Cristofano Robetta

Cristofano Robetta, nach Antonio del Pollaiuolo: Herkules und Antäus, um 1500, Kupferstich

Cristofano Robetta (* 17. November 1462 in Florenz; † nach 1535, vermutlich ebenda), auch bekannt als Cristofano di Michele oder Cristoforo di Michele, war ein italienischer Kupferstecher der Renaissance. Er gilt als einer der bedeutendsten italienischen Kupferstecher des ausgehenden Quattrocento.

Leben

Cristofano Robetta war der Sohn des Michele di Cristofano di Martino. Zur Berufsangabe des Vaters liegen widersprüchliche Angaben vor: Nach einer Quelle war er Strumpfwarenhändler, nach neueren italienischen Forschungen hingegen Schuster (calzolaio). Ab 1480 arbeitete Cristofano nachweislich in der väterlichen Werkstatt. Über seine künstlerische Ausbildung ist nichts Gesichertes bekannt. In der Fachliteratur wird davon ausgegangen, dass er sich sowohl das Goldschmiedehandwerk als auch die Technik des Kupferstichs weitgehend autodidaktisch aneignete, wenngleich bislang kein einziges seiner Werke aus diesem Bereich identifiziert werden konnte. Als Sohn eines Strumpfwarenhändlers arbeitete er bis 1480 nachweislich in der väterlichen Werkstatt. Eine förmliche Zunftmitgliedschaft in der Kunst von Por Santa Maria, der für Goldschmiede zuständigen Florentiner Zunft, ist nicht belegt. Als Goldschmied ist er erstmals 1498 dokumentiert.

Ob er mit dem in der Lebensbeschreibung Giovan Francesco Rusticis von Giorgio Vasari erwähnten Cristofano di Michele di Cristofano identisch ist, gilt in der neueren Forschung als unsicher, wird jedoch traditionell angenommen. Vasari zufolge war dieser Cristofano gemeinsam mit Rustici, Andrea del Sarto und Domenico Puligo Mitglied der Compagnia del Paiuolo, einer informellen Gesellschaft, die sich zu kunstvoll inszenierten gemeinsamen Mahlzeiten traf und auf höchstens zwölf Mitglieder begrenzt war. Für die Jahre 1516 bis 1522 sind Aufträge für Siegel überliefert, unter anderem für die Universität Pisa. Letztmals wird Robetta im Jahr 1535 dokumentarisch fassbar, als Cosimo de’ Medici ein Gut mit Wohnhaus von ihm und seinen Brüdern erwarb. Im selben Jahr wird er auch in einem Steuerdokument erwähnt. Das genaue Todesdatum ist unbekannt.

Werk

Cristofano Robetta: Anbetung der Heiligen Drei Könige, Kupferstich, National Gallery of Art, Washington, D.C.

Von Cristofano Robetta haben sich je nach Zählweise der Forschung zwischen 40 und 50 Kupferstiche erhalten, die ihm zugeschrieben werden. Siebzehn Blätter sind mit dem vollen Namen Robetta bzw. Robeta oder mit dem Monogramm RBTA signiert. Die Forschungsgeschichte zu Zahl und Zuschreibung seines Œuvres ist uneinheitlich: Adam von Bartsch (1811) und Johann David Passavant (1864) gingen von 38 Stichen aus, während Arthur M. Hind die Gruppe der signierten Blätter um etwa 19 weitere, ihm nahezu sicher zuzuschreibende sowie acht unsichere Werke erweiterte. Paolo Bellini reduzierte im Jahr 1974 die Gruppe der unsicheren Zuschreibungen auf sechs Blätter. Da kein einziges Blatt datiert ist, beruht die zeitliche Einordnung von Robettas Werk fast ausschließlich auf stilistischen Kriterien. Als einziger halbwegs gesicherter chronologischer Anhaltspunkt gilt der Kupferstich Der heilige Thomas von Aquin vor dem Kruzifix, der als Frontispiz einer im Jahr 1512 in Florenz veröffentlichten Schrift diente, die Thomas von Aquin zugeschrieben wird – wobei selbst diese Zuschreibung an Cristofano Robetta in der Forschung als unsicher gilt. Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Übernahme der 1506 wiederentdeckten Laokoon-Gruppe in der Figur des gefesselten Jünglings im Stich Die freie und die gefangene Jugend.

Auf dieser schmalen Grundlage haben Kunsthistoriker wie Hind und, darauf aufbauend, John A. Levenson (1973) relative Werkchronologien vorgeschlagen. Zu den frühen Arbeiten zählen demnach die Darstellungen aus der Genesis, darunter Schöpfung und Sündenfall, sowie Blätter wie die Heiligen Sebastian und Rochus, die Heilige Francesca Romana und die Anbetung der Könige. Als spätere Werke gelten unter anderem die Taufe Christi, die Madonna mit Kind und dem Johannesknaben sowie allegorische Darstellungen von Neid, Überfluss und der freien und gefangenen Jugend. Zur Reifezeit werden ein zweiter Stich zur Taufe Christi, eine weitere Madonnendarstellung sowie Adam und Eva mit den Kindern Kain und Abel gezählt.

