Der unendliche Plan (Originaltitel: El Plan Infinito) ist ein Roman von Isabel Allende. Er erschien erstmals 1991.
Gregory Reeves kommt als Kind mit seiner Familie in die USA. Diese führt ein nonkonformes, nomadisches Leben. Gregorys Vater arbeitet nämlich als Wanderprediger und steht den Lehren der Bahai nahe. Wegen einer Krankheit muss er diesen Lebensstil aufgeben, und er lässt sich in einem Barrio nieder, das überwiegend von Latinos bewohnt wird. Gregory merkt, dass er die Gewohnheiten seiner Nachbarn annehmen muss, um sich im Barrio zu behaupten. Gleichzeitig merkt er auch, dass er als weißer Europäer in den USA Privilegien genießt, die den anderen Ethnien verwehrt sind.
Um der Armut zu entfliehen, erziehen die Eltern Gregory zu einem ehrgeizigen Schüler, dem es später auch gelingt, einen Studienplatz in Berkeley zu bekommen. Die Zeit am College macht für eine kurze Dauer die Strapazen im Barrio vergessen. Allerdings lehrt ihn der anschließende Militärdienst in Vietnam wieder die Schattenseiten des Lebens kennen.
Nach seiner Rückkehr aus Vietnam fällt es Gregory Reeves schwer, wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Die Kriegserfahrungen haben tiefe seelische Spuren hinterlassen und beeinflussen sowohl seine Beziehungen als auch seinen beruflichen Werdegang. Immer wieder versucht er, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, verliert dabei jedoch zeitweise den Blick für seine eigenen Bedürfnisse.
Gregory hat eine Liebesbeziehung mit der Latina Carmen, die ihm auch in schweren Stunden Mut macht. In seiner späteren Karriere als Anwalt kommt Gregory immer wieder in einen moralischen Konflikt zwischen den Anforderungen der Realität und der Verwirklichung seiner Ideale.
Auch seine Ehe und das Familienleben werden von Konflikten überschattet. Gregory muss erkennen, dass materieller Erfolg und gesellschaftliches Ansehen nicht automatisch zu persönlichem Glück führen. Die Fehler, die er selbst erlebt hat, drohen sich in der nächsten Generation zu wiederholen, sodass er sich zunehmend mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss.
Gregorys beruflicher Erfolg kann nicht verhindern, dass seine Familie auseinanderzubrechen droht. Seine Tochter Margaret gerät in Kontakt mit Drogen und rutscht immer tiefer in die Sucht ab. Mehrfach versucht Gregory, ihr zu helfen und sie zu einer Therapie zu bewegen, doch seine emotionale Distanz und die Versäumnisse der Vergangenheit erschweren den Zugang zu ihr. Erst als Margaret an ihrem Tiefpunkt angekommen ist, beginnt sie langsam, einen Weg aus der Abhängigkeit zu finden.
Sein Sohn David reagiert dagegen auf die zerrütteten Familienverhältnisse mit Rückzug und Misstrauen. Nach der Trennung seiner Eltern lebt er überwiegend bei seiner Mutter Shannon und entfremdet sich zunehmend von Gregory. Erst nachdem Gregory beginnt, seine eigenen Fehler einzugestehen und Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen, nähern sich Vater und Sohn wieder an. David wird schließlich zu einer der wichtigsten Motivationen für Gregory, sein Leben grundlegend zu verändern und den Kreislauf aus Vernachlässigung und Enttäuschung zu durchbrechen.
Erst nach zahlreichen Krisen beginnt Gregory, sein Leben kritisch zu hinterfragen. Er sucht Versöhnung mit seiner eigenen Geschichte und erkennt, dass der „unendliche Plan“ seines Vaters weniger eine konkrete Lebensanleitung als vielmehr die Aufforderung ist, den eigenen Weg immer wieder neu zu suchen. Am Ende steht die Hoffnung auf persönliche Reife und einen Neuanfang.
Patricia Hart würdigt in ihrer Rezension in World Literature Today die erzählerische Kraft von Allendes viertem Roman. Sie hebt besonders die ungewöhnliche Perspektive hervor, mit der Allende die Geschichte eines männlichen Protagonisten sowie die Erfahrungen von Menschen am gesellschaftlichen Rand der US-amerikanischen Gesellschaft erzählt. Positiv bewertet sie die vielschichtige Darstellung der Figuren, insbesondere Carmen Morales, deren Lebensweg und Kampf um Selbstbestimmung sie als besonders gelungen hervorhebt. Kritisch merkt Hart an, dass Reeves’ Entwicklung am Ende etwas unvermittelt wirkt und einzelne historische Details sowie erzählerische Wendungen nicht immer vollständig überzeugen.
Auch die deutschsprachige Rezeption betonte die besondere Erzählweise des Romans. Sibylle Burkert schreibt in der taz:
„Wie auch die anderen Romane Isabel Allendes („Von Licht und Schatten“, „Eva Luna“) ist das neue Buch nicht frei von Sentimentalität und einem Hang zum Kitsch. Aber da sie sich in ihrer Erzählweise konsequent dazu bekennt, kann man sich als Leserin einfach darauf einlassen. Die Frage, ob es nicht tatsächlich einen unendlichen Plan gibt, der losgelöst von uns existiert und nach dem wir zu leben gezwungen sind, kann jeder Leser und jede Leserin nur selbst beantworten.“