Detlef Bald

Detlef Bald (2015)

Detlef Bald (* 1. Mai 1941 in Plettenberg) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Militärhistoriker. Von 1971 bis 1996 war er wissenschaftlicher Direktor am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in München. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Publizist schwerpunktmäßig im Bereich der Friedensforschung tätig, zudem zum Widerstand der Weißen Rose und zu Dietrich Bonhoeffer.

Leben

Balds Vorfahren stammen aus dem Sauerland. Er wurde 1941 im westfälischen Plettenberg geboren. Sein Großvater war in der Eisenverarbeitung tätig. während der Zeit des Nationalsozialismus war sein Vater Hugo HJ-Gebietsführer in Bochum, die Mutter distanzierte sich nach Kriegsausbruch vom Bund Deutscher Mädel. Bald war bis November 2019 verheiratet mit Brunhild Bald, geb. Preuß.

Ab 1952 wuchs er in Essen auf und besuchte das Gymnasium Essen-Werden. Während der Schulzeit war er Schulsprecher und Herausgeber der Schülerzeitung. Nach dem Abitur 1962 studierte er Politische Wissenschaft und Geschichte sowie Pädagogik, Philosophie und Anglistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Wissenschaftler wie Arnold Bergstraesser, Gerhard Ritter und Hans-Günter Zmarzlik prägten sein generalistisch ausgerichtetes Studium. 1965 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am neugegründeten Arnold-Bergstraesser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung in Freiburg, das von Dieter Oberndörfer geleitet wurde. Dort wandte er sich der Entwicklungspolitik zu, inklusive Archivstudien in London. Bald war auch in der studentischen Selbstverwaltung tätig, als Sprecher der Historischen Fachschaft und als Mitglied im AStA. 1966/67 legte er das 1. Staatsexamen ab.

Von 1967 bis 1970 war er wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Politische Bildung der Universität Frankfurt am Main, verbunden mit einem Lehrauftrag für das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland, die internationale Lage und Entwicklungsländer. Diese Zeit weckte maßgeblich sein Interesse an Internationaler Politik. Angeregt durch Oberndörfer und Gottfried Schramm begann er 1967 an der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg seine Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation Deutsch-Ostafrika 1900–1914. Eine Studie über Verwaltung, Wirtschaft und Interessengruppen, die er 1969 einreichte.

Statt einen akademischen Werdegang weiter zu verfolgen, entschied er sich für das bisher neue Themenfeld Militär und ging dafür an das durch Thomas Ellwein aufgebaute Wissenschaftliche Institut für Erziehung und Bildung in den Streitkräften. Dort arbeitete er dem damaligen Bundesminister der Verteidigung Helmut Schmidt (SPD) zu dessen Bildungsreformen in den Streitkräften zu und knüpfte im Rahmen seiner Tätigkeit internationale Kontakte zu Militärsoziologen. Von 1971 bis 1996 war er wissenschaftlicher Direktor und ab 1975 Leiter des Projektbereichs „Militär und Gesellschaft“ am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr (SOWI) in München. Er wurde zudem Mitglied und zeitweise Vorsitzender des Arbeitskreises Militär und Sozialwissenschaften (AMS). Der AMS initiierte die Reihe Militär und Sozialwissenschaften im Nomos Verlag. Insbesondere der Bundeswehrgeneral Wolf von Baudissin hatte mit dem Konzept der Inneren Führung großen Einfluss auf Balds Arbeit. Bald hatte ab 1972 einen Lehrauftrag für Internationale Politik bei Gottfried-Karl Kindermann am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München inne.

In den 1970er-Jahren knüpfte er Kontakte mit dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH), wo er in der Forschungsgruppe „Demokratisierung von Streitkräften“ (DemoS) aktiv wurde. Bald wurde Mitherausgeber, dann Beiratsmitglied, der Zeitschrift Sicherheit und Frieden, Mitherausgeber des Jahrbuchs für Historische Friedensforschung und der Buchreihe Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung sowie Sprecher des Arbeitskreises Historische Friedensforschung. Außerdem engagierte er sich in der Evangelischen Akademie Tutzing. Er publizierte in Zeitschriften wie Wissenschaft und Frieden, Mittelweg 36 und Blätter für deutsche und internationale Politik. Mit Gründung der (Vierteljahresschrift für) Sicherheit und Frieden (S+F) am Hamburger Institut war er 20 Jahre lang Mitherausgeber und bis zur Einstellung Ende 2020 im Beirat von S + F. Bald wurde Mitglied des Förderkreises des antimilitaristischen Arbeitskreises Darmstädter Signal und trat als Referent u. a. bei der AG Friedensforschung auf.

