
Davide Ghirlandaio (eigentlich Davide Bigordi, auch Davide del Ghirlandaio oder David Ghirlandaio;* 14. März 1452 in Florenz; † 10. April 1525 ebenda) war ein italienischer Maler, Zeichner und Mosaizist der Florentiner Renaissance. Giorgio Vasari beschrieb ihn in seinen Vite vor allem als für die organisatorischen und kaufmännischen Belange der gemeinsamen Werkstatt zuständig, während die künstlerische Führungsrolle bei seinem älteren Bruder Domenico Ghirlandaio gelegen habe. Die kunsthistorische Forschung des 20. und 21. Jahrhunderts hat diese Einschätzung teilweise revidiert, ohne jedoch zu einem einheitlichen Bild von Davides eigenständigem künstlerischem Profil zu gelangen. Aufgrund der geringen Zahl gesicherter eigenhändiger Werke und der engen Einbindung in die Werkstattproduktion Domenicos bleibt eine klare Umreißung seines Stils und seiner künstlerischen Bedeutung bis heute schwierig.
Davide Ghirlandaio war der zweite Sohn des Tommaso di Currado di Doffo Bigordi und dessen Frau Antonia. Er war der jüngere Bruder des Malers Domenico Ghirlandaio (1449–1494) und der ältere Bruder des Malers Benedetto Ghirlandaio (1458–1497). Ridolfo Ghirlandaio, der Sohn Domenicos, war sein Neffe. Ab Juni 1494 war Davide über seine Stiefschwester Alessandra, die den Maler Sebastiano Mainardi heiratete, mit diesem verschwägert. Davide war zweimal verheiratet: zunächst mit Caterina di Matteo d’Andrea di Gaburro und in zweiter Ehe mit Tommasa de’ Morsi.
Wie seine Brüder durchlief Davide zunächst eine Ausbildung zum Goldschmied. Für die Jahre 1472 und 1473 ist seine Mitgliedschaft in den Bruderschaften Compagnia di San Luca bzw. Compagnia di San Paolo belegt. In der väterlichen Steuererklärung von 1480 wird er als Gehilfe seines Bruders Domenico geführt. Ab 1475 ist Davides Mitwirkung an mehreren Wandbilddekorationen Domenicos durch vertragliche Absprachen beziehungsweise Zahlungsbelege dokumentiert, ohne dass sich daraus eine eigenständige künstlerische Handschrift ableiten ließe. Die früheste archivalische Erwähnung, in der Davide gemeinsam mit Domenico als Pictor bezeichnet wird, betrifft die zwischen 1475 und 1476 ausgeführte Ausmalung der Bibliothek Papst Sixtus IV. mit Darstellungen antiker Philosophen sowie von Kirchenvätern und Kirchenlehrern. Es folgten die Mitarbeit an den Abendmahlsdarstellungen im Refektorium der Badia di Passignano (1476) und in San Donato in Polverosa (1481; das Fresko wurde bereits 1529 zerstört) sowie an einer heute nicht mehr vorhandenen Tabernakelumrahmung für Santa Maria Maddalena dei Pazzi in Florenz (1483/84). Davide wird außerdem eine Beteiligung an der Ausstattung der Sassetti-Kapelle in Santa Trinita (vollendet 1485) sowie an Teilen des Freskos Die Berufung der ersten Jünger in der Sixtinischen Kapelle zugeschrieben. Dies ist jedoch nicht urkundlich belegt. Ein Hinweis darauf ist seine dokumentierte Abwesenheit von Florenz zwischen September 1481 und August 1482 im Mitgliederverzeichnis der Paulsbruderschaft. Der Vertrag über die Ausmalung der Tornabuoni-Kapelle in Santa Maria Novella (vollendet 1490) nennt ihn erneut an der Seite Domenicos.

