Cuniculiplasma

Cuniculiplasma

Ultrastruktur von C. divulgatum Stamm S5ᵀ

Systematik
Reich: Methanobacteriati
Abteilung: Methanobacteriota
Klasse: Thermoplasmata
Ordnung: Thermoplasmatales
Familie: Cuniculiplasmataceae
Gattung: Cuniculiplasma
Wissenschaftlicher Name der Familie
Cuniculiplasmataceae
Golyshina et al. 2009
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Cuniculiplasma
Golyshina et al. 2009
EM-Aufnahmen von C. divulgatum, Stamm PM4
Die EM-Aufnahmen von C. divulgatum zeigen die einlagigen Membranen (Monolayer-Membranen), das Fehlen eines S-Layers (A, B), Pilus (C, Pfeil) und die allgemeine Vielgestaltigkeit (Pleomorphie) der Zellen. Balken: 500 nm (A), 200 nm (B), 1 μm (C, D).

Cuniculiplasma ist eine Gattung von Archaeen, einziges Mit­glied der damit monotypischen Familie Cuniculi­plasmata­ceae in der Ordnung Thermoplasmatales. Gattung und Familie wur­den im Jahr 2016 Jahre erstmals be­schrie­ben. Die einzige offiziell beschrieben Art der Gattung ist Cuniculi­plasma divulgatum.

Beschreibung

Fundort und Kultivierung

Der Erstbeschreibung von 2019 liegen mit S5 und PM4 zwei zellwandlose, acidophile (säure­liebende), mesophile (mäßig warme Temperaturen bevorzugende), organotrophe und fa­kultativ anaerobe Archaeenstämme zugrunde, isoliert aus sauren Abflüssen von kupfer­haltigen sulfidischen Ab­la­gerungen im Südwesten Spaniens (Minas de Tharsis bei Huelva: S5) und in Nordwales (Anglesey Mining südlich von Amlwch: PM4). Die Zellen der beiden Stämme sind pleomorph und variieren in ihrer Größe zwischen 0,1 und 2 μm, sie tendieren zur Bildung filamentöser Strukturen. Für das Wachstum beider Stämme liegt der optimale pH-Wert bei 1,0–1,2; die optimale Temperatur bei 37–40 °C. Als Substrat erwies sich für das Wachstum am besten geeignet ein Rindfleischextrakt (3 g/ℓ) für den Stamm S5 bzw. Rindfleischextrakt mit Trypton (3 bzw. 1 g/ℓ) für den Stamm PM4.

Physiologie

Die Lipidzusammensetzung der Stämme S5 und PM4 wird von intakten polaren Lipiden dominiert, die aus einem GDGT-Kern bestehen, der an überwiegend glykosidische polare Kopfgruppen gebunden war. Darüber hinaus waren freies GDGT und geringe Mengen an intakten und Kern-Diether-Lipiden vorhanden. Die Stämme S5 und PM4 enthielten hauptsächlich Menachinone mit geringen Anteilen an Thermoplasma-Chinonen. Der G+C-Gehalt der DNA beträgt 37,3 mol% bei S5 und 37,16 mol% bei PM4.

Genom

Die 16S-rRNA-Gensequenz ist für beide Stämme übereinstimmen. Eine Matrix der Ähnlichkeit dieser Sequenzen zeigt die Zugehörigkeit der Stämme zur Ordnung Thermoplasmatales; die Übereinstimmung zu Sequenzen von Mitgliedern der Ordnung mit gültig veröffentlichten Namen (Stand 2016) betrug 73,9–86,3 %. Die durchschnittliche Übereinstimmung zwischen den in silico bestimmten Genomen der beiden Stämme zueinander beträgt 98,75 %. Zusammen mit der auf dem 16S-rRNA-Gen basierenden phylogenetischen Analyse deutet dies darauf hin, dass die Stämme zur selben Spezies gehören.

Artenliste

Bisher (Stand 20. Dezember 2025) gibt es in der Gattung Cuniculiplasma nur eine gültig veröffentlichte Spezies. Aus der Metagenomik gibt es jedoch Hinweise auf eine Vielzahl von Stämmen, verteilt auf mehrere Spezies:

Familie Cuniculiplasmataceae Golyshina et al. 2016(L,N)


Wo nicht anders angegeben ist der erste Stamm (bzw. das erste MAG) die Referenz für die jeweilige Spezies.

Vorkommen und Verbreitung

Wie die obige Liste zeigt, gibt es auf der ganzen Erde Hinweise auf Vorkommen. Offenbar gibt es Vertreter der Gattung bevorzugt in sauer-heißen Grubenabflüssen von Kupferminen; andere Vorkommen sind sowohl natürliche (Los Azufres) als auch Bioreaktoren (s. o.).

Etymologie

Der Gattungsname Cu­ni­cu­li­plas­ma leitet sich ab vom Genitiv von lateinisch cuniculum ‚Höhle‘, Mine, ‚unterirdischer Gang‘; und altgriechisch πλάσμα plásma, deutsch ‚das Gebildete, Geformte‘ Cuniculiplasma verweist daher auf einen (ver)formbaren Organismus, der in einer Mine oder im Untergrund lebt.

Das Art-Epitheton di­vul­ga­tum ist ein lateinisches Adjektiv mit der Bedeutung ‚verbreitet‘ (englisch common, widespread).

Die Endung ‚-ceae‘ kennzeichnet Familien.

Anmerkungen

  1. ↑ Caldarchaeol oder Glyceroldibiphytanylglyceroltetraether (englisch glycerol dibiphytanyl glycerol tetraether, GDGT).

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Olga V. Golyshina, Heinrich Lünsdorf, Ilya V. Kublanov, Nadine I. Goldenstein, Kai-Uwe Hinrichs, Peter N. Golyshin: The novel extremely acidophilic, cell-wall-deficient archaeon Cuniculiplasma divulgatum gen. nov., sp. nov. represents a new family, Cuniculiplasmataceae fam. nov., of the order Thermoplasmatales. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, Band 66, Nr. 1, 1. Januar 2016, S. 332–340; doi:10.1099/ijsem.0.000725, PMC 4806541 (freier Volltext), PMID 26518885 (englisch).
  2. 1 2 NCBI: Cuniculiplasma, Details: Cuniculiplasma Golyshina et al. 2016 (genus); graphisch: Cuniculiplasma, auf Lifemap.
  3. 1 2 Minas de Tharsis. Auf: GeoNames.
  4. 1 2 Anglesey Mining. Auf: GeoNames.
  5. ↑ Liwu. Auf: GeoNames.
  6. 1 2 Shiqiao. Auf: GeoNames.
  7. 1 2 3 Huangzitang. Auf: GeoNames.
  8. ↑ Mangschang. Auf: GeoNames.
  9. ↑ Huangshaping. Auf: GeoNames.
  10. 1 2 3 Yongping Copper Mine. uf: geoNames.
  11. 1 2 Dongdaocun. Auf: GeoNames.
  12. ↑ Dong'Ankeng. Auf: GeoNames.
  13. ↑ Qingchaiwu, Auf: GeoNames.
  14. 1 2 3 LPSN: Genus Cuniculiplasma Golyshina et al. 2016, Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ). Dazu:
  15. ↑ GTDB: Cuniculiplasma.
  16. ↑ Wilhelm Pape, Max Sengebusch (Bearb.): Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage, 6. Abdruck. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914 (zeno.org [abgerufen am 5. März 2019]).