Er avancierte zum Kritiker der Traditionspflege in der Bundeswehr. Im Juni 1998 forderte er anlässlich des Forums Innere Führung in Bonn in seiner vor hochrangigen Offizieren gehaltenen und nachträglich kritisierten Rede nachdrücklich Reformen im Generalstabslehrgang und in der militärischen Ausbildung ein. Bald war häufiger Interviewpartner zu kritischen Berichten zur Bundeswehr in den Magazinen Panorama, monitor, in Sendungen des BR, beim NDR und beim Deutschlandfunk. Seit 1996 ist er als freischaffender Historiker und Publizist in München tätig. Er veröffentlichte mehrere Werke zur Militär- und Zeitgeschichte sowie zu friedenspolitischen Themen, die vornehmlich als Arbeitspapiere beim SOWI sowie als Bücher beim Aufbau-Verlag, Klartext Verlag und Nomos Verlag erschienen sind. Bald war nicht nur ein militär- und sicherheitspolitisch orientierter Historiker, ein weiterer Arbeitsschwerpunkt seit Ende der 90er Jahre war Widerstand mit Bezug nach München: die Weiße Rose. Seine Archivstudien eröffneten neue Perspektiven. Danach folgte die Konzentration auf Leben und Werk von Dietrich Bonhoeffer. Seine Ergebnisse wurden vorrangig in der Zeitschrift „Verantwortung“ veröffentlicht. Bald hat sich ehrenamtlich im Bereich des Protestantismus engagiert. In den 90er Jahren war er Mitglied der Münchner Synode, seitdem auch im Vorstand des Evangelischen Bildungswerks und anderer landeskirchlicher Gremien. In den Jahren der Vorbereitung und des Aufbaus der Synagoge und des jüdischen Gemeindezentrums am St.-Jakobs-Platz war er aktiv im Vorstand des Fördervereins. Seit 2008 gehörte er zum Vorstand des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins (dbv); von 2015 bis 2019 hatte er dessen Vorsitz inne. Im Jahr 2002 wurde ihm von der Landeshauptstadt München für sein friedenspolitische Engagement die Bürgermedaille München leuchtet verliehen.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Andreas Prüfert (Hrsg.): Im Dienste einer neuen Friedenskultur: Festschrift für Detlef Bald. Werk und Bibliographie (= Forum innere Führung, Band 18). Nomos, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8297-X, S. 91 ff.
  2. ↑ Mitarbeiter dieses Heftes. In: Marine-Rundschau 74 (1977) 1, S. xi.
  3. ↑ Detlef Bald: Deutsch-Ostafrika 1900–1914. München 1970, S. 243.
  4. ↑ Detlef Bald: Deutsch-Ostafrika 1900–1914. München 1970, S. 12.
  5. ↑ Referent: Dr. Detlef Bald, Stiftung Demokratie Saarland, abgerufen am 5. März 2014.
  6. ↑ Detlef Bald: Generalstabsausbildung in der Demokratie. Koblenz 1984, S. 252.
  7. ↑ Detlef Bald et al.: Zurückgestutzt, sinnentleert, unverstanden. Die innere Führung der Bundeswehr. Baden-Baden 2008, S. 169.
  8. ↑ Beirat, Sicherheit und Frieden, abgerufen am 4. März 2014.
  9. ↑ Jahrbuch für Historische Friedensforschung, H-Soz-u-Kult, abgerufen am 4. März 2014.
  10. ↑ Förderkreis Vorstellung, Darmstädter Signal, abgerufen am 4. März 2014.
  11. ↑ Der 20. Friedenspolitische Ratschlag tagt in Kassel, Pressemitteilung der AG Friedensforschung und des Bundesausschusses Friedensratschlag, 3. Dezember 2013.
  12. 1 2 Edo Reents: Aufklärung unerwünscht. Militärhistoriker Detlef Bald übte immer wieder Kritik an der Bundeswehr und bekommt nun keinen Lehrauftrag mehr. In: Süddeutsche Zeitung, 21. Dezember 1998, S. 6.
Personendaten
NAME Bald, Detlef
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politologe, Publizist und Historiker
GEBURTSDATUM 1. Mai 1941
GEBURTSORT Plettenberg