Über den genauen Umfang von Davides eigenhändigem Anteil an den gemeinsam mit Domenico ausgeführten Werken lässt sich aufgrund der Quellenlage nur eingeschränkt urteilen. Nach dem Tod Domenicos im Jahr 1494 übernahm Davide dessen Werkstatt und die Fürsorge für seine Kinder, insbesondere für Ridolfo. Er vollendete mehrere unfertig gebliebene Werke seines Bruders, darunter Teile des Tornabuoni-Altars (Auferstehung Christi, heute in Berlin) und des von der Familie Malatesta in Auftrag gegebenen Altarbildes mit den Heiligen Sebastian, Vincenz Ferrer und Rochus (Rimini, Pinacoteca Comunale), wobei er auf weitere Werkstattmitarbeiter wie seinen Bruder Benedetto, Sebastiano Mainardi, Francesco Granacci und Jacopo del Tedesco zurückgriff.
Neben der Malerei war Davide vor allem als Mosaizist tätig. Sein planerischer Anteil an der 1489 begonnenen Mosaikdekoration der Porta della Mandorla am Dom von Florenz mit einer Verkündigungsdarstellung ist durch eine eigenhändige Entwurfszeichnung belegt. Ab 1491 war er an der Mosaikausstattung der Zenobius-Kapelle im Florentiner Dom beteiligt. Bei einem 1505 ausgeschriebenen Probestück für die Fortsetzung dieser Arbeiten unterlag er jedoch Monte di Giovanni del Fora. Zwischen 1491 und 1493 arbeitete er an einem Relief mit der Vermählung Mariens sowie an der Restaurierung der Fassadenmosaike des Doms von Orvieto. 1493/94 schuf er für den Dom von Siena eine Darstellung der Geburt Christi mit der Verkündigung an die Hirten. Im Jahr 1493 führte er Restaurierungsarbeiten am Apsismosaik des Doms von Pistoia aus. 1495 lieferte er gemeinsam mit seinem Bruder Benedetto den Karton für ein Glasfenster im Chor des Doms von Pisa, das die Krönung Mariä darstellt.
1503 gehörte Davide der Kommission an, die über die Aufstellung von Michelangelos David zu entscheiden hatte. Im selben Jahr entstand ein Tondo mit den Heiligen Petrus und Paulus für das Zimmer des Gonfaloniere im Palazzo Vecchio. In seinen letzten Lebensjahren trat sein Neffe Ridolfo zunehmend als eigenständiger und künstlerisch innovativer Kopf der Werkstatt hervor, beispielsweise bei der Madonna della Cintola im Dom von Prato und dem Verkündigungsmosaik über der Portallünette des Chiostrino dei Voti an der Basilika della Santissima Annunziata in Florenz. Davide Ghirlandaio starb am 10. April 1525 in Florenz.

Laut dem Thieme-Becker-Lexikon gilt die Tafel der Heiligen Lucia mit dem Stifter Tommaso Cortesi von 1494 in der Cappella Rucellai von Santa Maria Novella, die gemeinsam mit seinem Bruder Benedetto entstand, als das einzige dokumentarisch gesicherte eigenhändige Werk Davide Ghirlandaios. Vasari überliefert zudem ein Kreuzigungsfresko mit Heiligen in San Salvi in Florenz sowie eine Mosaik-Madonna, die sich heute im Musée national de la Renaissance in Écouen befindet, als eigenhändige Arbeiten. Auf dieser schmalen gesicherten Grundlage basiert die kunsthistorische Zuschreibung eines größeren Werkcorpus. Laut AKL zeigt dieses jedoch einen uneinheitlichen Stilcharakter und dessen Grenzen zum Œuvre des Sebastiano Mainardi und weiterer Werkstattmitarbeiter der Ghirlandaio-Werkstatt sind in der Forschung nicht abschließend geklärt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ghirlandaio, Davide |
| ALTERNATIVNAMEN | Bigordi, Davide |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Maler, Zeichner und Mosaizist der Florentiner Renaissance |
| GEBURTSDATUM | 14. März 1452 |
| GEBURTSORT | Florenz |
| STERBEDATUM | 10. April 1525 |
| STERBEORT | Florenz |