Christine Leweke (* 13. Januar 1933 in Halle/Saale) ist eine deutsche Textilkünstlerin.
Die Eltern Christine Lewekes waren Fritz Leweke und Gisela Leweke-Weyde. Sie wuchs als das zweite Kind der Familie behütet und in materiellem Wohlstand auf. Schon früh kam sie mit befreundeten Künstlern wie Karl Völker und Richard Horn in Kontakt.
Christine absolvierte ab 1940 in Halle die Volksschule und bis 1948 die Oberschule. Sie wollte Künstlerin werden, bewarb sich 1948 mit Erfolg an der Burg Giebichenstein – Kunstschule und Werkstätten der Stadt Halle-Saale und bezog ein kleines Studentenzimmer. An der Schule absolvierte sie 1948 das von Joachim Heuer geleitete Vorsemester, das vor allem dem Zeichnen, Malen, Modellieren und Erlernen kunsthandwerklicher Techniken diente. Sie lernte dort 1948 den späteren Maler und Kunstlehrer Paul Otto Knust (1919–2009) kennen, mit dem sie lebenslang verbunden blieb.
Im zweiten Semester war sie in der Malklasse Charles Crodels. Dann wechselte sie in das Fach Hochweberei (Bildweberei), das durch das Fach Flachweberei ergänzt wurde. Ihre Lehrerinnen waren Hedwig Fischer, Sigrid von Kleist und Annemarie Heuer-Stauß. Diese relativ frei gestaltete Ausbildung in Textilgestaltung schloss mit der Zulassung zur Gesellenprüfung ab. 1953 erwarb Christine Leweke den Gesellenbrief als Webereifacharbeiterin. Seitdem arbeitete sie in Halle freiberuflich als Textilgestalterin. Sie erhielt bald bedeutende Aufträge und schuf unter anderem das Antependium für die Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg, 1959/1960 zwei Apostel-Bildteppiche (je 250 × 100 cm) für St. Wiperti in Quedlinburg und 8 Bildteppiche (je 100 × 150 cm) für die Kathedrale St. Sebastian Magdeburg. Für letztere benutzte sie als eine der ersten Künstlerinnen der DDR auch die Technik der Applikation.
1955 wurde Christine Leweke Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR, dem sie bis 1990 angehörte. Von 1967 bis 1970 machte sie ein externes Studium an der inzwischen in Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein umbenannten Schule. Dieses schloss sie, betreut von Willi Sitte, mit dem Diplom als Werkkünstlerin auf dem Gebiet der Textilgestaltung ab.
Seit den 1960er Jahren nutzte Christine Leweke die Maschinenapplikation, dann Schnur-, Gespinst- und Tüllapplikation. 1974 probierte sie Stepptechnik und Wattestepperei. Ab 1979 gestaltete sie textile Plastiken, Assemblagen und freie textile Raumgebilde, wobei sie auch nichttextile Materialien wie Draht, Metall, Holz, Glas, Perlen, Goldfaden und Silberlitze benutzte. Christine Leweke trug in den 1960er bis 1980er Jahren wesentlich zu einer neuen Blüte der Textilkunst in der DDR bei. „Ihre Offenheit für internationale Trends ließ sie unaufhörlich die Machbarkeit des scheinbar Unmöglichen ausprobieren.“
1979 nahm Christine Leweke mit acht weiteren Textilgestalterinnen an der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg an den Ersten Schneeberger Werkstatttagen für Textilgestaltung der DDR teil, die unter dem Motto „Erproben von gestalterischen Möglichkeiten von technischen Textilien“ standen. Dabei schuf sie die Arbeiten Korallenriff (umwickelte Taue, Makramé, Industrietextilien, teilweise nachgefärbt) und Schneckengehäuse und eine Assemblage im Raum.
Christine Leweke hatte im In- und Ausland eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, in der Zeit der DDR unter anderem 1987/1988 an der X. Kunstausstellung der DDR in Dresden, 1984 an der Internationalen Kunsthandwerkausstellung in Jablonec und 1989 in Katowice an der Ausstellung Kunsthandwerk der DDR.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit gab sie von 1954 bis in die 2000er Jahre Unterricht an der Volkshochschule und leitete landesweite Weiterbildungskurse für das „künstlerische Volksschaffen“. Sie war ab 1955 Mitglied der Jury der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Bildnerisches Volksschaffen und Leiterin bzw. künstlerische Betreuerin der Fördergruppe Textilgestaltung in Erfurt. Von 1964 bis 1990 hatte sie am Pädagogischen Institut bzw. der Pädagogischen Hochschule „N. K. Krupskaja“ Halle einen Lehrauftrag. Dabei leitete sie neben Kunst den fakultativen Unterricht im textilen Gestalten.
1991/1992 war sie als Dozentin Mitarbeiterin der ABM-Maßnahme „Integration behinderter Kinder durch neue Wege“.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Leweke, Christine |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Textilkünstlerin |
| GEBURTSDATUM | 13. Januar 1933 |
| GEBURTSORT | Halle/Saale |