Stilistisch orientierte sich Cristofano Robetta zunächst stark an der nordalpinen Druckgrafik, insbesondere an Martin Schongauer, von dem er mindestens fünf Kompositionen übernahm, sowie an Albrecht Dürer, dessen Landschaftsdarstellungen ihm wiederholt als Vorlage für Bildhintergründe dienten. Von der nordalpinen Stichkunst übernahm er auch technische Lösungen wie die gekreuzte Schraffur. Daneben orientierte er sich an zeitgenössischen und älteren Florentiner Künstlern wie Filippino Lippi, dessen Bildkompositionen er – vermutlich überwiegend erst nach dessen Tod im Jahr 1505 – häufig aufgriff, sowie an Antonio Pollaiuolo, Maso Finiguerra, Sandro Botticelli, Pietro Perugino und Lorenzo di Credi. Dabei kopierte Cristofano Robetta selten ein Vorbild vollständig, sondern kombinierte Bildelemente unterschiedlicher Herkunft – etwa Florentiner Figurenkompositionen vor nordalpin geprägten Landschaftshintergründen – zu eigenständigen, neuen Kompositionen. Einzelne, von ihm für geeignet befundene Motive – etwa die Figur eines auf einem Stein sitzenden Knaben – verwendete er wiederholt in unterschiedlichen Blättern.

Werke Robettas befinden sich unter anderem im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im British Museum in London, in der Staatlichen Graphischen Sammlung München, im San Diego Museum of Art, in der National Gallery of Art in Washington, D.C., in der Albertina in Wien sowie in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich. Weitere Werke befinden sich im Cleveland Museum of Art und im Metropolitan Museum of Art in New York City, darunter der Stich Herkules und die Hydra von Lerna. Die originale Druckplatte zu Robettas bekanntem Blatt Anbetung der Könige, das eine freie Umsetzung eines im Jahr 1496 entstandenen Gemäldes von Filippino Lippi darstellt, ist erhalten geblieben. Sie befand sich im frühen 19. Jahrhundert in der Sammlung Vallardi, bevor sie in den Bestand des British Museum gelangte.

Rezeption

Cristofano Robetta: Allegorie der fleischlichen Liebe, Kupferstich, 30 × 27,8 cm, National Gallery of Art, Washington, D.C.

Das kunsthistorische Urteil über Cristofano Robetta fällt in der älteren wie neueren Literatur uneinheitlich aus. Die ältere deutschsprachige Forschung (Thieme-Becker, 1934) beschrieb seine Stichtechnik als handwerklich geprägt, trocken und hart, mit oft unklarer Formbehandlung und nicht immer korrekter Zeichnung. Jedoch wurde ihm ein hohes Ansehen unter den italienischen Stechern seiner Zeit attestiert, da seine Kunst einen ernsten Charakter hatte. Auch die italienische Forschung (Dora Liscia Bemporad, 1985) beschreibt Robetta als künstlerisch uneinheitliche Persönlichkeit, die stark an ihren jeweiligen Vorbildern orientiert ist und technische sowie kompositorische Schwächen zeigt, etwa in der oft unausgewogenen Verwendung von Füllfiguren und Fehlern in der Perspektive.

Englischsprachige Autoren des frühen 20. Jahrhunderts betonten hingegen die Eigenständigkeit seiner Arbeiten und beschrieben seine Kunst als eine, die die feinste Note der frühen Florentiner Kunst zwar verloren habe, aber gleichwohl eine eigenständige, delikate Fantasie erkennen lasse, wenn auch nicht die solide technische Systematik der Zeitgenossen Dürers erreichend. Das Allgemeine Künstlerlexikon (2009) verzichtet auf eine wertende Einordnung und beschreibt Robettas Vorgehen als eigenständige kompositorische Methode der Kombination unterschiedlicher Bildvorlagen.

Literatur

Commons: Cristofano Robetta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Dora Liscia Bemporad: Cristofano di Michele, detto il Robetta. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Band 31. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1985 (treccani.it).
  2. 1 2 3 4 5 6 Allgemeines Künstlerlexikon Online. 2009.
Personendaten
NAME Robetta, Cristofano
ALTERNATIVNAMEN di Michele detto il Robetta, Cristofano; Robetta, Cristoforo di Michele
KURZBESCHREIBUNG italienischer Kupferstecher
GEBURTSDATUM 17. November 1462
GEBURTSORT Florenz
STERBEDATUM nach 1535