Claire Heyman

Claire Heyman (geboren 4. Oktober 1902 in Roubaix, Département Nord; gestorben 12. Mai 1997 im 12. Arrondissement, Paris) war eine jüdische französische Sozialarbeiterin und Widerstandskämpferin. Sie rettete im Hôpital Rothschild während des Holocausts zahlreiche dorthin vom Sammellager Drancy aus gebrachte kranke, jüdische Kinder.

Leben

Heyman war die Tochter von Roger und Adèle Heyman, geborene Dennery, die es schaffte, ihren Mann während seiner Kriegsgefangenschaft in Deutschland im Lager zu besuchen. Sie hatte vier Geschwister: Pierre, ein Banker, Etienne, ein Börsenmakler, Fanny, die bereits im von 10 Jahren an Diphtherie starb, und Jacques, der seiner Schwester Claire nahestand und von ihr versorgt wurde. Die Familie wohnte in einem Anwesen in Audresselles, nahe Boulogne-sur-Mer.

Heyman lernte zunächst Textildesignerin. Sie nutzte diese Fähigkeit später auch mit ihren Patienten. Sie machte eine Ausbildung zur Sozialhelferin (Auxiliaire sociale) an einer Ecole des surintendantes. Aus unbekannten Gründen konnte sie das Studium nicht fortsetzen und einen vollständigen Abschluss m Bereich der Sozialarbeit erwerben. Verschiedenen Quellen zufolge war Heyman wechselnd als Krankenschwester, Pflegehelferin oder Sozialarbeiterin tätig.

1932 oder 1934 wurde sie Assistance sociale am Hôpital Rothschild.

Das im Besitz der Familie Rothschild befindliche Hôpital Rothschild war unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Ab Dezember 1941 wurden Patienten aus dem Sammellager Drancy betreut. Im Laufe der Zeit drängte die Polizei auf schnellstmögliche Rückführung in das Lager. Ein Teil des Krankenhauses wurde in ein Gefängnis für festgenommene Juden verwandelt, um Fluchtversuche zu unterbinden. Das Personal wurde überwacht und selbst mit Deportation bedroht. Trotzdem entstand unter den nicht mit den Deutschen kollaborierenden Mitarbeitern ein Rettungsnetzwerk, das mit allen Mitteln versuchte, insbesondere für Kinder die Rückkehr nach Drancy zu verzögern oder sie sogar aus dem Krankenhaus zu schmuggeln. Heyman war eine zentrale Figur in diesem Schutznetzwerk. In Zusammenarbeit mit Annette Monod, einer Sozialarbeiterin des Roten Kreuzes, besorgte sie gefälschte Papiere, entwendete einen Polizeistempel oder Lebensmittelmarken und organisierte Verstecke in verschiedenen Einrichtungen und bei Privatpersonen. Heyman wurde dank der später in Auschwitz ermordeten Telefonistin Fanny Jekilover vor Razzien gewarnt, bei denen die Gestapo Patienten nach Drancy zurückschaffte. Heyman selbst wurde verhaftet und verhört, kam aber immer wieder frei. Sie konnte dabei auf die Ärzte und insbesondere die Kinderärztin Colette Brull-Ulmann zählen, die sich aktiv an der Rettung von Kindern beteiligte. Weitere Mitglieder in Heymans Netzwerk waren die Aufseherin Désirée Damengout, die Sozialarbeiterin Maria Erraruziz und der irische Priester Kenneth. Das Netzwerk im Hôpital Rothschild war Teil des Réseau Plutus der Résistance und Heyman erhielt dort den Rang eines Sergent.

Gedenktafel am Parvis Claire-Heyman-et-Maria-Errazuriz, 12. Arrondissement, Paris

Nach dem Krieg erhielt Heyman per Dekret vom 31. März 1947 die Médaille de la Résistance verliehen. Die Aufnahme in die Ehrenlegion lehnte sie ab, nahm aber die Ernennung zum Chevalier de l’Ordre de la Santé Publique (Orden für Verdienste um das Gesundheitswesen) an.

Gegen Ende ihres Lebens verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand schnell und sie starb 1997 in einem jüdischen Altenheim unweit des Hôpital Rothschild.

2011 wurde durch die Fondation Rothschild am Eingang des Hospizes in der Nähe des Hôpital Rothschild eine Gedenktafel angebracht mit den Namen der Ärzte sowie des Pflege- und Verwaltungspersonals der Einrichtung, die sich im Widerstand engagierten.

2017 benannte die Stadt Paris den Platz vor dem Hôpital Rothschild in Parvis Claire-Heyman-et-Maria-Errazuriz um und brachte eine Gedenktafel an.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Eintrag zu Claire Heyman in Fichier des personnes décédées (französisch).
  2. 1 2 3 Heyman, Claire. In: Mémoire des Hommes. Ministère des Armées et des anciens combattants, abgerufen am 22. August 2026.
  3. ↑ Claire Heyman et l’Hôpital Rothschild. Cercle d'études de la déportation et de la Shoah, 13. Mai 2020, abgerufen am 22. August 2026.
  4. 1 2 3 4 5 6 Isabelle Vaha: Heyman Claire (1902–1997). Groupe de Recherche en Histoire du Service Social (GREHSS), 9. März 2023, abgerufen am 22. August 2026.
  5. ↑ Paul R. Batrop: Resisting the Holocaust: Upstanders, Partisans, and Survivors. ABC-CLIO, Santa Barbara, CA 2016, ISBN 978-1-61069-879-5, S. 67.
  6. ↑ L’édifiant documentaire, «les enfants juifs sauvés de l’hôpital Rotschild». Times of Israel, 21. Februar 2017, abgerufen am 22. August 2026.
  7. ↑ Pierre Bienvault: Les enfants «sauvés» de l’hôpital Rothschild. La Croix, 26. Januar 2016, abgerufen am 22. August 2026.
  8. ↑ Anne Sebba: Les Parisiennes: How the Women of Paris Lived, Loved, and Died Under Nazi Occupation. Macmillan Publishers, London 2016, ISBN 978-1-250-04859-2, S. 297 f.
  9. ↑ Plutus Reseau. In: Organisation et courant. Le Maitron, abgerufen am 22. August 2026.
  10. ↑ Une Juste du bout du monde. In: Yad Vashem, Le Lien Francophone. Nr. 38, September 2011, S. 9 (yadvashem.org [PDF]).
  11. ↑ Heyman, Claire. In: Dictonnaire Biographique. Le Maitron, 7. Oktober 2024, abgerufen am 22. August 2026.