David O'Keefe Sears (* 2. Juni 1935 in Urbana) ist ein US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Distinguished Professor für Psychologie und Politikwissenschaft an der University of California, Los Angeles (UCLA).
Sein Vater war der Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologe Robert R. Sears (1908–1989), seine Mutter die Pädagogische Psychologin Pauline Sears (1908–1993); er wuchs mit seiner um drei Jahre jüngeren Schwester Nancy Sears Barker (* 1938) in New Haven auf. Seine frühe Kindheit war von häufigen Ortswechseln geprägt, da die Karrieren seiner Eltern die Familie in verschiedene Universitätsstädte führten, darunter Iowa City und Cambridge. Er besuchte die Belmont High School in Belmont, bevor er sich an der Stanford University einschrieb. Hier erlangte er seinen Bachelor-Abschluss in Geschichte; seine Abschlussarbeit befasste sich mit der Mobilisierung der NS-Jugend unter der Betreuung des Historikers H. Stuart Hughes. Anschließend setzte er sein Psychologiestudium an der Yale University fort, wo er 1959 seinen Master of Science (M.S.) erlangte und 1962 zum Ph.D. in Persönlichkeits- und Sozialpsychologie promovierte. In Yale wurde er maßgeblich von seinem Doktorvater Howard Leventhal und dem Politikwissenschaftler Robert E. Lane beeinflusst, für den er als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Seitdem lehrt an der University of California, Los Angeles (UCLA); hier war er von 1983 bis 1992 auch Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften und von 1993 bis 2008 Direktor des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISSR).
Er arbeitete auf den Gebieten der Sozialpsychologie, der politischen Psychologie, zu intergruppalen Konflikten sowie Einstellungen und dem Lebenszyklus und speziell zu dem Bereich Rassismus in der Politik.
Bekannt wurde er durch die Entwicklung der Theorie des symbolischen Rassismus (symbolic racism). 1981 veröffentlichte er eine Arbeit, in der er argumentierte, dass eine neue, subtile Form des Rassismus die offene Diskriminierung aus der Jim-Crow-Ära in Amerika abgelöst habe. Symbolischer Rassismus, so die These, vermischt anti-schwarze Ressentiments mit traditionellen amerikanischen Werten wie Individualismus und Selbstständigkeit und manifestiert sich in der Ablehnung von Maßnahmen wie der Schulbusbeförderung oder der positiven Diskriminierung. Er ist die häufigste und politisch wirkungsvollste Form von Rassismus in der heutigen amerikanischen Politik. Er hat sich auch mit dem Konzept des Black Exzeptionalism auseinandergesetzt, demzufolge weiße Amerikaner Latinos und Amerikaner asiatischer Herkunft eher wie die europäischen Einwanderer vor einem Jahrhundert behandeln als Afroamerikaner, die weiterhin mit einer relativ undurchdringlichen Rassengrenze konfrontiert sind. Ein verwandter Forschungszweig untersucht die langfristigen Kontinuitäten der Rassenpolitik im Süden der USA. Insbesondere untersuchte er die Rolle des weißen Rassismus, der auf einer langen Geschichte rassistischer Feindseligkeiten im Süden der USA basiert und heute im christlichen Fundamentalismus verankert ist. Dieser Rassismus hat viele weiße Südstaatler erfolgreich zur Republikanischen Partei geführt.
Die von ihm entwickelte Theorie der symbolischen Politik besagt, dass langjährige symbolische Prädispositionen (wie Parteizugehörigkeit oder rassistische Einstellungen) die politische Meinung stärker beeinflussen als kurzfristige Abwägungen des persönlichen Eigeninteresses. Seine umfangreichen Forschungen ergaben, dass Eigeninteresse politische Präferenzen nur selten vorhersagt, es sei denn, die persönlichen Interessen sind außergewöhnlich klar und unmittelbar, wie beispielsweise bei Steuerrevolten.
Er hat sich auch mit dem Thema des Politischen Multikulturalismus auseinandergesetzt. Die zunehmende ethnische und rassische Vielfalt in den Vereinigten Staaten und in anderen westlichen Ländern hat Vorschläge für eine stärkere Anerkennung ethnischer und rassischer Identität in Politik, Recht und anderen sozialen Institutionen hervorgebracht, die aus der „multikulturellen“ Bewegung hervorgegangen sind. Dies warf für ihn eine Reihe wichtiger psychologischer Fragen auf, etwa zu den Determinanten einer starken ethnischen Identität, der Rolle der Auseinandersetzung mit der amerikanischen Rassenpolitik (im Gegensatz zu Assimilationstendenzen) für die langfristige Integration von Einwandererminderheiten, zu den komplexen Zusammenhängen zwischen amerikanischer und ethnischer Identität innerhalb ethnischer Minderheiten sowie den Determinanten der Einstellungen weißer Amerikaner zu Einwanderung, liberaler Sprachpolitik, positiver Diskriminierung und anderen ethnischen Förderrechten.
Zudem untersucht er die Auswirkungen von Terroranschlägen auf die Beziehungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Inland. Es wurde vielfach spekuliert, dass die Terroranschläge am 11. September 2001 zu einer Verringerung der Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten führten, da Amerikaner aller Glaubensrichtungen und Hautfarben in einer Einheitsfront zusammenrückten.
Er verfolgte zudem lebenszyklusbedingte Einflüsse auf Einstellungen. Dabei untersuchte er die Auswirkungen frühkindlicher politischer Sozialisation, insbesondere auf politisch wichtige Einstellungen wie Parteizugehörigkeit, Ideologie, Rassismus und ethnische Identität.
Er war seit 1961 verheiratet mit Cynthia Lovelace, die Ehe wurde 1970 geschieden. 2004 heiratete er seine ehemalige Schülerin und Freundin Carrie Powers († 29. Oktober 2010). Er hat drei Töchter: Juliet, Olivia und Meredith. Er lebt in Pacific Palisades und verbringt seine Sommerferien häufig am Lake Winnipesaukee in Moultonborough.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sears, David O. |
| ALTERNATIVNAMEN | Sears, David O'Keefe (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Psychologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 2. Juni 1935 |
| GEBURTSORT | Urbana |