Condom

Condom
Condom (Frankreich)
Condom (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Okzitanien
Département (Nr.) Gers (32)
Arrondissement Condom (Unterpräfektur)
Kanton Baïse-Armagnac
Gemeindeverband Ténarèze
Koordinaten 43° 57′ N, 0° 22′ OKoordinaten: 43° 57′ N, 0° 22′ O
Höhe 62–190 m
Fläche 97,37 km²
Einwohner 6.473 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 66 Einw./km²
Postleitzahl 32100
INSEE-Code
Website www.condom.org

Kathedrale Saint-Pierre in Condom
Die Kathedrale, links davon das 2026 ausgebrannte Bauwerk des Kreuzgangs („Cloître“)
Hôtel de Polignac

Condom [kɔ̃.dɔ̃] ⓘ (manchmal auch Condom-en-Armagnac genannt) ist eine französische Stadt im Département Gers in der Region Okzitanien und Sitz der Unterpräfektur des Arrondissements Condom. Sie gehört darüber hinaus zum Kanton Baïse-Armagnac. Die 6473 Einwohner (Stand 1. Januar 2023) zählende Kleinstadt liegt an der Via Podiensis, einem der französischen Abschnitte des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.

Geografie und Verkehr

Condom befindet sich in der historischen Region Armagnac im Herzen der Gascogne, die vor allem wegen des dort produzierten Weinbrands, des Armagnac, weltbekannt ist. Die typische Kleinstadt der Gascogne liegt an der Baïse, einem Nebenfluss der Garonne. Die nächste größere Stadt ist Agen, welche man in nordöstlicher Richtung über die D931 nach circa 40 Straßenkilometern erreicht. Die nächsten französischen Großstädte sind Toulouse (95 km) im Südosten und Bordeaux (124 km) im Nordwesten.

Der nächste internationale Flughafen ist der International Airport Toulouse-Blagnac und der nächste Bahnhof befindet sich in Agen an der TGV-Strecke Paris–Toulouse. An das französische Fernstraßennetz ist Condom über die A62 Toulouse-Nord–Bordeaux und die Ausfahrten 7 (Périgueux) bzw. 8 (Valence d’Agen) angebunden.

Geschichte

Nach der Besiedlung des Gebiets durch die Römer entstand 1011 die Benediktinerabtei Saint Pierre. Diese Abtei wurde 1317 durch ein päpstliches Edikt zum Bischofssitz ernannt, was es bis zur Französischen Revolution blieb. Die Kosten für den Aufbau hatte der Bischof von Agen zu tragen. Während des Hundertjährigen Kriegs wird die Stadt zweimal von den Engländern besetzt.

Mit dem Bau der Kathedrale Saint Pierre wurde erst 1507 begonnen, sie ist die letzte Kathedrale, die im Languedoc-Stil erbaut wurde. Bereits kurz nach ihrer Fertigstellung wurde sie im Verlauf der Religionskriege schwer beschädigt.

Ihren Reichtum im 18. Jahrhundert verdankt die Stadt dem Handel, da sie von alters her an der Kreuzung mehrerer wichtiger Handelswege lag. Der Ausbau der Baïse als Wasserstraße ermöglichte den Export von Weinen und Spirituosen über Bordeaux. 1780 gab der Geistliche Abbé Jean-Marie d’Orlan de Polignac den Bau des im Pariser Stil gehaltenen Hôtel particulier Hôtel de Polignac in Auftrag. Die Französische Revolution brachte den Geistlichen um seine Einkünfte und der Bau wurde eingestellt. 1882 wurde es an die Gemeinde überschrieben und als Schulhaus eingerichtet.

