht, wird aber von staatlichen Stellen seit 1954 verwaltet. Über die Bedingungen für den Ankauf des archäologischen Areals konnte bis 2015 keine Einigung erzielt werden.
Koordinaten: 15° 20′ N, 91° 30′ W