Am Freitag, dem 12. Juni 2026 brannte das denkmalgeschützte Nebengebäude der Kathedrale von Condom („Cloître“ genannt) mit Kreuzgang und der Mediathek nahezu vollständig aus. Dabei wurden etwa 90 % des alten Buchbestands der Mediathek von rund 4.300 historischen Werken, teilweise aus dem 16. Jahrhundert, durch Flammen oder Löschwasser zerstört oder beschädigt.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr19621968197519821990199920112020
Einwohner68507326785376347717725169256479
Quellen: Cassini und INSEE

Jakobsweg (Via Podiensis)

Um 1314 entstanden zwei Hospize zur Betreuung für Jakobspilger, die erst im späten 15. Jahrhundert ihre Bedeutung verloren. Heute bietet der Ort eine Pilgerherberge (französisch: Gîte d’étape), Hotels und Privatzimmer (französisch: Chambre d’hôtes) sowie einen Campingplatz und eine Touristeninformation.

Der Weg führt weiter durch die Weinberge des Armagnac. Aber auch kleine Wälder, Sonnenblumen- und Getreidefelder säumen den Weg. Auf den Hügeln liegen typische Bastide-Dörfer wie Montréal-du-Gers und Larressingle. Der nächste größere Ort ist Eauze, der über die D931 nach circa 30 Straßenkilometern zu erreichen ist. Weitere Unterkünfte vor Montréal-du-Gers befinden sich in Larressingle.

Sehenswürdigkeiten

In der Mitte des Orts ragt die spätgotische Cathédrale Saint-Pierre auf. Während der Hugenottenkriege drohte die Hugenottenarmee 1569 mit der Zerstörung des Kirchenbaus, was von den Dorfbewohnern jedoch mit der Zahlung eines beträchtlichen Lösegelds verhindert werden konnte.

Unter den Patrizierhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert verdient vor allem das Hôtel de Cugnac mit seinem alten Armagnac-Alterungskeller (chais genannt) und seiner Brennerei Erwähnung. Condom liegt im besten Anbaugebiet für die Armagnac-Herstellung, daher gibt es ein Museum, das der Armagnac-Herstellung gewidmet ist, das Musée de l’Armagnac. Ein weiteres Museum der Stadt, das Musée du préservatif, widmet sich der Geschichte des Kondoms, obwohl die Stadt eigentlich nichts mit seiner Entstehung zu tun hat.

Wirtschaft

Die wesentlichen Wirtschaftszweige waren im Jahr 2015 der Dienstleistungssektor (ca. 76 %) und hier insbesondere der Handel und der Tourismus. In der Landwirtschaft sind nur noch circa 7 % der Bevölkerung tätig. Ein großer Teil der industriellen Beschäftigung beruht auf der Lebensmittelindustrie. An landwirtschaftlichen Produkten werden erzeugt: Getreide, Obst und Wein. Im Bereich der Viehzucht werden Enten, Gänse und Rinder gehalten. Weiterhin werden der Weinbrand (Armagnac) und Stopfleber (Foie gras) erzeugt.

Partnerstädte

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Condom (Gers) – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Condom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ La ville de Condom. In: Info-Mairie.com. Abgerufen am 13. März 2024 (französisch).
  2. ↑ Stéphane Bern: Le Patrimoine de la France pour les Nuls : Partons à la découverte de plus de 500 sites emblématiques. Éditions First (un département d’Édi8), Paris 2020, ISBN 978-2-412-04707-1, S. 363.
  3. ↑ Grave incendie au cloître de la cathédrale de Condom : les flammes maîtrisées, mais des dégâts inestimables pour le patrimoine local. In: ladepeche.fr. Abgerufen am 3. Oktober 2026 (französisch).
  4. 1 2 Isabelle Valbuena (Hrsg.): Midi-Pyrénées à pied (= Collection Topo-Guide : Les régions de France à pied). Fédération française de la randonnée pédestre/Comité régional de la randonnée pédestre en Midi-Pyrénées, Paris 2021, ISBN 2-85699-790-2, S. 114.
  5. ↑ INSEE Tabelle T8 EMP (französisch) Abgerufen am 12. Februar 2010
  6. ↑ Condom auf aoc-igp.fr (französisch) Abgerufen am 16. März 2015.
Jakobsweg „Via Podiensis“

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